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»Finstere Kräfte, Galad. Byar hatte recht. Ihr habt gesehen, wie schnell sie ihr Läger abgebrochen haben.«

Ihre Späher waren vor einer Stunde zurückgekehrt. Sie hatten Aybaras Lagerplatz unheimlicherweise völlig leer vorgefunden; als wäre er von Geistern bevölkert gewesen. Niemand hatte sie auf der Straße abrücken gesehen.

Und jetzt das. Galad zog sich schnell an. »Weckt die Männer. Seht, ob Ihr das leise könnt. Es war klug von Euch, kein Licht mitzubringen; das hätte den Feind alarmieren können. Die Männer sollen ihre Rüstungen in ihren Zelten anlegen.«

»Ja, mein Kommandierender Lordhauptmann«, sagte Trom. Ein Rascheln begleitete seinen Rückzug.

Galad beeilte sich mit dem Anziehen. Was habe ich getan? Auf jedem Schritt seines Weges hatte er Zuversicht in seine Entscheidungen gehabt, und doch hatte sie ihn an diesen Punkt geführt. Aybara, der sich auf seinen Angriff vorbereitete, seine Männer, die schliefen. Seit Morgases Rückkehr hatte er das Gefühl gehabt, dass seine Welt um ihn herum zerbröckelte. Ihm war nicht länger klar, was richtig war, nicht so wie früher. Der vor ihm liegende Weg schien im Nebel zu liegen.

Wir sollten uns ergeben, dachte er und schnallte seinen Umhang über seiner Rüstung fest. Aber nein. Die Kinder des Lichts ergeben sich niemals den Schattenfreunden. Wie konnte ich nur auf diesen Gedanken kommen?

Sie mussten kämpfend sterben. Aber was würde das erreichen? Das Ende der Kinder, tot vor dem Beginn der Letzten Schlacht?

Wieder raschelte die Zeltplane, und er hielt das Schwert in der Hand, zum Zuschlagen bereit.

»Galad«, zischte Byar. »Ihr habt uns getötet.« In seiner Stimme lag nicht mehr der geringste Respekt.

Die Anschuldigung machte Galad wütend. »Die im Licht wandeln, müssen keine Verantwortung für die Taten jener übernehmen, die dem Schatten folgen.« Ein Zitat von Lothair Mantelar. »Ich habe mich ehrenhaft verhalten.«

»Ihr hättet angreifen sollen, statt dieses lächerliche Gerichtsverfahren abzuhalten.«

»Man hätte uns abgeschlachtet. Er hatte Aes Sedai, Aiel, Männer, die die Macht lenken können, mehr Soldaten wie wir und Kräfte, die wir nicht verstehen.«

»Das Licht hätte uns beschützt!«

»Wenn das stimmt, dann wird es uns auch jetzt beschützen«, sagte Galad und fühlte seine Zuversicht zurückkehren.

»Nein.« Byars Stimme war ein wütendes Flüstern. »Wir haben uns selbst in diese Lage gebracht. Fallen wir, dann haben wir es verdient.« Er stürmte hinaus.

Galad stand einen Augenblick lang da, dann schnallte er sich das Schwert um. Schuldzuweisungen und Buße konnten warten. Er musste eine Möglichkeit finden, diesen Tag zu überleben. Falls es diese Möglichkeit gab.

Begegne ihrem Hinterhalt, indem du auf ihre Mittel zurückgreifst, dachte er. Lass die Männer bis zum Beginn des Angriffs in ihren Zelten bleiben, dann überraschst du Aybara, indem du hinausstürmst und…

Nein. Aybara würde mit einem Pfeilhagel anfangen und Tod auf die Zelte herabregnen lassen. Die beste Möglichkeit für ihn lag darin, sich seine erhöhte Position und seine Langbogenmänner zunutze zu machen.

Am besten legten die Männer ihre Rüstungen an und rannten nach einem Signal zu ihren Pferden. Die Amadicianer konnten am Fuß der Höhen mit ihren Piken einen Wall bilden. Möglicherweise riskierte Aybara es ja, seine Kavallerie den steilen Hang hinunterzutreiben, aber Pikenmänner konnten dieses Manöver empfindlich stören.

Die Bogenschützen würde trotzdem ein Problem darstellen. Schilde würden helfen. Jedenfalls etwas. Er holte tief Luft, dann trat er in die Nacht hinaus, um Befehle zu geben.

»Sobald die Schlacht beginnt«, sagte Perrin, »will ich, dass Ihr drei Euch in Sicherheit bringt. Ich versuche erst gar nicht, Euch nach Andor zu schicken; ich weiß, dass Ihr das nicht tun würdet. Bleibt hinter den Schlachtlinien bei der Nachhut.«

Faile sah ihn an. Er saß auf seinem Pferd, den Blick nach vorn gerichtet. Sie befanden sich oben auf den Höhen, wo gerade der Rest seines Heeres aus den Wegetoren kam. Jori Congar hielt eine abgeschirmte Laterne hoch. Sie versorgte die unmittelbarer Nähe mit einem schwachen Lichtschein.

»Natürlich, mein Lord«, sagte Berelain ohne zu zögern.

»Dann schwört es mir«, sagte Perrin, den Blick noch immer nach vorn gerichtet. »Ihr und Alliandre, Berelain. Faile werde ich einfach fragen und hoffen.«

»Ich schwöre es, mein Lord«, sagte Alliandre.

Perrins Stimme war so energisch, und das bereitete Faile Sorgen. Konnte Berelain recht haben? Würde er die Weißmäntel angreifen? Trotz ihrer ständigen Beteuerungen, in der Letzten Schlacht kämpfen zu wollen, stellten sie ein unberechenbares Element dar. Sie konnten mehr schaden als nutzen. Darüber hinaus war Alliandre Perrins Lehnsfrau, und die Weißmäntel hielten sich in ihrem Reich auf. Wer vermochte schon zu sagen, welchen Schaden sie vor ihrem Abzug anrichteten? Und dann war da noch Galads zukünftiges Urteil, das wie ein Schwert über ihnen hing.

»Mein Lord«, sagte Berelain besorgt. »Bitte tut das nicht.«

»Ich tue nur, was ich muss«, erwiderte Perrin und schaute zur Straße nach Jehannah. Das war nicht die Richtung der Weißmäntel. Sie befanden sich direkt südlich von Perrins Position.

»Perrin«, sagte Faile und warf Berelain einen Blick zu. »Was hast du…«

Ein Mann kam aus den Schatten; trotz des trockenen Unterholzes bewegte er sich lautlos. »Perrin Aybara«, sagte Gaul. »Die Weißmäntel wissen, dass wir hier sind.«

»Bist du sicher?«, erkundigte sich Perrin. Es schien ihn nicht zu alarmieren.

»Sie versuchen, uns das nicht wissen zu lassen«, sagte Gaul, »aber ich kann es sehen. Die Töchter stimmen mir zu. Sie bereiten sich auf den Kampf vor, die Pferdeknechte befreien die Pferde von ihren nächtlichen Stricken, Wächter bewegen sich von Zelt zu Zelt.«

Perrin nickte. Er trieb Traber vorwärts durch das Unterholz und ritt bis an den Rand des Hügels. Faile folgte ihm auf Tageslicht, Berelain dicht hinter sich.

Das Land fiel steil zu dem uralten Flussbett ab, das die unten verlaufende Straße flankierte. Die Straße kam aus Richtung Jehannah, bis sie den Fuß dieser Anhöhe passierte und dann nach Lugard abbog. Direkt an der Biegung befand sich die von dem Hügel geschützte Senke, in der die Weißmäntel ihre Zeltkreise aufgebaut hatten.

Die Wolkendecke war brüchig und ließ blasses Mondlicht hindurch, das das Land in silberweißes Licht tauchte. Dichter Bodennebel wogte heran und blieb hauptsächlich in dem Flussbett. Perrin musterte das Terrain; er hatte in beide Richtungen klare Sicht auf die Straße. Plötzlich ertönten unten Rufe, Weißmäntel eilten aus den Zelten und rannten zu den Pferdeseilen. Fackeln flammten auf.

»Bogenschützen nach vorn!«, brüllte Perrin.

Die Männer von den Zwei Flüssen eilten zum Rand ihrer erhöhten Positionen.

»Infanterie, hinter den Bogenschützen bereithalten!«, rief Perrin. »Arganda, zur linken Flanke. Gallenne, zur rechten! Ich gebe Bescheid, wenn Ihr für uns ausfegen müsst.« Er wandte sich an die Fußsoldaten – in der Hauptsache ehemalige Flüchtlinge. »In dichter Formation bleiben, Jungs. Haltet die Schilde oben und die Speerarme gebeugt. Bogenschützen, Pfeile einspannen!«

Faile fühlte, wie ihr der Schweiß aus den Poren trat. Das war falsch. Sicherlich würde Perrin doch nicht…

Er schaute noch immer nicht zu den Weißmänteln unter ihnen. Er starrte auf das Flussbett auf der anderen Seite, das ungefähr dreihundert Fuß von den Hügeln entfernt war und eine steile Kante aufwies, da sich der einstige Fluss tief in den Boden gegraben hatte. Perrin sah aus, als würde er etwa sehen können, das dem Rest von ihnen verborgen blieb. Und bei seinen goldenen Augen war das durchaus möglich.

»Mein Lord«, sagte Berelain und lenkte ihr Pferd an seine Seite. Sie hörte sich verzweifelt an. »Wenn Ihr angreifen müsst, könntet Ihr den Kommandanten der Weißmäntel verschonen? Er könnte aus politischen Gründen sehr nützlich sein.«