»Und wenn die Bande ein Teil von Andor wäre?«, fragte Elayne. Plötzlich klang sie jeden Zoll wie eine Königin. »Die Bande ist niemandem verpflichtet.«
»Das ist bewundernswert«, sagte Elayne, »aber das macht euch zu Söldnern. Und ich glaube, dass die Bande mehr verdient hat, etwas Besseres. Mit offizieller Unterstützung hättest du Zugang zu Mitteln und Autorität. Wir könnten dich für Andor in Dienst nehmen, mit deiner eigenen Kommandostruktur. «
Das war tatsächlich verführerisch. Jedenfalls ein bisschen. Aber es spielte keine Rolle. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Elayne glücklich darüber sein würde, ihn in ihrem Reich zu haben, sobald sie von seiner Beziehung zu den Seanchanern erfuhr. Irgendwann wollte er zu Tuon zurückkehren, irgendwie. Und wenn auch nur, um herauszufinden, welche Gefühle sie wirklich für ihn hatte.
Er hatte nicht die Absicht, den Seanchanern den Zugang zu diesen Drachen zu gewähren, aber er wollte sie auch nicht Andor überlassen. Unglücklicherweise musste er zugeben, dass es nicht möglich sein würde, die Herstellung Andor zu überlassen, ohne diese Waffen dann auch dieser Nation zur Verfügung zu stellen.
»Ich will nicht, dass die Bande ein Teil einer fremden Armee wird«, sagte er. »Wir sind freie Männer, und so gefällt uns das auch.«
Elayne sah beunruhigt aus.
»Aber ich wäre bereit, die Drachen mit dir zu teilen«, fuhr er fort. »Ein paar für uns, ein paar für dich.«
»Und wie wäre es, wenn ich sämtliche Drachen herstelle und sie mein Eigentum wären, aber verspreche, dass allein die Bande sie benutzen darf? Keine anderen Streitkräfte hätten dann Zugang zu ihnen.«
»Das wäre sehr nett von dir«, sagte Mat. »Aber auch verdächtig. Nichts für ungut.«
»Es wäre besser für mich, wenn die Adelshäuser sie nicht in die Finger bekämen, zumindest nicht am Anfang. Irgendwann verbreiten sie sich weiter. Das tun Waffen immer. Ich stelle sie her und verspreche, sie der Bande zur Verfügung zu stellen. Keine Eingliederung in unsere Streitkräfte, nur ein Kontrakt, mit dem ich euch auf lange Sicht gesehen beschäftige. Ihr könnt jederzeit gehen. Aber dann lasst ihr die Drachen hier.«
Mat runzelte die Stirn. »Fühlt sich an, als würdest du eine Kette um meinen Hals legen.«
»Ich schlage lediglich eine vernünftige Lösung vor.«
»An dem Tag, an dem du vernünftig wirst, fresse ich meinen Hut«, sagte Mat. »Nichts für ungut.«
Elayne sah ihn mit hochgezogener Braue an. Ja, sie war eine Königin geworden. Einfach so.
»Ich will das Recht haben, ein paar dieser Drachen bei unserem Abzug zu behalten«, sagte Mat. »Ein Viertel für uns, drei Viertel für dich. Aber wir erklären uns mit dem Kontrakt einverstanden, und solange wir in deinen Diensten stehen, steht die Benutzung allein uns zu. Wie du vorgeschlagen hast.«
Ihr Stirnrunzeln wurde stärker. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, aber sie hatte schnell verstanden, welche Macht diese Drachen verliehen. Er dürfte nicht zulassen, dass sie jetzt zögerte. Die Drachen mussten unbedingt sofort hergestellt werden. Und er würde sich nicht die Chance entgehen lassen, dass die Bande sie bekam.
Mit einem Seufzen hob er die Hände und entknotete den Riemen um seinen Hals, dann zog er das Fuchskopf-Medaillon unter dem Hemd hervor. In der Sekunde, in der er es abnahm, kam er sich entblößt vor, als hätte er sich nackt ausgezogen. Er legte es auf den Tisch.
Elayne betrachtete es kurz, und er konnte das Verlangen in ihren Augen aufblitzen sehen. »Wofür ist das?«
»Es soll die Sache versüßen«, sagte Mat, beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Knie. »Wenn du versprichst, noch heute Abend mit der Herstellung eines Versuchsdrachens anzufangen, kannst du das einen Tag lang haben. Mir ist egal, was du mit dem Medaillon anstellst – studiere es, schreib ein verdammtes Buch darüber, häng es dir um. Aber du gibst es morgen zurück. Dein Wort darauf.«
Birgitte stieß einen leisen Pfiff aus. Elayne wollte dieses Medaillon seit dem Augenblick in die Finger bekommen, in dem sie entdeckt hatte, dass es sich in seinem Besitz befand. Natürlich galt das für jede verdammte Aes Sedai, der er begegnet war.
»Der Kontrakt für die Bande gilt für mindestens ein Jahr«, sagte Elayne, »und kann verlängert werden. Wir zahlen dir, was du in Murandy bekommen hast.«
Woher wusste sie das denn schon wieder?
»Du kannst ihn jederzeit lösen, vorausgesetzt, du kündigst es einen Monat vorher an – aber ich behalte vier von fünf Drachen. Und jeder Mann, der sich dem Militär von Andor anschließen will, erhält dazu die Gelegenheit.«
»Ich bekomme eine von vier«, sagte Mat. »Und einen neuen Diener.«
»Einen was?«, fragte Elayne.
»Einen Diener. Du weißt schon, der sich um meine Garderobe kümmert. Du wirst besser als ich darin sein, den passenden zu finden.«
Elayne warf einen Blick auf seinen Mantel, dann auf seine Frisur. »Den kriegst du, ganz egal, wie die Verhandlungen ausgehen.«
»Eine von vier?«
»Ich bekomme das Medaillon drei Tage lang.«
Er fröstelte. Drei Tage, wo der Gholam in der Stadt war. Sie würde noch sein Tod sein. Es ihr nur für einen Tag zu überlassen war bereits ein Glücksspiel. Aber ihm fiel nichts anderes ein, was er ihr sonst anbieten konnte. »Was willst du eigentlich überhaupt mit dem Ding anstellen?«, wollte er wissen.
»Es kopieren«, erwiderte sie nachdenklich, »wenn ich Glück habe.«
» Wirklich?«
»Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, bevor ich es studiert habe.«
Plötzlich stand Mat das schreckliche Bild von jeder Aes Sedai auf der ganzen Welt vor Augen, die eines dieser Medaillons trug. Er wechselte einen Blick mit Thom, der genauso überrascht zu sein schien, das zu hören.
Aber spielte das überhaupt eine Rolle? Er konnte die Macht nicht lenken. Zuvor hatte er sich darüber gesorgt, dass Elayne möglicherweise einen Weg fand, ihn mit der Einen Macht zu berühren, auch wenn er es trug – falls sie es studierte. Aber wenn sie bloß eine Kopie haben wollte … nun, er verspürte Erleichterung. Und eine gewisse Neugier.
»Es gibt da noch etwas, das ich erwähnen wollte, Elayne«, sagte er. »Der Gholam ist hier. In der Stadt. Er bringt Menschen um.«
Elayne blieb ganz ruhig, aber die Tatsache, dass sie noch förmlicher klang, als sie wieder das Wort ergriff, verriet ihm, dass diese Neuigkeit sie beunruhigte. »Dann sorge ich dafür, dass du das Medaillon rechtzeitig zurückbekommst.«
Er verzog das Gesicht. »Also gut«, sagte er. »Drei Tage.«
»Sehr gut. Ich möchte, dass die Bande sofort anfängt. Ich Reise bald nach Cairhien, und ich habe das Gefühl, dass sie dort eine bessere Streitmacht zur Unterstützung abgibt als die Königliche Garde.«
Also darum ging es! Elayne wollte nach dem Sonnenthron greifen. Nun, das erschien ein vernünftiges Unterfangen für die Männer zu sein, zumindest bis Mat sie brauchte. Jedenfalls war es besser, als sie faul herumsitzen und Streit mit Söldnern provozieren zu lassen.
»Damit bin ich einverstanden«, sagte er. »Aber Elayne, die Bande muss freie Hand haben, um in der Letzten Schlacht kämpfen können, so wie Rand es für nötig hält. Und Aludra muss die Drachen überwachen. Ich habe das Gefühl, dass sie darauf bestehen wird, bei dir zu bleiben, falls die Bande Andor verlässt.«
»Damit habe ich kein Problem«, sagte Elayne und lächelte.
»Das dachte ich mir. Aber nur damit alles klar ist, bis zu unserem Aufbruch kontrolliert die Bande die Drachen. Du kannst diese Technologie nicht weiterverkaufen.«
»Jemand wird sie kopieren, Mat.«
»Kopien werden nicht so gut wie Aludras Originale sein«, sagte er. »Das verspreche ich dir.«
Elayne musterte ihn, ihre blauen Augen schätzten ihn ab. »Mir wäre es immer noch lieber, ich hätte die Bande als andoranische Streitmacht unter meinem Befehl.«
»Nun, ich wünschte, ich hätte einen Hut aus Gold, ein fliegendes Zelt und ein Pferd, das Diamanten scheißt. Aber wir beide werden uns mit dem zufriedengeben müssen, was vernünftig ist, nicht wahr?«