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Wie beim Licht sollte er die verdammte Elayne Trakand nur dazu bringen, ihm das alles zu überlassen? Da war viel Lächeln gefragt. Aber Elayne hatte sich seinem Lächeln gegenüber schon früher als resistent erwiesen, und Königinnen waren nicht wie normale Menschen. Die meisten Frauen lächelten für gewöhnlich zurück oder sahen einen finster an, und da wusste man, wo man stand. Elayne schien aber der Typ zu sein, der einen anlächelte, um einen dann trotzdem in den Kerker zu werfen.

Wie schön wäre es doch gewesen, hätte sein Glück dafür gesorgt, dass er irgendwo seine Pfeife und eine nette Würfelpartie genießen konnte, mit einer hübschen Schankmagd auf dem Schoß und keinerlei Sorgen, die über den nächsten Wurf hinausgingen. Stattdessen war er mit einer Angehörigen des seanchanischen Hohen Blutes verheiratet und unterwegs, um die Königin von Andor um Hilfe zu bitten. Wie geriet er bloß immer in diese Situationen? Manchmal glaubte er, dass der Schöpfer wie Talmanes sein musste. Mit reglosem Gesicht, während er sich innerlich geradezu prächtig über Mat amüsierte.

Seine Prozession passierte einige Lager auf der Ebene um Caemlyn. Die Söldner mussten mindestens in einem Abstand von einer Meile lagern, aber die Streitkräfte der Lords durften näher kampieren. Das brachte Mat in eine schwierige Position. Zwischen Söldnern und loyalen Waffenmännern gab es immer Spannungen, und da die Söldner so weit von Caemlyn entfernt waren, gab es ständig irgendwelche Kämpfe. Und die Bande saß genau in der Mitte.

Er nahm die aufsteigenden Rauchsäulen der Lagerfeuer zur Grundlage einer schnellen Berechnung. Es hielten sich mindestens zehntausend Söldner in der Gegend auf. War Elayne eigentlich klar, unter was für einem brodelnden Kessel sie das Feuer schürte? Zu viel Hitze, und das ganze verdammte Ding würde überkochen!

Mats Prozession erregte Aufmerksamkeit. Einer seiner Soldaten trug das Banner der Bande der Roten Hand, und seine Männer erwarben einen Ruf. Nach Mats Zählung stellten sie die größte Gruppe außerhalb von Caemlyns Mauern dar – egal ob man die Söldner oder die Streitkräfte eines Lords nahm. Sie waren so organisiert und diszipliniert wie eine reguläre Armee und wurden von einem persönlichen Freund des Wiedergeborenen Drachens angeführt. Seine Männer gaben ständig damit an, auch wenn es Mat lieber gewesen wäre, sie hätten den Mund gehalten.

Am Straßenrand passierten sie ganze Gruppen, die einen neugierigen Blick auf »Lord Mat« werfen wollten. Er hielt den Blick stur nach vorn gerichtet. Falls sie einen Gecken in einem teuren Mantel erwartet hatten, dann würden sie enttäuscht sein! Obwohl er vielleicht doch einen besseren Mantel hätte nehmen können. Der hier war steif, und der Kragen kratzte.

Der Art und Weise nach zu urteilen, wie einige auf sie zeigten, schienen sie der Ansicht zu sein, dass Talmanes der »Lord Mat« war, was vermutlich an seiner Kleidung lag. Verfluchte Asche!

Diese Unterhaltung mit Elayne würde schwierig werden. Aber er hatte ein Ass im Ärmel, von dem er hoffte, dass es sie über die Kosten von Aludras Vorschlag hinwegsehen lassen würde. Obwohl er die Befürchtung hatte, dass sie ihn durchschauen würde und daran teilhaben wollte. Und wenn eine Frau an irgendetwas »teilhaben« wollte, dann bedeutete das, dass sie die Befehle geben wollte.

Sie durchquerten die stetig wachsende Vorstadt und näherten sich dem Tor in Caemlyns weißgrauer Mauer. Die Soldaten winkten ihn durch. Mat tippte sich an die Hutkrempe, und Thom winkte der kleinen, dort versammelten Menge elegant zu. Sie jubelten. Großartig. Einfach nur großartig. Verflucht!

Der Marsch durch die Neustadt verlief ohne Zwischenfälle, wenn man einmal davon absah, dass es noch mehr Schaulustige gab. Würde jemand sein Gesicht von diesen Zeichnungen erkennen? Mat wollte von den Hauptdurchgangsstraßen herunter, aber Caemlyns schmale Straßen waren ein verschlungenes Labyrinth. Eine Streitmacht aus fünfzig Reitern war zu groß, um diese Wege benutzen zu können.

Schließlich passierten sie die hellweiße Mauer der Innenstadt, wo die Straßen breiter waren, die von Ogiern erbauten Häuser weniger eng beieinander standen und alles nicht so dicht bevölkert war. Hier kamen sie öfter an Gruppen Bewaffneter vorbei, einschließlich den Gardesoldaten in Weiß und Rot. Voraus konnte Mat ihr Lager sehen, das mit seinen Zelten und Pferdeseilen auf dem grauen Pflaster des Schlosshofes aufgebaut stand.

Der Palast von Caemlyn war wie eine weitere kleine Stadt innerhalb der Stadt innerhalb der Stadt. Er verfügte über einen niedrigen Wall, und obwohl genügend Türme und Spitzdächer dem Himmel entgegenstrebten, wies er viel mehr Ähnlichkeit mit einer Festung auf als beispielsweise der Sonnenpalast. Seltsam, aber so hatte Mat das nie gesehen, als er noch jünger gewesen war. Sollte Caemlyn fallen, konnte sich der Palast selbst verteidigen. Allerdings hätten sie noch mehr Unterkünfte innerhalb der Palastmauern gebraucht. Dieses Lager auf dem Hof war einfach lächerlich.

Mat nahm Talmanes, Thom und eine Streitmacht von zehn Rotwaffen als Eskorte. Am Palasteingang wartete ein Mann, der einen auf Hochglanz polierten Harnisch trug und auf dessen Umhangschulter drei goldene Knoten baumelten. Er war noch jung, aber die Weise, wie er da stand – entspannt und doch für alles bereit, die Hand auf dem Schwertknauf -, wies ihn als erfahrenen Soldaten aus. Zu schade, dass er ein so hübsches Gesicht hatte. Ein Leben beim Militär würde das am Ende vermutlich zerstören.

Der Mann nickte Mat, Thom und Talmanes zu. »Lord Cauthon?«, wandte er sich an Mat.

»Einfach nur Mat.«

Der Mann runzelte die Stirn, enthielt sich aber jeder Bemerkung. »Mein Name ist Charlz Guybon. Ich führe Euch zu Ihrer Majestät.«

Also hatte sie Guybon geschickt, um ihn zu eskortieren. Er bekleidete einen hohen Rang, war der stellvertretende Kommandant des Heeres. Das kam unerwartet. Fürchtete sich Elayne vor ihm, oder wollte sie ihn ehren? Vielleicht hatte Guybon ihn auch nur selbst kennenlernen wollen. Sie würde ihn nicht ehren, nicht nachdem sie ihn so lange auf eine Audienz hatte warten lassen! Eine schöne Begrüßung für einen alten Freund. Sein Misstrauen verstärkte sich noch, als Guybon sie nicht in den Großen Saal führte, sondern in einen abgeschiedeneren Teil des Palasts.

»Ich habe viel von Euch gehört, Meister Cauthon«, sagte Guybon. Er schien einer dieser steifen Soldaten zu sein. Solide, aber vielleicht etwas zu solide. Wie ein Bogen, der nicht genug federn konnte.

»Von wem?«, erkundigte sich Mat. »Von Elayne?«

»Es waren hauptsächlich Gerüchte in der Stadt. Die Leute reden gern über Euch.«

Das tun siel, dachte Mat. »Die Hälfte davon habe ich nicht getan«, murmelte er grimmig, »und die andere Hälfte war nicht meine verdammte Schuld.«

Guybon lachte. »Und was ist mit der Geschichte, dass Ihr neun Tage lang von einem Baum gehangen habt?«

»Ist nicht passiert«, sagte Mat und widerstand dem Reflex, an seinem Halstuch zu zupfen. Neun Tage lang? Wo kam das denn her? Er hatte dort nicht einmal neun verdammte Minuten gehangen! Neun Sekunden waren zu lang gewesen.

»Es heißt auch«, fuhr Guybon fort, »Ihr würdet niemals beim Würfelspiel verlieren, auch in der Liebe nicht, und Euer Speer verfehlt niemals sein Ziel.«

»Ich wünschte, die letzten beiden stimmten. Verflucht noch eins, das wünschte ich wirklich.«

»Aber Ihr gewinnt immer beim Würfeln?«

»So gut wie.« Mat zog die Hutkrempe ein Stück herunter. »Aber verbreitet das nicht, sonst finde ich nie ein Spiel.«

»Es heißt, Ihr hättet einen der Verlorenen getötet«, sagte Guybon.

»Das ist nicht wahr.« Wie war das denn entstanden?

»Und was ist mit den Geschichten, dass Ihr Euch in einem Ehrenduell mit dem König der Aiel-Invasoren geschlagen habt? Habt Ihr für den Wiedergeborenen Drachen wirklich die Loyalität der Aiel gewonnen?«