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»Er wird wiederhergestellt«, sagte ein Eelfinn. Die anderen beugten sich vor. Sie spürten seine Verzweiflung. Mehrere von ihnen erschienen unzufrieden. Sie haben nicht damit gerechnet, dass wir es hierher schaffen, dachte Mat. Ihnen gefällt das Risiko nicht, uns zu verlieren.

»Ich will, dass Ihr den Ausgang geöffnet haltet, bis wir durch sind«, fuhr er fort. »Er wird nicht versperrt, und er verschwindet auch nicht, wenn wir dort sind. Und ich will den geraden Weg, keine sich verändernden Räume. Der direkte Weg. Und ihr verdammten Füchse könnt uns nicht bewusstlos schlagen oder versuchen, uns zu töten oder dergleichen.«

Das gefiel ihnen nicht. Mat erwischte mehrere von ihnen dabei, wie sie die Stirn runzelten. Gut. Sie würden begreifen, dass sie nicht mit einem Kind verhandelten.

»Wir nehmen sie uns«, sagte Mat. »Wir gehen hier raus.«

»Diese Forderungen sind teuer«, sagte einer der Eelfinn. »Was zahlt Ihr für diese Gunst?«

»Der Preis ist bereits festgesetzt«, flüsterte ein anderer von hinten.

Und das war er. Irgendwie wusste Mat das. Ein Teil von ihm hatte es seit dem Augenblick gewusst, in dem er diesen Brief gelesen hatte. Hätte er damals nicht mit den Aelfinn gesprochen, wäre überhaupt etwas von dem hier geschehen? Vermutlich schon, er wäre gestorben. Sie mussten die Wahrheit sagen.

Sie hatten ihn davor gewarnt, dass da eine Rechnung auf ihn wartete. Für ein Leben. Für Moiraine. Und er würde sie bezahlen müssen. In diesem Augenblick wusste er, dass er es tun würde. Denn ihm war völlig klar, dass der Preis dafür einfach zu hoch sein würde, sollte er sich weigern. Nicht nur für Thom, nicht nur für Moiraine, und auch nicht nur für ihn selbst. Nach dem zu urteilen, was man ihm erzählt hatte, hing das Schicksal der Welt selbst von diesem Augenblick ab.

Nun, soll man mich doch als Narren verbrennen. Vielleicht bin ich ja doch ein Held. War das zu glauben?

»Ich bezahle ihn«, verkündete er. »Die Hälfte des Lichts der Welt.« Um die Welt zu retten.

»Abgemacht!«, verkündete einer der männlichen Eelfinn.

Die acht Kreaturen sprangen zugleich von ihren Podesten. Sie nahmen ihn in die Mitte und verringerten unablässig den Abstand, wie eine sich zuziehende Henkersschlinge. Schnell, geschmeidig und raubtierhaft.

»Mat!«, rief Thom und bemühte sich, die bewusstlose Moiraine zu halten, während er gleichzeitig nach einem seiner Messer griff.

Mat streckte Thom und Noal die Hand entgegen. »Das muss gemacht werden«, sagte er und entfernte sich ein paar Schritte von seinen Freunden. Die Eelfinn gingen mit und passierten sie ohne einen Blick. Die Goldnieten auf den Riemen, die sich auf jeder Brust der männlichen Eelfinn kreuzten, funkelten im gelben Licht. Alle acht Kreaturen lächelten breit.

Noal hob das Schwert.

»Nein!«, rief Mat. »Brecht diese Abmachung nicht. Denn wenn ihr das tut, werden wir alle hier sterben!«

Die Eelfinn umringten Mat in einem engen Kreis. Er bemühte sich, sie alle gleichzeitig im Auge zu behalten, und sein Herz schien mit jedem Schlag lauter in seiner Brust zu pochen. Sie schnupperten wieder an ihm, holten tief Luft, genossen, was auch immer sie von ihm nahmen.

»Macht schon, verflucht noch mal«, knurrte Mat. »Aber wisset, dass es das Letzte ist, was Ihr von mir bekommt. Ich werde aus diesem Turm entkommen, und ich werde eine Möglichkeit finden, meinen Verstand für alle Ewigkeit von Euch zu befreien. Ihr bekommt mich nicht. Matrim Cauthon ist nicht Eure verdammte Marionette.«

»Das werden wir sehen«, knurrte ein Eelfinn mit lustvollem Blick. Die Hand der Kreatur schoss vor, viel zu scharfe Nägel funkelten im Dämmerlicht. Sie trieb sie direkt in Mats linke Augenhöhle, dann riss sie das Auge mit einem Ruck heraus.

Mat schrie. Beim Licht, was für Schmerzen! Mehr als jede in der Schlacht davongetragene Verletzung, mehr als jede Beleidigung oder Spott. Er fühlte etwas Feuchtes auf der Wange, und er schrie erneut, als seine Finger das klaffende Loch ertasteten, wo sich eben noch sein Auge befunden hatte.

Er warf den Kopf zurück und brüllte in den Raum hinein, schrie vor Agonie.

Die Eelfinn schauten mit ihren schrecklichen, beinahe menschlichen Gesichtern zu, die Augen vor Ekstase zusammengekniffen, während sie sich an etwas labten, das von Mat ausging. Einen beinahe unsichtbaren rot-weißen Dunst.

»Der Geschmack!«, rief ein Eelfinn aus.

» So lange her!«, rief ein anderer.

»Wie er sich um ihn herum windet!«, sagte der, der sein Auge genommen hatte. »Wie er sich dreht! Blutgeruch in der Luft! Und der Spieler wird zum Zentrum von allem! Ich kann das Schicksal selbst schmecken!«

Mat heulte auf, sein Hut fiel zu Boden, während er durch ein einzelnes, tränenblindes Auge in die Dunkelheit über ihnen starrte. Seine Augenhöhle schien in Flammen zu stehen! Brannte! Er fühlte, wie Blut und Augenflüssigkeit auf seinem Gesicht trockneten und dann abblätterten, während er schrie. Die Eelfinn atmeten noch tiefer ein, erschienen wie betrunken.

Mat stieß einen letzten Schrei aus. Dann ballte er die Fäuste und schloss den Mund, obwohl er ein leises Stöhnen – ein Stöhnen voller Zorn und Schmerz – aus den Tiefen seiner Kehle nicht unterdrücken konnte. Einer der Eelfinn brach wie überwältigt zusammen. Es war der, der Mats Auge genommen hatte. Er hielt es in seinen Händen, krümmte sich darum zusammen. Die anderen stolperten fort, fanden den Weg zu den Säulen oder den Wänden, stützten sich dagegen.

Noal rannte an Mats Seite. Thom, der noch immer Moiraine hielt, folgte ihm vorsichtiger.

» Mat?«, fragte Noal.

Noch immer die Zähne gegen den Schmerz zusammengebissen, zwang sich Mat, seinen Hut vom weißen Boden aufzuheben. Er würde seinen Hut nicht hier zurücklassen, verflucht. Es war ein verdammt guter Hut.

Stolpernd kam er auf die Füße.

»Dein Auge …«, sagte Thom.

»Spielt keine Rolle«, sagte Mat. Soll man mich doch als Narren verbrennen. Als verfluchten ziegenköpfigen Narren! Er konnte vor Schmerzen kaum denken.

Sein anderes Auge blinzelte Schmerzenstränen. Es kam ihm wirklich so vor, als hätte er die Hälfte des Lichts der Welt verloren. Es war, als würde man durch ein Fenster sehen, dessen eine Hälfte geschwärzt war. Trotz des tobenden Schmerzes in der linken Augenhöhle hatte er das Gefühl, das Auge öffnen zu können.

Aber das konnte er nicht. Es war weg. Und kein Machtlenken der Aes Sedai konnte es ersetzen.

Er setzte den Hut auf und ignorierte den Schmerz trotzig. Er zog die Krempe auf der linken Seite tief ins Gesicht und beschattete die leere Augenhöhle, dann bückte er sich und hob den Ashandarei auf, stolperte kurz, blieb aber stehen.

»Ich hätte derjenige sein sollen, der bezahlt«, sagte Thom bitter. »Nicht du. Du wolltest nicht einmal herkommen.«

»Es war meine Entscheidung«, sagte Mat. »Und ich musste es sowieso tun. Es ist eine der Antworten, die mir die Aelfinn bei meinem ersten Besuch gaben. Ich würde die Hälfte des Lichts der Welt aufgeben müssen, um die Welt zu retten. Verdammte Schlangen.«

»Um die Welt zu retten?«, fragte Thom und betrachtete Moiraines friedliches Gesicht; ihr Körper war in den Flickenumhang eingehüllt. Sein Bündel lag auf dem Boden.

»Sie hat noch etwas zu erledigen«, sagte Mat. Der Schmerz ließ etwas nach. »Wir brauchen sie, Thom. Ich will verflucht sein, aber vermutlich hat es etwas mit Rand zu tun. Aber egal, das musste passieren.«

»Und wenn doch nicht? Sie sagte, sie sah …«

»Es spielt keine Rolle«, sagte Mat und wandte sich dem Ausgang zu. Die Eelfinn waren noch immer überwältigt. Wenn man so ihren Gesichtsausdruck betrachtete, hätte man zu dem Schluss kommen können, dass sie diejenigen waren, die ein Auge verloren hatten! Er legte sich sein Bündel über die Schulter und ließ Thoms da, wo es lag. Er konnte keine zwei tragen, nicht, wenn er noch kämpfen wollte.