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Juilin kam und führte Thera. War dieses ängstliche, verschreckte Wesen tatsächlich einst die Panarchin von Tarabon gewesen? Mat hatte schon Mäuse gesehen, die weniger zaghaft waren. Die Soldaten brachten ihnen zwei Pferde. Alles zusammen kostete ihn diese Expedition etwa vierzig Tiere und eine Abteilung Soldaten. Aber das würde es wert sein. Davon abgesehen hatte er vor, Männer und Pferde zurückzubekommen – zusammen mit Informationen, was nun wirklich in Tar Valon vor sich ging.

Er nickte Vanin zu. Der dicke Pferdedieb war nicht gerade begeistert gewesen, als er ihm befohlen hatte, die Gruppe nach Tar Valon zu begleiten und Informationen zu sammeln. Dabei hatte er angenommen, er würde jubeln, wenn man bedachte, wie viel er doch von den Aes Sedai hielt. Nun, er würde noch viel weniger begeistert sein, wenn er herausfand, dass Juilin mitkam; in der Nähe des Diebefängers neigte Vanin dazu, sich besonders unauffällig zu verhalten.

Vanin stieg auf einen braunen Wallach. Soweit es die Aes Sedai betraf, war er eine Rotwaffe und einer von Mats Kundschaftern, also niemand, der Misstrauen verdiente. Er sah nicht besonders bedrohlich aus, höchstens für eine Schüssel gekochte Kartoffeln. Vielleicht war er deshalb so gut in dem, was er tat. Mat brauchte keine gestohlenen Pferde, aber Vanins Talente konnte man für andere Aufgaben benutzen.

Mat wandte sich wieder den Aes Sedai zu. »Nun, dann will ich Euch nicht länger aufhalten.« Er trat zurück und vermied es, Joline anzusehen – in ihren Augen stand ein raubtierhafter Ausdruck, der ihn allzu sehr an Tylin erinnerte. Teslyn winkte, und seltsamerweise nickte Edesina ihm zu. Juilin hatte ein Winken für ihn und Thom übrig, und von Leilwin erhielt er ein Nicken. Die Frau kaute Steine zum Frühstück und Nägel zum Mittagessen, aber sie war fair. Vielleicht konnte er ja mit Tuon sprechen, damit sie ihre Stellung zurückbekam oder etwas in der Art.

Sei nicht albern, dachte er und winkte Bayle Domon zu. Zuerst musst du Tuon überzeugen, dich nicht zum Da’covale zu machen. Er war fest davon überzeugt, dass sie vorhatte, ihn zu ihrem Diener zu machen, ob er nun ihr Gemahl war oder nicht. Der Gedanke daran ließ seinen Kragen schweißfeucht werden.

Es dauerte nicht lange, und sie waren eine Staubwolke auf der Straße. Thom trat an seine Seite und schaute den Reitern nach. »Rosinenbrötchen?«

»Eine Tradition aus den Zwei Flüssen.«

»Von dieser Tradition habe ich noch nie gehört.«

» Sie ist recht unbekannt.«

»Ah, ich verstehe. Und was hast du mit diesen Rosinenbrötchen gemacht?«

»Spritzkraut«, antwortete Mat. »Da hat sie eine Woche lang einen blauen Mund, vielleicht auch zwei. Und sie wird die Brötchen mit niemandem teilen, außer vielleicht mit ihren Behütern. Joline ist süchtig nach den Dingern. Seit wir in Caemlyn sind, muss sie sieben oder acht Tüten davon verschlungen haben.«

»Nett.« Thom fuhr sich mit dem Knöchel über den Schnurrbart. »Aber kindisch.«

»Ich versuche zu meinen Wurzeln zurückzufinden. Du weißt schon, etwas von meiner verlorenen Jugend zurückzugewinnen.«

»Du bist keine zwanzig Winter alt!«

»Klar, aber ich hatte ein aufregendes Leben, als ich jünger war. Komm. Frau Anan ist geblieben, das bringt mich auf eine Idee.«

»Matrim Cauthon, Ihr braucht eine Rasur.« Frau Anan verschränkte die Arme, als sie ihn betrachtete.

Er berührte sein Gesicht. Das hatte Lopin jeden Morgen erledigt. Der Mann wurde so mürrisch wie ein Hund im Regen, wenn er ihn sich nicht um diese Dinge kümmern ließ, obwohl er den Bart in letzter Zeit hatte wachsen lassen, damit das aufhörte. Er juckte immer noch wie eine Woche alter Schorf.

Er hatte Setalle bei den Versorgungszelten gefunden, wo sie das Mittagessen beaufsichtigte. Soldaten der Bande mit dem eingeschüchterten Ausdruck von Männern, die strenge Befehl erhalten hatten, schnitten vornübergebeugt Gemüse und kochten Bohnen. Setalle wurde hier nicht gebraucht; die Küche der Bande hatten die Mahlzeiten auch ohne sie zustande gebracht. Aber nichts gefiel einer Frau mehr, als Männer zu finden, die gerade ausspannten, um ihnen dann Befehle zu geben. Darüber hinaus war Setalle eine ehemalige Gasthauswirtin und bemerkenswerterweise eine ehemalige Aes Sedai. Mat erlebte oft, dass sie sich um Dinge kümmerte, die keiner Aufsicht bedurften.

Nicht zum ersten Mal wünschte er, Tuon würde noch immer mit ihm reisen. Für gewöhnlich hatte Setalle Tuons Partei ergriffen, aber der Tochter der Neun Monde Gesellschaft zu leisten hatte ihr oft etwas zu tun gegeben. Nichts war gefährlicher für das geistige Wohlbefinden der Männer als eine Frau, die zu viel Zeit hatte.

Setalle trug noch immer die Mode von Ebou Dar, die Mat sehr schätzte, wenn man den tiefen Ausschnitt bedachte. Diese Art von Kleid stand einer vollbusigen Frau wie Setalle besonders gut. Nicht, dass er darauf achtete. Sie hatte goldene Ohrringe, ein imposantes Auftreten und ein paar graue Haare. So, wie der juwelengeschmückte Hochzeitsdolch in ihrem Dekollete steckte, schien er eine Warnung zu verkünden. Nicht, dass er auch da hingesehen hätte.

»Ich lasse mir absichtlich einen Bart stehen«, erwiderte Mat auf ihre Bemerkung. »Ich will…«

»Euer Mantel ist schmutzig«, sagte sie und nickte einem Soldaten zu, der ihr ein paar geschälte Zwiebeln brachte. Er warf sie verlegen in einen Topf und mied Mats Blick. »Und Euer Haar ist schrecklich. Ihr seht aus, als wärt Ihr in eine Schlägerei geraten, dabei ist es nicht einmal Mittag.«

»Mit mir ist alles in Ordnung«, beharrte Mat. »Ich mache mich später zurecht. Ihr habt die Aes Sedai nicht begleitet.«

»Jeder Schritt nach Tar Valon würde mich weiter von dort fortbringen, wo ich sein muss. Ich muss meinem Mann eine Nachricht zukommen lassen. Als wir uns trennten, dachte ich nun wirklich nicht daran, ausgerechnet in Andor zu landen.«

» Möglicherweise könnte ich bald Zugang zu jemandem bekommen, der Wegetore erschaffen kann«, sagte Mat. »Und ich …« Er runzelte die Stirn, als eine weitere Gruppe Soldaten mit ein paar dürren Wachteln ankam, die sie erlegt hatten. Die Soldaten schienen sich für den peinlichen Fang zu schämen.

Setalle befahl ihnen, die Vögel zu rupfen, ohne Mat zu beachten. Beim Licht, er musste sie aus diesem Lager schaffen. Nichts würde wieder seinen normalen Lauf nehmen, bevor sie nicht alle verschwunden waren.

»Seht mich nicht so an, Lord Mat«, sagte Setalle. »Noram ging in die Stadt, um sich nach Lebensmitteln umzusehen. Mir fiel auf, dass das Essen ohne die Aufsicht des Kochs nicht angemessen schnell fertig wird. Nicht alle von uns essen gern zu Mittag, wenn die Sonne untergeht.«

»Ich habe nichts gesagt.« Mat bemühte sich, seine Stimme völlig unbewegt zu halten. Er deutete mit dem Kopf zur Seite. »Können wir uns einen Moment unterhalten?«

Setalle zögerte, dann setzte sie sich mit ihm zusammen ein Stück von den anderen ab. »Was ist wirklich geschehen?«, fragte sie leise. »Ihr seht aus, als hättet Ihr unter einem Heuhaufen geschlafen.«

»Tatsächlich habe ich unter einem Wagen geschlafen. Und mein Zelt ist voller Blut. Eigentlich habe ich im Moment keine große Lust, mich dort umzuziehen.«

Ihr Blick wurde weicher. »Ich bedaure Euren Verlust. Aber das ist keine Entschuldigung, hier herumzustreifen und auszusehen, als hättet Ihr in der Gosse gelebt. Ihr müsst einen anderen Diener einstellen.«

Er runzelte die Stirn. »Den habe ich sowieso nie gebraucht. Ich kann mich um mich selbst kümmern. Hört, ich muss Euch um einen Gefallen bitten. Ich möchte, dass Ihr Euch eine Zeit lang um Olver kümmert.«

»Wozu?«

»Diese Kreatur könnte zurückkehren«, sagte er. »Und sie könnte versuchen, ihm etwas anzutun. Darüber hinaus breche ich bald mit Thom auf. Ich müsste zurückkommen. Ich sollte zurückkommen. Aber falls nicht, dann … Nun, es wäre mir lieber, wenn er nicht allein ist.«