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Die Landschaft hätte grün sein sollen. Stattdessen starb selbst das gelbe Gras und hinterließ braune Narben. Es konnte nicht mehr lange dauern, bevor das ganze Land der Wüste ähnelte. Morgase sehnte sich danach, etwas dagegen zu tun. Das war ihre Nation. Oder war es zumindest einst gewesen.

Sie machte sich auf die Suche nach Meister Gill. Auf dem Weg begegnete sie Faile, die wieder einmal mit dem Quartiermeister sprach. Morgase nickte ehrerbietig. Faile nickte zurück. Zwischen ihnen beiden gab es nun eine Kluft. Morgase wünschte sich, es wäre anders gewesen. Sie und die anderen hatten einen Teil ihres Lebens miteinander geteilt, als die Hoffnung schwächer als eine Kerzenflamme gewesen war. Es war Faile gewesen, die Morgase ermuntert hatte, die Eine Macht zu benutzen, jeden Tropfen aus ihrer erbärmlichen Fähigkeit herauszuquetschen, um nach Hilfe zu rufen, als sie in der Falle gesessen hatten.

Das Lager war bereits vernünftig aufgebaut, und erstaunlicherweise hatten sich die Weißmäntel ihnen angeschlossen. Aber Perrin hatte noch nicht entschieden, wie es weitergehen sollte. Oder falls doch, dachte er nicht daran, Morgase diese Entscheidung mitzuteilen.

Ihr Weg zu den Wagenreihen führte sie vorbei an Hufschmieden und Pferdeknechten, die nach den besten Weidegründen suchten, Leuten, die im Vorratslager debattierten, Soldaten, die mürrisch Gräben für die Exkremente gruben. Jeder kannte seinen Platz außer Morgase. Diener wichen vor ihr zurück und verbeugten sich zögernd, unsicher, wie sie sich ihr gegenüber verhalten sollten. Sie war keine Königin, aber auch keine weitere Adlige. Und mit Sicherheit war sie keine Dienerin mehr.

Obwohl ihre Begegnung mit Galad sie daran erinnert hatte, wie es war, eine Königin zu sein, war sie für alles dankbar, was sie als Maighdin gelernt hatte. Das war gar nicht so schlimm wie befürchtet gewesen; die Arbeit als Zofe einer Dame hatte durchaus Vorteile gehabt. Die Kameradschaft der anderen Diener, die Freiheit von der Last der Führung, die mit Tallanvor verbrachte Zeit…

Aber das war nicht ihr Leben. Die Zeit war gekommen, damit aufzuhören, so zu tun, als wäre es das.

Schließlich fand sie Basel Gill bei der Beladung des Wagens. Lini überwachte alles, Lamgwin und Breane halfen ihm. Faile hatte Breane und Lamgwin aus ihren Diensten entlassen, damit sie Morgase dienen konnten. Morgase hatte sich jeder Bemerkung enthalten, dass Faile ihr so großmütig die eigenen Diener zurückgab.

Tallanvor war nicht da. Nun, sie konnte sich nicht länger wie ein Mädchen nach ihm verzehren. Sie musste nach Caemlyn zurückkehren und Elayne unterstützen.

»Euer Majest…«, sagte Meister Gill und verneigte sich. Er zögerte. »Ich meine, meine Lady. Entschuldigt.«

»Das macht nichts, Meister Gill. Ich denke auch nicht immer daran.«

»Bist du sicher, dass du das tun willst?« Lini verschränkte die dürren Arme.

»Ja«, sagte Morgase. »Es ist unsere Pflicht, nach Caemlyn zurückzukehren und Elayne die Hilfe anzubieten, die wir geben können.«

»Wenn du das sagst«, erwiderte Lini. »Ich persönlich bin ja eher der Ansicht, dass derjenige, der zwei Hähne auf demselben Hof erlaubt, das Theater verdient, das er bekommt.«

Morgase runzelte die Stirn. »Schön. Aber ich glaube, du wirst sehen, dass ich durchaus dazu imstande bin, Elayne zu helfen, ohne ihre Autorität zu untergraben.«

Lini zuckte mit den Schultern.

Sie hatte nicht ganz unrecht. Morgase musste vorsichtig sein. Ein zu langer Aufenthalt in der Hauptstadt konnte einen Schatten auf Elayne werfen. Aber wenn Morgase etwas aus ihren Monaten als Maighdin gelernt hatte, dann, dass Menschen etwas Produktives tun mussten, selbst wenn es nur darum ging, Tee zu servieren. Sie verfügte über Fähigkeiten, die für Elayne in den kommenden gefährlichen Zeiten von Nutzen sein konnten. Sollte sie allerdings anfangen, ihre Tochter in den Schatten zu stellen, würde sie Caemlyn verlassen und sich auf ihre Güter im Westen zurückziehen.

Die anderen arbeiteten schnell, um mit dem Beladen fertig zu werden, und Morgase musste die Arme verschränken, um nicht mit anzupacken. Es lag eine gewisse Erfüllung darin, sich um sich selbst zu kümmern. Während sie wartete, bemerkte sie, dass jemand aus Weißbrücke geritten kam. Tallanvor. Was hatte er in der Stadt getan? Er entdeckte sie und kam heran, dann verneigte er sich, das schmale Gesicht ein Modell der Ehrerbietung. »Meine Lady.«

»Du hast die Stadt besucht? Hattest du Lord Aybaras Erlaubnis?« Perrin hatte vermeiden wollen, dass die Stadt von Soldaten und Flüchtlingen überflutet wurde, was nur Ärger bringen würde.

»Meine Lady, ich habe dort Familie«, sagte Tallanvor und stieg aus dem Sattel. Seine Stimme war steif und förmlich. »Ich hielt es für klug, den Neuigkeiten auf den Grund zu gehen, die Lord Aybaras Späher berichteten.«

»Ist das so, Gardeleutnant Tallanvor?«, fragte Morgase. Wenn er so förmlich sein wollte, dann konnte sie das auch. Lini ging mit einem Arm voll Leinen vorbei, das eingepackt werden sollte, und kommentierte Morgases Tonfall mit einem Schnauben.

»Ja, meine Lady«, erwiderte Tallanvor. »Meine Lady… wenn ich einen Vorschlag machen darf?« » Sprecht.«

»Den Berichten zufolge hält Euch Eure Tochter noch immer für tot. Ich bin sicher, dass Lord Aybara seinen Asha’man befiehlt, uns ein Wegetor nach Caemlyn zu machen, wenn wir ihn darum bitten.«

»Ein interessanter Vorschlag«, sagte Morgase bedächtig und ignorierte das hämische Grinsen auf Linis Gesicht, als sie in die andere Richtung zurückging.

»Meine Lady«, sagte Tallanvor und sah Lini nach, »könnten wir unter vier Augen sprechen?«

Morgase nickte und ging dann in Richtung Lagerrand. Tallanvor folgte ihr. Ein kurzes Stück entfernt drehte sie sich um und sah ihn an. »Nun?«

»Meine Lady«, fuhr er mit sanfterer Stimme fort. »Der andoranische Hof wird mit Sicherheit erfahren, dass Ihr noch am Leben seid, jetzt, da es Aybaras ganzes Lager weiß. Wenn Ihr Euch nicht zeigt und erklärt, dass Ihr auf den Thron verzichtet habt, könnten die Gerüchte Eures Überlebens Elaynes Autorität untergraben.«

Morgase schwieg.

»Wenn die Letzte Schlacht wirklich naht«, sagte Tallanvor, »dann können wir es uns nicht leisten …«

»Ach, sei still«, sagte sie barsch. »Ich habe Lini und den anderen bereits befohlen, die Sachen zu packen. Ist dir nicht aufgefallen, was sie tun?«

Tallanvor errötete, als er bemerkte, dass Gill eine Truhe herbeischleppte und auf den Wagen stemmte.

»Ich entschuldige mich für meine Dreistigkeit. Mit Eurer Erlaubnis, meine Lady.« Tallanvor nickte ihr zu und wandte sich zum Gehen.

»Müssen wir denn so förmlich miteinander sein, Tallanvor?«

»Die Illusion ist vorbei, meine Lady.« Er ging.

Morgase sah ihm nach und fühlte einen Stich im Herzen. Verflucht sollte ihre Sturheit sein! Verflucht sollte Galad sein! Seine Ankunft hatte sie an ihren Stolz und ihre königlichen Pflichten erinnert.

Es war einfach schlecht für sie, einen Mann zu haben. Das hatte sie bei Taringail gelernt. Trotz der Stabilität, die ihre Ehe gebracht hatte, hatte jeder Vorteil auch eine Bedrohung für den Thron gebracht. Aus diesem Grund hatte sie Bryne oder Thom nie zu ihren offiziellen Gefährten gemacht, und Gaebril hatte bloß bewiesen, dass diese Sorge berechtigt gewesen war.

Jeder Mann, der sie heiratete, konnte eine potenzielle Bedrohung für Elayne und auch Andor sein. Ihre Kinder, sollte sie noch welche bekommen, würden Rivalen für Elaynes Kinder sein. Morgase konnte sich keine Liebe erlauben.

Tallanvor blieb nach ein paar Schritten stehen, und ihr stockte der Atem. Er drehte sich um, kehrte zu ihr zurück. Er zog das Schwert und bückte sich, legte es ihr andächtig zu Füßen, wo sie im vertrockneten Gras und Unkraut stand.

»Es war falsch von mir, mit meinem Weggehen zu drohen«, sagte er leise. »Ich war verletzt, und Schmerzen lassen einen Mann dumme Dinge tun. Du weißt, dass ich immer da sein werde, Morgase. Das habe ich dir schon einmal versprochen, und ich meine es. In diesen Tagen komme ich mir vor wie ein Spatz in einer Welt voller Adler. Aber ich habe mein Schwert und mein Herz, und beides gehört dir. Für alle Ewigkeit.«