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Wenn das medizinische Team vor der Einlaßschleuse des verunglückten Schiffs wartete, während gerade Schub gegeben wurde, würde man entweder gegen die Außenhaut geschleudert oder vom Heckfeuer verbrannt werden, und die Rettungsaktion müßte wegen des plötzlichen Mangels an Rettern abgebrochen werden.

Nach Cha Thrats Auffassung klangen Fletchers Gründe für den Wunsch, das medizinische Team erst einmal auf der Rhabwar warten zu lassen, vernünftig, auch wenn er ihr durch seine Ausführungen eine neue Gefahr bewußt gemacht hatte, die ihr nun Sorgen bereitete. Aber das medizinische Team war für die schnellstmögliche Bergung und Behandlung Schiffbrüchiger ausgebildet worden und war besonders in diesem Fall, wo es vielleicht nur einen Überlebenden gab, darauf bedacht, keine Zeit zu verlieren. Als sich Cha Thrat schließlich zur Luftschleuse aufmachte, hatte man einen Kompromiß ausgehandelt.

Prilicla sollte Fletcher, Chen und Cha Thrat zum fremden Schiff begleiten. Während sich die letzten drei bemühten hineinzukommen, würde der Empath sich an der Außenhaut entlangbewegen, um auf diese Weise zu versuchen, die Aufenthaltsorte etwaiger Überlebender durch deren emotionale Ausstrahlung ausfindig zu machen. Der Rest des medizinischen Teams sollte sich bereithalten, um die Opfer schnell zu bergen, sobald der Weg frei wäre.

Cha Thrat hatte erst ein paar Minuten in der Schleusenvorkammer gewartet, als Lieutenant Chen hereinkam.

„Prima, Sie sind ja schon da!“ begrüßte sie der Terrestrier lächelnd. „Helfen Sie mir bitte, unsere Ausrüstung in die Schleuse zu schaffen. Der Captain mag es nämlich überhaupt nicht, wenn man ihn warten läßt.“

Ohne den Eindruck zu erwecken, einen Vortrag halten zu wollen, erklärte ihr Chen den Verwendungszweck der Geräte, die sie gemeinsam von dem nahegelegenen Laderaum in die Schleuse brachten, und schloß auf diese Weise Cha Thrats Wissenslücken, ohne daß sie sich dabei dumm oder minderwertig vorkam, wie es bei derartigen Vorgängen so häufig der Fall ist. Cha Thrat schloß aus Chens Verhalten, daß es sich bei diesem Terrestrier trotz seines hohen Dienstgrads um ein umsichtiges und äußerst hilfsbereites Wesen handeln mußte, eins, bei dem sie es auf eine kleine Anmaßung ankommen lassen konnte.

„Das soll keinesfalls eine Kritik am Herrscher des Schiffs sein“, setzte sie vorsichtig an, „aber ich mache mir Sorgen, weil mir Captain Fletcher mehr technische Kenntnisse zutraut, als ich sie in Wirklichkeit besitze. Ehrlich, ich bin überrascht, daß er mich dabeihaben will.“

Chen stieß einen unübersetzbaren Laut aus und sagte dann: „Sie brauchen deswegen weder überrascht noch beunruhigt zu sein, Technikerin Cha Thrat.“

„Leider bin ich aber beides“, entgegnete Cha Thrat.

Die nächsten Minuten sprach der Lieutenant über die einzelnen Elemente der transportablen Luftschleuse, die sie gerade trugen. Wenn diese Teile zusammengebaut und mit einem schnell bindenden Dichtungsmittel um die Einlaßschleuse des fremden Schiffs herum befestigt wurden, konnte man mit Hilfe des Bordtunnels der Rhabwar die beiden Schiffe miteinander verbinden, und die Ärzte waren so in der Lage, ihre Arbeit ohne die hinderlichen Raumanzüge zu verrichten.

„Aber machen Sie sich mal keine Gedanken, Cha Thrat“, fuhr Chen fort. „Ihr Chef vom Wartungsdienst, dieser Timmins, hat sich mit dem Captain über sie unterhalten. Er hat gesagt, Sie seien ziemlich gescheit, würden rasch lernen, und wir sollten Ihnen soviel Arbeit wie möglich aufhalsen, weil Sie nach der Fertigstellung des FOKT-Quartiers vorläufig nichts mehr zu tun hätten und unruhig werden könnten. Weiterhin meinte er, daß das medizinische Team Sie auf keinen Fall in die Nähe eines der Patienten lassen würde, weil Sie sich in der Vergangenheit im Hospital so merkwürdig aufgeführt hätten.“

Auf einmal lachte er und fuhr fort: „Jetzt wissen wir jedenfalls, wie sehr sich Timmins diesbezüglich geirrt hat. Aber wir haben trotzdem vor, Sie weiterhin mit Aufgaben zu betrauen. Sie haben viermal so viele Hände wie ich, und ich könnte mir keine bessere Werkzeughalterin vorstellen als Sie. Habe ich Sie jetzt etwa beleidigt, Technikerin Cha Thrat?“

Diese Frage war an die auszubildende Wartungstechnikerin und nicht an die stolze Chirurgin für Krieger, die sie einmal gewesen war, gerichtet, deshalb mußte sie mit Nein antworten.

„Das ist gut“, entgegnete Chen. „Schließen und versiegeln Sie jetzt Ihren Helm, und überprüfen Sie zweimal die Verschlüsse, mit denen Sie an der Sicherheitsleine befestigt sind. Der Captain ist schon auf dem Weg.“

Und dann war sie, von oben bis unten mit Geräten behängt, draußen und trieb mit den beiden Terrestriern die kurze Strecke zum fremden Schiff hinüber, das mittlerweile von den starren, unsichtbaren Traktorstrahlen der Rhabwar zum Stillstand gebracht worden war. Bei diesem Vorgang hatte sich ein Teil der Rotation auf die Rhabwar übertragen. Doch die unzähligen Sterne, die ununterbrochen um die beiden scheinbar reglosen Schiffe kreisten, riefen keine Übelkeit, sondern allenfalls Staunen hervor.

Als sie das fremde Schiff erreichten, war Prilicla, der die Rhabwar durch die Luftschleuse des Unfalldecks hindurch verlassen hatte, bereits da und flog den Rumpf auf der Suche nach emotionaler Ausstrahlung ab, die ihm das Vorhandensein von Überlebenden verraten würde.

16. Kapitel

Als sie alle mit den Fußmagneten an dem grauen, unlackierten Rumpf des fremden Schiffs hafteten und sich gerade vorsichtig aufrichteten, so daß der massige Schiffskörper der Rhabwar wie eine zusammengerollte, weiße Wolkendecke über ihren Köpfen glänzte, meldete sich schon der Captain zu Wort.

„Wenn es nur nicht so viele Möglichkeiten gäbe, eine Tür zu öffnen“, klagte er. „Es kann sein, daß so ein Ding nach innen oder außen geschwenkt werden muß, sich in horizontaler oder vertikaler Richtung aufschieben läßt oder im beziehungsweise gegen den Uhrzeigersinn aufgedreht wird. Wenn die Erbauer auf dem Gebiet der Molekulartechnik ausreichende Kenntnisse besitzen, könnte sich natürlich auch ein Einstieg in massivem Metall öffnen lassen. Eine Spezies, die dazu imstande wäre, haben wir allerdings noch nie entdeckt, und falls uns das je gelingen sollte, müssen wir uns wirklich sehr in acht nehmen und dürfen nicht vergessen, sie mit „Sir“ anzureden.“

Bevor Fletcher ins Monitorkorps eingetreten war, so hatte Cha Thrat erfahren, war er Herrscher an einer Universität und einer der führenden und zweifellos jüngsten Experten des Planten Erde auf dem Gebiet vergleichender ET-Technologie gewesen, und alte Gewohnheiten legt man nur schwer ab. Selbst auf der Außenhaut eines Alienschiffs, das jeden Moment Schub geben konnte, hielt er Vorträge und vergaß nicht, hin und wieder einen kleinen, trockenen Witz einzustreuen. Das alles erklärte er allerdings auch für die mitlaufenden Aufnahmegeräte, falls plötzlich ein Unglück passieren sollte.

„Wir befinden uns gerade auf einer großen Tür oder Luke, die eine rechteckige Form mit abgerundeten Ecken aufweist und sich von daher wahrscheinlich nach innen oder außen schwenken läßt“, fuhr er fort. „Den Sensoren zufolge liegt dahinter ein großer, leerer Raum, es muß sich also eher um eine Fracht- oder Besatzungsschleuse als um eine Inspektionsoder Ladeluke für Ausrüstungsgegenstände handeln. Die Luke ist absolut glatt und eben, so daß der äußere Öffnungsmechanismus hinter einer der kleinen Klappen in der Türeinfassung stecken müßte. Cha Thrat, den Scanner bitte!“