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»Nein«, sagte El-ahrairah. »Wir wollen noch mehr ausgraben.«

In der Stille der Nacht gruben sie weiter, bis es nicht mehr zu übersehen war, daß ein menschlicher Körper hier begraben lag.

»Ein bißchen Erde wollen wir noch darüber lassen«, sagte El-ahrairah, »und dann weitergehen und irgendwo anders nach Futter suchen. Menschen sollten die Leiche finden, und zwar bald!«

Es dauerte jedoch noch zwei Tage, bis ein Mann am Waldrand vorbeischlenderte; er trug schwere Stiefel und hatte ein Gewehr dabei. Die Kaninchen beobachteten ihn vom Ausgang des Dachsbaus und sahen, wie ihm der umgegrabene Boden auffiel, wie er anhielt, um sich die Sache genauer anzusehen und dann etwas Erde wegkickte. Sobald er sich vergewissert hatte, was da lag, markierte er die Stelle mit einem abgebrochenen Zweig und rannte mit seinem Gewehr und seinen plumpen Stiefeln fort, so schnell er konnte.

»Das melden wir jetzt dem lendri«, sagte El-ahrairah.

Nach ihrem Bericht kam der lendri mit zum Bau-Ausgang. Sie brauchten nicht lange zu warten. Ein hrududu voller Männer fuhr heran und hielt in der Nähe. Die Männer stiegen ab und steckten die Stelle mit Pfosten ab, die ein blauweißes Band verband. Danach kamen noch mehr Männer, bis es schien, daß die Stelle von Männern wimmelte, die laut miteinander sprachen.

Der lendri, sichtbarlich in Angst, machte kehrt und lief so schnell wie möglich in den Tunnel zurück. Die beiden Kaninchen folgten ihm.

»Wir müssen unbedingt hinter ihm bleiben«, keuchte El-ahrairah, »wo er auch hingeht.«

Schwankend und stolpernd folgten sie dem lendri durch einen Seitengang, wo sie noch nie gewesen waren und der auch längere Zeit nicht benutzt worden zu sein schien; an manchen Stellen war er teilweise blockiert durch herabgefallene Erde, die der lendri mit mächtigen Hieben seiner Pfoten beiseite oder hinter sich warf. Die Kaninchen wurden mit Erde überschüttet und manchmal von kleinen Steinen schmerzhaft getroffen, mühten sich aber, hinter dem verängstigten lendri zu bleiben, dem es offensichtlich darauf ankam, schnellstens von den Männern fortzukommen.

Nach einer scheinbar endlosen Zeitspanne führte der Tunnel leicht aufwärts und dann ins Freie. Am Ausgang blieb der lendri stehen, schnüffelte, lauschte und schaute umher. Schließlich kam er vorsichtig hinaus in den Wald, ging eine kurze Strecke weiter und versteckte sich unter dichtem Gebüsch.

»Er hat sicher nicht gewußt, daß wir ihm gefolgt sind«, flüsterte El-ahrairah. »Warten wir, bis er weggeht.«

Während sie warteten, versuchten sie die Männer zu hören, vernahmen aber nur sehr schwache Geräusche in der Ferne. »Wir haben offenbar einen ziemlich langen Weg hinter uns«, wisperte El-ahrairah. »Kriech jetzt raus, so lautlos, wie es geht. Hier können wir nicht bleiben. Wenn der lendri vor irgend etwas erschrickt, rast er zu diesem Loch zurück und trampelt uns zu Boden.«

Sie schlichen geräuschlos eine kleine Strecke über den Waldboden und gelangten schließlich zu einer kleinen Lichtung, wo sie anhielten. El-ahrairah machte wachsam eine Runde am Lichtungsrand entlang und fand, was er suchte: Reifenabdrücke im weichen Boden. Sie führten zu einem leicht abfallenden Weg, und die Kaninchen folgten ihm, bis sie Männer in der Nähe reden hörten und die weißen Stäbchen rochen. Sie warteten lange im Unterholz, bis die Männer endlich ihr hrududu bestiegen und abfuhren.

Das Geräusch verklang in der Ferne. »Komm jetzt«, sagte El-ahrairah, »wir müssen hier heraus, solange es noch Tag ist.«

Sie waren noch nicht weit gelaufen, als sie am Waldrand ankamen und von dort grüne Felder sehen konnten.

»Aber ist das der Waldrand, den wir suchen, Meister?« fragte Rabscuttle. »Könnte doch auch eine andere Stelle auf der Seite sein, wo wir gewesen waren, oder?«

»Sieh mal die Sonne«, antwortete El-ahrairah. »Sie scheint uns direkt entgegen. Und der Wind kommt von vorne. Stimmt schon, das ist die Sonnenuntergangsseite des Waldes.«

Das erwies sich als richtig. In dieser Nacht schliefen sie unter einem dichten Brombeerbusch. Nichts störte sie, und am nächsten Nachmittag erreichten sie endlich ihr eigenes Gehege.

»Also hat man sich auf das Wort des Schwarzen Kaninchens verlassen können«, meinte El-ahrairah und schaute umher. »Nichts Feindliches zu riechen, ein schöner Abend und alle beim silflay. Sehen auch alle gut aus. Das hast du gut gemacht, Rabscuttle.«

»Du hast das gut gemacht, Meister«, antwortete Rabscuttle und stupste El-ahrairahs Nase an. »Sieh mal, schöner Klee hier. Setzen wir uns doch und fressen erst mal ein bißchen.«

Jedoch, wie andernorts erzählt worden ist, war ihre Heimkehr keineswegs so, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Dritter Teil

12. Der Geheime Fluß

Der Name des zweiten Flusses ist Gihon.

Kaum ist er dem Paradies entströmt, verschwindet er auch schon in der Tiefe des Meeres ..., von wo aus er, durch geheime Passagen in der Erde, wieder in den Bergen Äthiopiens auftaucht.

Moses bar Cepha, von John L. Lowes zitiert (The Road to Xanadu)

Von allen Weibchen, die mit ihm von Efrafra ausgebrochen waren, hielt Bigwig immer Vilthuril für das rätselhafteste, für seltsam und am schwersten zu verstehen. Vilthuril war dabei weder unfreundlich noch hochnäsig. Im Gegenteil, sie verstand sich glänzend mit allen Kaninchen im Gehege und war auch oft zu einer kleinen Plauderei bereit - über Dinge wie das Wetter, das Gras oder die Pferde, die über ihr Down galoppierten, über alles, mit einem Wort, was nicht zu Mißhelligkeiten führte und zu dem jeder eine Meinung äußern konnte, die niemanden verletzte. Sie war eine gute Mutter und ihrem Gefährten, Fiver, sehr ergeben. Fiver und sie hatten ihre gegenseitige Zuneigung schon vor dem Ende der Expedition gegen Efrafra entdeckt; und in der Nacht des Überfalls von General Woundwort, in der Fiver, wie man sich erinnert, bewußtlos unter Efrafraniern auf dem Boden des Wabenbaus gelegen hatte, bevor er erwachte und Vervain ohne einen einzigen Hieb besiegte, war Vilthuril seinetwegen außer sich gewesen vor Angst und Sorge.

Wer mit Vilthuril zu tun hatte, spürte eine gewissen Reserviertheit von ihrer Seite, und man wußte, daß sie und Fiver viel Zeit in ihrer inneren Welt, in der Welt des Mystischen verbrachten. Niemand hatte etwas dagegen, da jeder die Gültigkeit auch dieser Welt anerkannte. Im übrigen, bemerkte Bluebell, solange Fiver fähig war, aus dieser Welt wenigstens für die kurze Zeit aufzutauchen, die er benötigte, um Kaninchen wie Vervain auszuschalten, war doch alles in Ordnung.

Doch Vilthuril konnte durchaus auch über ernste Dinge sprechen, wenn sie wollte, so daß die andern ihr achtungsvoll und aufmerksam zuhörten. Aber sie wollte das nicht oft, deshalb hielten die anderen Kaninchen gewöhnlich den Mund, wenn sie sprach, um keine Gelegenheit auszulassen, etwas von der wirklichen Vilthuril zu erfahren, und das bereuten sie selten oder nie.

Eines Abends, es war im ziemlich überfüllten Wabenbau, fragte sie den überraschten Hazel so ruhig und beiläufig, als wären sie allein: »Hat dir Hyzenthlay je etwas über den unterirdischen Fluß in Efrafra erzählt?«

»Über den was?« fragte Hazel zurück, jetzt auch einmal aus seiner Fassung gebracht.

»Den unterirdischen Fluß in Efrafra«, wiederholte Vilthuril im selben ruhigen Unterhaltungston.

»Nein, bestimmt nicht«, sagte Hazel. Dann fragte er, aber mehr um seine Fassung wiederzugewinnen als aus einem anderen Grund:    »Bigwig, hast du je was von dem unterirdischen Fluß in Efrafra gehört? Du bist ja schließlich einmal dagewesen und ich nicht.«