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Der Asha’man nickte und zog sich zurück.

»Soll man ihn doch zu Asche verbrennen«, sagte Mat. »Kann der Mann nicht wenigstens lächeln? Der verdammte Himmel ist auch schon so deprimierend genug, ohne dass Leute wie er ihn nachmachen.«

» Nun j a, mein Sohn «, meinte Thom und schenkte Ale nach, »einige unter uns finden die Welt im Augenblick nicht besonders komisch.«

»Unsinn«, sagte Mat. »Die Welt ist nur komisch. In letzter Zeit hat mich der ganze verdammte Ort ausgelacht. Ich sage dir, Perrin. Mit den Steckbriefen, die von uns im Umlauf sind, musst du den Kopf unten halten.«

»Ich wüsste nicht, wie das gehen sollte«, sagte Perrin. »Ich muss ein Heer führen, mich um Leute kümmern.«

»Ich glaube nicht, dass du Verins Warnung ernst genug nimmst, mein Junge«, sagte Thom kopfschüttelnd. »Hast du je vom Volk der Banath gehört?«

»Nein.« Perrin sah Mat an.

»Das war ein Haufen Wilder, die dort umherstreiften, was heute die Ebene von Almoth ist«, sagte Thom. »Ich kenne ein paar schöne Lieder über sie. Ihre verschiedenen Stämme malten die Haut ihres Anführers immer rot an, damit er herausragte. «

Mat biss wieder in seinen Käse. »Verdammte Narren. Den Anführer rot anmalen? Das macht ihn doch für jeden Soldaten auf dem Feld zur Zielscheibe.«

»Das war ja der Sinn«, sagte Thom. »Es war eine Herausforderung, verstehst du? Wie sollte ihn der Feind sonst finden und sich mit ihm messen?«

Mat schnaubte. »Ich würde ein paar Soldaten rot anmalen lassen, um sie von mir abzulenken, und dann ihre Anführer mit Pfeilen spicken lassen, während alle versuchen, die Burschen einzufangen, die sie für die Anführer meines Heeres halten.«

»Tatsächlich hat Villiam Blutvergießer genau das während seiner ersten und letzten Schlacht mit ihnen gemacht«, sagte Thom und nahm einen Schluck. »›Das Lied der hundert Tage‹ berichtet davon. Brillantes Manöver. Ich bin überrascht, dass du dieses Lied kennst – es ist sehr obskur, und die Schlacht war vor so langer Zeit, dass sie nicht mal mehr in den meisten Geschichtsbüchern steht.«

Aus irgendeinem Grund ließ diese Bemerkung Mat nervös riechen.

»Du meinst also, wir würden uns zu Zielscheiben machen?«, sagte Perrin.

»Ich meine«, erwiderte Thom, »dass es immer schwieriger wird, euch Burschen zu verstecken. Wo auch immer ihr hingeht, verkünden Banner eure Ankunft. Die Leute reden über euch. Ich bin beinahe davon überzeugt, dass ihr nur so lange überleben konntet, weil die Verloren nicht wussten, wo ihr zu finden wart.«

Perrin nickte und musste dann an die Falle denken, in die sein Heer um ein Haar hineingetappt wäre. Meuchelmörder in der Nacht würden kommen. »Also was soll ich tun?«

»Mat schläft jede Nacht in einem anderen Zelt«, sagte Thom. »Und manchmal auch in der Stadt. Du solltest dich ähnlich verhalten. Grady kann Wegetore machen, oder? Warum lässt du ihn nicht jeden Abend eines in deinem Zelt erschaffen? Schleich dich raus und schlaf anderswo, dann Reist du am nächsten Morgen zurück. Jeder wird dich in deinem Zelt vermuten. Sollten Meuchelmörder zuschlagen, wirst du nicht da sein.«

Perrin nickte nachdenklich. »Oder noch besser, ich lasse fünf oder sechs Aiel dort warten.«

»Perrin«, sagte Mat, »das ist richtig hinterhältig.« Er lächelte. »Du hast dich zum Besseren verändert, mein Freund.«

»Das will ich als Kompliment verstehen, da es von dir kommt«, sagte Perrin. Er überlegte kurz, dann fügte er hinzu: »Das ist nicht einfach.«

Thom kicherte. »Aber er hat recht. Du hast dich verändert. Was ist aus dem schüchternen Jungen geworden, dem ich half, aus den Zwei Flüssen zu entkommen?«

»Er ist durch das Feuer eines Schmiedes gegangen«, sagte Perrin leise.

Thom nickte und schien zu verstehen.

»Und du, Mat?«, sagte Perrin. »Kann ich dir irgendwie behilflich sein? Dich vielleicht zwischen Zelten Reisen lassen?«

»Nein. Ich komme schon klar.«

»Wie willst du dich schützen?«

» Mit meinem Verstand.«

»So etwas hast du?«, sagte Perrin. »Wird ja auch Zeit.«

Mat schnaubte. »Was hat in letzter Zeit denn jedermann an meinem Verstand auszusetzen? Ich komme schon zurecht, vertraut mir. Erinnere mich daran, dir von dem Abend zu erzählen, an dem mir das erste Mal bewusst wurde, dass ich jedes Würfelspiel gewinnen kann, wenn ich nur will. Das ist eine gute Geschichte. Hat etwas mit Stürzen von Brücken zu tun. Zumindest einer Brücke.«

»Nun … du kannst sie uns ja jetzt erzählen«, sagte Perrin.

»Ist nicht der richtige Augenblick. Außerdem spielt es keine Rolle. Du musst wissen, dass ich bald aufbreche.«

Thom roch aufgeregt.

» Perrin, du leihst uns doch ein Wegetor, oder?«, wollte Mat wissen. »Ich hasse es, die Bande zu verlassen. Sie werden untröstlich sein, dass ich nicht da bin. Wenigstens haben sie diese Drachen, mit denen sie Dinge in die Luft jagen können.«

»Aber wo willst du hin?«, fragte Perrin.

»Das sollte ich wohl erklären«, sagte Mat. »Das war der eigentliche Grund für dieses Treffen, abgesehen von der angenehmen Unterhaltung.« Er beugte sich vor. » Perrin, Moiraine lebt.«

»Was?«

»Es stimmt«, sagte Mat. »Oder zumindest glauben wir das. Sie schickte Thom einen Brief und behauptete, sie hätte den Kampf mit Lanfear vorausgesehen und wüsste, dass sie… Wie dem auch sei, da gibt es diesen Turm westlich von hier am Fluss Arinelle. Er besteht völlig aus Metall. Es ist…«

»Der Turm von Ghenjei«, sagte Perrin leise. »Ja, ich habe davon gehört.«

Mat blinzelte. »Du? Soll man mich doch zu Asche verbrennen. Wann bist du denn zum Gelehrten geworden?«

»Ich habe lediglich das eine oder andere gehört. Mat, das ist ein Ort des Bösen.«

»Nun, Moiraine ist dort«, sagte Mat. »Gefangen. Ich will sie zurückholen. Ich muss die Schlangen und Füchse schlagen. Verdammte Falschspieler.«

»Schlangen und Füchse?«, fragte Perrin.

Thom nickte. » Das Kinderspiel ist nach den Wesen benannt, die in diesem Turm leben. Das glauben wir zumindest.«

»Ich bin ihnen begegnet«, sagte Mat. »Und… nun, dafür ist jetzt wirklich nicht der richtige Augenblick.«

»Wenn du sie retten willst«, sagte Perrin, »dann sollte ich vielleicht mitkommen. Oder zumindest einen der Asha’man schicken.«

»Ich würde mich über ein Wegetor freuen«, sagte Mat. »Aber du kannst nicht mitkommen. Das hat Moiraine in ihrem Brief erklärt. Es dürfen nur drei Männer kommen, und ich weiß bereits, wer das sein wird.« Er zögerte. »Weißt du, Olver wird mich verdammt noch mal umbringen, weil ich ihn nicht mitnehme.«

Perrin schüttelte den Kopf. »Mat. Was du da sagst, ergibt nicht den geringsten Sinn.«

Mat seufzte. »Dann erzähle ich dir doch die ganze Geschichte.« Er warf einen Blick auf den Ale-Krug. »Da brauchen wir aber Nachschub, und du solltest Grady besser sagen, dass es noch etwas dauert…«

48

Nahe Avendesora

Aviendha tat den letzten Schritt und verließ den Wald aus Glassäulen. Sie holte tief Luft, dann schaute sie auf den Pfad zurück, den sie gekommen war.

Der Hauptplatz von Rhuidean war ein ehrfurchtgebietender Anblick. Abgesehen von der genauen Mitte war der ganze Platz mit glatten weißen Steinplatten gefliest. Dort erhob sich ein gewaltiger Baum, dessen weit ausladende Äste in die Höhe griffen, um die Sonne zu umarmen. Der riesige Baum wies eine Perfektion auf, die Aviendha nicht erklären konnte. Da war eine natürliche Symmetrie – keine fehlenden Äste, keine klaffenden Löcher in der Blätterkrone. Das beeindruckte vor allen Dingen deshalb, weil er, als sie ihn das letzte Mal gesehen hatte, geschwärzt und verbrannt gewesen war.

In einer Welt, in der andere Pflanzen ohne jede Erklärung abstarben, war der Baum wieder geheilt und schneller erblüht, als möglich hätte sein sollen. Seine Blätter raschelten beruhigend im Wind, und die knorrigen Wurzeln stachen wie die alten Finger eines weisen Greises aus dem Boden hervor. Der Baum entfachte in ihr den Wunsch, sich hinzusetzen und sich im einfachen Frieden des Augenblicks zu sonnen.