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»Die Stürme«, sagte Tenobia. »Der Schnee hielt uns auf. Und dann erwies es sich als viel schwieriger, Euch zu finden, als wir erwartet hatten. Diese Wegetore. Könnt Ihr sie unseren Aes Sedai beibringen?«

»Im Gegenzug für ein Versprechen lasse ich Eure Aes Sedai unterrichten«, sagte Rand. »Ihr werdet mir einen Eid schwören. Ich brauche euch.«

»Wir sind Herrscher«, fauchte Tenobia. »Ich werde mich Euch nicht so schnell beugen, wie das mein Onkel tat. Übrigens werden wir uns darüber noch unterhalten müssen.«

»Unser Eid gehört den Ländern, die wir beschützen«, sagte Easar.

»Wie Ihr wollt«, sagte Rand und stand auf. »Einst stellte ich Euch allen ein Ultimatum. Ich habe das schlecht formuliert, und das bedaure ich, aber ich bleibe Euer einziger Weg zur Letzten Schlacht. Ohne mich bleibt Ihr hier, Hunderte von Meilen von den Ländern entfernt, die Ihr zu beschützen geschworen habt.« Er nickte jedem zu, dann half er Min auf die Füße. »Morgen treffe ich mich mit den Monarchen der Welt. Danach gehe ich zum Shayol Ghul und breche die noch verbliebenen Siegel am Kerker des Dunklen Königs. Guten Tag.«

Cadsuane stand nicht auf. Sie blieb sitzen und trank ihren Tee. Die vier erschienen erstaunt. Nun, der Junge hatte definitiv einen Sinn für Dramatik entwickelt.

»Wartet!«, stotterte schließlich Paitar und sprang auf. »Ihr wollt was tun?«

Rand drehte sich um. »Ich werde die Siegel zerschmettern, Lord Paitar. Ich gehe, um ›zu zerbrechen, was er zerbrechen muss‹, wie es Eure eigene Prophezeiung vorhergesagt hat. Ihr könnt mich nicht daran hindern, nicht wenn diese Worte beweisen, was ich tun werde. Vor kurzem sprang ich ein, um Maradon vor dem Untergang zu bewahren. Es stand kurz davor, Tenobia. Seine Mauern sind zerstört, Eure Truppen blutig geschlagen. Mithilfe anderer konnte ich es retten. So gerade eben. Andere Länder brauchen Euch. Und so bleiben Euch zwei Möglichkeiten. Leistet mir den Eid, oder sitzt hier herum und lasst jeden anderen an Eurer Stelle kämpfen.«

Cadsuane trank ihren Tee. Das ging doch etwas zu weit.

»Ich lasse Euch allein, damit Ihr mein Angebot besprechen könnt«, sagte Rand. »Ich kann eine Stunde erübrigen – aber bevor Ihr mit Eurer Beratung anfangt, könntet Ihr bitte jemanden für mich holen lassen? Da ist ein Mann in Eurer Armee namens Hurin. Ich würde mich gern bei ihm entschuldigen.«

Sie sahen noch immer fassungslos aus. Cadsuane stand auf, um mit den Schwestern zu sprechen, die draußen warteten; ein paar von ihnen kannte sie, und die anderen musste sie einschätzen. Sie machte sich keine Sorgen wegen der Entscheidung der Grenzländer. Al’Thor hatte sie. Eine weitere Armee unter seinem Banner. Ich hätte nicht gedacht, dass er das bei ihnen schafft.

Noch ein Tag, und alles würde beginnen. Und sie hoffte beim Licht, dass sie wirklich bereit waren.

52

Stiefel

Elayne setzte sich auf Funkeins Sattel zurecht. Die Stute war eines der Schmuckstücke des Königlichen Stalls. Sie stammte aus einer prächtigen saldaeanischen Zucht, Fell und Mähne war strahlend weiß. Der Sattel war kostbar, das Leder war mit weinroten und goldenen Verzierungen bestickt. Es war die Art Sattel, wie man sie bei einer Parade benutzte.

Birgitte ritt Aufsteigend, einen hohen braunen Wallach und eines der schnellsten Pferde im Stall. Die Behüterin hatte beide Pferde ausgesucht. Sie rechnete damit, fliehen zu müssen.

Birgitte trug eine von Elaynes Fuchskopfkopien, obwohl sie eine andere Form hatte. Es war eine schmale Silberscheibe mit einer Rose auf der Vorderseite. Elayne trug eine weitere, die in ein Tuch eingeschlagen in ihrer Tasche steckte.

Am Morgen hatte sie versucht, eine weitere Kopie anzufertigen, aber sie war geschmolzen und hatte dabei beinahe ihren Toilettentisch in Brand gesetzt. Ohne das Original hatte sie große Probleme. Ihr Traum, jede ihrer persönlichen Gardistinnen damit zu bewaffnen, erschien immer unwahrscheinlicher, es sei denn, sie konnte Mat irgendwie dazu überreden, ihr das Original noch einmal zu überlassen.

Ihre berittene Ehrengarde nahm auf dem Königinnenplatz um sie und Birgitte herum Aufstellung. Sie nahm nur hundert Soldaten mit – fünfundsiebzig Gardisten und einen inneren Ring aus fünfundzwanzig Gardistinnen. Es war eine winzige Streitmacht, aber wäre sie damit durchgekommen, hätte sie auch auf diese Hundert verzichtet. Sie konnte es sich nicht leisten, als Eroberin betrachtet zu werden.

»Das gefällt mir nicht«, sagte Birgitte.

»Dir gefällt in letzter Zeit gar nichts«, erwiderte Elayne. »Ich schwöre, du wirst jeden Tag übellauniger.«

»Weil du jeden Tag leichtsinniger wirst.«

»Ach, nun hör aber auf. Das ist wohl kaum das Leichtsinnigste, das ich je getan habe.«

»Aber auch nur, weil du diese Grenze sehr hoch für dich selbst angesetzt hast.«

»Es wird schon klappen«, sagte Elayne und schaute nach Süden.

»Warum schaust du immer in diese Richtung?«

»Rand«, erwiderte Elayne und verspürte wieder diese Wärme, die in dem Gefühlsbündel in ihrem Hinterkopf pulsierte. » Er macht sich für etwas bereit. Er fühlt sich besorgt an. Und zugleich ganz friedlich.« Beim Licht, dieser Mann konnte verwirrend sein.

Die Versammlung würde am nächsten Tag stattfinden, falls sein ursprünglicher Termin noch galt. Egwene hatte recht; die Siegel zu zerbrechen würde idiotisch sein. Aber Rand würde Vernunft annehmen.

Ahse ritt heran, begleitet von drei Kusinen. Sarasia war eine dicke Frau mit einer großmütterlichen Ausstrahlung; die dunkelhäutige Kema trug das Haar in drei langen Zöpfen, und die steife Nashia mit dem jugendlichen Gesicht trug ein voluminöses Kleid.

Die vier nahmen neben Elayne ihre Positionen ein. Lediglich zwei von ihnen waren stark genug für ein Wegetor – viele Kusinen waren schwächer als die meisten Aes Sedai. Aber das würde ausreichen, falls Elayne Probleme haben sollte, die Quelle zu umarmen.

»Könnt Ihr etwas tun, damit Bogenschützen sie nicht treffen?«, fragte Birgitte Alise. »Irgendein Gewebe?«

Alise legte nachdenklich den Kopf schief. »Ich habe von einem gehört, das möglicherweise hilft«, sagte sie dann, »aber ich habe es noch nie ausprobiert.«

Eine andere Kusine webte vor ihnen ein Tor. Es öffnete sich auf ein Stück Land außerhalb von Cairhien; das Terrain war unwegsam und das Gras braun. Dort wartete ein viel größerer Trupp mit den Kürassen und glockenförmigen Helmen cairhienischen Militärs. Die Offiziere waren leicht an ihrer dunklen Kleidung in den Farben der Häuser, denen sie dienten, zu erkennen.

Der schmalgesichtige Lorstrum saß vor seinem Heer, das dunkelgrün mit roten Schlitzen uniformiert war, auf einem Pferd; Bertome war auf der anderen Seite. Ihre Streitkräfte schienen etwa die gleiche Größe zu haben. Je fünftausend Mann. Die anderen vier Häuser hatten kleinere Heere geschickt.

»Falls sie dich gefangen nehmen wollen«, sagte Birgitte grimmig, »bietest du ihnen die perfekte Gelegenheit.«

»Es gibt keine Möglichkeit, das hier zu tun und in Sicherheit zu sein, es sei denn, ich verstecke mich in meinem Palast und schicke meine Truppen. Das würde in Cairhien bloß eine Rebellion auslösen und in Andor möglicherweise zum Zusammenbruch führen.« Sie sah die Behüterin an. »Birgitte, ich bin jetzt die Königin. Du wirst mich nicht von jeder Gefahr fernhalten können, genauso wenig wie man einen einzelnen Soldaten auf einem Schlachtfeld behüten kann.«

Birgitte nickte. »Bleib in meiner und Guybons Nähe.«

Guybon kam auf seinem großen Apfelschimmel näher. Mit Birgitte auf der einen und Guybon auf der anderen Seite – ihrer beider Pferde waren höher als Elaynes – würde ein Attentäter ziemliche Probleme haben, sie zu erwischen, ohne vorher ihre Freunde zu treffen.

So würde das für den Rest ihres Lebens sein. Sie trieb Funkeln an, und ihr Trupp durchquerte das Wegetor und betrat cairhienischen Boden. Die wartenden Adligen verneigten sich im Sattel, und diesmal waren die Verbeugungen tiefer als bei der Begegnung in Elaynes Thronsaal. Das Schauspiel hatte begonnen.