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»Kehrt nach oben zurück und konzentriert alles darauf, die Frau Egwene al’Vere gefangen zu nehmen«, befahl Mesaana. »Sie wird wissen, wo das Gerät ist.« Ja, das war ihr jetzt klar. Mit einer einzigen Handlung würde sie zwei Siege erringen.

»Ja … Herrin …« Katerine duckte sich noch immer zusammen, während die Peitschenhiebe aus Luft auf ihrem Rücken niederprasselten. Ach ja. Mesaana winkte knapp und löste das Gewebe auf. Dabei kam ihr ein Gedanke.

»Wartet einen Moment«, sagte sie zu Katerine. »Ich werde Euch mit einem Gewebe ausstaffieren …«

Perrin erschien auf der Turmspitze der Weißen Burg.

Der Schlächter hielt Springer am Nackenfell gepackt. Ein Pfeil steckte im Leib des Wolfes; Blut floss über seine Pfote. Wind wehte, erfasste das Blut und sprühte es über die Steine.

»Springer!« Perrin machte einen Schritt auf ihn zu. Noch konnte er Springers Gedanken spüren, aber sie waren schwach.

Der Schlächter stemmte den Wolf in die Höhe. Er hob das Messer.

»Nein«, sagte Perrin. »Du hast, was du willst. Geh einfach.«

»Und was du vorhin gesagt hast?«, fragte der Schlächter. »Dass du weißt, wo ich hingehe und mir folgst? Der Traumnagel ist auf dieser Seite zu leicht zu finden.«

Und er warf den Wolf lässig über den Turmrand.

»NEIN!«, brüllte Perrin. Er sprang zum Rand, aber der Schlächter erschien neben ihm, packte ihn, hob den Dolch. Der Sprung stieß sie beide vom Turm. Perrins Magen machte einen Satz, als sie stürzten.

Er wollte sich versetzen, aber der Schlächter hielt ihn gepackt, und er versuchte mit aller Kraft, sie dort festzuhalten. Kurz erbebten beide, aber sie fielen weiter.

Der Schlächter war so stark. Er roch verkehrt, abgestanden und nach Wolfsblut. Sein Messer suchte Perrins Kehle, und ihm fiel nichts Besseres ein, als es mit dem Arm abzuwehren und sein Hemd so hart wie Stahl zu denken.

Der Schlächter verstärkte den Druck. Perrin erlebte einen Augenblick der Schwäche, die Verletzung auf seiner Brust pochte, während er und sein Feind in die Tiefe stürzten. Das Messer durchdrang den Ärmel und stieß in seinen Unterarm.

Perrin schrie auf. Der Wind war so laut. Nur wenige Sekunden waren vergangen. Der Schlächter riss das Messer heraus.

Springer!

Aufbrüllend trat Perrin nach dem Schlächter, stieß ihn weg, brach seinen Griff. Mit brennendem Arm drehte er sich in der Luft. Der Boden schoss auf sie zu. Er zwang sich an einen anderen Ort und erschien direkt unter Springer, packte den Wolf und krachte in die Erde. Seine Knie gaben nach; um ihn herum zersprang der Boden. Aber er legte Springer sicher ab.

Ein schwarzgefiedeter Pfeil sauste aus dem Himmel und traf Springers Rücken, durchbohrte seinen Körper und grub sich in Perrins Oberschenkel, der sich direkt unter dem Wolf befand.

Perrin schrie auf, als sich sein eigener Schmerz mit der plötzlichen Woge der Pein vermengte. Der Geist des Wolfes verblich.

»Nein!«, übermittelte Perrin mit Tränen in den Augen. Junger Bulle…

Perrin versuchte sich zu versetzen, aber sein Verstand war benebelt. Gleich würde der nächste Pfeil einschlagen. Das wusste er. Er schaffte es auszuweichen, als das Geschoss in den Boden einschlug, aber sein Bein ließ ihn im Stich und Springer war so schwer. Perrin stürzte zu Boden und ließ den Wolf fallen, der davonrollte.

Ein kurzes Stück entfernt landete der Schlächter, den langen bösartigen schwarzen Bogen in der Hand. »Leb wohl, Aybara.« Er hob den Bogen. » Sieht so aus, als würde ich heute fünf Wölfe töten.«

Perrin starrte zu dem Pfeil hoch. Alles war verschwommen.

Ich kann Faile nicht verlassen. Ich kann Springer nicht verlassen.

Ich werde es nicht!

Als der Schlächter die Sehne losließ, stellte sich Perrin verzweifelt stark vor, nicht schwach. Er fühlte, wie sein Herz wieder gesund wurde, sich seine Adern mit Kraft füllten. Er schrie, sein Kopf klärte sich lange genug, dass er sich versetzen und hinter dem Schlächter wieder auftauchen lassen konnte.

Er schwang den Hammer.

Der Schlächter drehte sich lässig um und wehrte ihn mit dem Arm ab, der so unfassbar stark war. Perrin fiel auf ein Knie, und der Schmerz in seinem Bein war noch immer da. Er keuchte auf.

»Du kannst dich nicht selbst heilen«, sagte der Schlächter. »Es gibt viele Möglichkeiten, aber sich einfach gesund vorzustellen funktioniert nicht. Allerdings scheinst du herausgefunden zu haben, wie du dein Blut auffrischst, was nützlich ist.«

Perrin roch etwas. Schrecken. War es sein eigener?

Nein. Nein, da. Hinter dem Schlächter hatte sich eine Tür in die Weiße Burg geöffnet. Sie zeigte Finsternis. Nicht nur Schatten. Finsternis. Perrin hatte genügend mit Springer geübt, um zu erkennen, worum es sich handelte.

Ein Albtraum.

Als der Schlächter den Mund öffnete, um etwas zu sagen, knurrte Perrin und warf sein ganzes Gewicht nach vorn, krachte in seinen Todfeind hinein. Sein Bein schrie vor Schmerz auf.

Sie stolperten direkt in die Finsternis des Albtraums.

38

Verletzungen

Blitze zuckten durch die dunklen Gänge der Weißen Burg und hinterließen Rauchwolken, die dicht und stinkend durch die Luft wogten. Menschen schrien und brüllten und fluchten. Die Wände erzitterten bei jedem Treffer; Steinsplitter wurden von Geweben aus Luft zurückgeschleudert, die zum Schutz erschaffen worden waren.

Da. Egwene bemerkte eine Stelle, an der mehrere Schwarze Schwestern Feuer in einen Korridor schleuderten. Evanellein war dabei.

Egwene versetzte sich in das Zimmer, das sich neben dem befand, in dem sie standen; sie konnte sie auf der anderen Seite der Wand hören. Sie öffnete die Hände und schickte einen mächtigen Stoß Erde und Feuer direkt gegen die Wand und zerschmetterte sie.

Die davorstehenden Frauen stolperten und stürzten. Evanellein brach blutüberströmt zusammen. Die anderen Frauen waren schnell genug, sich an einen anderen Ort zu versetzen.

Egwene vergewisserte sich, dass Evanellein tot war. Sie war es. Egwene nickte zufrieden; Evanellein war eine von denen, die sie unbedingt hatte finden wollen. Wenn sie jetzt noch Katerine oder Alviarin aufspürte …

Macht wurde gelenkt. Hinter ihr. Egwene warf sich zu Boden, als eine Feuerkugel über ihrem Kopf vorbeischoss. Mesaana stand im wehenden schwarzen Gewand dort. Egwene knirschte mit den Zähnen und schickte sich fort. Sie wagte es nicht, der Frau direkt gegenüberzutreten.

Sie tauchte in einem Lagerraum in der Nähe wieder auf und stolperte, als eine Explosion den Turmabschnitt erschütterte. Mit einer Handbewegung machte sie ein Fenster in die Tür und sah Amys vorbeirennen. Die Weise Frau trug den Cadin’sor und hielt Speere. Ihre Schulter war angesengt und blutete. In ihrer Nähe schlug ein weiterer Feuerstrahl ein, aber sie verschwand. Die Eruption heizte die Luft auf, zerschmolz Egwenes Fenster und zwang sie einen Schritt zurück.

Saerins Recherche hatte sich als zutreffend erwiesen. Trotz der offenen Schlacht war Mesaana weder geflohen noch in Deckung gegangen, wie es Moghedien vielleicht getan hätte. Vielleicht war sie zuversichtlich. Vielleicht verspürte sie Angst; vermutlich brauchte sie Egwenes Tod, um dem Dunklen König ihren Sieg zu beweisen.

Egwene holte tief Luft und bereitete sich darauf vor, wieder in den Kampf einzugreifen. Aber dann musste sie an Perrins Erscheinen denken und zögerte. Er hatte sich benommen, als wäre sie eine Novizin. Wie hatte er so selbstbewusst werden können, so stark? Sie hatten weniger die Dinge überrascht, die er getan hatte, als vielmehr die Tatsache, dass ausgerechnet er sie getan hatte.

Sein Erscheinen war eine Lektion. Sie musste unbedingt darauf achten, sich nicht auf ihre Gewebe zu verlassen. Bair konnte die Macht nicht lenken, war aber so effektiv wie alle anderen. Bei manchen Dingen schienen Gewebe besser zu funktionieren. Die Mauer zu zertrümmern war zum Beispiel mit einem Gewebe leichter erschienen als es sich vorstellen zu müssen, denn es wäre vermutlich schwierig gewesen, einer so großen und massiven Oberfläche den Willen aufzuzwingen.