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Nach d[em] Nationalökonomen steht das Interesse des Arbeiters nie dem der Gesellschaft gegenüber 1) weil die Erhöhung des Arbeitslohns sich mehr als ersezt durch die Verminderung in der Quantität der Arbeitszeit, nebst den übrigen oben entwickelten Folgen; und || 2) weil in Bezug auf die Gesellschaft das ganze Bruttoprodukt Nettoprodukt ist und nur in Bezug auf den Privatmann das Netto eine Bedeutung hat.

Daß die Arbeit aber selbst nicht nur unter den jetzigen Bedingungen, sondern insofern überhaupt ihr Zweck die blosse Vergrösserung des Reichthums ist, ich sage daß die Arbeit selbst schädlich, unheilvoll ist, das folgt, ohne daß der Nationalökonom es weiß, aus seinen Entwicklungen.

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Nach dem Begriff sind Grundrente und Capitalgewinn Abzüge, die der Arbeitslohn erleidet. Aber in der Wirklichkeit ist der Arbeitslohn ein Abzug, den Erde und Capital dem Arbeiter zukommen lassen, eine Concession des Produktes der Arbeit an den Arbeiter, an die Arbeit.

Im verfallenden Zustand der Gesellschaft, leidet der Arbeiter am schwersten. Er verdankt die spezifische Schwere seines Druckes seiner Stellung als Arbeiter, aber den Druck überhaupt der Stellung der Gesellschaft.

Aber im fortschreitenden Zustand der Gesellschaft ist der Untergang und die Verarmung des Arbeiters das Produkt seiner Arbeit und des von ihm producirten Reichthums. Das Elend, welches also aus dem Wesen der heutigen Arbeit selbst hervorgeht.

Der reichste Zustand der Gesellschaft, ein Ideal, das aber doch annähernd erreicht wird, wenigstens der Zweck der Nationalökonomie, wie der bürgerlichen Gesellschaft ist, ist stationaires Elend || für d[en] Arbeiter.

Es versteht sich von selbst, daß die Nationalökonomie den Proletarier, d.h. den, der ohne Capital und Grundrente rein von der Arbeit und einer einseitigen, abstrakten Arbeit lebt, nur als Arbeiter betrachtet. Sie kann daher den Satz aufstellen, daß er ebensowohl, wie jedes Pferd, so viel erwerben muß, um arbeiten zu können. Sie betrachtet ihn nicht in seiner Arbeitslosen Zeit, als Mensch, sondern überläßt diese Betrachtung der Kriminaljustiz, den Aerzten, der Religion, den statistischen Tabellen, der Politik und dem Bettelvogt.

Erheben wir uns nun über das Niveau der Nationalökonomie und suchen aus der bisherigen, fast mit den Worten d[es] Nationalökonomen gegebnen Entwicklung zwei Fragen zu beantworten.

1) Welchen Sinn, in der Entwicklung der Menschheit, hat diese Reduction des größten Theils der Menschheit auf die abstrakte Arbeit?

2) Welche Fehler begehn die Reformatoren en détail, die entweder den Arbeitslohn erhöhn und dadurch die Lage der Arbeiterklasse verbessern wollen oder die Gleichheit des Arbeitslohns (wie Proudhon) als den Zweck der socialen Revolution betrachten?

Die Arbeit kömmt nur unter der Gestalt der Erwerbsthätigkeit in der Nationalökonomie vor. |

|VIII| «Das läßt sich behaupten, daß solche Beschäftigungen, die spezifische Anlagen oder längere Vorbildung voraussetzen, im Ganzen einträglicher geworden sind; während der verhältnißmässige Lohn für die mechanisch einförmige Thätigkeit, auf welche der Eine wie der Andere schnell und leicht abgerichtet werden kann, bei der wachsenden Concurrenz gefallen ist und nothwendig fallen mußte. Und gerade diese Art der Arbeit ist bei dem jetzigen Stande ihrer Organisation noch weit die zahlreichste. Wenn also ein Arbeiter der ersten Categorie jezt siebenmal so viel, ein Anderer der zweiten ebenso viel erwirbt, als etwa vor 50 Jahren, so erwerben beide im Durchschnitte freilich 4mal so viel. Allein wenn in einem Lande die erste Kategorie der Arbeit mit nur 1.000, die 2te mit einer Million Menschen besezt ist, so sind 999.000 nicht besser als vor 50 Jahren daran, und sie sind schlimmer daran, wenn zugleich die Preise der Lebensbedürfnisse gestiegen sind. Und mit solchen oberflächlichen Durchschnittsberechnungen will man sich über die zahlreichste Klasse der Bevölkerung täuschen. Ueberdies ist die Grösse des Arbeiterlohns nur ein Moment für die Schätzung des Arbeitereinkommens, weil für die Bemessung des leztern noch wesentlich die gesicherte Dauer desselben in Anschlag kommt, wovon doch in der Anarchie der sogenannten freien Concurrenz mit ihren immer wiederkehrenden Schwankungen und Stockungen schlechthin keine Rede ist. Endlich ist noch die früher und die jezt gewöhnliche Arbeitszeit ins Auge zu fassen. Diese ist aber für d[ie] englischen Arbeiter in der Baumwollenmanufaktur seit etwa 25 Jahren, also grade seit Einführung der Arbeit ersparenden Maschinen, durch die Erwerbsucht der Unternehmer ||IX| auf 12 – 16 Stunden täglich erhöht worden, und die Steigerung in einem Lande und in einem Zweige der Industrie mußte sich, bei dem überall noch anerkannten Rechte einer unbedingten Ausbeutung d[er] Armen durch die Reichen, mehr oder minder auch anderswo geltend machen.» Schulz. Bewegung der Production, p. 65.

«Allein selbst wenn es so wahr wäre, als es falsch ist, daß sich das Durchschnittseinkommen aller Classen der Gesellschaft vergrössert hätte, können dennoch die Unterschiede und verhältnißmässigen Abstände des Einkommens grösser geworden sein und hiernach die Gegensätze des Reichthums und der Armuth schärfer hervortreten. Denn grade weil die Gesammtproduktion steigt und in demselben Maasse als dieß geschieht, vermehren sich auch die Bedürfnisse, Gelüste und Ansprüche, und die relative Armuth kann also zunehmen, während die absolute sich vermindert. Der Samojede ist nicht arm bei Thran und ranzigen Fischen, weil in seiner abgeschloßnen Gesellschaft Alle die gleichen Bedürfnisse haben. Aber in einem voran schreitenden Staat, der etwa im Lauf eines Jahrzehntes seine Gesammtproduktion im Verhältniß zur Gesellschaft um ein Drittheil vergrössert, ist der Arbeiter, der vor und nach 10 Jahren gleich viel erwirbt, nicht eben so wohlhabend geblieben, sondern um ein Drittheil bedürftiger geworden» ibid. p. 65, 66.

Aber die Nationalökonomie kennt den Arbeiter nur als Arbeitsthier, als ein auf die striktesten Leibesbedürfnisse reducirtes Vieh.

«Ein Volk, damit es sich geistig freier ausbilde, darf nicht mehr in der Sklaverei seiner körperlichen Bedürfnisse stehn, nicht mehr der Leibeigene des Leibes sein. Es muß ihm vor allem Zeit bleiben, auch geistig schaffen und geistig geniessen zu können. Die Fortschritte im Organismus der Arbeit gewinnen diese Zeit. Verrichtet doch jezt, bei neuen Triebkräften und verbessertem Maschinenwesen, ein einziger Arbeiter in den Baumwollefabriken nicht selten das Werk von 100, ja von 250 – 350 früheren Arbeitern. Aehnliche Folgen in allen Zweigen der Produktion, weil äussere Naturkräfte immer mehr zur Theilnahme ||X| an der menschlichen Arbeit gezwungen worden. War nun früher, zur Abfindung eines Quantums materieller Bedürfnisse, ein Aufwand von Zeit und menschlicher Kraft erforderlich, der sich später um die Hälfte vermindert hat; so ist zugleich, ohne irgend eine Einbusse an sinnlichem Wohlbehagen, der Spielraum für geistiges Schaffen und Geniessen um so viel erweitert worden. …Aber auch über die Vertheilung der Beute, die wir dem alten Kronos selbst auf seinem eigensten Gebiete abgewinnen, entscheidet noch das Würfelspiel des blinden ungerechten Zufalls. Man hat in Frankreich berechnet, daß bei dem jetzigen Standpunkt der Production eine durchschnittliche Arbeitszeit von täglich 5 Stunden auf jeden Arbeitsfähigen zur Befriedigung aller materiellen Interessen der Gesellschaft ausreichen würde. …Ungeachtet der Zeitersparnisse durch Vervollkommnung des Maschinenwesens hat sich die Dauer der Sklavenarbeit in den Fabriken für eine zahlreiche Bevölkerung nur vergrössert.» p. 67, 68 ibid.