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Der dunkelhäutige Mazone drehte sich um, um zu gehorchen, während sich Celark mit entschlossener Miene in den Kampf stürzte.

Die Blutmesser bewegten sich wellenförmig. Mit Katze auf heißem Sand wollte Gawyn ihre Fertigkeiten in Erfahrung bringen, aber jeder Hieb traf nur die Luft. Seine Augen schmerzten bereits von dem Versuch, den Gestalten zu folgen.

Celark griff von hinten an, war aber genauso unbeholfen wie Gawyn. Gawyn biss die Zähne zusammen und kämpfte mit dem Rücken zum Bett. Er musste sie lange genug von Egwene fernhalten, bis Hilfe eintraf. Falls es ihm gelang …

Beide Gestalten verdrehten sich plötzlich und schlugen gemeinsam auf Celark ein. Der Mann hatte kaum noch Zeit für einen Fluch, bevor ihn eine Klinge am Hals traf und helles Blut spritzte. Gawyn brüllte erneut, wählte Eidechse im Dornhusch und zielte nach den Rücken der Attentäter.

Wieder schlugen seine Angriffe fehl. Es hatte den Anschein, als würde er sie nur um Haaresbreite verfehlen. Celark taumelte gurgelnd zu Boden, sein Blut schimmerte im Lampenlicht. Und Gawyn konnte nicht vortreten, um ihn zu verteidigen. Nicht ohne Egwene schutzlos preiszugeben.

Einer der Attentäter wandte sich wieder Gawyn zu, während der andere Celark mit einem Hieb enthauptete, der trotz der Schatten große Ähnlichkeit mit Der Fluss unterspült das Ufer hatte. Gawyn trat zurück und versuchte, nicht zu dem Toten hinzusehen. Verteidigung. Er musste nur verteidigen, bis Hilfe kam! Er schob sich zur Seite.

Die Seanchaner waren vorsichtig; sie wussten, dass er schon einmal einen von ihnen abgewehrt hatte. Aber alle Vorteile befanden sich auf ihrer Seite. Gawyn war nicht überzeugt, gegen zwei von ihnen standhalten zu können.

Doch, das wirst du, befahl er sich streng. Wenn du fällst, stirbt Egwene.

Hatte sich im Nachbarzimmer etwas bewegt? War die Verstärkung eingetroffen? Hoffnung schoss in Gawyn hoch, und er machte einen Schritt zur Seite. Von dort konnte er Mazones blutenden Körper auf dem Boden liegen sehen.

Eine dritte schattenverhüllte Gestalt glitt ins Zimmer und schloss hinter sich die Tür, verriegelte sie. Darum hatten die beiden anderen gezögert. Sie hatten warten wollen, bis ihr Verbündeter eintraf.

Dann griffen sie zu dritt an.

Perrin ließ dem Wolf freie Bahn.

Dieses eine Mal macht er sich keine Sorgen darüber, was das mit ihm anstellen würde. Er ließ einfach zu, er selbst zu sein, und als er kämpfte, schien die Welt um ihn herum genau richtig zu werden.

Vielleicht weil sie sich seinem Willen unterwarf.

Junger Bulle sprang von einem Dach in Tar Valon, kraftvolle Hinterbeine katapultierten ihn in die Luft, den Ter’angreaZ-Beutel auf dem Rücken befestigt. Er schwebte über eine Straße hinweg und landete auf einem weißen Marmordach mit Gruppen aus Statuetten am Rand. Er rollte sich ab und kam – das Ter’angreal an der Taille festgeschnallt – als Mann auf die Füße, schwang den Hammer.

Der Schlächter verschwand, bevor ihn der Hammer traf, erschien neben Perrin. Perrin verschwand, als der Schlächter ausholte, erschien links von ihm. Sie bewegten sich hin und her, umkreisten einander, verschwanden und tauchten wieder auf, versuchten mühsam einen Treffer zu landen.

Perrin warf sich aus dem Kreislauf und versetzte sich an eine Stelle neben einer der großen Statuen auf dem Dach, einen pompös aussehenden General. Er schlug mit dem Hammer darauf ein und verstärkte die Kraft des Hiebes. Steinsplitter flogen dem Schlächter entgegen. Der Wolfstöter erschien aus dem Nichts und erwartete Perrin neben sich zu finden. Stattdessen hagelten Steine und Staub auf ihn herab.

Der Schlächter schrie auf, als ein paar Splitter seine Haut aufschnitten. Augenblicklich wurde sein Umhang so widerstandsfähig wie Stahl und ließ die Steine abprallen. Er schlug ihn zurück, und das ganze Gebäude fing an zu beben. Fluchend sprang Perrin in die Höhe, als das Dach einstürzte.

Er flog durch die Luft und wurde zum Wolf, bevor er auf einem Dach in der Nähe landete. Der Schlächter erschien mit gespanntem Bogen direkt vor ihm. Junger Bulle knurrte und stellte sich eine Windböe vor, aber der Schlächter schoss nicht. Er stand da, als wäre er … als wäre er bloß eine Statue.

Perrin fluchte und fuhr herum, während ein Pfeil an ihm vorbeischoss und seine Taille nur knapp verfehlte. Der echte Schlächter stand ein kurzes Stück entfernt; er verschwand und ließ die erstaunlich detaillierte Statue, die er erschaffen hatte, um Perrin abzulenken, zurück.

Perrin holte tief Luft und ließ den Schweiß von seiner Stirn verschwinden. Der Schlächter konnte ihn aus jeder Richtung angreifen. Er stemmte den Rücken gegen eine Wand und blieb angespannt stehen, musterte das Dach. Die Kuppel über ihm bewegte sich. Daran hatte er sich gewöhnt – sie bewegte sich zusammen mit ihm.

Aber er bewegte sich nicht.

Voller Panik sah er an sich herab. Die Tasche war verschwunden – der Pfeil des Schlächters hatte sie abgeschnitten. Perrin raste zum Dachrand. Unten rannte der Schlächter die Straße entlang, die Tasche in der Hand.

Aus einer Gasse sprang ein Wolf und schleuderte den Schlächter zu Boden. Springer.

Einen Augenblick später war Perrin da und griff an. Der Schlächter fluchte, verschwand unter Springer und erschien am Ende der Straße. Er ergriff die Flucht und hinterließ nur einen Schemen.

Perrin folgte ihm. Springer schloss sich ihm an. Wie hast du mich gefunden?, fragte Perrin.

Ihr seid beide alberne Welpen, übermittelte Springer. Sehr laut. Wie fauchende Katzen. Leicht zu finden.

Er hatte Springer absichtlich nicht gezeigt, wo er war. Nachdem er Eichentänzerin hatte sterben sehen… nun, das war Perrins Kampf. Da das Ter’angreal nun aus Ghealdan weg war und seine Leute entkamen, wollte er nicht das Leben weiterer Wölfe riskieren.

Nicht, dass Springer gehen würde, wenn er ihm das befahl. Knurrend jagte Perrin dem Schlächter hinterher, den Wolf an seiner Seite.

Egwene hockte keuchend an der Korridorwand; Schweiß tropfte von ihrer Stirn. Gegenüber von ihr kühlten von einer Feuerkugel geschmolzene Steintropfen.

Im Turmkorridor breitete sich Stille aus. An der Wand flackerten ein paar Lampen. Durch ein Fenster konnte sie den purpurnen Himmel zwischen dem Turm und den dunklen Wolken sehen. Der Kampf schien schon Stunden zu dauern, obwohl es vermutlich nur fünfzehn Minuten gewesen waren. Die Weisen Frauen hatte sie aus den Augen verloren.

Langsam schlich sie vorwärts und machte ihre Schritte mit dem Gewebe gegen Lauscher lautlos, bis sie eine Ecke erreichte und einen Blick riskierte. In beiden Richtungen herrschte Dunkelheit. Egwene schlich vorsichtig, aber entschlossen weiter. Die Weiße Burg war ihre Domäne. Sie fühlte sich überfallen, genau wie bei den Seanchanern. Aber dieser Kampf unterschied sich sehr von der Abwehr der Seanchaner. Damals war der Feind kühn und leicht zu entdecken gewesen.

Schwacher Lichtschein erschien unter einem Türspalt voraus. Mit vorbereiteten Geweben versetzte sie sich in den Raum. Zwei Frauen flüsterten dort miteinander, eine hielt eine Lichtkugel. Evanellein und Mestra, zwei der Schwarzen Schwestern, die aus der Weißen Burg geflohen waren.

Egwene griff mit einem Feuerball an, der Mestra in ein Inferno tauchte und vernichtete. Evanellein schrie auf, und Egwene wandte einen Trick an, den Nynaeve ihr beigebracht hatte – in Gedanken stellte sie sich eine völlig debile Evanellein vor, unfähig zu denken, unfähig zu reagieren.

Ein glasiger Blick trat in die Augen der Frau, ihr Mund schloss sich nicht mehr. Gedanken waren schneller als Gewebe. Egwene zögerte. Und nun? Sie töten, während sie sich nicht verteidigen konnte? Bei der Vorstellung drehte sich ihr der Magen um. Ich könnte sie gefangen nehmen. Und dann …

Jemand erschien im Zimmer. Sie trug Schwarz, ein prächtiges Gewand mit Silberbesatz. Dunkelheit aus wirbelnden Stoffstreifen umwehte sie, bauschte den Rock auf. Der Effekt war unnatürlich und eindrucksvoll, allein hier in Tel’aran’rhiod möglich.