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Jetzt stießen Burdock und Celandine zu ihnen. Sie waren voller Lob und Dankbarkeit für das, was El-ahrairah und Rabscuttle beim Marsch über den Sumpf für sie getan hatten.

»Ohne euch hätten wir das niemals fertiggebracht«, meinte Burdock.

»Wollt ihr nicht zurückkehren?« fragte El-ahrairah. »Die Ratten sind jetzt vermutlich bei eurem Gehege durchgekommen und längst weitergezogen.«

Burdock machte nachdrücklich klar, daß ihn nichts dazu verleiten könnte, über das Sumpfgebiet zurückzugehen. »Und ich bin sicher, das gilt für alle von uns«, sagte er. »Wozu auch? Ich bin hier noch nicht überall gewesen, aber jedenfalls scheint's hier massenweise was zu fressen zu geben und überhaupt alles, was sich ein Kaninchen nur wünschen kann. Da ist zunächst schon einmal ein ganzer Gemüsegarten gleich da drüben.«

»Also, es steht mir nicht zu, euch Ratschläge zu geben«, sagte El-ahrairah. »Wir sind bloß zwei wandernde hlessil. Aber wir dürfen euch sicher fragen: Habt ihr denn viel Erfahrung mit Menschen und was sie mit Kaninchen anstellen?«

»Ich nicht«, antwortete Burdock. »Ich hab' kaum je einen Menschen gesehen, und ich bin noch keinem in die Nähe gekommen. Doch Kaninchen können sich verstecken, und sie können rennen. Viel schneller als Menschen, das weiß ich.«

»Stimmt auch«, sagte El-ahrairah. »Aber trotzdem, wo wir hier sind, das ist viel zu nahe an dem Farmhaus, und wenn du deinen Kaninchen erlaubst, sich hier niederzulassen und in dem Küchengarten nach Belieben ein- und auszugehen, dann setzt du sie Gefahren, womöglich tödlichen Gefahren aus. Menschen hassen Kaninchen, und sie sind fast immer bereit, sie zu töten, wo immer sie sind, aber Kaninchen im Gemüsegarten - da reißen sie sich ein Bein aus, um sie zu töten, das mußt du mir glauben.«

»Na schön, aber ich glaube nicht, ich könnte meine Kaninchen davon abhalten, da reinzugehen«, sagte Burdock ausweichend.

»Was soll ich deiner Meinung nach tun?«

»Also, hör mal«, erwiderte El-ahrairah. »Ich bin nicht das Leitkaninchen und will's auch nicht sein. Ich bin nur ein Besucher, der vorüberzieht. Aber wenn du meinen Rat willst, dann solltest du sie in offenes Gelände führen, glaube ich, weg von der Farm. An einen Waldrand, einen offenen Hang, so etwas ähnliches. Denn eines weiß ich ganz genau: daß es eine Menge Ärger geben wird, wenn sie hier bleiben. Aber wie auch immer«, fuhr er fort, als Celandine herbeikam und sich zu ihnen gesellte, »machen wir doch mal eine Runde, damit wir ein Bild von dem Ort hier gewinnen.«

Im Verlauf des Morgens gingen die vier Kaninchen über das Anwesen der Farm, von einem Ende zum anderen. Es war alles gepflegt, die Farm gedieh. Da gab es eine große Viehweide und auch eine Schafweide; die Hecken und Zäune waren gut und vernünftig angelegt. Da war auch eine kahle Wiese, wo das Heu schon geschnitten und zu Haufen aufgeschichtet war. Am anderen Ende standen Weizen- und Gerstefelder, die sich bis zum fernen Waldrand erstreckten.

Auf dem Rückweg kamen sie durch einen Obstgarten mit jungen Kirschbäumen, der etwas entfernt vom Gemüsegarten lag. Burdock schaute nach einer bequemen Lücke aus, als sie Tabak rochen und einen Mann von der anderen Seite der Hecke kommen hörten. Gerade noch rechtzeitig konnten sie sich unter einem Haselbusch verstecken, bevor er durch ein kleines Gatter kam und zu der Wiese mit dem hohen Gras weiterging, auf der sie genächtigt hatten. Als er sein weißes Stäbchen ins Gras schnickte, sprang ein Kaninchen fast unter seinen Füßen hervor. Der Mann blieb stehen und sah zu, wie es im Unterholz, das an den Obstgarten grenzte, verschwand.

»Jetzt siehst du, was ich meine«, sagte Burdock. »Kaninchen können rennen, und Kaninchen können sich verstecken.«

Als El-ahrairah und Rabscuttle an diesem Nachmittag allein waren, fragte Rabscuttle: »Meinst du nicht, wir sollten diese Kaninchen verlassen, Meister, bevor es hier losgeht? So wie's aussieht, wird's hier eine Menge Ärger geben, und zwar bald. Wir sollten uns nicht darin verwickeln lassen.«

»Du hast wahrscheinlich recht«, antwortete El-ahrairah, »aber ich habe immer noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, daß ich sie vielleicht noch zur Vernunft bringen kann. Wenn das nicht möglich ist, verspreche ich dir, so schnell wie möglich zu verschwinden.«

Nach einigen Tagen hatten fast alle Kaninchen den Gemüsegarten von sich aus entdeckt. Es gab zwei oder drei Zugänge, und neben diesen waren auf beiden Seiten der Hecke auffällige Trampelpfade von Kaninchen zu sehen. El-ahrairah hatte Rabscuttle verboten, sein Leben in der Nähe des Gartens aufs Spiel zu setzen, ging aber selbst eines schönen Abends gegen Sonnenuntergang hinein, um sich vom Zustand des Gartens ein Bild zu machen. Er fand die Salate bis auf den Boden abgenagt, und auch die Kohlköpfe und der Blumenkohl zeigten deutlich die Spuren der Zuneigung, die ihnen die Kaninchen bewiesen hatten. Wie erwartet, war viel mehr ungenießbar gemacht als gefressen worden. Er traf ein paar Jungkaninchen zwischen den gelben Rüben und versuchte, ihnen die Gefahr klarzumachen. Aber sie hörten nicht auf ihm.

»Was denn - Celandine ist doch selber hier, soviel ich weiß«, sagte eines der Kaninchen. »Wir wissen schon, wie wir schnell hier herauskommen, wenn Menschen im Anmarsch sind. Dieser Garten ist viel zu gut, um sich selbst überlassen zu bleiben. Hätte niemals gedacht, daß es flayrah von dieser Qualität gibt.«

Nachts lagen oder schliefen die meisten Kaninchen in dem hohen Gras der Wiese neben dem Sumpfgebiet. Das Wetter blieb schön, und Regen war nicht in Sicht. Nur ein paar schwangere Weibchen, die bald Nachwuchs zur Welt bringen würden, gruben sich Tunnels. Die lose Erde in der Böschung zum Sumpfgebiet hin und noch andere Zeichen ihres Grabens waren deutlich sichtbar und verstärkten El-ahrairahs Befürchtungen. Er bemerkte auch, daß Burdock und Celandine auf seine Gesellschaft nicht mehr so großen Wert legten wie früher, aus Gründen, die ihm einsichtig waren. Denn selbst, wenn er nicht über den Gemüsegarten sprach, wirkte er verkrampft, weil er dauernd daran denken mußte, während alle anderen Kaninchen mit Ausnahme von Rabscuttle sich im Zustand fast ausschweifender Ausgelassenheit befanden und das süße Leben genossen.

Eines Nachmittags sah El-ahrairah, während er in der Sonne lag, zwei Kaninchen, die sich zielstrebig absetzten, aber nicht zum Gemüsegarten hin, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Er fragte sich, was sie wohl vorhätten, und folgte ihnen mit der Miene größter Gleichgültigkeit, scheinbar ohne Interesse. Er sah sie ans andere Ende der Böschung laufen und in den Kirschgarten schleichen. Nach einer gewissen Zeit des Abwartens ging er auf einem anderen Pfad ebenfalls hinein, entdeckte sie auch bald und sah, was sie vorhatten. Sie nagten unten an einem Kirschbaum die Rinde ab. Bei einigen Bäumen in der Nähe war die Rinde auch schon abgenagt. Das war nicht alles. Am anderen Ende des Kirschgartens kamen zwei Männer langsam durch die Bäume und sprachen miteinander.

El-ahrairah lief über die Wiese zurück und fragte jedes Kaninchen, das er traf, wo er Burdock auftreiben könnte. Schließlich fand er ihn; er schlief in einer wohnkesselähnlichen Mulde im hohen Gras, das die Kaninchen angelegt hatten. Er weckte ihn und erzählte ihm, was er gesehen hatte.

»Na und?« fragte Burdock. »Was soll ich deiner Meinung nach machen? Die könnte ich nicht aufhalten, selbst wenn ich wollte. Die würden doch die Bäume nicht in Ruhe lassen, bloß weil ich es ihnen sage.«

»Aber verstehst du denn nicht«, sagte El-ahrairah, »durch das Rindenabnagen gehen die Bäume ein, und das fällt den Männern natürlich auf, und sie werden selbstverständlich alles tun, um -«

Burdock stand auf und sah El-ahrairah in die Augen. Er verlor jetzt die Beherrschung. »Glaubst du etwa, ich lasse mich von deinesgleichen herumkommandieren, von so einer Vogelscheuche von hlessi, der Schwanz und Ohren verloren hat und bei jeder Kleinigkeit ein furchtbares Gedöns macht? Du bist eine Nervensäge von früh bis spät. Paß du nur auf, sonst laß ich dich von Celandine hetzen und fertigmachen. Du denkst, bloß weil du uns durch den Sumpf geführt hast, kannst du bestimmen, was wir tun sollen und was richtig und was falsch ist.«