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»Willkommen«, begrüßte Egwene sie. »Bitte nehmt Platz.«

»Wir stehen«, sagte Shielyn. Ihre Stimme klang angespannt.

»Wer ist das, Egwene al’Vere?«, fragte Amys. »Kinder sollten Tel’aran’rhiod nicht besuchen. Das ist kein verlassener Sandmaulwurfsbau, den man erforschen kann.«

»Kinder?«, fragte Shielyn.

»Ihr seid hier Kinder, Feuchtländerin.«

»Amys, bitte«, mischte sich Egwene ein. »Ich habe ihnen Ter’angreale geliehen, damit sie herkommen können. Es war nötig.«

»Wir hätten uns außerhalb der Welt der Träume treffen können«, sagte Bair. »Mitten auf einem Schlachtfeld wäre es sicherer gewesen.«

Tatsächlich kannten sich die Windsucherinnen nur rudimentär mit Tel’aran’rhiod aus. Ihre helle Kleidung veränderte ständig die Farbe – tatsächlich verschwand Renailes Bluse gerade, als sie hinschaute. Unwillkürlich errötete Egwene, obwohl Elayne erwähnt hatte, dass die Männer und Frauen des Meervolkes auf den Wellen oberhalb der Taille keine Faser Stoff trugen. Einen Moment später war die Bluse wieder da. Auch ihr Schmuck schien in ständiger Bewegung zu sein.

»Es gibt Gründe, warum ich tat, was ich tat, Amys«, sagte Egwene und setzte sich. »Shielyn din Sabura Nachtwasser und ihre Schwestern sind über die Gefahren dieses Ortes unterrichtet worden und haben die Verantwortung für ihre Sicherheit akzeptiert.«

»Als würde man einem Kind eine Fackel und ein Fass Öl geben«, murmelte Melaine, »und dann behaupten, man hätte ihm die Verantwortung für seine eigene Sicherheit übertragen.«

»Müssen wir uns diesen Zank anhören, Mutter?«, fragte Yukiri.

Egwene nahm einen beruhigenden Atemzug. »Bitte, Ihr seid die Anführer Eurer Leute, Frauen mit dem Ruf großer Weisheit und Klugheit. Können wir nicht wenigstens höflich miteinander umgehen?« Egwene wandte sich dem Meervolk zu. »Windsucherin Shielyn, Ihr habt meine Einladung angenommen. Sicherlich wollt Ihr meine Gastfreundschaft doch nicht ablehnen, indem Ihr die ganze Zeit steht?«

Die Frau zögerte. Sie schien sehr stolz zu sein; die kürzliche Zusammenarbeit zwischen Aes Sedai und Meervolk hatte sie mutig gemacht. Egwene unterdrückte ihre aufkeimende Wut; die Einzelheiten der Abmachung wegen der Schale der Winde gefielen ihr nicht im Mindesten. Nynaeve und Elayne hätten es besser wissen sollen. Sie …

Nein. Elayne und Nynaeve hatten ihr Bestes getan und unter einer ungewöhnlichen Belastung gestanden. Davon abgesehen war jede Verhandlung mit dem Meervolk angeblich nur einen Schritt weniger gefährlich als ein Handel mit dem Dunklen König.

Schließlich nickte Shielyn knapp, auch wenn ihre Bluse während ihres Nachdenkens mehrmals die Farbe gewechselt hatte und schließlich blutrot blieb, während ihr Schmuck ständig erschien und sich wieder auflöste. »Also gut. Für das Geschenk dieses Ortes stehen wir in Eurer Schuld, und wir nehmen Eure Gastfreundschaft an.« Sie setzte sich auf einen Stuhl, der ein Stück von Egwene und den anderen Aes Sedai entfernt stand, und ihre Begleiterinnen folgten ihrem Beispiel.

Egwene stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus und erschuf mehrere kleine Tische mit Tassen mit warmem würzigen Tee. Die Windsucherinnen zuckten zusammen, aber die Weisen Frauen blieben ungerührt. Allerdings griff Amys nach ihrer Tasse und verwandelte den Rosenblütentee in eine wesentlich dunklere Sorte.

»Vielleicht verratet Ihr uns den Zweck dieser Zusammenkunft«, sagte Bair und trank ihren Tee. Das Meervolk rührte die Tassen nicht an, obwohl die Aes Sedai ebenfalls tranken.

»Den haben wir bereits erahnt«, sagte Shielyn. »Diese Konfrontation ist unausweichlich, auch wenn ich bei den Winden wünschte, dass es nicht so wäre.«

»Nun, dann sprecht«, sagte Yukiri. »Worum geht es?«

Shielyn richtete ihre Aufmerksamkeit auf Egwene. »Seit vielen Jahreszeiten und Gezeiten haben wir die Natur unserer Windsuche vor den Aes Sedai verborgen. Die Weiße Burg atmet ein, aber sie atmet nicht aus – das, was hereingebracht wird, darf nie wieder hinaus. Jetzt, da Ihr von uns wisst, wollt Ihr uns, denn Ihr ertragt den Gedanken einfach nicht, dass es Frauen gibt, die unabhängig von Euch die Macht lenken können. «

Die Aes Sedai runzelten die Stirn. Aber Melaine nickte zustimmend, was Egwene keineswegs entging. Diese Worte entsprachen durchaus der Wahrheit, wenn sie auch nur eine Seite des Problems ansprachen. Wäre ihnen doch nur klar gewesen, wie nützlich die Ausbildung in der Weißen Burg sein würde, und dass es für die Menschen da draußen so ungemein wichtig war, zu wissen, dass man sich um Machtlenker kümmerte und sie ausbildete …

Aber Egwene fand diese Einstellung hohl. Das Meervolk hatte seine eigenen Traditionen und wusste seine Machtlenkerinnen auch ohne jede Regulierung durch die Weiße Burg vernünftig einzusetzen. Sie hatte nicht so viel Zeit mit dem Meervolk verbracht wie Nynaeve oder Elayne, aber sie hatte die Berichte gelesen. Windsucherinnen kannten sich mit vielen Geweben nicht aus, aber ihre Fertigkeiten mit bestimmten Geweben – vor allem mit Geweben, bei denen es um Luft ging – waren weitaus weiterentwickelt als die der Aes Sedai.

Diese Frauen verdienten die Wahrheit. Denn war es schließlich nicht genau das, wofür die Weiße Burg und die Drei Eide standen? »Ihr habt recht, Shielyn din Sabura Nachtwasser«, sagte sie. »Und Euer Volk hat klug darin gehandelt, seine Fähigkeiten vor den Aes Sedai zu verbergen.«

Yukiri keuchte auf, eine für eine Aes Sedai sehr ungewöhnliche Reaktion. Shielyn erstarrte, und die Kette, die von ihrem Ohr zur Nase führte, klirrte leise, als die Medaillons aneinanderstießen. Ihre Bluse nahm blaue Farbe an. »Was?«

»Das war vermutlich sehr klug«, sagte Egwene. »Ich würde mir nicht anmaßen, meine Vorgängerinnen als Amyrlin anzuzweifeln, aber man könnte so argumentieren. Vielleicht waren wir in der Kontrolle der Frauen, die die Eine Macht lenken können, etwas übereifrig. Es ist offensichtlich, dass die Windsucherinnen sich sehr gut selbst ausgebildet haben. Ich bin der Ansicht, dass die Weiße Burg viel von Euch lernen könnte.«

Shielyn lehnte sich zurück und musterte Egwene. Egwene erwiderte ihren Blick und hielt ihre Miene ausdruckslos. Sieh, dass ich resolut bin, dachte sie. Sieh, dass ich meine, was ich sage. Das ist keine Schmeichelei. Ich bin Aes Sedai. Ich spreche die Wahrheit.

»Nun«, sagte Shielyn. »Vielleicht könnten wir einen Vertrag schließen, der uns erlauben würde, Eure Frauen auszubilden.«

Egwene lächelte. »Ich hatte gehofft, dass Ihr die Vorteile seht, die das bringen könnte.« Die anderen drei Aes Sedai sahen sie mit gelinder Feindseligkeit an. Nun, sie würden das noch begreifen. Wollte man die Oberhand gewinnen, dann war es immer noch die beste Methode, Erwartungen durchzuschütteln wie Wasserkäfer in einem Glas.

»Und doch gebt Ihr zu, dass die Weiße Burg Dinge weiß, die Euch unbekannt sind«, fuhr Egwene fort. »Sonst würdet Ihr Euch nicht um eine Abmachung bemühen, dass unsere Frauen Eure Windsucherinnen ausbilden.«

»Diese Abmachung werden wir nicht zurücknehmen«, sagte Shielyn schnell.

»Das erwarte ich auch nicht«, sagte Egwene. »Es ist gut, dass Ihr jetzt Aes Sedai-Lehrerinnen habt. Die, die mit Euch diesen Handel abschlossen, haben etwas Unerwartetes erreicht. «

Wahre Worte, jedes einzelne davon. Aber ihre Formulierung implizierte mehr – dass sie gewollt hatte, dass man Aes Sedai auf die Schiffe des Meervolks schickte. Shielyns Stirnrunzeln vertiefte sich, und sie lehnte sich wieder zurück. Egwene hoffte, dass sie nun darüber nachgrübelte, ob der großartige Sieg ihrer Leute bei der Schale der Winde nicht von Anfang an so geplant gewesen war.

»Ich bin sogar der Ansicht, dass die vorherige Übereinkunft nicht weitgehend genug war«, fuhr sie fort. Sie wandte sich den Weisen Frauen zu. »Amys, stimmt Ihr mir nicht zu, dass die Aes Sedai Gewebe kennen, die den Weisen Frauen unbekannt sind?«