Frauen. Er würde sie nie verstehen. Aber zumindest dieses eine Mal schien das auch gut so zu sein. »Habe ich. Hoffentlich können wir uns bald mit ihr treffen.«
»Man redet im Lager bereits darüber, wen du alles mitnimmst. «
»Warum sollte man ausgerechnet darüber reden?«, meinte Perrin. »Natürlich dich. Du weißt am besten, wie man mit Elayne umgehen muss, obwohl es vermutlich nicht schaden könnte, Alliandre auch dabeizuhaben.«
»Und Berelain?«
»Sie kann im Lager bleiben. Hier auf die Dinge aufpassen. Sie war das letzte Mal dabei.«
Faile roch noch zufriedener. »Wir sollten…« Stirnrunzelnd unterbrach sie sich. »Nun, wie es aussieht, ist das letzte Blatt endlich gefallen.«
»Was?«, fragte Perrin und drehte sich um. Sie schaute zu einer Gruppe, die auf sie zukam. Die alte Lini, gefolgt von Morgase und Tallanvor, die einander anschauten wie ein Pärchen, das von seinem ersten gemeinsamen Bei Tine kam. »Ich dachte, sie mag ihn nicht«, sagte er. »Oder falls doch, dass sie ihn auf keinen Fall heiraten wird.«
»Meinungen ändern sich viel schneller als Herzen«, sagte Faile. In ihrem Geruch lag eine Spur Wut, obwohl sie sie unterdrückte. Sie hatte Morgase noch immer nicht ganz verziehen, war aber nicht länger offen feindselig.
»Perrin Aybara«, sagte Morgase. »Abgesehen von meinem Stiefsohn kommt Ihr in diesem Lager einem Lord noch am nächsten. Aber es wäre nicht richtig, wenn ein Sohn seine Mutter verheiratet, also müsst Ihr wohl genügen. Dieser Mann hat um meine Hand angehalten. Vollzieht Ihr für uns die Zeremonie?«
»Ihr habt eine seltsame Art, um etwas zu bitten, Morgase«, sagte er.
Die Frau musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen. Und Faile sah ihn ebenfalls ärgerlich riechend an. Perrin seufzte. Da konnten sie sich noch so sehr miteinander streiten, waren aber immer bereit, auf einen Mann einzuprügeln, der das Falsche sagte, selbst wenn es stimmte.
Aber Morgase beruhigte sich wieder. »Es tut mir leid. Ich wollte Eure Autorität nicht anzweifeln.«
»Schon gut. Ihr hattet sicherlich Grund dazu, sie infrage zu stellen.«
»Nein.« Morgase nahm die Schulter nach hinten. Beim Licht, wenn sie wollte, konnte sie wirklich wie eine Königin aussehen. Wie hatte ihnen das nur zuvor entgehen können? »Ihr seid ein Lord, Perrin Aybara. Eure Taten beweisen es. Die Zwei Flüsse können sich Euretwegen glücklich schätzen, und Andor vermutlich auch. Solange Ihr ein Teil davon bleibt.«
»Das habe ich vor«, versprach Perrin.
»Nun, wenn Ihr diese Sache für mich erledigt«, sagte sie und sah Tallanvor an, »dann bin ich bereit, mich bei Elayne für Euch zu verwenden. Arrangements können getroffen werden, man kann Titel – richtige Titel – verleihen.«
»Wir nehmen Euer Angebot an, für uns zu sprechen«, mischte sich Faile schnell ein, bevor er etwas erwidern konnte. »Aber wir werden zusammen mit Ihrer Majestät entscheiden, ob die Vergabe von Titeln zu diesem Zeitpunkt der … richtige Weg ist.«
Perrin musterte sie. Sie dachte doch wohl nicht immer noch daran, aus den Zwei Flüssen ein eigenes Königreich zu machen, oder? Sie hatte nie offen darüber gesprochen, aber sie hatte ihn ermutigt, die Flagge von Manetheren zu hissen. Nun, das würden sie noch klären müssen.
Galad Damodred kam auf sie zu, wie immer in letzter Zeit Berelain an seiner Seite. Morgase hatte ihm wohl einen Boten geschickt. Galad stopfte etwas in seine Tasche. Anscheinend handelte es sich um einen kleinen Brief mit einem roten Siegel. Wo hatte er den denn her? Er sah beunruhigt aus, aber als er sich zu ihnen gesellte, hellte sich seine Miene auf. Die Neuigkeit schien ihn nicht zu überraschen; für Perrin hatte er ein Nicken und für seine Mutter eine Umarmung übrig, gefolgt von einem strengen, aber höflichen Gruß für Tallanvor.
»Was für eine Art von Zeremonie hättet Ihr denn gern?«, erkundigte sich Perrin bei Morgase. »Ich weiß nur, wie man es in den Zwei Flüssen handhabt.«
»Ich glaube, einfache Eide reichen«, sagte Morgase. »Ich bin alt genug, dass ich Zeremonien ermüdend finde.«
»Für mich klingt das angemessen«, meinte Perrin.
Galad trat zur Seite, und Morgase und Tallanvor nahmen sich bei den Händen. »Martyn Tallanvor«, sagte sie. »Ich habe mehr von dir bekommen, als ich verdient habe, und zwar länger, als mir das bewusst war. Du hast behauptet, dass die Liebe eines einfachen Soldaten vor dem Mantel einer Königin nichts wert ist, aber ich sage, der Wert eines Mannes misst sich nicht an seinem Titel, sondern an seiner Seele.
Ich habe deinen Mut, deine Hingabe, deine Loyalität und Liebe erlebt. Ich habe das Herz eines Prinzen in dir gesehen, das Herz eines Mannes, der sich selbst treu bleibt, auch wenn Hunderte um ihn herum scheitern. Ich schwöre, dass ich dich liebe. Und ich schwöre unter dem Licht, dich nicht zu verlassen. Ich schwöre, dich in alle Ewigkeit zu lieben und dich als meinen Gemahl zu nehmen.«
Berelain zog ein Taschentuch heraus und tupfte sich die Augenwinkel ab. Nun, Frauen weinten immer bei Hochzeiten. Obwohl… auch Perrin fühlte, wie seine Augen etwas tränten. Möglicherweise das Sonnenlicht.
»Morgase Trakand«, sagte Tallanvor. »Ich verliebte mich in dich wegen der Art und Weise, wie du als Königin alle in deiner Umgebung behandelt hast. Ich sah eine Frau, die ihre Pflicht nicht nur mit Verantwortungsgefühl erfüllt, sondern mit Leidenschaft. Selbst als ich nur ein beliebiger Gardist für dich war, hast du mich mit Freundlichkeit und Respekt behandelt. Auf diese Weise hast du alle deine Untertanen behandelt.
Ich liebe dich für deine Güte, deine Klugheit, die Stärke deines Verstandes und deine Willenskraft. Einer der Verlorenen konnte dich nicht brechen, du bist ihm entkommen, als er dich völlig unter Kontrolle zu haben glaubte. Der schrecklichste Tyrann konnte dich nicht brechen, selbst als er dich in der Hand hatte. Die Shaido konnten dich nicht brechen. Andere an deiner Stelle wären hasserfüllt, wenn sie das durchgemacht hätten, was du erlitten hast. Aber du … du bist unaufhörlich zu jemandem herangewachsen, den man bewundern, lieben und respektieren muss.
Ich schwöre, dass ich dich liebe. Und ich schwöre unter dem Licht, dass ich dich niemals, niemals verlasse. Ich schwöre, dich für alle Ewigkeit zu lieben und dich zu meiner Gemahlin zu nehmen. Das schwöre ich, Morgase, auch wenn ein Teil in mir noch immer nicht glauben kann, dass das hier wirklich geschieht.«
Und dann standen sie einfach so da und sahen sich in die Augen, als wäre Perrin nicht vorhanden.
Er räusperte sich. »Nun, dann soll es so sein. Ihr seid verheiratet.« Sollte er ihnen einen Rat geben? Wie gab man jemandem wie Morgase Trakand, einer Königin mit Kindern in seinem Alter, einen Rat? Er zuckte bloß mit den Schultern. »Dann ab mit Euch.«
Faile neben ihm roch amüsiert und ein kleines bisschen unzufrieden. Lini kommentierte Perrins Bemühungen mit einem Schnauben, scheuchte Morgase und Tallanvor aber davon. Galad nickte ihm zu, und Berelain machte einen Knicks. Sie gingen, und Berelain machte eine Bemerkung, wie überraschend das doch alles kam.
Faile lächelte ihn an. »Darin musst du aber noch besser werden.«
» Sie wollten es doch einfach.«
»Das sagt jeder«, erwiderte Faile. »Aber du kannst auch Autorität ausstrahlen, wenn du es kurz hältst. Wir reden noch darüber. Beim nächsten Mal wirst du es viel besser machen.«
Beim nächsten Mal? Er schüttelte den Kopf, während sich Faile umdrehte und ging.
»Wo willst du hin?«, fragte er.
»Zu Bavin. Ich muss ein paar Fässer Ale requirieren.« »Wofür?«
»Für die Festlichkeiten«, sagte Faile und sah über die Schulter. »Auf die Zeremonien kann man notfalls verzichten. Aber auf eine Feier sollte man nie verzichten.« Sie schaute zum Himmel. »Vor allem in Zeiten wie diesen.«
Perrin sah ihr nach, wie sie in dem riesigen Lager verschwand. Soldaten, Bauern, Handwerker, Aiel, Weißmäntel, Flüchtlinge. Beinahe immer noch siebzigtausend Menschen, selbst wenn man die abzog, die gegangen oder in der Schlacht gefallen waren. Wie war er nur zu so einer Streitmacht gekommen? Bevor er die Zwei Flüsse verlassen hatte, hatte er nie mehr als höchstens tausend Leute an einem Ort versammelt gesehen.