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»Ich nehme Euren Einwurf zur Kenntnis«, sagte Rand. Er nahm das Sa’angreal von Min entgegen und schob es dann hinter der Schulter in eine Scheide auf seinem Rücken. An der Seite trug er wieder das uralte Schwert, auf dessen Scheide die rotgoldenen Drachen aufgemalt waren. Er hatte erwähnt, dass er es für eine Art Symbol hielt. Für ihn repräsentierte es die Vergangenheit, und Callandor - irgendwie – die Zukunft.

»Rand.« Min nahm ihn beim Arm. »Meine Forschungen … Callandor scheint einen tieferliegenden Fehler zu haben, als wir entdeckten. Diese Sicht untermauert bloß das, was ich zuvor sagte. Ich mache mir Sorgen, dass man es gegen dich benutzen könnte.«

»Ich vermute, das wird auch geschehen«, sagte Rand. »Alles andere auf der Welt ist gegen mich benutzt worden. Narishma, bitte ein Wegetor. Wir haben die Grenzländer lange genug warten lassen.«

Der Asha’man nickte, die Glöckchen in seinem Haar klirrten.

Rand wandte sich an Naeff. »Naeff, noch immer keine Nachricht aus der Schwarzen Burg?«

»Nein, mein Lord«, sagte der hochgewachsene Asha’man.

»Ich konnte nicht dorthin Reisen«, sagte Rand. »Das deutet auf großen Ärger hin, schlimmer als ich befürchtete. Benutzt dieses Gewebe, es kann Euch verkleiden. Reist an einen Ort einen Tagesritt entfernt, dann reitet hin und versteckt Euch. Seht, was Ihr entdecken könnt. Helft, wenn Ihr könnt, und solltet Ihr Logain und die finden, die loyal zu ihm stehen, übergebt ihm eine Botschaft.«

»Welche Botschaft, mein Lord?«

Rand wirkte in Gedanken versunken. »Sagt ihnen, dass ich mich geirrt habe. Sagt ihnen, dass wir keine Waffen sind. Wir sind Männer. Vielleicht hilft das ja. Seid vorsichtig. Das könnte gefährlich sein. Gebt mir Bescheid. Ich muss hier noch ein paar Dinge klären, aber ich könnte leicht in eine Falle tappen, die viel gefährlicher ist als alles, dem ich bis jetzt entgehen konnte. Probleme… so viele Probleme, die geklärt werden müssen. Und von meiner Sorte gibt es nur einen. Geht dieses Mal an meiner Stelle, Naeff. Ich brauche Informationen.«

»Ich … ja, mein Lord.« Er erschien verwirrt, aber er verließ den Raum, um zu gehorchen.

Rand holte tief Luft, dann rieb er sich den Armstumpf. » Gehen wir.«

»Bist du sicher, dass du nicht mehr Leute mitnehmen willst?«, fragte Min.

»Ja«, sagte Rand. »Cadsuane, haltet Euch bereit, falls nötig ein Wegetor zu öffnen und uns dort wegzuschaffen.«

»Wir gehen nach Far Madding, mein Junge«, sagte Cadsuane. »Ihr habt doch wohl nicht vergessen, dass wir dort die Quelle nicht berühren können.«

Rand lächelte. »Und Ihr tragt ein vollständiges Paralisnetz im Haar, das eine Quelle enthält. Ich bin davon überzeugt, dass Ihr sie gefüllt haltet, und das dürfte ausreichen, um ein einzelnes Wegetor zu erschaffen.«

Cadsuanes Miene wurde ausdruckslos. »Ich habe noch nie etwas von einem Paralisnetz gehört.«

»Cadsuane Sedai«, sagte Rand leise. »Euer Netz hat ein paar Verzierungen, die ich nicht erkenne – ich vermute mal, dass es eine Konstruktion aus der Zeit der Zerstörung der Welt ist. Aber ich war dabei, als man die ersten entwarf, und ich trug die ursprüngliche männliche Version.«

Im Raum kehrte Schweigen ein.

»Nun, mein Junge«, sagte Cadsuane schließlich. »Ihr …«

»Werdet Ihr diese Affektiertheit denn niemals aufgeben, Cadsuane Sedai?«, fragte Rand. »Mich Junge zu nennen? Es stört mich nicht mehr, aber es fühlt sich seltsam an. An dem Tag, an dem ich während des Zeitalters der Legenden starb, war ich vierhundert Jahre alt. Vermutlich macht Euch das zumindest mehrere Jahrzehnte jünger als mich. Ich erweise Euch den nötigen Respekt. Vielleicht wäre es angebracht, wenn Ihr ihn erwidert. Wenn Ihr wollt, dürft Ihr mich als Rand Sedai ansprechen. Soweit ich weiß, bin ich der einzige noch lebende männliche Aes Sedai, der auf die angemessene Weise erhoben wurde und sich nie dem Schatten zuwandte.« Cadsuane wurde sichtlich blass.

Rands Lächeln wurde freundlich. »Ihr wolltet dazukommen und mit dem Wiedergeborenen Drachen tanzen, Cadsuane. Ich bin, was ich sein muss. Habt Mut – Ihr stellt Euch den Verlorenen, habt aber jemanden an Eurer Seite, der genauso alt wie sie ist.« Er wandte sich von ihr ab, und ein gedankenverlorener Ausdruck trat in seine Augen. »Wenn hohes Alter doch bloß tatsächlich ein Hinweis auf große Weisheit wäre. Eine schöne Vorstellung, genau wie der Wunsch, dass uns der Dunkle König einfach in Ruhe lässt.«

Er nahm Mins Arm, und zusammen traten sie durch Narishmas Wegetor. Auf der anderen Seite wartete eine kleine Gruppe Töchter auf einer Waldlichtung und bewachte eine Gruppe Pferde. Min stieg in den Sattel, und ihr entging nicht, wie reserviert Cadsuane aussah. Was nicht verkehrt war. Wenn Rand auf diese Weise sprach, bereitete das Min größere Sorgen, als sie zugeben wollte.

Sie verließen das kleine Gehölz und schlugen die Richtung nach Far Madding ein, einer eindrucksvollen Stadt auf einer Insel in der Mitte eines Sees. Um den See breitete sich ein großes Heer mit Hunderten Bannern aus.

»Weißt du, das war immer schon eine wichtige Stadt«, sagte Rand zu Min und blickte wieder in die Ferne. »Die Wächter sind neueren Datums, aber die Stadt gab es schon vor langer Zeit. Aren Deshar, Aren Mador, Far Madding. Aren Deshar war immer ein Dorn in unserer Seite. Die Enklave der Incastar – die, die den Fortschritt fürchteten, die Angst vor den Wundern hatten. Wie sich herausstellte, hatten sie das Recht, Angst zu haben. Wie sehr ich mir wünsche, ich hätte auf Gilgame …«

»Rand?«, sagte Min leise.

Das holte ihn aus seinen Erinnerungen. »Ja?«

» Stimmt das wirklich, was du da gesagt hast? Bist du vier Jahrhunderte alt?«

»Ich glaube, es sind fast viereinhalb. Muss man meine Jahre in diesem Zeitalter zu den anderen hinzufügen?« Er sah sie an. »Du machst dir Sorgen, richtig? Dass ich nicht länger ich bin, der Mann, den du kanntest, der dumme Schafhirte?«

»Du trägst so viel davon in deinem Verstand, so viel Vergangenheit.«

»Nur Erinnerungen«, wehrte Rand ab.

»Aber du bist auch er. Du sprichst, als wärst du derjenige gewesen, der die Bohrung versiegeln wollte. Als hättest du die Verlorenen persönlich gekannt.«

Eine Weile ritt Rand schweigend. »Ich vermute, dass ich tatsächlich er bin. Aber Min, du verstehst da etwas nicht. Ich bin vielleicht jetzt er, aber er war auch immer ich. Ich war immer er. Ich werde mich nicht verändern, nur weil ich mich erinnere – ich war derselbe. Ich bin ich. Und ich bin immer ich gewesen.«

»Lews Therin war verrückt.«

»Am Ende«, sagte Rand. »Und ja, er hat Fehler gemacht. Ich mache Fehler. Ich wurde arrogant, verzweifelt. Aber dieses Mal gibt es einen Unterschied. Einen großen.«

»Welchen Unterschied?«

Er lächelte. »Dieses Mal wurde ich besser erzogen.« Min musste ebenfalls lächeln.

»Du kennst mich, Min. Nun, ich versichere dir, dass ich mich jetzt mehr wie mich selbst fühle als seit Monaten. Ich fühle mich mehr wie mich selbst, als ich das je als Lews Therin tat, falls das überhaupt einen Sinn ergibt. Das liegt an Tarn, an den Menschen in meiner Umgebung. Du, Perrin, Nynaeve, Mat, Aviendha, Elayne, Moiraine. Er hat sich große Mühe gegeben, mich zu brechen. Ich glaube, wäre ich derselbe gewesen, der ich vor so langer Zeit war, hätte er Erfolg gehabt.«

Sie ritten über die Wiese, die Far Madding umgab. Wie überall war das Grün verblichen und hatte nur Gelb und Braun zurückgelassen. Es wurde immer schlimmer.

Glaube fest daran, dass es nur schlummert, sagte sich Min. Das Land ist nicht tot. Es wartet den Winter über. Ein Winter aus Stürmen und Krieg.

Narishma, der hinter ihnen ritt, stieß ein leises Zischen aus. Min schaute zurück. Die Miene des Asha’man war versteinert. Anscheinend hatten sie die Blase des Wächters betreten. Rand ließ sich nicht anmerken, dass er das bemerkt hatte. Er schien auch keine Probleme mehr mit Übelkeit zu haben, wenn er die Macht lenkte, was sie sehr erleichterte. Oder überspielte er es nur?