Выбрать главу

Der Frühling mündete in den Sommer, und eines Abends, als alles beim silflay war, kam kein Geringerer als Buckthorn von Vleflain mit einer Nachricht von Groundseclass="underline" Hazel möge doch so bald wie möglich hinkommen und ihn beraten.

»Nanu, was gibt's da für Schwierigkeiten?« fragte Hazel.

»Also, nicht direkt Schwierigkeiten, Hazel-rah«, antwortete Buckthorn. »Man könnte es eher einen gewissen Ärger nennen. Wir sind ziemlich besorgt. Aber Groundsel-rah hat mir aufgetragen, nichts zu sagen, das wolle er selber tun, wenn du erst da bist. Falls du noch einen Anstoß brauchen solltest, kann ich dir sagen, daß es sich um Efrafra handelt.«

»Efrafra? Ach du heiliger Kohlkopf«, rief Hazel. »Ich dachte, das sei alles längst erledigt. Also gut, dann werden wir wohl morgen gehen, Fiver und ich, wenn das Wetter so bleibt. Wenn du keine Lust hast, gleich wieder umzukehren, bleib doch ruhig ein paar Tage bei mir im Bau, besuch ein paar alte Freunde und kehr zurück, wenn dir danach ist. Übrigens«, fügte er hinzu, »warum muß ich eigentlich dort hingehen? Warum kommt Groundsel nicht selber her, wenn er mich sehen will?«

»Er organisiert ein Treffen«, erwiderte Buckthorn, »und ich glaube, sogar Hauptmann Campion wird kommen.«

»Campion? Heiliger Frith, dann muß es etwas wirklich Unangenehmes sein«, sagte Hazel. »Wo immer Campion ist, da gibt's Ärger, jedenfalls war das bisher so, das habe ich inzwischen begriffen.«

Am nächsten Morgen brachen sie nach Vleflain auf, Hazel und Fiver, mit gelegentlicher Luftüberwachung von Kehaar. Sie kamen spät nachmittags an, und Groundsel war fast zu überschwenglich froh, als er sie begrüßte. »Ah, jetzt wird alles gut, da ihr beide hier seid«, sagte er. »Kommt und setzt euch in die Sonne. Erzählt mir alles von den Freunden daheim. Wie geht's dem unglückseligen Sandwort? Schickt ihn doch her, die Veränderung wird ihm guttun.«

»So wie es ihm jetzt geht, käme er nie hier an«, sagte Fiver. »Es wird noch lange dauern, bis der sich ganz berappelt hat. Viele Kaninchen hätten gar nicht überlebt, was der durchgemacht hat.«

»Komm, wir machen mal einen Rundgang ums Gehege. Möchte mal sehen, was ihr draus gemacht habt. Alle gut untergebracht, hoffe ich.«

»O ja«, antwortete Groundsel. »Wir haben ja eine Menge Platz hier, und das macht schon viel aus. Ich habe sogar noch zwei mehr aus Efrafra angenommen, Freunde, die ich letztes Jahr kennengelernt habe, als ich selbst in Efrafra war. Wie zu erwarten, sagen sie, ohne Woundwort sei es jetzt da viel besser.«

Hazel und Fiver übernachteten in Groundsels Wohnkessel und wurden am nächsten Morgen schon früh geweckt durch ein junges Kaninchen, das etwas ausrichtete. »Hauptmann Campion ist hier, Groundsel-rah«, sagte es, »und er sagt, er ist jederzeit zu einem Gespräch bereit.«

»Wo hast du denn den >Hauptmann< her?« fragte Groundsel scharf. »Für dich ist das >Campion-rah<, weißt du das nicht?«

»Ich bitte um Verzeihung, Sir«, sagte der Junge. »Man spricht überall von ihm als Hauptmann, und ich habe es einfach übernommen.«

Sie gingen in den herrlich frischen, klaren Morgen hinaus und fanden Campion in der Sonne sitzend, am Fuß des Hangs. Er und Hazel begrüßten sich reserviert und etwas verlegen. Als sie das letzte Mal zusammengewesen waren, an jenem schrecklichen Abend am Watership Down, hatte Campion Woundwort gefragt, ob er Hazel töten solle. Das hatte keiner von beiden vergessen, doch waren beide bemüht, nicht mehr darauf zurückzukommen. Als Strawberry zu ihnen stieß, konnte Hazel die peinliche Situation überspielen, indem er ihn als alten Freund und Gefährten begrüßte und fragte, wie es ihm im neuen Gehege gefalle. In seiner Antwort lobte Strawberry vor allem seine Kaninchen, die schwer gearbeitet und sich gut eingelebt hätten, sowohl die vom Watership Down wie die von Efrafra.

»Campion«, begann Groundsel, »du bist zwar lange Zeit das Leitkaninchen von Efrafra gewesen, genauer gesagt seit dem Verschwinden von Woundwort im letzten Sommer, hast aber trotzdem eine Menge mit meinem Gehege hier zu tun, nicht wahr? Du bist öfter hier gewesen.«

»Das stimmt«, antwortete Campion.

Er ist zu vornehm und stolz, um Ausreden zu machen oder etwas zurückzuhalten, dachte Hazel. Worum es hier auch immer geht - jedenfalls brauchen wir keine Informationen aus ihm herauszuquetschen oder ihm vorzuwerfen, daß er lüge. »Jeden, der kommen will«, fuhr Campion fort, »nehme ich mit auf die Große Streife.«

»Warum begnügst du dich nicht damit, deine eigenen Leute aus Efrafra mitzunehmen?«

»Weil sie nicht mitkommen«, antwortete Campion, ohne zu zögern. »Kein einziger.«

»Und warum nicht? Weißt du das?«

»Weil sie die Große Streife mit Woundwort in Zusammenhang bringen«, sagte Campion. »Sie wollen nirgends teilnehmen, wenn sie denken, es hat mit Woundwort zu tun.«

»Na und? Die Großen Streifen haben eben eine Menge mit Woundwort zu tun, das stimmt doch, oder?«

»Das stimmt«, bestätigte Campion und wartete schweigend, daß Groundsel weiterspräche.

»Er hat sie doch erfunden, nicht wahr?«

»Ja.«

»Aber du kommst hierher und pumpst Woundworts Ideen in meine Kaninchen.«

»Das tue ich nicht. Ich gehe auf Große Streife und nehme einfach alle Kaninchen mit, die mitkommen wollen.«

»Das ist alles? Du erzählst ihnen nichts von Woundwort und seinen Taten?«

»Ich spreche nie von ihm.«

»Und du hast nicht vor, Einfluß auf meine Kaninchen zu gewinnen, so daß sie für dich kämpfen? So daß du dieses Gehege übernehmen kannst?«

»Ganz sicher nicht.«

»Da bin ich anderer Meinung.«

»So etwas kann dir kein Kaninchen, das ich mitgenommen habe, jemals erzählt haben.«

»Und warum nicht?«

»Weil ich ihnen immer wieder versichere, daß ich keine Pläne in dieser Hinsicht habe. Ich habe nicht den mindesten Ehrgeiz, Vleflain zu übernehmen.«

»Und warum kommst du dann her und überredest meine Kaninchen, mit dir auf die Große Streife zu gehen?«

»Ich überrede sie nicht. Sie sind ganz wild darauf mitzukommen.«

»Wegen deiner Ausstrahlungskraft. Sie möchten dich zum Freund haben.«

Campion antwortete nicht darauf.

»Ist es nicht so?«

»Möglicherweise.«

»Du bist ein berühmtes Kaninchen. Du warst Woundworts bester Offizier. Du hast den Angriff auf Nutley Copse geführt. Du hast seinetwegen alles Kaninchenmögliche getan, um mit den Efrafraniern Hazels Gehege zu vernichten, und du hast die Überlebenden nach Efrafra zurückgeführt, was kein anderer fertiggebracht hätte. Glaubst du wirklich, daß meine Kaninchen dich bewundern und so werden wollen wie du?«

»Das kann sein. Aber wie gesagt, ich nehme lediglich alle Kaninchen mit auf Große Streife, die mitkommen wollen.«

»Zu welchem Zweck?«

»Zu meiner Freude und zu ihrem Besten.«

»Das ist alles?«

»Ja.«

Eine Pause entstand. Ein junges Kaninchen kam, um mit Groundsel zu sprechen, der es kurz angebunden wegschickte. »Nicht jetzt, nicht jetzt!«

Fiver ergriff das Wort. »Du hast gesagt >zu meiner Freude und zu ihrem Besten<. Könntest du uns das etwas erläutern? Was macht dir dabei Freude, und warum glaubst du, ist es zu ihrem Besten?«

Campion schwieg eine Weile, als überlegte er seine Antwort. Als er dann wieder sprach, geschah es in einem gelösten, sanftem Ton, ganz anders als vorher in seinen scharfen, kurzen Antworten.