Das waren Worte, wie er sie nie von Faile zu hören erwartet hätte. Es erschien als die persönlichste Sache, die sie ihm je geben konnte. Verlegen fühlte er Tränen in den Augen, und er zog sie enger an sich.
»Natürlich bin ich kein braves Schaf«, sagte sie.
»Das käme mir niemals in den Sinn«, eerwiderte er. »Niemals. «
Sie roch zufrieden.
»Es tut mir leid, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass du aus eigener Kraft entkommst«, sagte Perrin. »Ich vergebe dir.«
Er blickte in diese wunderschönen dunklen Augen, in denen sich das Kerzenlicht spiegelte. »Heißt das, wir können uns ohne den Streit versöhnen?«
Sie lächelte. »Ich erlaube es, dieses eine Mal. Und natürlich haben die Diener den strikten Befehl, für unsere Abgeschiedenheit zu sorgen.«
Er küsste sie. Es fühlte sich so ungemein richtig an, und er wusste, dass sein Kummer und das Unbehagen, das seit Maiden zwischen ihnen gestanden hatte, vorbei waren. Ob es das nun wirklich gegeben oder er es sich nur eingebildet hatte, es war vorüber.
Er hatte Faile zurück. Wahrhaftig und völlig.
17
Abschiede und eine Begegnung
Am Morgen nach dem Angriff des Gholams erwachte Mat steif und mit schmerzenden Gliedern aus Träumen, die so faul wie die Eier des Vormonats gewesen waren. Er hatte die Nacht in einem Erdloch verbracht, das er unter Aludras Ausrüstungswagen gefunden hatte. Er hatte seine Würfel genommen und die Stelle zufällig bestimmt.
Er kletterte unter dem Wagen hervor, streckte sich und rollte mit den Schultern, bis es knackte. Verdammte Asche. Eine der besten Sachen daran, Geld zu haben, bestand darin, nicht in Erdlöchern zu schlafen. So mancher Bettler hatte seine Nächte auf angenehmere Weise verbracht.
Der Wagen roch nach Schwefel und Pulver. Er war versucht, einen Blick unter die geölte Plane zu werfen, die den hinteren Teil bedeckte, aber das würde sinnlos sein. Aludra und ihre Pulver waren nicht zu begreifen. Solange die Drachen funktionierten, musste Mat nicht wissen, wie sie funktionierten. Zumindest nicht genau. Es war das Risiko nicht wert, sie zu verärgern.
Zum Glück für Mat hielt sie sich nicht bei ihrem Wagen auf. Sie würde sich nur wieder bei ihm beklagen, dass er ihr noch keinen Glockengießer besorgt hatte. Sie schien ihn für ihren Laufburschen zu halten. Einen widerspenstigen, der seine Arbeit nicht vernünftig erledigte. Die meisten Frauen verhielten sich manchmal so.
Er ging durch das Lager und zupfte sich Stroh aus dem Haar. Beinahe hätte er sich auf die Suche nach Lopin gemacht, damit dieser ihm ein Bad richtete, aber dann fiel ihm rechtzeitig ein, dass Lopin tot war. Verdammte Asche! Der arme Mann.
Der Gedanke an den armen Lopin dämpfte Mats Stimmung noch mehr, während er sich nach einem Frühstück umsah. Juilin fand ihn zuerst. Der kleine tairenische Diebefänger trug seinen konischen Hut und seinen dunkelblauen Mantel. »Mat«, sagte er. »Stimmt das? Du hast den Aes Sedai die Erlaubnis gegeben, zur Weißen Burg zurückzukehren?«
»Sie brauchen meine Erlaubnis nicht«, erwiderte Mat und verzog das Gesicht. Sollten die Frauen das auf diese Weise hören, würden sie ihm das Fell gerben und daraus Sattelleder machen. »Aber ich will sie mit Pferden ausrüsten.«
»Die haben sie bereits«, sagte Juilin und blickte in Richtung der Pferdeseile. »Sagten, du hättest deine Erlaubnis gegeben.«
Mat seufzte. Sein Magen knurrte, aber das Essen würde noch warten müssen. Er ging in Richtung Pferdeseile; er musste aufpassen, dass sich die Aes Sedai nicht mit seinen besten Tieren davonmachten.
»Ich dachte daran, sie zu begleiten«, sagte Juilin und ging neben ihm her. »Thera nach Tar Valon zu bringen.«
»Ihr könnt jederzeit gehen«, sagte Mat. »Ich halte euch nicht.« Juilin war ein anständiger Kerl. Manchmal etwas steif. Nun ja, arg steif. Juilin konnte einen Weißmantel entspannt aussehen lassen. Er war niemand, den man zum Würfeln mitnehmen wollte; er würde nur jeden in der Schenke finster anstarren und von den Verbrechen murmeln, die sie garantiert begangen hatten. Aber er war verlässlich, und es war gut, ihn im Notfall an seiner Seite zu haben.
»Ich will nach Tear zurück«, sagte Juilin. »Aber die Seanchaner wären so nahe, und Thera … Es macht ihr Angst. Ihr gefällt die Idee mit Tar Valon auch nicht besonders, aber wir haben nicht viele Möglichkeiten, und die Aes Sedai haben mir versprochen, eine Arbeit in Tar Valon zu besorgen, wenn ich sie begleite.«
»Also ist das jetzt der Abschied?« Mat blieb stehen.
»Für den Augenblick.« Juilin zögerte, dann streckte er die Hand aus. Mat ergriff sie und schüttelte sie, dann ging der Diebefänger los, um seine Sachen und seine Frau zu holen.
Mat dachte einen Moment lang nach, dann entschied er sich anders und ging zum Kochzelt. Vermutlich würde Juilin die Aes Sedai aufhalten, und er wollte etwas essen.
Kurze Zeit später erreichte er gesättigt die Pferdeleinen und trug ein in ein Tuch gewickeltes Bündel unter dem Arm. Natürlich hatten die Aes Sedai mit seinen besten Pferden eine übertrieben große Karawane gebildet. Teslyn und Joline schienen auch zu dem Schluss gekommen zu sein, sie könnten ein paar Lasttiere und Soldaten requirieren, die sie beluden. Mat seufzte und begab sich in den Schlamassel, um die Pferde zu kontrollieren.
Joline saß auf Mondschein, einer Stute aus tairenischer Zucht, die einem der Männer gehört hatte, die Mat bei der Flucht vor den Seanchanern im Kampf verloren hatte. Die reserviertere Edesina hatte Feuerstreif bestiegen und blickte gelegentlich zu zwei Frauen, die an der Seite standen. Die dunkelhäutige Bethamin und die blasse blonde Seta waren ehemalige Sul’dam.
Die Seanchanerinnen bemühten sich sehr, reserviert auszusehen, während sich die Gruppe versammelte. Mat gesellte sich zu ihnen.
»Hoheit«, sagte Seta, »ist es wahr? Ihr erlaubt denen da, sich von Euch zu entfernen?«
»Es ist besser, sie loszuwerden«, erwiderte Mat und zuckte über die Wahl ihres Titel für ihn zusammen. Mussten sie mit solchen Worten um sich werfen, als wären sie Holzpfennige? Die beiden seanchanischen Frauen hatten sich sehr verändert, seit sie Teil der Gruppe geworden waren, aber sie schienen es noch immer seltsam zu finden, dass er die Aes Sedai nicht als Waffe benutzen wollte. »Wollt ihr mitgehen, oder wollt ihr bleiben?«
»Wir gehen«, sagte Bethamin fest. Anscheinend war sie entschlossen zu lernen.
»Ja«, sagte Seta, »obwohl ich manchmal glaube, dass es besser wäre, uns einfach sterben zu lassen als uns … Nun, was wir sind, was wir repräsentieren, das bedeutet, dass wir eine Gefahr für das Kaiserreich sind.«
Mat nickte. »Tuon ist eine Sul’dam«, sagte er.
Die beiden Frauen starrten zu Boden.
»Geht mit den Aes Sedai«, sagte Mat. »Ich gebe euch eigene Pferde, damit ihr nicht auf sie angewiesen seid. Lernt, die Macht zu lenken. Das ist nützlicher, als zu sterben. Vielleicht könnt ihr beiden ja eines Tages Tuon von der Wahrheit überzeugen. Helft mir dabei, eine Möglichkeit zu finden, das in Ordnung zu bringen, ohne dass dabei das ganze Kaiserreich zusammenbricht.«
Die beiden Frauen sahen ihn an, und plötzlich erschienen sie bedeutend selbstsicherer und entschlossener. »Ja, Hoheit«, sagte Bethamin. »Das ist ein gutes Ziel für uns. Danke, Hoheit. «
Seta standen tatsächlich Tränen in den Augen! Beim Licht, was glaubten sie denn, dass er ihnen gerade versprochen hatte? Er zog sich zurück, bevor sie sich noch mehr verrückte Ideen in den Kopf setzten. Verdammte Frauen. Trotzdem taten sie ihm leid, ob er wollte oder nicht. Erfahren zu müssen, dass sie die Macht lenken konnten, sich zu sorgen, dass sie möglicherweise für jeden in ihrer Umgebung eine Gefahr darstellten.