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Funken flogen in die Luft, als Perrin zuschlug. Mit jedem Schlag größere Wolken. Er fühlte, wie etwas aus ihm heraussickerte, als würde jeder Schlag das Metall mit seiner Kraft und auch seinen Gefühlen versehen. Sowohl den Sorgen wie auch den Hoffnungen. Sie flossen aus ihm in diese drei Rohstücke.

Die Welt lag im Sterben. Er konnte sie nicht retten. Das war Rands Aufgabe. Perrin wollte einfach wieder zu seinem einfachen Leben zurückkehren, oder nicht?

Nein. Nein, er wollte Faile, er wollte Vielschichtigkeit. Er wollte das Leben. Er konnte sich nicht verstecken, genauso wenig, wie sich die Menschen verstecken konnten, die ihm folgten.

Er wollte ihre Loyalität nicht. Aber er hatte sie. Wie würde er sich fühlen, wenn jemand anders den Befehl übernahm und sie in den Tod führte?

Schlag auf Schlag. Wild sprühende Funken. Zu viele, als würde er auf einen Eimer mit geschmolzener Flüssigkeit einschlagen. Funken schossen in die Luft, explodierten von seinem Hammer, flogen so hoch wie Baumwipfel und breiteten sich mehr als zehn Schritte weit aus. Die Beobachter zogen sich zurück, nur die Asha’man und Weisen Frauen blieben; sie hatten sich um Neald geschart.

Ich will sie nicht führen, dachte Perrin. Aber wenn ich es nicht tue, wer dann? Wenn ich sie verlasse und sie sterben, dann ist es meine Schuld.

Er erkannte nun, was er da herstellte, was er die ganze Zeit versucht hatte herzustellen. Den größten Klumpen formte er zu einem Ziegel. Das lange Stück wurde eine drei Finger breite Stange. Das flache Stück wurde zu einer Halterung, ein Stück Metall, das Kopf und Stiel miteinander verband.

Ein Hammer. Er fertigte einen Hammer. Das waren die Einzelteile.

Endlich begriff er.

Er wuchs an seiner Aufgabe. Schlag um Schlag. Diese Schläge waren so laut. Jeder Schlag schien den Boden zu seinen Füßen erbeben zu lassen, rüttelte an den Zelten. Perrin frohlockte. Er wusste, was er da herstellte. Endlich wusste er, was er machte.

Er hatte nicht darum gebeten, Anführer zu werden, aber entband ihn das von jeder Verantwortung? Die Menschen brauchten ihn. Die Welt brauchte ihn. Und mit einer Erkenntnis, die in ihm abkühlte wie geschmolzener Stein, der eine Form annahm, wurde ihm klar, dass er führen wollte.

Wenn schon jemand der Lord für diese Leute sein musste, dann wollte er es selbst sein. Denn es selbst zu machen war die einzige Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass es richtig gemacht wurde.

Er benutzte Meißel und Rundhorn, formte ein Loch in der Mitte des Hammerkopfes, dann nahm er den Stiel, hob ihn hoch über den Kopf und rammte ihn an Ort und Stelle. Er nahm die Halterung und schob den Hammer hinein, formte sie zurecht. Noch vor Augenblicken hatte sich diese Arbeit von seinem Zorn genährt. Aber jetzt schien sie seine Entschlossenheit hervorzuholen.

Metall war lebendig. Das wusste jeder Schmied. Sobald man es erhitzte und damit arbeitete, lebte es. Er nahm Hammer und Meißel und fing an, Muster und Kanten zu formen. Funken sprühten auf, das Hallen seines Hammers wurde immer stärker und immer lauter, dröhnte glockengleich. Mit dem Meißel formte er ein kleines Stück Stahl zurecht, das er auf dem neuen Hammer ablegte.

Und mit einem gewaltigen Aufschrei hob er den alten Hammer ein letztes Mal hoch über den Kopf und schmetterte ihn auf den neuen Hammer hinunter, prägte die Verzierung auf der Kopfseite ein. Ein springender Wolf.

Perrin senkte die Werkzeuge. Auf dem Amboss lag ein wunderbarer Hammer, in dessen Inneren noch immer Hitze glühte. Ein Werk, das alles überragte, was er je erschaffen hatte oder glaubte, jemals erschaffen zu können. Es wies einen dicken, mächtigen Kopf auf, der an einen Spalthammer oder Vorschlaghammer erinnerte, aber der hintere Teil war flach. Wie das Werkzeug eines Schmiedes. Vom Ende bis zur Spitze maß er vier Fuß, vielleicht sogar noch mehr, eine gewaltige Größe für einen Hammer dieser Art.

Der Stiel bestand aus Stahl, was Perrin noch nie zuvor an einem Hammer gesehen hatte. Er hob ihn hoch; er konnte ihn mit einer Hand heben, wenn auch nur so gerade eben. Er war schwer. Massiv.

Die Verzierung bestand aus einer Schraffur mit dem eingestanzten springenden Wolf an der einen Seite. Er sah wie Springer aus. Perrin streichelte mit einem schwieligen Daumen darüber, und das Metall kam zur Ruhe. Es fühlte sich noch immer warm an, verbrannte ihn aber nicht.

Als er sich umdrehte, erstaunte ihn die Größe der Menge, die ihm zusah. Die Männer aus den Zwei Flüssen standen ganz vorn, Jori Congar, Azi al’Thone, Will al’Sleen und Hunderte andere. Ghealdaner, Cairhiener, Andoraner, Mayener. Alle sahen stumm zu. Der Boden um Perrin war von den landenden Funken geschwärzt; um ihn herum breiteten sich sternförmig Tropfen aus silbrigem Metall aus.

Neald sackte keuchend auf die Knie, das Gesicht von einer dicken Schweißschicht überzogen. Grady und die Frauen des Zirkels setzten sich; alle sahen erschöpft aus. Alle sechs Weisen Frauen hatten daran teilgenommen. Was hatten sie getan?

Perrin fühlte sich erschöpft, als wäre seine gesamte Kraft und sämtlichen Gefühle in das Metall geschmiedet worden. Aber er konnte sich nicht ausruhen. »Will. Vor Wochen gab ich Euch einen Befehl. Verbrennt die Banner mit dem Wolfskopf. Habt Ihr gehorcht? Habt Ihr jedes davon verbrannt?«

Will al’Sleen erwiderte seinen Blick, dann schaute er beschämt zu Boden. »Lord Perrin, ich habe es versucht. Aber … beim Licht, ich konnte es nicht tun. Ich habe eins behalten. Das, das ich nähen half.«

»Holt es, Will«, sagte Perrin. Seine Stimme klang wie Stahl.

Will rannte los. Er roch verängstigt. Kurze Zeit später kehrte er zurück und trug ein zusammengefaltetes Tuch, weiß mit rotem Rahmen. Perrin nahm es entgegen, dann hielt er es andächtig in der einen Hand, den Hammer in der anderen. Er schaute die Menge an. Faile war da, die Hände vor der Brust verschränkt. Sie roch hoffnungsvoll. Sie konnte in ihn hineinsehen. Sie wusste Bescheid.

»Ich habe versucht, Euch fortzuschicken«, wandte sich Perrin an die Menge. »Ihr wolltet nicht gehen. Ich habe Fehler. Das müsst Ihr wissen. Wenn wir in den Krieg ziehen, werde ich Euch nicht alle beschützen können. Ich werde Fehler machen.«

Er betrachtete die Menge, erwiderte die Blicke derjenigen, die dort standen. Jeder Mann und jede Frau, die er ansah, nickte stumm. Kein Zögern, kein Bedauern. Sie nickten.

Perrin holte tief Luft. »Wenn Ihr es wollt, dann akzeptiere ich Eure Treueide. Ich führe Euch.«

Sie jubelten. Ein gewaltiges Aufbrüllen voller Aufregung. »Goldauge! Goldauge der Wolf! Zur Letzten Schlacht! Tai’shar Manetheren!«

»Will!«, brüllte Perrin und hielt das Banner in die Höhe. »Hisst dieses Banner hoch. Nehmt es nicht herunter, bevor die Letzte Schlacht gewonnen ist. Ich marschiere unter dem Zeichen des Wolfes. Der Rest von Euch, weckt das Lager. Jeder Soldat soll sich zum Kampf bereit machen. Wir haben heute Nacht noch eine weitere Aufgabe zu erledigen!«

Der junge Mann nahm das Banner und entfaltete es, Jori und Azi sprangen an seine Seite und hielten es, damit es den Boden nicht berührte. Sie hielten es in die Höhe und rannten los, um eine Stange zu holen. Die Menge löste sich auf, Männer liefen in alle Richtungen, riefen die Befehle heraus.

Perrin nahm Faile bei der Hand, als sie auf ihn zutrat. Sie roch zufrieden. »Das war es also?«

»Keine Klagen mehr«, versprach er. »Es gefällt mir nicht. Aber das Töten gefällt mir auch nicht. Ich werde tun, was getan werden muss.« Er betrachtete den Amboss, der von seiner Arbeit geschwärzt war. Sein alter Hammer lag abgenutzt und verbeult mitten darauf. Es machte ihn traurig, ihn zurückzulassen, aber er hatte seine Entscheidung gefällt.

»Was habt Ihr getan, Neald?«, fragte er, als der Asha’man noch immer ganz blass taumelnd auf die Füße kam. Perrin hob den neuen Hammer und zeigte das prächtige Werk.

»Ich weiß es nicht, mein Lord«, sagte Neald. »Es ist nur … nun, es war genau so, wie ich sagte. Es fühlte sich richtig an. Ich sah, was zu tun war, wie man die Gewebe in das Metall einbetten musste. Es schien sie in sich hineinzuziehen, so wie ein Ozean das Wasser eines Flusses trinkt.« Er errötete, als hielte er das für einen albernen Vergleich.