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Die Kreatur war gekommen, um mit den Mäusen zu spielen.

»Bei unserem Weg gilt keine Vereinbarung«, erwiderte Mat und versuchte ganz ruhig zu klingen. »Wir können verdammt noch mal mitbringen, was wir wollen.«

»Keine Vereinbarung zu haben ist gefährlich«, sagte der Eelfinn mit glatter Stimme. »Für Euch. Glücklicherweise kann ich Euch an den Ort bringen, an den Ihr wollt.«

»Nun, dann tut das.«

»Lasst Euer Eisen zurück«, sagte der Eelfinn. »Eure Musikinstrumente. Euer Feuer.« »Niemals«, sagte Mat.

Der Eelfinn blinzelte. Langsam, überlegt. Mit leisen Schritten trat er näher. Mat hob seinen Ashandarei, aber der Eelfinn machte keine bedrohlichen Bewegungen. Er glitt um die drei Männer herum und sprach leise.

»Nun hört aber auf. Können wir nicht mit Höflichkeit sprechen? Ihr seid als Suchende in unser Reich gekommen. Wir haben die Macht, Euch zu geben, was Ihr wünscht, was Ihr braucht. Warum nicht guten Glauben zeigen? Lasst Eure Werkzeuge zum Feuermachen zurück. Nur die, und ich verspreche Euch, eine Weile zu führen.«

Seine Stimme war hypnotisch, beruhigend. Was er sagte, machte Sinn. Wozu brauchten sie Feuer? Der Nebel sorgte für genug Helligkeit. Er …

»Thom«, sagte Mat. »Musik.«

»Was?«, sagte Thom, der leicht zitterte.

»Spiel was. Egal was.«

Thom holte seine Flöte heraus, und der Eelfinn kniff die Augen zusammen. Thom fing an zu spielen. Es war ein bekanntes Lied. »Der Wind, der die Weiden schaukelt«. Mat hatte den Eelfinn beruhigen wollen, ihn vielleicht aus dem Gleichgewicht bringen. Aber die vertraute Melodie half, den Nebel aus seinem Verstand zu verscheuchen.

»Das ist unnötig«, sagte der Eelfinn und starrte Thom böse an.

»Doch, ist es«, erwiderte Mat. »Und wir lassen unser Feuer verflucht noch mal nicht zurück. Es sei denn, Ihr versprecht mir, uns bis zum Zentralgemach zu führen und Moiraine zu übergeben.«

»Diese Vereinbarung kann ich nicht treffen«, sagte das Geschöpf und schlich weiterhin um sie herum. Mat drehte sich mit ihm und wandte ihm keinen Augenblick lang den Rücken zu. »Dazu bin ich nicht befugt.«

»Holt jemanden, der es ist.«

»Unmöglich«, sagte der Eelfinn. »Hört mir zu. Feuer ist unnötig. Ich führe Euch den halben Weg zum Zentralgemach, dem Gemach der Verträge, wenn Ihr dieses schreckliche Feuer zurücklasst. Es beleidigt uns. Wir wollen doch nur Eure Wünsche erfüllen.«

Das Geschöpf versuchte offensichtlich wieder, sie einzulullen, aber Thoms Spiel brachte seinen Rhythmus durcheinander. Mat beobachtete es, dann fing er zur Melodie der Flöte an zu singen. Er hatte nicht die beste aller Stimmen, aber er war auch nicht ganz schlecht. Der Eelfinn gähnte, dann setzte er sich an die Wand und schloss die Augen. Wenige Augenblicke später war er eingeschlafen.

Thom nahm die Flöte von den Lippen und sah beeindruckt aus.

»Gut gemacht«, flüsterte Noal. »Ich hatte ja keine Ahnung, dass Ihr die Alte Sprache so flüssig sprecht.«

Mat zögerte. Ihm war nicht einmal bewusst geworden, dass er sie benutzt hatte.

»Meine Alte Sprache ist ziemlich eingerostet«, sagte Noal nachdenklich, »aber hier habe ich doch vieles verstehen können. Das Problem ist nur, wir kennen noch immer nicht den richtigen Weg. Wie sollen wir ihn finden, ohne dass uns einer von ihnen führt?«

Er hatte recht. Birgitte war monatelang umhergewandert, ohne zu ahnen, ob ihr Ziel nur noch ein paar Schritte entfernt war. Das Gemach, in dem Mat die Anführer der Eelfinn getroffen hatte … Birgitte hatte gesagt, dass die fremden Wesen mit einem verhandeln mussten, wenn man es bis dorthin schaffte. Das konnte nur das Gemach der Verträge sein, das der Eelfinn erwähnt hatte.

Die arme Moiraine. Sie war durch einen roten Türrahmen gekommen; eigentlich hätte sie das Bündnis beschützen müssen, das die Eelfinn mit den uralten Aes Sedai geschlossen hatten. Aber dieser Durchgang war zerstört worden. Kein Rückweg mehr.

Bei seinem ersten Besuch hatte man Mat für seine Klugheit gelobt, um einen Ausgang zu bitten. Auch wenn es ihn noch immer aufbrachte, dass die Eelfinn seine Fragen nicht beantwortet hatten, sah er doch ein, dass es bei ihnen nicht darum ging. Die Aelfinn waren für die Fragen da; die Eelfinn erfüllten Bitten. Aber sie verdrehten diese Bitten und nahmen den Preis, den sie wollten. Unbedacht hatte’ Mat darum gebeten, die Lücken in seiner Erinnerung gefüllt zu bekommen, die Aes Sedai loszuwerden und den Weg aus dem Turm hinaus gezeigt zu bekommen.

Wenn Moiraine das nicht gewusst und nicht so wie er um einen Ausgang gebeten hatte … oder wenn sie um den Weg zurück zum Eingang gebeten hatte, ohne zu wissen, dass er zerstört worden war …

Mat hatte nach dem Ausgang gefragt. Den hatten sie ihm gegeben, aber er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie genau er ausgesehen hatte. Alles war schwarz geworden, und als er erwachte, hatte er an dem Ashandarei gebaumelt.

Er zog etwas aus der Tasche und hielt es fest mit der Faust umklammert. »Aelfinn und Eelfinn finden hier ihren Weg«, flüsterte er. »Es muss einen richtigen Gang geben.«

»Ein Weg«, sagte Noal. »Vier Auswahlmöglichkeiten, gefolgt von vier weiteren Möglichkeiten, gefolgt von vier weiteren Möglichkeiten … Die Chancen, die gegen uns stehen, sind astronomisch hoch!«

»Die Chancen«, sagte Mat und streckte die Hand aus. Er öffnete sie und enthüllte zwei Würfel. »Was kümmern mich die Chancen?«

Seine beiden Gefährten schauten die Elfenbeinwürfel an, dann schauten sie wieder hoch zu seinem Gesicht. Mat konnte fühlen, wie sein Glück in einer Woge in ihm aufstieg. »Zwölf Augen. Drei für jede Tür. Werfe ich eine Eins, eine Zwei oder eine Drei, gehen wir geradeaus. Vier, Fünf oder Sechs, dann nehmen wir die rechte Abzweigung und so weiter.«

»Aber Mat«, flüsterte Noal mit einem Blick auf den schlafenden Eelfinn. »Die Würfe ergeben doch nicht alle Möglichkeiten. Zum Beispiel könnt Ihr keine Eins würfeln, und bei einer Sieben ist es viel wahrscheinlicher …«

»Ihr versteht nicht, Noal«, sagte Mat und warf die Würfel zu Boden. Sie rollten über die schuppenähnlichen Fliesen und klapperten wie Zähne. »Es spielt keine Rolle, was wahrscheinlich ist. Nicht, wenn ich in der Nähe bin.«

Die Würfel blieben liegen. Einer von ihnen verfing sich in dem Spalt zwischen zwei Fliesen und balancierte wackelig. Der andere zeigte ein Auge.

»Seht Euch das an, Noal«, sagte Thom. »Anscheinend kann er ja doch eine Eins würfeln.«

Noal rieb sich das Kinn. »Das ist wirklich erstaunlich.«

Mat nahm seinen Ashandarei, hob die Würfel auf und ging geradeaus weiter. Die anderen folgten ihm und ließen den schlafenden Eelfinn zurück.

Im nächsten Raum würfelte Mat erneut und bekam eine Neun. »Den Weg zurück, den wir gekommen sind?«, fragte Thom stirnrunzelnd. »Das ist…«

»Genau das, was wir tun werden«, sagte Mat, drehte sich um und ging zurück. Der schlafende Eelfinn war aus dem Gemach verschwunden.

»Sie könnten ihn aufgeweckt haben«, meinte Noal.

»Oder es könnte ein anderes Gemach sein«, erwiderte Mat und würfelte erneut. Wieder eine Neun. Er stand in der Richtung, aus der sie ursprünglich gekommen waren, also bedeutete eine Neun erneut zurückzugehen. »Aelfinn und Eelfinn haben Regeln«, sagte Mat, drehte sich um und rannte den Korridor entlang, während die anderen ihm hinterherjagten. »Und dieser Ort hat Regeln.«

»Regeln müssen einen Sinn ergeben, Mat«, meinte Noal.

»Sie müssen beständig sein«, antwortete Mat. »Aber sie müssen nicht unserer Logik folgen. Warum sollten sie?«

Ihm erschien das vernünftig. Sie rannten eine Weile – diese Korridor erschien viel länger als die anderen. Langsam ging ihm die Puste aus, als sie den nächsten Raum erreichten. Wieder würfelte er, hatte aber bereits einen Verdacht, wie das Ergebnis aussehen würde. Neun. Zurück zum ersten Raum.