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So hat sich Rand gefühlt, dachte er. Armer Narr. Wie immer wirbelten die Farben, als er an Rand dachte. Er bemühte sich, das nicht so oft zu tun, und bevor er diese Farben verbannen konnte, erhaschte er einen Blick auf Rand, der sich in einem wunderschönen Badegemach vor einem prächtigen vergoldeten Spiegel rasierte.

Mat gab den Befehl, den Sul’dam Pferde zu besorgen, dann schlenderte er zu den Aes Sedai. Thom war eingetroffen und kam zu ihm herüber. »Beim Licht. Du siehst aus, als hättest du mit einem Gebüsch gerungen und verloren.«

Mat tastete nach seinen Haaren, die vermutlich einen hübschen Anblick boten. »Ich habe die Nacht überlebt, und die Aes Sedai reisen ab. Ich hätte nicht übel Lust, deswegen ein Tänzchen aufzuführen.«

Thom schnaubte. »Hast du gewusst, dass die beiden hier sein würden?«

»Die Sul’dam? Ich dachte es mir.«

»Nein, die beiden.« Er zeigte.

Mat drehte sich um und runzelte die Stirn, als er Leilwin und Bayle Domon heranreiten sah. Ihre Besitztümer waren zusammengerollt auf den Rücken der Pferde geschnallt. Leilwin war einst unter dem Namen Egeanin eine seanchanische Adlige gewesen, aber Tuon hatte sie ihres Namens enthoben. Sie trug ein Reitkleid in mattgrauer Farbe. Ihr kurzes Haar war nachgewachsen und reichte bis über ihre Ohren. Sie stieg aus dem Sattel und ging mit großen Schritten in Mats Richtung.

»Soll man mich doch zu Asche verbrennen«, sagte Mat zu Thom, »wenn ich sie auch loswerde, könnte ich beinahe anfangen zu glauben, dass mich das Leben endlich gerecht behandelt. «

Domon folgte ihr. Er war ihr So’jhin. Das hieß … konnte er überhaupt noch So’jhin sein, jetzt, da sie keinen Titel mehr hatte? Egal, auf jeden Fall war er ihr Ehemann. Der Illianer hatte einen dicken Bauch und war stark. Er war gar kein so übler Bursche, es sei denn, er befand sich in Leilwins Nähe. Was er eigentlich immer war.

»Cauthon«, sagte sie, als sie vor ihm stehen blieb.

»Leilwin«, erwiderte er. »Ihr verlasst uns?«

»Ja.«

Mat lächelte. Er würde dieses Tänzchen wirklich aufführen!

»Es lag immer in meiner Absicht, in die Weiße Burg zu kommen«, fuhr sie fort. »Das beschloss ich an dem Tag, an dem ich Ebou Dar verließ. Wenn die Aes Sedai aufbrechen, werde ich sie begleiten. Für ein Schiff ist es immer klug, sich einem Konvoi anzuschließen, wenn sich die richtige Gelegenheit bietet.«

»Es ist wirklich schade, dass Ihr geht«, log Mat und tippte sich grüßend an die Hutkrempe. Leilwin war so zäh wie eine hundertjährige Eiche, in der noch immer Stücke der Axt der Männer steckten, die dumm genug gewesen waren, sie fällen zu wollen. Sollte ihr Pferd auf dem Weg nach Tar Valon einen Huf verlieren, würde sie sich das Tier vermutlich auf die Schultern wuchten und es den Rest des Weges tragen.

Aber sie konnte Mat nicht leiden, trotz allem, was er getan hatte, um ihre Haut zu retten. Vielleicht lag es daran, dass er ihr nicht gestattet hatte, das Kommando zu übernehmen, vielleicht auch, weil sie gezwungen gewesen war, seine Geliebte zu spielen. Nun, das hatte ihm auch nicht gefallen. Als hätte man ein Schwert an der Klinge gehalten und so getan, als würde das nicht wehtun.

Obwohl es Spaß gemacht hatte, dabei zuzusehen, wie sie sich wand.

»Macht es gut, Matrim Cauthon«, sagte Leilwin. »Ich beneide Euch nicht um die Klemme, in die Ihr Euch hineinmanövriert habt. Ich glaube in vielerlei Hinsicht, dass die Winde, die Euch antreiben, stürmischer sind als die, die mich in letzter Zeit herumgestoßen haben.« Sie nickte ihm zu und wandte sich zum Gehen.

Domon beugte sich vor und legte Mat eine Hand auf den Arm. »Ihr habt getan, was Ihr sagtet. Bei meiner alten Großmutter! Es war ein holpriger Ritt, aber Ihr habt getan, was Ihr sagtet. Meinen Dank.«

Die beiden gingen los. Mat schüttelte nur den Kopf, winkte Thom zu und begab sich dann zu den Aes Sedai. »Teslyn. Edesina. Joline. Alles in Ordnung?«

»Das ist es«, sagte Joline.

»Gut, gut. Ihr habt genügend Lasttiere?«

»Sie sind brauchbar, Meister Cauthon«, sagte Joline. Dann verzog sie das Gesicht, was sie aber zu überspielen versuchte, und fügte hinzu: »Danke, dass Ihr sie uns überlasst.«

Mat lächelte breit. Zu erleben, wie sie versuchte, respektvoll zu sein, war schon recht amüsant! Offensichtlich hatte sie erwartet, von Elayne und den anderen mit offenen Armen empfangen zu werden – und nicht, dass man sie ohne Audienz aus dem Palast wies.

Joline musterte ihn, die üppigen Lippen fest aufeinandergepresst. »Ich hätte Euch gern gezähmt, Cauthon«, sagte sie dann. »Und ich habe noch immer Lust, eines Tages zurückzukehren und das zu erledigen.«

»Dann will ich mit angehaltenem Atem darauf warten«, erwiderte er und holte das Bündel hervor. Er hielt es ihr hin.

»Was ist das?« Sie griff nicht danach.

Er schüttelte das Bündel. »Ein Abschiedsgeschenk«, sagte er. »Wo ich herkomme, lässt man niemals Reisende aufbrechen, ohne ihnen etwas für unterwegs mitzugeben. Das wäre unhöflich.«

Zögernd nahm sie es entgegen und warf einen Blick hinein. Es handelte sich um ein Dutzend mit Zucker gepuderter Rosinenbrötchen, was sie offensichtlich überraschte. »Danke«, sagte sie stirnrunzelnd.

»Ich schicke Euch Soldaten mit«, sagte er. »Sie bringen mir meine Pferde zurück, wenn Ihr in Tar Valon eingetroffen seid.«

Joline wollte anscheinend aufbegehren, überlegte es sich dann aber anders. Welche Einwände konnte sie schon dagegen haben?

»Das ist akzeptabel, Cauthon«, sagte Teslyn und trieb ihren schwarzen Wallach näher heran.

»Ich gebe ihnen den Befehl, Euch zu gehorchen«, fuhr er fort und wandte sich ihr zu. »Damit Ihr Leute habt, die Ihr herumkommandieren könnt und die Euch die Zelte aufstellen. Aber da gibt es eine Bedingung.«

Teslyn hob eine Braue.

»Ich möchte, dass Ihr der Amyrlin etwas bestellt«, sagte er. »Falls das Egwene ist, sollte das einfach sein. Aber auch wenn sie es nicht ist, richtet Ihr es ihr bitte aus. Die Weiße Burg hat etwas, das mir gehört, und es ist bald so weit, dass ich es zurückverlange. Ich will es zwar nicht haben, aber was ich will, scheint heutzutage sowieso keine Rolle zu spielen. Also komme ich vorbei, und ich habe nicht vor, mich verdammt noch mal abweisen zu lassen.« Er lächelte. »Richtet es in genau diesen Worten aus.«

Man musste es Teslyn lassen; sie kicherte leise. »Ich kümmere mich darum, obwohl ich bezweifle, dass die Gerüchte stimmen. Elaida würde niemals den Amyrlin-Sitz aufgeben.«

»Vielleicht erlebt Ihr ja eine Überraschung.« Mat war auf jeden Fall überrascht gewesen, als er entdeckt hatte, dass Frauen Egwene als Amyrlin bezeichneten. Er hatte keine Ahnung, was in der Weißen Burg geschehen war, aber er hatte das ungute Gefühl, dass die Aes Sedai Egwene so tief in ihre Intrigen verstrickt hatten, dass sie ihnen niemals entkommen würde. Er spielte sogar mit dem Gedanken, selbst dorthin zu reiten und zu sehen, ob er sie dort wegschaffen konnte.

Aber auf ihn warteten andere Aufgaben. Im Moment würde Egwene allein zurechtkommen müssen. Sie war ein tüchtiges Mädchen; bestimmt kam sie auch eine Weile ohne ihn aus.

Thom stand neben ihm, einen nachdenklichen Ausdruck auf dem Gesicht. Er wusste nicht mit Sicherheit, dass Mat das Horn geblasen hatte – zumindest hatte Mat ihm das nie erzählt. Er hatte versucht, die ganze verdammte Geschichte zu vergessen. Aber Thom hatte es sich vermutlich gedacht.

»Nun, ich glaube, Ihr solltet aufbrechen«, sagte er. »Wo ist Setalle?«

»Sie bleibt hier«, sagte Teslyn. »Sie meinte, sie wollte Euch davon abhalten, zu viele Fehltritte zu machen.« Sie hob eine Braue, und Joline und Edesina nickten vielsagend. Sie war immer davon ausgegangen, dass Setalle eine geflohene Dienerin der Weißen Burg war, die sich vermutlich als junges Mädchen wegen irgendeiner Schandtat aus dem Staub gemacht hatte.

Nun, das bedeutete, dass er doch nicht die ganze Gruppe los war. Aber wenn er sich eine hätte aussuchen können, die blieb, dann wäre es Frau Anan gewesen. Vermutlich würde sie nach einer Möglichkeit suchen, ihren Ehemann und die Familie wiederzufinden, die mit dem Schiff aus Ebou Dar geflohen waren.