Выбрать главу

»Ich spreche nur für mich selbst, Sumeko«, sagte Alise. »Und für die, die sich mir anschließen wollen. Die Kusinen, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Wir wurden von der Notwendigkeit dominiert, im Untergrund bleiben zu müssen, und das ist vorbei.«

Sumeko verstummte.

»Meine Freundin, Ihr wollt Euch den Aes Sedai anschließen«, sagte Alise und legte ihr die Hand auf den Arm. »Aber mich werden sie nicht haben wollen, genauso wenig wie ich sie. Ich brauche etwas anderes, das gilt auch für andere.«

»Aber sich an die Krone von Andor zu binden …«

»Wir binden uns an die Weiße Burg«, sagte Alise. »Leben aber in Caemlyn. Beides hat seinen Nutzen. Wir sind nicht stark genug, um allein zu bestehen. Andor ist so gut wie jeder andere Ort auch. Es hat die Gunst der Weißen Burg und die Gunst des Wiedergeborenen Drachen. Und hauptsächlich ist es gerade hier, genau wie wir auch.«

»Ihr könntet Euch neu organisieren«, sagte Elayne und verspürte wachsende Begeisterung. »Die Regeln können neu geschaffen werden. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr Euch entscheiden, die Kusinen jetzt heiraten zu lassen. Ich halte das für das Beste.«

»Warum?«, wollte Alise wissen.

»Weil es sie an einen Ort bindet«, erklärte Elayne. »Das macht sie zu einer geringeren Bedrohung für die Weiße Burg. Es würde helfen, Euch von ihnen abzugrenzen. Das ist etwas, das nur sehr wenige Frauen aus der Weißen Burg tun, und es würde die Kusinen als Option viel attraktiver machen.«

Nachdenklich nickte Alise; Sumeko schien sich ebenfalls an die Vorstellung zu gewöhnen. Elayne musste sich leider eingestehen, dass sie die Frau nicht vermissen würde. Und sie würde die Kusinen drängen, die Wahl ihrer Anführer neu zu gestalten. Es würde viel bequemer sein, mit jemandem wie Alise arbeiten zu können, als immer gerade mit derjenigen, die zufällig die Älteste von ihnen war.

»Ich mache mir immer noch Sorgen wegen der Amyrlin«, sagte Alise. »Aes Sedai verlangen kein Geld für ihre Dienste. Was wird sie sagen, wenn wir damit anfangen?«

»Ich spreche mit Egwene«, wiederholte Elayne. »Ich bin sicher, wir können sie davon überzeugen, dass weder die Kusinen noch Andor eine Bedrohung für sie darstellen.«

Hoffentlich. Die Kusinen hatten die Chance, etwas Unglaubliches zu sein, die Chance, Andor einen ständigen und billigen Zugang zu Wegetoren zu gewährleisten. Damit wäre sie fast auf gleicher Höhe mit den Seanchanern.

Sie unterhielt sich noch eine Weile mit den Frauen und stellte sicher, dass sie das Gefühl hatten, die ihnen zustehende Aufmerksamkeit von ihr zu erfahren. Schließlich entließ sie sie, blieb aber noch im Garten, verweilte zwischen zwei Übertöpfen mit Hasenglöckchen, deren winzige vasenähnlichen Blüten in der Brise schwankten. Sie versuchte den Blick auf die Übertöpfe daneben zu meiden, die leer waren. Die dortigen Hasenglöckchen waren in blutroter Farbe erblüht und hatten tatsächlich rot geblutet, wenn man sie schnitt. Die Gärtner hatten sie verbrannt.

Irgendwann würden die Seanchaner nach Andor kommen. Die Minen und die fruchtbaren Landstriche ihres Reiches würden sie anlocken, genau wie die Nähe zu Tar Valon. Davon abgesehen ging Elayne davon aus, dass Leute, die von sich behaupteten, Artur Falkenflügels Erben zu sein, niemals zufrieden sein würden, bis sie alles, was einst ihrem Vorfahren gehört hatte, in ihrer Gewalt hatten.

Elayne schaute auf ihre Nation. Ihre Nation. Voller Menschen, die darauf vertrauten, dass sie sie beschützte und verteidigte. Viele, die ihren Thronanspruch unterstützt hatten, hatten wenig Vertrauen in sie. Aber sie war ihre beste Möglichkeit, ihre einzige Möglichkeit. Sie würde ihnen bald zeigen, wie klug ihre Wahl gewesen war.

Sich die Kusinen zu sichern war ein Schritt in die richtige Richtung. Früher oder später würden die Seanchaner Reisen können. Dazu mussten sie nur eine einzige Frau gefangen nehmen, die die Gewebe kannte, und bald würde jede Damane mit der nötigen Kraft die Tore erschaffen können. Elayne brauchte ebenfalls den Zugang dazu.

Was sie jedoch nicht hatte, waren Machtlenker, die man in der Schlacht benutzen konnte. Ihr war klar, dass sie die Kusinen nicht darum bitten konnte. Sie würden sich niemals dazu bereit erklären, genauso wenig wie Egwene. Zwang sie eine Frau, die Macht als Waffe einzusetzen, war sie nicht besser als die Seanchaner.

Leider wusste Elayne nur zu genau, welche Zerstörungen Machtlenker anrichten konnten. Als Birgitte den Angriff auf die Schwarzen Ajah geführt hatte, die sie in Caemlyn entführt hatten, hatte sie gefesselt in einem Wagen gelegen, aber sie hatte das Ergebnis gesehen. Hunderte von Toten, Hunderte von Verletzten, Dutzende Verbrannte. Qualmende, verkrümmte Leichen.

Sie brauchte etwas. Einen Vorteil gegen die Seanchaner. Etwas, um im Kampf gegen ihre Machtlenker einen Ausgleich zu haben. Dazu fiel ihr nur die Schwarze Burg ein. Sie stand auf Andors Boden. Sie hatte ihnen mitgeteilt, dass sie sie als Teil ihrer Nation betrachtete, aber bis jetzt hatte sie nicht mehr getan, als sie gelegentlich zu inspizieren.

Was würde aus ihnen werden, falls Rand starb? Konnte sie es wagen, sie für sich zu beanspruchen? Konnte sie es wagen, darauf zu warten, dass es ein anderer tat?

18

Ein Ort der Macht

Perrin lief durch die Dunkelheit. Feuchte Nebelschwaden strichen durch sein Gesicht und kondensierten in seinem Bart zu Wassertropfen. Seine Gedanken waren entrückt, verschwommen. Wo lief er hin? Was tat er? Warum lief er?

Er brüllte auf und warf sich nach vorn, zerriss die verschleierte Dunkelheit und kam unter freiem Himmel heraus. Tief Luft holend, landete er oben auf einem steilen Hügel mit spärlich verteiltem, kurzem Gras, den ein Kreis aus Bäumen umringte. Am Himmel wogten grollend dunkle Wolken, die an brodelnden Teer erinnerten.

Er befand sich im Wolfstraum. Sein Körper schlummerte in der realen Welt, auf diesem Hügel, zusammen mit Faile. Er lächelte und atmete tief durch. Seine Probleme waren nicht weniger geworden. Tatsächlich schienen sie durch das Ultimatum der Weißmäntel noch bedeutend größer als zuvor. Aber mit Faile war alles in Ordnung. Diese einfache Tatsache veränderte so viel. Mit ihr an seiner Seite konnte er alles schaffen.

Mit einem Satz stürmte er den Hügel hinunter und überquerte das offene Land, wo sein Heer kampierte. Es hielt sich bereits lange genug hier auf, dass im Wolfstraum die ersten Zeichen von ihm erschienen. Zelte spiegelten die wache Welt wider, obwohl ihre Eingangsplanen bei jedem Blick eine andere Position zeigten. Kochfeuergruben im Boden, ausgetretene Pfade, weggeworfener Müll oder liegen gebliebene Werkzeuge. Plötzlich waren sie da, um wieder zu verschwinden.

Er eilte durch das Lager, jeder Schritt beförderte ihn zehn Schritte weiter. Einst wären ihm die fehlenden Menschen im Lager unheimlich erschienen, aber mittlerweile hatte er sich an den Wolfstraum gewöhnt. Das war völlig natürlich.

Perrin näherte sich der Statue an der Lagerseite, dann schaute er zu dem vom Alter zerfressenen Stein empor, der mit schwarzen, orangen und grünen Flechten bewachsen war. Man musste die Statue auf eine seltsame Weise aufgestellt haben, damit sie so stürzen konnte. Beinahe hatte es den Anschein, als wäre sie auf diese Weise erschaffen worden – ein riesiger Arm, der aus dem Boden brach.

Perrin wandte sich nach Südosten, wo das Lager der Weißmäntel sein würde. Er musste sich mit ihnen auseinandersetzen. Mit wachsender Sicherheit wurde ihm klar, dass er nicht Weiterreisen konnte, bis er diese Schatten der Vergangenheit gebannt hatte.

Man konnte nur auf eine Weise mit ihnen fertig werden. Eine sorgfältig aufgebaute Falle mit den Asha’man und den Weisen Frauen, und er konnte die Kinder so hart treffen, dass sie zerbrachen. Vielleicht konnte er sie sogar für immer als Gruppierung vernichten.

Er hatte die Möglichkeit, die Gelegenheit und die Motivation. Keine Scheinprozesse der Weißmäntel mehr, niemand, der im Land Angst verbreitete. Er sprang dreißig Fuß in die Luft und landete geschmeidig auf dem Boden. Dann rannte er auf der Straße nach Südosten.