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Zweifellos verkündete jeder Einzelne von ihnen seine aus tiefstem Herzen empfundene Loyalität zu Elayne und behauptete, dass seine Männer die ganze Zeit auf ihrer Seite gewesen waren. Vermutlich stießen ihre Worte auf taube Ohren, da Mat aus verlässlicher Quelle von drei Betrunkenen in Schenken wusste, dass Elayne ununterbrochen auf das Reisen zurückgegriffen hatte, um ihre Verteidigung zu rekrutieren. Eine verspätete Ankunft ließ sich leichter vortäuschen, wenn man auf einen Brief reagierte.

»Mat! Mat!«

Mat blieb stehen, als Olver angerannt kam. Der Junge hatte angefangen, ein rotes Band am Arm zu tragen, so wie es auch die Rotwaffen taten, aber bekleidet war er noch immer mit braunen Hosen und Mantel. Unter dem einen Arm trug er das zusammengerollte Spielbrett für Schlangen und Füchse, auf der anderen Schulter ruhte ein Bündel.

In der Nähe stand Setalle zusammen mit Lussin und Edder, den beiden Rotwaffen, die Mat dazu abkommandiert hatte, auf sie und den Jungen aufzupassen. Sie würden bald in die Stadt aufbrechen.

»Mat«, sagte Olver keuchend. »Du gehst?«

»Ich habe jetzt keine Zeit, mit dir zu spielen, Olver«, sagte Mat und legte den Ashandarei in die Armbeuge. »Ich muss mich mit einer Königin treffen.«

»Ich weiß«, sagte Olver. »Aber ich dachte mir, da wir beide in die Stadt gehen, könnten wir zusammen reiten und planen. Ich habe da ein paar Ideen, wie man die Schlangen und die Füchse besiegen kann! Wir zeigen es ihnen, Mat. Soll man mich doch zu Asche verbrennen, aber das werden wir verdammt noch mal!«

»Wer hat dir bloß diese Ausdrucksweise beigebracht?«

»Mat. Das ist wichtig! Wir müssen planen! Wir haben nicht darüber gesprochen, was wir tun werden.«

In Gedanken verfluchte sich Mat, dass er über Moiraines Rettung in Olvers Anwesenheit gesprochen hatte. Es würde dem Jungen gar nicht gefallen, wenn man ihn zurückließ.

»Ich muss darüber nachdenken, was ich der Königin sagen will«, erwiderte er. »Aber ich glaube, du hast recht, planen ist wichtig. Warum gehst du nicht zu Noal und erzählst ihm deine Ideen?«

»Das habe ich bereits«, verkündete Olver. »Und Thom auch. Und Talmanes.«

Talmanes ? Der würde sie doch gar nicht in den Turm begleiten! Beim Licht, wem hatte Olver allen davon erzählt?

Er ging in die Hocke, um sich auf Augenhöhe mit dem Jungen zu befinden. »Olver, du darfst das nicht allen erzählen. Wir wollen nicht, dass zu viele Leute wissen, was wir vorhaben.«

»Ich habe es niemandem gesagt, dem wir nicht vertrauen, Mat«, sagte Olver. »Keine Angst. Die meisten waren Rotwaffen.«

Na toll, dachte Mat. Was würden die Soldaten von einem Befehlshaber halten, der losziehen und gegen eine Horde von Märchenungeheuern kämpfen wollte? Hoffentlich würden sie Olvers Behauptungen als die Fantasie eines kleinen Jungen abtun.

»Sei einfach nur vorsichtig«, sagte er. »Ich besuche dich morgen in deinem Gasthaus, dann können wir eine Partie spielen, darüber reden. In Ordnung?«

Olver nickte. »Also gut, Mat. Aber … Blut und verdammte Asche!« Er drehte sich um und ging.

»Und hör auf zu fluchen!«, rief ihm Mat hinterher, um dann den Kopf zu schütteln. Die verfluchten Soldaten würden Olver völlig verdorben haben, bevor er zwölf war.

Er ging weiter und legte den Speer wieder auf die Schulter. Thom und Talmanes saßen am Lagerrand bereits auf ihren Pferden, umringt von einer Streitmacht aus fünfzig Rotwaffen. Thom trug einen extravaganten weinroten Mantel mit passenden Hosen, dessen Ärmel goldene Stickereien aufwiesen, dazu ein Hemd mit Spitzenbesatz an den Manschetten und einer silbernen Krawatte um den Hals. Die Knöpfe waren aus glänzendem Gold. Sein Schnurrbart war gestutzt und gekämmt. Die ganze Ausstattung war neu, einschließlich des schwarzen Umhangs mit dem goldenen Futter.

Mat blieb wie angewurzelt stehen. Wie hatte sich der Mann nur so perfekt aus einem heruntergekommenen alten Gaukler in einen Höfling verwandeln können? Beim Licht!

»Ich entnehme deiner Reaktion, dass meine Aufmachung gelungen ist«, sagte Thom.

»Blut und verdammte Asche!«, rief Mat aus. »Was ist passiert? Hat dir ein verdorbenes Frühstückswürstchen den Magen versaut?«

Thom schlug den Umhang zurück und enthüllte, dass er seine Harfe an der Seite trug. Er sah aus wie ein Hofbarde! »Ich dachte mir, wenn ich schon … also wenn ich schon nach all diesen Jahren in Caemlyn auftrete, dann sollte ich auch entsprechend gekleidet sein.«

»Kein Wunder, dass du jeden Tag gesungen hast. Die Leute in diesen Schenken haben einfach zu viel Geld.«

Talmanes hob eine Braue – bei diesem Mann war das so gut wie ein Grinsen. Manchmal schien er so verdrießlich zu sein, dass sich Gewitterwolken verglichen mit ihm fröhlich fühlen mussten. Auch er trug edle Kleidung; seine Farben waren ein dunkles Kobaltblau und Silber. Mat berührte seine Manschetten. Er hätte etwas Spitzenbesatz brauchen können. Wäre Lopin da gewesen, hätte er die richtige Kleidung herausgelegt, ohne dass Mat ihn darum hätte bitten müssen. Ein bisschen Spitzenbesatz tat einem Mann gut. Machte ihn vorzeigbar.

»Wollt Ihr das beim Besuch der Königin anziehen, Mat?«, fragte Talmanes.

»Natürlich. Was denn sonst?« Die Worte hatten seinen Mund verlassen, bevor er darüber hatte nachdenken können. »Das ist ein guter Mantel.« Er ging zu Pips und griff nach den Zügeln.

»Vielleicht für einen Übungskampf«, meinte Talmanes.

»Elayne ist jetzt die Königin von Andor«, sagte Thom. »Und Königinnen sind ein seltsamer Haufen. Du solltest ihr Respekt erweisen.«

»Ich erweise ihr verfluchten Respekt«, erwiderte Mat, reichte einem der Soldaten seinen Speer und stieg in den Sattel. Er nahm den Speer zurück, dann drehte er Pips, damit er Thom ansehen konnte. »Das ist ein guter Mantel für einen Bauern.«

»Aber Ihr seid kein Bauer mehr«, sagte Talmanes.

»Und ob ich das bin«, erwiderte Mat stur.

»Aber Musenge nannte dich …«, fing Thom an.

»Er hat sich geirrt. Nur weil ein Mann jemanden heiratet, heißt das noch lange nicht, dass er plötzlich ein verdammter Adliger ist.«

Thom und Talmanes wechselten einen Blick.

»Mat«, sagte Thom. »Genauso funktioniert das und nicht anders. Das ist so ziemlich die einzige Möglichkeit, wie man in den Adelsstand kommt.«

»Hier schon, vielleicht«, sagte Mat. »AberTuon kommt aus Seanchan. Wer weiß schon, wie sie es da machen? Wir wissen doch alle, wie merkwürdig sie sein können. Also können wir es nicht wissen, bevor wir mit ihr gesprochen haben.«

Thom runzelte die Stirn. »Also den Dingen nach zu urteilen, die sie sagte, bin ich mir sicher, dass …«

»Wir wissen es nicht, bevor wir mit Tuon gesprochen haben«, wiederholte Mat, dieses Mal nur etwas lauter. »Bis dahin bin ich Mat. Schluss mit diesem Unfug Prinz von was auch immer.«

Thom erschien verwirrt, aber Talmanes’ Lippen verzogen sich eine Spur nach oben. Sollte man diesen Mann doch zu Asche verbrennen. Mat neigte zu dem Gedanken, dass seine ernste Natur bloß ein Schauspiel war. Lachte er insgeheim?

»Nun, Mat«, sagte Talmanes, »Eure Handlungen haben noch nie irgendwelchen Sinn ergeben, also warum sollten wir das ausgerechnet jetzt von Euch erwarten? Also los, reiten wir zur Königin von Andor. Seid Ihr sicher, dass Ihr Euch vorher nicht noch im Schlamm wälzen wollt?«

»Das muss nicht sein«, sagte Mat trocken und zog sich den Hut tief in die Stirn, während ein Soldat sein Bündel auf seinem Sattel festschnallte.

Er trieb Pips an, und die Prozession begann mit dem mittlerweile vertrauten Ritt nach Caemlyn. Die meiste Zeit davon verbrachte Mat damit, in Gedanken noch einmal seinen Plan durchzugehen. Aludras Aufzeichnungen steckten in einer Ledermappe, und sie enthielten eine Auflistung ihrer Forderungen. Jeder Glockengießer in Caemlyn, große Mengen Bronze und Eisen, und Pulver, das alles im Wert Tausender Kronen. Und sie behauptete, dass das das Minimum dessen war, was sie brauchte.