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»Vergiss Ebou Dar«, fauchte Birgitte. »Wie geht es Olver? Habt ihr ihn gefunden?«

»Das haben wir«, sagte Thom. »Und es geht ihm gut, auch wenn ich fürchte, dass der Junge für ein Leben als Soldat bestimmt ist.«

»Das ist kein schlechtes Leben«, sagte Birgitte. »Nicht wahr, Mat?«

»Es gibt Schlimmeres«, erwiderte er und versuchte noch immer sein Gleichgewicht wiederzufinden. Wieso hatte der Aufstieg zur Königin Elayne weniger hochnäsig gemacht? Hatte er etwas übersehen? Sie schien doch jetzt tatsächlich richtig umgänglich zu sein!

Nun ja, das war jetzt ungerecht gewesen. Es hatte auch schon zuvor Zeiten gegeben, in denen sie umgänglich gewesen war. Dazwischen hatte es bloß die Augenblicke gegeben, in denen sie Mat herumgescheucht hatte. Er ertappte sich bei einem Lächeln, als Thom die Einzelheiten ihrer Flucht erzählte und wie sie Tuon gefangen genommen hatten, gefolgt von ihren Reisen mit Meister Lucas Wanderzirkus. Aus dem Köcher eines Geschichtenerzählers gezogen klang die Begebenheit bedeutend eindrucksvoller, als sie in Wahrheit gewesen war. Wenn er Thom so zuhörte, hielt er sich fast schon selbst für einen Helden.

Bevor Thom jedoch zu dem Teil mit Tuons Heiratsgelübde kam, hustete er und unterbrach ihn. »Und wir besiegten die Seanchaner, entkamen nach Murandy und fanden schließlich eine Aes Sedai, die uns durch ein Wegetor herschaffte. Übrigens, habt ihr Verin in letzter Zeit gesehen?«

»Nein«, sagte Elayne. Thom warf Mat einen amüsierten Blick zu.

»Verdammt.« Nun, und da löste sich seine Gelegenheit in Luft auf, sich von ihr ein Wegetor zum Turm von Ghenjei machen zu lassen. Aber darüber konnte er sich noch später Sorgen machen. Er zog die Ledermappe aus dem Gürtel, öffnete sie und holte Aludras Papiere hervor. »Elayne«, sagte er, »ich muss mit dir sprechen.«

»Ja, du erwähntest etwas von ›Glockengießern‹ in deinem Brief. In was für Schwierigkeiten steckst du nun schon wieder, Matrim Cauthon?«

»Das ist wirklich ungerecht«, sagte er und breitete die Papiere aus. »Ich bin es nicht, der in Schwierigkeiten gerät. Hätte ich …«

»Du willst doch jetzt wohl nicht wieder damit anfangen, dass ich im Stein von Tear in Gefangenschaft geriet, oder?«, fragte sie und verdrehte die Augen.

Er hielt inne. »Natürlich nicht. Das ist doch eine Ewigkeit her. Ich kann mich kaum noch daran erinnern.«

Sie lachte, und es klang hübsch. Er fühlte, dass er errötete.

»Aber egal, ich stecke nicht in Schwierigkeiten. Ich brauche bloß ein paar Dinge.«

»Was für Dinge?«, fragte Elayne, die neugierig wurde, als er die Seiten auf dem Tisch neben ihrem Stuhl ausbreitete. Birgitte beugte sich vor.

»Nun.« Mat rieb sich das Kinn. »In der Stadt gibt es drei Glockengießer; die brauche ich. Und wir brauchen irgendwelche Pulver. Die sind auf dieser Seite aufgelistet. Und wir brauchen … etwas Eisen.« Er verzog das Gesicht und reichte ihr eine von Aludras Listen.

Elayne las sie und blinzelte. »Bist du verrückt?«

»Manchmal glaube ich tatsächlich, dass ich genau das bin«, sagte er. »Aber soll man mich doch zu Asche verbrennen, ich glaube, das hier wird seine Kosten wert sein.«

»Worum handelt es sich denn?«, wollte Elayne wissen, während Birgitte eine Seite überflog und dann an sie weiterreichte.

»Aludra nennt sie Drachen«, sagte Mat. »Thom sagte, du kennst Aludra?«

»Ja, das ist richtig«, erwiderte Elayne.

»Nun, das sind Abschussröhren, so wie die für ihr Feuerwerk. Nur dass sie aus Metall sind, und sie sind riesig. Und anstatt Nachtblumen zu verschießen, verschießen sie kopfgroße Eisenstücke.«

»Warum sollte man Eisenstücke in die Luft schießen?«, fragte Elayne stirnrunzelnd.

»Macht man nicht«, sagte Birgitte und riss die Augen weit auf. »Man schießt sie auf ein anderes Heer.«

Mat nickte. »Aludra behauptet, einer dieser Drachen könnte eine Eisenkugel bis zu einer Meile weit schießen.«

»Muttermilch in einem Becher!«, sagte Birgitte. »Das ist nicht dein Ernst.«

»Sie behauptet es«, sagte Mat. »Und ich glaube ihr. Ihr solltet sehen, was sie bereits erschaffen hat, und sie behauptet, dass das ihr Meisterstück sein wird. Seht her, da stellt sie Drachen dar, die aus einer Entfernung von einer Meile eine Stadtmauer beschießen. Mit fünfzig Drachen und zweihundertfünfzig Soldaten könnte sie eine Stadtmauer wie die um Caemlyn in wenigen Stunden zerstören.«

Elayne sah blass aus. Glaubte sie ihm? Oder würde sie ärgerlich auf ihn sein, weil er ihre Zeit verschwendete?

» Mir ist klar, dass das in der Letzten Schlacht nicht von großem Nutzen sein wird«, sagte er schnell. »Trollocs haben keine Mauern. Aber seht hier. Ich ließ sie eine Ladung aus sich ausbreitenden Eisenstückchen entwickeln. Feuert man die aus einer Entfernung von vierhundert Schritten auf eine Reihe Trollocs, erledigt einer dieser Drachen die Arbeit von fünfzig Bogenschützen. Verdammt, Elayne, aber wir werden im Nachteil sein. Der Schatten kann immer mehr Trollocs gegen uns werfen, als wir Soldaten haben, und die verdammten Kreaturen sind doppelt so schwer zu töten wie ein Mensch. Wir brauchen einen Vorteil. Ich erinnere mich noch an …«

Er unterbrach sich. Er hatte sagen wollen, dass er sich noch an die Trolloc-Kriege erinnerte, was aber keine gute Idee gewesen wäre. Auf diese Weise brachte man nur peinliche Gerüchte in Umlauf. »Schau mal«, sagte er. »Ich weiß, dass das lächerlich klingt, aber du musst ihm eine Chance geben.«

Sie schaute zu ihm auf und… weinte sie schon wieder? Was hatte er getan?

»Mat, ich könnte dich küssen«, verkündete sie. »Das ist genau das, was ich brauche!«

Mat blinzelte. Was?

Birgitte kicherte. »Erst Norry, jetzt Mat. Du musst aufpassen, Elayne. Rand wird noch eifersüchtig.«

Elayne schnaubte und betrachtete die Konstruktionspläne. »Das wird den Glockengießern nicht gefallen. Die meisten Handwerker freuten sich darauf, sich nach der Belagerung wieder ihrem Tagewerk widmen zu können.«

»Ach, das würde ich so nicht sagen«, meinte Birgitte. »Zu meiner Zeit habe ich ein paar Handwerker gekannt. Alle beschwerten sich über die königlichen Privilegien während des Krieges, aber solange die Krone sie entschädigt, sind sie insgeheim doch zufrieden. Regelmäßige Arbeit wird immer geschätzt. Außerdem wird sie so etwas neugierig machen.«

»Das müssen wir geheim halten«, sagte Elayne.

»Also macht ihr mit?«, fragte Mat überrascht. Er hatte nicht einmal seinen geheimen Bestechungsversuch gebraucht, um sie abzulenken!

»Natürlich brauchen wir zuerst einen Beweis, dass das funktioniert«, sagte Elayne. »Aber wenn diese Geräte, diese Drachen, nur halb so gut funktionieren, wie Aludra behauptet… nun, ich wäre eine Närrin, würde ich nicht jeden Mann daransetzen, den wir haben!«

»Das ist sehr großzügig von dir.« Mat kratzte sich am Kopf.

Elayne zögerte. »Großzügig?«

»Sie für die Bande bauen zu lassen.«

»Für die Bande … Mat, die sind für Andor bestimmt!«

»Nicht so schnell«, sagte Mat. »Das sind meine Pläne.«

»Und meine Mittel!«, erwiderte Elayne. Plötzlich saß sie viel aufrechter da. »Sicherlich wirst du einsehen, dass die Krone eine wesentlich verlässlichere und nützlichere Kontrolle für den Einsatz solcher Waffen bietet.«

Thom grinste nur.

»Was gibt es dazu grinsen?«, verlangte Mat zu wissen. »Nichts«, sagte Thom. »Deine Mutter wäre stolz auf dich, Elayne.«

»Danke, Thom.« Sie schenkte ihm ein Lächeln. »Auf welcher Seite stehst du?«, wollte Mat wissen. »Auf jeder.«

»Das ist keine verdammte Seite«, erwiderte Mat und wandte sich wieder Elayne zu. »Es hat mich viel Mühe und Kopfzerbrechen gekostet, Aludra diese Konstruktionspläne zu entlocken. Ich habe nichts gegen Andor, aber ich kenne nur einen, dem ich diese Waffen anvertrauen würde, und das bin ich.«