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Die anderen folgten ihm. Faile, Berelain und Alliandre, die Männer von den Zwei Flüssen, Elyas, Gaul. Die Gruppe wuchs, als sich zwei weitere Männer von den Zwei Flüssen dazugesellten. Keiner sagte ein Wort, und Perrin ignorierte sie, bis er zu Aemin kam, der am Amboss arbeitete. Neben ihm stand eine der von Pferden gezogenen transportablen Lagerschmieden, in der rote Glut brannte.

Hirshanin holte mit der Karte Perrin ein. Perrin entrollte sie und hielt sie vor sich, während Aemin in seiner Arbeit innehielt. Er roch neugierig. »Arganda, Gallenne«, sagte Perrin. »Sagt mir eines. Wenn Ihr den besten Hinterhalt für eine auf dieser Straße reisende große Gruppe aufbauen würdet, wo würdet Ihr das tun?«

»Hier«, sagte Arganda ohne zu zögern und zeigte auf eine Stelle, die sich mehrere Wegstunden von ihrem ehemaligen Lager entfernt befand. »Seht Ihr? Die Straße macht dort eine Biegung und folgt einem alten ausgetrockneten Flussbett. Ein Heer wäre einem Hinterhalt dort schutzlos ausgeliefert; man könnte es von den Höhen hier und hier angreifen.«

Gallenne nickte. »Ja. Diese Gegend ist als ausgezeichneter Rastplatz für eine große Gruppe gekennzeichnet. Am Fuß dieses Hügels, wo die Straße diese Biegung beschreibt. Aber sollte Euch jemand auf den Höhen etwas antun wollen, dann würdet Ihr am Morgen vermutlich nicht wieder erwachen.«

Arganda nickte.

Die Hügel erhoben sich nördlich von der Straße und waren oben flach; das alte Flussbett hatte einen breiten, ebenen Pfad ausgeschnitten, der nach Süden und Westen hin tief ausgewaschen war. Auf diesen Höhen konnte man eine ganze Armee aufstellen.

»Was ist das?« Perrin zeigte auf ein paar Eintragungen südlich der Straße.

»Alte Ruinen«, erklärte Arganda. »Nichts von Bedeutung; sie sind viel zu verwittert, um als Deckung zu dienen. Eigentlich sind sie nicht mehr als ein paar moosbedeckte Felsbrocken.«

Perrin nickte. Plötzlich ergab etwas für ihn Sinn. »Schlafen Grady und Neald schon?«, wollte er wissen.

»Nein«, antwortete Berelain. »Sie sagten, sie wollten für alle Fälle wach bleiben. Ich glaube, Eure Stimmung hat ihnen Angst gemacht.«

»Schickt nach ihnen«, sagte Perrin, ohne jemanden Bestimmten zu meinen. »Einer von ihnen muss das Lager der Weißmäntel überprüfen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat jemand gesagt, dass sie das Lager abgebrochen haben.« Er wartete nicht darauf, dass sein Befehl befolgt wurde. Stattdessen trat er an den Schmiedeofen und legte Aemin die Hand auf die Schulter. »Geht schlafen, Aemin. Ich muss an etwas arbeiten. Das sind Hufeisen, oder?«

Der Mann nickte überrascht. Perrin übernahm seine Schürze und die Handschuhe, und Aemin ging. Perrin zog seinen eigenen Hammer. Der Hammer, den man ihm in Tear gegeben hatte, ein Hammer, mit dem getötet worden war, der aber schon so lange Zeit nichts mehr erschaffen hatte.

Der Hammer konnte entweder Waffe oder Werkzeug sein. Perrin hatte die Wahl, genau wie jeder, der ihm folgte, die Wahl hatte. Springer hatte eine Wahl gehabt. Der Wolf hatte sich entschieden und mehr zur Verteidigung des Lichts riskiert, als jeder Mensch – mit Ausnahme von Perrin – je verstehen würde.

Mit der Zange zog Perrin ein kleines Stück Metall aus der Glut und legte es auf den Amboss. Er hob den Arm und fing an zu hämmern.

Es war lange her, dass er in einer Schmiede gestanden hatte. Wenn ihn seine Erinnerung nicht trog, hatte er das letzte Mal in Tear vernünftige Arbeit geleistet, an diesem friedlichen Tag, als er sich eine Weile von seiner Verantwortung befreit und in dieser Schmiede gearbeitet hatte.

Du bist wie ein Wolf, mein Gemahl, hatte Faile damals zu ihm gesagt und damit seine Konzentration gemeint. So waren Wölfe; sie konnten Vergangenheit und Zukunft kennen und doch ihre Aufmerksamkeit ganz auf die Jagd richten. Konnte er das auch? Falls nötig erlauben, sich völlig vereinnahmen zu lassen, und gleichzeitig in anderen Teilen seines Lebens das Gleichgewicht bewahren?

Die Arbeit fing an, ihn in Beschlag zu nehmen. Der rhythmische Schlag des Hammers auf dem Metall. Er verflachte das Eisenstück, schob es gelegentlich wieder in die Glut und holte ein anderes hervor, arbeitete gleichzeitig an mehreren Hufeisen. In der Nähe hatte er die nötigen Maße, die gebraucht wurden. Langsam krümmte er das Metall an der Ambossseite und formte es. Seine Arme begannen zu schwitzen, Feuer und Arbeit wärmten sein Gesicht.

Neald und Grady trafen ein, begleitet von den Weisen Frauen und Masuri. Während Perrin arbeitete, bemerkte er, dass sie Sulin durch ein Wegetor schickten, um nach den Weißmänteln zu sehen. Sie kehrte kurze Zeit später zurück, wartete aber mit ihrem Bericht, da er sich auf seine Arbeit konzentrierte.

Er hielt ein Hufeisen hoch, dann runzelte er die Stirn. Diese Arbeit war einfach nicht schwierig genug. Sie war beruhigend, das schon, aber heute brauchte er eine größere Herausforderung. Er verspürte den Drang, etwas zu erschaffen, als wollte er die Zerstörung ausgleichen, die er in der Welt gesehen hatte, die Zerstörung, an der er seinen Anteil hatte. Neben dem Ofen waren mehrere Stücke unbearbeiteten Stahls aufgeschichtet, besseres Material, als man für gewöhnlich für Hufeisen benutzte. Vermutlich wartete es darauf, für die ehemaligen Flüchtlinge zu Schwertern verarbeitet zu werden.

Perrin nahm mehrere der Stangen und schob sie ins Feuer. Dieser Ofen war nicht so gut wie der, an den er gewöhnt war; obwohl er über einen Blasebalg und drei Fässer zum Ablöschen verfügte, kühlte der Wind das Metall ab, und die Kohlen wurden nicht so heiß, wie er es gern hatte. Unzufrieden betrachtete er sie.

»Ich kann Euch dabei helfen, Lord Perrin«, sagte Neald von der Seite. »Das Eisen heiß machen, falls Ihr es wünscht.«

Perrin musterte ihn, dann nickte er. Mit der Zange holte er eine Stange hervor. »Ich will ein ordentliches Gelbrot. Aber nicht so heiß, dass sie weißglühend wird.«

Neald nickte. Perrin legte die Stange auf den Amboss, nahm den Hammer und schlug darauf ein. Neald stellte sich neben ihn und konzentrierte sich.

Perrin verlor sich in der Arbeit. Schmiedete den Stahl. Alles andere verblich. Das rhythmische Pochen des Hammers auf dem Metall war wie der Schlag seines Herzens. Dieses schimmernde Metall, so warm und gefährlich. In dieser Konzentration fand er Klarheit. Die Welt zersplitterte, zerbrach jeden Tag ein Stückchen mehr. Sie brauchte Hilfe, und zwar sofort. War ein Ding erst einmal zersplittert, konnte man es nicht wieder zusammenfügen.

»Neald«, sagte Gradys Stimme. Es klang drängend, aber Perrin nahm sie wie aus weiter Ferne wahr. »Neald, was tut Ihr da?«

»Ich weiß nicht«, erwiderte Neald. »Aber es fühlt sich richtig an.«

Perrin hieb weiter darauf ein, immer härter. Er faltete das Metall, verflachte Stücke aufeinander. Der Asha’man hielt die Temperatur auf großartige Weise immer genau richtig. Das befreite Perrin davon, sich auf die wenigen Augenblicke perfekter Temperatur zwischen verschiedenen Phasen der Erhitzung verlassen zu müssen.

Das Metall schien zu fließen, als würde es allein von seinem Willen geformt. Was stellte er da überhaupt her? Er nahm die anderen beiden Werkstücke aus den Flammen, dann fing er an, alle drei gleichzeitig zu bearbeiten. Das erste – und größte – Stück faltete er in sich zusammen und formte es, benutzte eine Technik namens Stauchen, womit er den Umfang vergrößerte. Er formte es zu einer großen Kugel, dann fügte er noch mehr Stahl hinzu, bis es beinahe die Größe eines Männerkopfes hatte. Das zweite Stück zog er in die Länge und machte es dünn, dann faltete er es zu einem schmalen Stab zusammen. Das dritte und kleinste Stück klopfte er flach.

Er atmete ein und aus, und seine Lungen arbeiteten wie Blasebälge. Sein Schweiß war wie das Ablöschwasser. Seine Arme waren wie der Amboss. Er war die Schmiede.

»Weise Frauen, ich brauche einen Zirkel«, sagte Neald drängend. »Jetzt sofort. Sagt nichts! Ich brauche ihn!«