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Das Lager der Mayener war so aufgebaut, dass die Reihen der Männer wie die Speichen eines Rades vom Zelt im Mittelpunkt ausgingen. Die Geflügelten Wachen hatten keine Zelte – die befanden sich bei Meister Gill -, aber sie waren sehr ordentlich untergebracht. Alles erschien beinahe schon zu ordentlich, die gefalteten Decken, die Lanzenstapel, die Pfosten für die Pferde und die gelegentlichen Feuergruben. Berelains zentraler Pavillon war kastanienbraun und lavendelfarben; Beute aus Maiden. Faile behielt ihre Beherrschung, als die beiden riesigen Wächter sie zum Zelt führten. Einer von ihnen klopfte an einem davor in den Boden gerammten Pfosten, um die Erlaubnis zum Eintreten zu bekommen.

Berelains sinnliche Stimme antwortete, und der Wächter zog für Faile die Eingangsplane zurück. Sie wollte gerade eintreten, als ein Rascheln im Inneren sie zurückweichen ließ und ihr Annoura entgegenkam. Die Aes Sedai nickte ihr zu; die sich überlappenden Zöpfe um ihr Gesicht baumelten hin und her. Sie schien nicht erfreut zu sein; es war ihr noch immer nicht gelungen, die Gunst ihrer Herrin zurückzuerlangen.

Faile holte tief Luft, dann betrat sie den Pavillon. Drinnen war es kühl. Der Boden war mit einem kastanienbraunen und grünen Teppich mit einem gewundenen Efeumuster bedeckt. Obwohl der Pavillon ohne Berelains übliche Reisemöbel leer aussah, hatte sie zwei stabile Eichenstühle und einen leichten Tisch, die aus Maiden stammten.

Die Erste erhob sich. »Lady Faile«, sagte sie ruhig. Heute trug sie das Diadem von Mayene. Die schmale Krone war von schlichter Pracht; abgesehen von dem goldenen Falken, der aussah, als würde er sich in das Sonnenlicht erheben, das durch Lücken in der Zeltdecke einfiel, wies sie keinerlei Verzierungen auf. Man hatte Bahnen entfernt, damit Licht hereinkonnte. Die Erste trug ein grünes und goldenes Gewand mit einem schlichten Gürtel an der Taille und einem tiefen Ausschnitt.

Faile nahm auf einem der Stühle Platz. Diese Unterhaltung war gefährlich; sie konnte zu einer Katastrophe führen. Aber stattfinden musste sie.

»Alles wohlauf?«, sagte Berelain. »Der Regen der vergangenen Tage war nicht zu anstrengend?«

»Der Regen war schrecklich, Berelain«, sagte Faile. »Aber ich bin nicht hier, um darüber zu sprechen.«

Berelain schürzte die perfekten Lippen. Beim Licht, diese Frau war wirklich wunderschön! Verglichen mit ihr kam sich Faile regelrecht schäbig vor; ihre Nase war zu groß, ihr Busen zu klein. Ihre Stimme war nicht annähernd so wohlklingend wie Berelains. Warum hatte der Schöpfer so perfekte Menschen wie Berelain gemacht? Sollte der Rest von ihnen damit verspottet werden?

Aber Perrin liebte nicht Berelain. Er liebte sie. Vergiss das nicht.

»Also gut«, sagte Berelain. »Ich wusste, dass dieses Gespräch kommt. Ich gebe Euch das Versprechen, dass die Gerüchte absolut falsch sind; zwischen mir und Eurem Gemahl ist nichts Unschickliches geschehen.«

»Das hat er mir bereits gesagt«, sagte Faile, »und ich vertraue seinem Wort mehr als Eurem.«

Das ließ Berelain die Stirn runzeln. Sie war eine Meisterin politischer Verhandlungen und verfügte darin über ein Geschick und eine Subtilität, um die Faile sie beneidete. Trotz ihrer Jugend hatte Berelain dem viel größeren und mächtigeren Tear jeden Einfluss auf ihren winzigen Stadtstaat verwehrt.

Faile konnte nur erahnen, wie viel Jonglieren, politisches Doppelspiel und schiere Klugheit das gekostet haben musste.

»Warum seid Ihr dann hier?« Berelain setzte sich. »Wenn Euer Herz beruhigt ist, dann gibt es doch keinen Anlass zur Sorge.«

»Wir wissen beide, dass es hier nicht darum geht, ob Ihr nun mit meinem Gemahl geschlafen habt oder nicht«, sagte Faile, und Berelains Augen weiteten sich. »Mich ärgert nicht, was geschehen ist, sondern was man allgemein annimmt.«

»Gerüchte gibt es an jedem Ort, wo Menschen zusammenkommen«, sagte Berelain leichthin. »Vor allem, wo Männer klatschen.«

»So hartnäckige Gerüchte gibt es kaum, ohne dass sie jemand schürt. Jetzt nimmt jedermann im Lager an, einschließlich der mir verschworenen Flüchtlinge, dass Ihr während meiner Abwesenheit mit meinem Gemahl ins Bett gestiegen seid. Das lässt nicht nur mich wie eine Närrin aussehen, sondern wirft auch einen Schatten auf Perrins Ehre. Er kann niemanden führen, wenn die Leute ihn für einen Mann halten, der sich sofort in die Arme einer anderen Frau stürzt, wenn seine Gemahlin weg ist.«

»Andere Herrscher haben solche Gerüchte überwunden, und bei vielen von ihnen waren die Gerüchte nicht einmal unbegründet. Monarchien überstehen Untreue.«

»Vielleicht in Illian oder Tear, aber Saldaea erwartet mehr von seinen Regenten. Genau wie die Menschen aus den Zwei Flüssen. Perrin ist nicht wie andere Herrscher. Es zerreißt ihn innerlich, wie ihn seine Männer ansehen.«

»Ich glaube, Ihr unterschätzt ihn«, erwiderte Berelain. »Er übersteht das, und er wird lernen, Gerüchte zu seinem Vorteil zu nutzen. Das wird aus ihm einen stärkeren Mann und Herrscher machen.«

Faile musterte die Frau. »Ihr versteht ihn nicht im Mindesten, oder?«

Berelain reagierte, als hätte man sie geschlagen, sie zuckte zurück. Offensichtlich gefiel ihr die Offenheit der Unterhaltung nicht. Möglicherweise gab Faile das ja einen kleinen Vorteil.

»Ich verstehe die Männer, Lady Faile«, sagte Berelain kalt. »Und Euer Gemahl ist da keine Ausnahme. Da Ihr so offen sein wollt, werde ich Euch auch genauso offen antworten. Es war sehr schlau von Euch, Euch Aybara zu nehmen und Saldaea an den Wiedergeborenen Drachen zu schmieden, aber glaubt nicht, dass er Euch kampflos erhalten bleibt.«

Faile holte tief Luft. Es war Zeit, ihren Zug zu machen. »Ihr habt mit Eurem Tun Perrins Ruf schwer geschädigt, meine Lady die Erste. Wäre es nur um meine eigene Entehrung gegangen, hätte ich Euch vielleicht vergeben können. Aber das hier nicht.«

»Ich wüsste nicht, was man da tun könnte.«

»Ich schon«, sagte Faile. »Und ich bin mir ziemlich sicher, dass eine von uns sterben muss.«

Berelain blieb ganz ruhig. »Bitte was?«

»Wenn eine Frau in den Grenzlanden herausfindet, dass eine andere mit ihrem Gemahl geschlafen hat, kann sie einen Messerkampf fordern.« Das entsprach der Wahrheit, auch wenn die Tradition sehr alt und kaum noch ausgeübt wurde. »Die einzige Möglichkeit, meinen Namen reinzuwaschen, besteht darin, dass wir kämpfen.«

»Was würde das beweisen?«

»Wenn Ihr tot wärt, würde zumindest keiner mehr denken, dass Ihr noch immer hinter meinem Rücken mit meinem Gemahl schlaft.«

»Ihr bedroht mich hier doch wohl nicht in meinem eigenen Zelt?«

»Das ist keine Drohung«, sagte Faile und blieb fest. Beim Licht, sie hoffte, dass das hier funktionierte. »Das ist eine Herausforderung. «

Berelain musterte sie mit einem berechnenden Blick. »Ich gebe eine Verlautbarung heraus. Ich werde meine Dienerinnen öffentlich für die von ihnen verbreiteten Gerüchte rügen und im Lager verkünden, dass nichts passiert ist.«

»Glaubt Ihr wirklich, das lässt die Gerüchte verstummen? Vor meiner Rückkehr habt Ihr Euch dagegen nicht ausgesprochen, das betrachtet man als Beweis. Und jetzt erwartet man von Euch natürlich, dass Ihr Euch benehmt, als wäre nichts passiert.«

»Ihr könnt das mit dieser … Herausforderung nicht ernst meinen.«

»Wenn es um die Ehre meines Gemahls geht, Berelain, meine ich immer alles ernst.« Sie erwiderte den Blick der Frau und entdeckte dort Besorgnis. Berelain wollte nicht gegen sie kämpfen. Und natürlich wollte auch sie nicht gegen Berelain kämpfen, und das nicht nur, weil sie sich nicht sicher war, ob sie siegen würde oder nicht. Obwohl sie sich schon immer an der Ersten hatte rächen wollen, weil sie ihr damals das Messer abgenommen hatte.

»Ich werde die Herausforderung heute Abend vor dem ganzen Lager verkünden«, sagte Faile, ohne die Stimme zu erheben. »Ihr habt einen Tag, um darauf zu reagieren oder zu gehen.«