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»Jetzt habe ich etwas gesehen«, sagte Noal und betrachtete den Raum und alle Anwesenden. »Ich würde sagen, etwas, das noch kein Mann zuvor gesehen hat. Sollen wir sie töten?«

Mat schüttelte den Kopf. »Das könnte unser Geschäft zunichtemachen.«

»Werden sie sich daran halten?«, fragte Thom.

»Nicht, wenn sie sich herauswinden können«, antwortete Mat und zuckte wieder zusammen. Beim Licht, wie sein Kopf schmerzte! Nun, er konnte nicht herumsitzen und heulen, als hätte er sein Lieblingsfohlen verloren. »Gehen wir.«

Sie verließen den Saal. Noal trug eine Fackel, allerdings hatte er zögernd seinen Stab zurückgelassen und hielt nun sein Schwert.

Diesmal gab es keine Öffnungen im Korridor, und Mat hörte, wie Noal das murmelnd kommentierte. Es fühlte sich richtig an. Er hatte einen direkten Rückweg verlangt. Die Eelfinn waren Lügner und Betrüger, aber sie schienen Lügner und Betrüger wie die Aes Sedai zu sein. Dieses Mal hatte er seine Forderungen mit Bedacht gestellt, statt einfach herauszusprudeln, was ihm gerade einfiel.

Der Korridor schien kein Ende nehmen zu wollen. Noal wurde zusehends nervöser; Mat ging stur weiter, und seine Schritte passten sich dem Pochen in seinem Schädel an. Wie würde der Verlust eines Auges sein Geschick im Kampf beeinflussen? Er würde mehr auf die linke Seite achten müssen. Und er würde jetzt Probleme haben, Entfernungen richtig einzuschätzen. Tatsächlich hatte er dieses Problem jetzt schon – Wände und Boden waren auf verstörende Weise schwer einzuschätzen.

Thom hielt Moiraine eng an die Brust gedrückt wie ein Geizhals sein Gold. Was bedeutete sie ihm überhaupt? Mat war immer davon ausgegangen, dass Thom aus dem gleichen Grund wie er dabei war – weil es getan werden musste. Diese Zärtlichkeit in Thoms Miene hatte er jedenfalls nicht erwartet.

Der Korridor endete abrupt an einem fünfeckigen Durchgang. Der dahinter befindliche Raum schien der mit der Schlacke am Boden zu sein. Von dem Kampf gab es keine Spuren mehr, auf dem Boden war kein Blut.

Mat holte tief Luft und trat ein. Er verspannte sich, als er dort Eelfinn sah, die sich zischend und knurrend in die Schatten duckten. Sie rührten sich nicht, schlugen nicht zu, aber einige bellten leise. Die Schatten ließen sie noch mehr wie Füchse aussehen. Sah Mat einen direkt an, hätte er sie durchaus mit gewöhnlichen Männern und Frauen verwechseln können, aber wie sie sich in der Dunkelheit bewegten, manchmal auf allen vieren … So ging kein Mensch, nicht mit dieser nervösen Anspannung eines angeketteten Raubtiers. Wie ein wütender Hund, den nur ein Zaun von einem trennte, und der es nicht erwarten konnte, einem die Kehle durchzubeißen.

Aber sie hielten sich an die Abmachung. Niemand griff an, und sobald sie die andere Seite des Raumes erreichten, fing Mat an, sich gut zu fühlen. Er hatte sie besiegt. Beim letzten Mal hatten sie das bessere Ergebnis erzielt, aber das hatte nur daran gelegen, weil sie wie Feiglinge kämpften und auf einen Mann einschlugen, der überhaupt nicht wusste, dass der Kampf bereits begonnen hatte.

Dieses Mal war er bereit gewesen. Er hatte ihnen gezeigt, dass Matrim Cauthon kein Narr war.

Sie betraten einen Korridor mit dem leicht glühenden weißen Dampf an der Decke. Der Boden bestand aus jenen schwarzen, miteinander verbundenen Dreiecken, die an den Seiten wie Waagschalen geformt waren. Mat atmete erleichterter, als sie einen der Räume erreichten, in dessen Ecken die verdrehten Dampfsäulen aufstiegen, obwohl seine Augenhöhle noch immer schmerzte wie die hinteren Regionen eines frisch kastrierten Hengstes.

In der Mitte des Raumes blieb er kurz stehen, dann ging er weiter. Er hatte einen direkten Weg verlangt. Das würde er bekommen. Dieses Mal gab es kein Vor und Zurück. »Blut und verdammte Asche!«, stieß er hervor, als ihm etwas einfiel.

»Was?«, fragte Thom und schaute alarmiert von Moiraine auf.

»Meine Würfel. Ich hätte die Rückgabe meiner Würfel in den Handel mit einschließen sollen.«

»Aber wir haben doch entdeckt, dass du sie nicht brauchst, um uns zu führen.«

»Darum geht es nicht«, knurrte Mat. »Mir gefielen diese Würfel.« Er zog den Hut wieder tiefer und schaute in den vor ihnen liegenden Korridor. Sah er da Bewegungen? Weit weg in der Ferne, ein gutes Dutzend Räume entfernt? Nein, das musste eine Sinnestäuschung durch die Schatten und den sich windenden Dampf sein.

»Mat«, sagte Noal. »Ich habe erwähnt, dass meine Alte Sprache nicht mehr das ist, was sie einst war. Aber ich glaube, ich habe verstanden, was Ihr sagtet. Das Geschäft, das Ihr abgeschlossen habt.«

»Ja«, erwiderte Mat, der nur mit halbem Ohr zuhörte. Hatte er schon wieder in der Alten Sprache gesprochen? Verdammt. Und was war das da vorn im Korridor?

»Nun«, fuhr Noal fort, »Ihr sagtet als Teil des Geschäfts so etwas wie ›Ihr Füchse könnt uns nicht bewusstlos schlagen oder versuchen, uns zu töten oder dergleichen‹.«

» Richtig.«

»Ihr sagtet Füchse, Mat«, sagte Naol. »Die Füchse können uns nicht schaden.«

»Und sie ließen uns gehen.«

»Aber was ist mit den anderen?«, fragte Noal. »Den Aelfinn? Wenn uns die Eelfinn nicht schaden können, müssen uns die Aelfinn dann auch in Ruhe lassen?«

Die Schatten im fernen Korridor verfestigten sich zu Gestalten mit langen Bronzeschwertern mit gebogenen Klingen. Hochgewachsene Gestalten, in mehrere Schichten gelbes Tuch gekleidet, die Haare kurz und schwarz. Augen mit Pupillen, die aus vertikalen Schlitzen bestanden.

Verdammte, verfluchte Asche!

»Lauft!«, brüllte Mat.

»Welche Richtung?«, fragte Noal alarmiert.

»Ganz egal!«, rief Mat. »Solange es uns von ihnen wegbringt!«

55

Wen sie zurückließen

Ein lautes Krachen erschütterte die Gänge und ließ das ganze Gebäude erbeben. Mat stolperte und lehnte sich haltsuchend gegen eine Wand, während aus der Öffnung hinter ihm Rauch und Steinsplitter sprühten.

Er schob den Kopf vor und schaute den Korridor entlang, während Thom und Noal weiterliefen. Thom hielt Moiraine. Noal hatte seine Fackel weggeworfen und eine Trommel hervorgeholt, um die Aelfinn zu beruhigen. Das hatte nichts gebracht, also hatte Mat nach den explodierenden Zylindern und Nachtblumen gegriffen.

Beim Licht, diese Zylinder waren tödlich! Im Korridor verstreut lagen Aelfinn-Leichen, ihre glänzende Haut war zerrissen, bösartig aussehender Qualm dampfte von ihrem Blut. Sie gingen auf zwei Beinen, schienen dabei aber zu kriechen, schwankten hin und her durch den Gang, während ihr Zischen zusehends wütender wurde.

Mit klopfendem Herzen rannte Mat hinter Thom und Noal her. »Folgen sie uns noch immer?«, rief Noal.

»Was glaubt Ihr denn?«, erwiderte Mat, als er die anderen einholte. »Beim Licht, diese Schlangen sind verdammt schnelll«

Sie platzten in einen weiteren Raum, der mit allen anderen identisch war. Quadratische Wände, die irgendwie nicht richtig quadratisch waren, in den Ecken aufsteigender Dampf, schwarze Bodenfliesen in Dreiecksform. In der Mitte kein dreieckiges Tor, durch das sie hinauskamen. Blut und verdammte Asche.

Mat kontrollierte die anderen drei Durchgänge und hielt den Ashandarei in den verschwitzten Händen. Sie konnten nicht denselben Trick wie zuvor benutzen, zwischen den gleichen zwei Räumen hin und her zu laufen. Nicht, wo die Aelfinn hinter ihnen her waren. Er musste sein Glück heraufbeschwören. Er wollte sich drehen und …

»Wir müssen in Bewegung bleiben!«, rief Noal. Er war an der Tür stehen geblieben und tänzelte nervös von einem Fuß auf den anderen. »Mat! Wenn uns diese Schlangen erwischen …«

Mat konnte sie hören, wie sie hinter ihnen zischten. Wie das Rauschen eines Flusses. Er wählte eine beliebige Richtung und lief los.

»Wirf noch einen Zylinder!«, sagte Thom.

»Das war der Letzte«, erwiderte Mat. »Und wir haben bloß drei Nachtblumen.« Sein Bündel fühlte sich leicht an.

»Musik funktioniert nicht bei ihnen«, sagte Noal und warf seine Trommel weg. »Sie sind zu wütend.«