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Er fand das Lager der Weißmäntel in einer bewaldeten Senke, Tausende weiße Zelte, in engen Kreisen aufgestellt. Die Zelte von ungefähr zehntausend Kindern, zusammen mit weiteren zehntausend Söldnern und anderen Soldaten. Balwer schätzte, dass das der größte Teil der noch verbliebenen Kinder war, obwohl er nicht erklärt hatte, wie er an diese Information gekommen war. Hoffentlich beeinträchtigte der Hass des verstaubten Mannes nicht seine Urteilsfähigkeit.

Perrin bewegte sich an den Zelten vorbei in der Hoffnung, etwas entdecken zu können, das Elyas und die Aiel übersehen hatten. Das war unwahrscheinlich, aber wenn er schon einmal hier war, war es wohl die Mühe wert. Er hob Zelteingänge, bewegte sich zwischen Zeltgruppen, machte sich mit dem Ort vertraut und bekam ein Gefühl für ihn und seine Bewohner. Das Lager war auf eine sehr ordentliche Weise aufgebaut. Alles im Inneren war weniger stabil als die Zelte selbst, aber was er sah, wurde ebenfalls in Ordnung gehalten.

Die Weißmäntel mochten ihre Ordnung, alles an seinem Platz und sauber gefaltet. Und sie liebten die Vorstellung, dass man die ganze Welt auf die gleiche Weise polieren und säubern konnte, dass man Menschen mit einem oder zwei Worten definieren und erklären konnte.

Perrin schüttelte den Kopf und suchte das Zelt des Kommandierenden Lordhauptmanns. Die Aufstellung der Zelte wies ihm den Weg zum Kreis in der Mitte. Es war nicht bedeutend größer als die anderen Unterkünfte, und Perrin duckte sich hinein und sah sich nach etwas Nützlichem um. Die Einrichtung war schlicht, das Bettzeug war jedes Mal, wenn Perrin hinsah, in einer anderen Position, genau wie die Gegenstände auf dem Tisch, die in einem zufälligen Rhythmus erschienen und wieder verschwanden.

Perrin ergriff etwas, das dort erschien. Ein Siegelring. Das Siegel war ihm unbekannt, ein Dolch mit Flügeln, aber er vertraute es seinem Gedächtnis an, bevor der Ring aus seinen Fingern verschwand; er war viel zu vergänglich, um lange im Wolfstraum bestehen zu können. Obwohl er den Anführer der Weißmäntel getroffen und mit dem Mann korrespondiert hatte, wusste er nicht viel über seine Vergangenheit. Vielleicht half diese Entdeckung ja.

Er durchsuchte das Zelt noch eine Weile und fand nichts Nützliches, dann ging er zu dem großen Zelt, in dem Gaul zufolge viele der Geiseln gefangen gehalten wurden. Hier sah er Meister Gill gut kurz erscheinen und wieder verschwinden.

Zufrieden verließ Perrin das Zelt. Dabei nagte etwas an ihm. Hätte er so etwas nicht versuchen müssen, als Faile entführt worden war? Er hatte zahllose Späher nach Maiden entsandt. Beim Licht, er hatte sich zurückhalten müssen, nicht allein loszumarschieren, um Faile zu finden! Aber er hatte nie versucht, den Ort im Wolfstraum zu besuchen.

Vielleicht wäre das sinnlos gewesen. Aber er hatte diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen, und das gab ihm jetzt zu denken.

Er passierte einen neben einem Zelt abgestellten Karren und erstarrte. Der Wagen war hinten offen, und ein alter Silberwolf lag dort und beobachtete ihn.

»Mein Blickwinkel ist einfach zu begrenzt, Springer«, sagte Perrin. »Wenn mich ein Ziel vereinnahmt, kann mich das sorglos machen. Das kann gefährlich sein. Wie in der Schlacht, wenn einen die Konzentration auf den Gegner im Angesicht einen für den Bogenschützen an der Seite entblößt.«

Springer öffnete das Maul einen Spalt breit, lächelte auf die Art der Wölfe. Er sprang vom Wagen. Perrin konnte die anderen Wölfe in der Nähe spüren – der Rest des Rudels, mit dem er schon zuvor gelaufen war. Eichentänzerin, Funke und Grenzenlos.

»Also gut«, sagte er zu Springer. »Ich will lernen.« Springer setzte sich auf die Hinterbeine, musterte Perrin. Folge mir.

Dann verschwand der Wolf.

Perrin fluchte und schaute sich um. Wo war der Wolf hin? Er durchsuchte das Lager, konnte Springer aber nirgendwo spüren. Er tastete mit seinen Gedanken umher. Nichts.

junger Bulle. Plötzlich war Springer hinter ihm. Folge mir. Er verschwand wieder.

Perrin knurrte, dann raste er blitzschnell durch das Lager. Als er den Wolf nicht finden konnte, versetzte er sich in das Kornfeld, in dem er sich das letzte Mal mit Springer getroffen hatte. Der Wolf war nicht da. Perrin stand frustriert zwischen den wogenden Ähren.

Ein paar Minuten später fand Springer ihn. Der Wolf roch unzufrieden. Folge mir!

»Ich weiß nicht wie«, sagte Perrin. »Springer, ich weiß nicht, wohin du gehst.«

Der Wolf setzte sich. Er schickte das Bild eines Welpen, der sich zu anderen des Rudels gesellte. Der Welpe beobachtete die Älteren und tat, was sie taten.

»Ich bin kein Wolf, Springer. Ich lerne nicht auf die gleiche Weise wie du. Du musst mir erklären, was ich tun soll.«

Folge mir hierher. Seltsamerweise zeigte der Wolf ein Bild von Emondsfelde. Dann verschwand er.

Perrin folgte ihm und erschien auf einer vertrauten Dorfwiese. Gebäude säumten sie, was sich verkehrt anfühlte. Emondsfelde hätte ein kleines Dorf sein sollen, keine Stadt mit einer Steinmauer und einer gepflasterten Straße, die am Haus des Bürgermeisters vorbeiführte. In der kurzen Zeit seit seiner Abreise hatte sich viel verändert.

»Warum sind wir hier?« Beunruhigenderweise flatterte noch immer das Wolfskopfbanner an dem Pfosten auf der Wiese. Das hätte ein Trick des Wolfstraums sein können, aber er bezweifelte es. Er wusste nur zu gut, wie gern die Bewohner der Zwei Flüsse die Fahne von »Perrin Goldauge« hissten.

Menschen sind seltsam.

Perrin wandte sich dem alten Wolf zu.

Menschen denken seltsame Gedanken. Wir versuchen nicht, sie zu verstehen. Warum flieht der Hirsch, warum fliegt der Spatz, warum wächst der Baum? Sie tun es eben. Das ist alles.

»Gut«, sagte Perrin.

Einem Spatzen kann ich nicht beibringen, wie man jagt, fuhr Springer fort. Und ein Spatz bringt keinem Wolf das Fliegen bei.

»Aber hier kannst du fliegen.«

Ja. Und man hat es mir nicht beigebracht. Ich weiß. Springers Geruch war voller Gefühle und Verwirrung. Wölfe erinnerten sich an alles, was einer ihrer Art wusste. Springer war frustriert, weil er Perrin unterrichten wollte, aber er war nicht daran gewöhnt, es auf Menschenart zu tun.

»Bitte«, sagte Perrin. »Versuch mir zu erklären, was du meinst. Du sagst mir immer, ich würde mich mit ›zu viel Kraft‹ am Traum festklammern. Du sagst, es ist gefährlich. Warum?«

Du schläfst, erklärte Springer. Dein anderes Ich. Du kannst hier nicht lange bleiben. Du musst dich immer wieder daran erinnern, dass du hier etwas Unnatürliches bist. Das ist nicht dein Bau.

Springer wandte sich den Häusern ringsum zu. Das ist dein Bau, der Bau deines Erzeugers. Dieser Ort. Erinnere dich an ihn. Er wird verhindern, dass du dich verirrst. So hat deine Art es einst gemacht. Du verstehst.

Es war keine Frage, obwohl etwas von einer Bitte mitschwang. Springer war sich nicht sicher, wie er es weiter erklären sollte.

Ich kann es versuchen, dachte Perrin und interpretierte die Bilder so gut er konnte. Aber Springer irrte sich. Dieser Ort war nicht sein Zuhause. Sein Zuhause war bei Faile. Irgendwie musste er sich immer daran erinnern, damit er sich nicht zu sehr in den Wolfstraum hineinziehen ließ.

Ich habe dein Weibchen in deinen Gedanken gesehen, junger Bulle. Springer legte den Kopf schief. Sie ist wie ein Bienennest, süßer Honig und scharfe Stiche. Springers Bild von Faile war das einer sehr verwirrenden Wölfin. Im einen Augenblick schnappte sie spielerisch nach seiner Nase, im nächsten knurrte sie ihn an und weigerte sich, ihr Fleisch zu teilen.

Perrin lächelte.

Die Erinnerung ist ein Teil. Aber der andere Teil bist du. Du musst Junger Bulle bleiben. Der Wolf dachte einen Augenblick lang nach. Bleib stehen. Bleib hier. Sei du selbst. Das Spiegelbild eines Wolfes im Wasser, das undeutlich wurde, als sich die Oberfläche kräuselte.