Subjektiv selbst erscheint dieß so, theils daß die Ausdehnung der Producte und der Bedürfnisse zum erfinderischen und stets calculirenden Sklaven unmenschlicher, raffinirter, unnatürlicher und eingebildeter Gelüste wird – das Privateigenthum weiß das rohe Bedürfniß nicht zum menschlichen Bedürfniß zu machen; sein Idealismus ist die Einbildung, die Willkühr, die Laune und ein Eunuche schmeichelt nicht niederträchtiger seinem Despoten und sucht durch keine infameren Mittel seine abgestumpfte Genußfähigkeit zu irritiren, um sich selbst eine Gunst zu erschleichen, || wie der Industrieeunuche, der Producent, um sich Silberpfennige zu erschleichen, aus der Tasche des christlich geliebten Nachbarn die Goldvögel herauszulocken – (jedes Product ist ein Köder, womit man das Wesen des andern, sein Geld, an sich locken will, jedes wirkliche oder mögliche Bedürfniß ist eine Schwachheit, die die Fliege an die Leimstange heranführen wird – allgemeine Ausbeutung des gemeinschaftlichen menschlichen Wesens, wie jede Unvollkommenheit d[em] Menschen ein Band mit dem Himmel ist, eine Seite, wo sein Herz dem Priester zugänglich; jede Noth ist eine Gelegenheit, um unter dem liebenswürdigsten Schein zum Nachbarn zu treten und ihm zu sagen: Lieber Freund, ich gebe dir, was dir nöthig ist, aber du kennst d[ie] conditio sine qua non; du weißt, mit welcher Tinte du dich mir zu verschreiben hast; ich prelle dich, indem ich dir einen Genuß verschaffe) – sich seinen verworfensten Einfällen fügt, den Kuppler zwischen ihm und seinem Bedürfniß spielt, krankhafte Gelüste in ihm erregt, jede Schwachheit ihm ablauert, um dann das Handgeld für diesen Liebesdienst zu verlangen. –
Theils zeigt sich diese Entfremdung, indem die Raffinirung der Bedürfnisse und ihrer Mittel auf der einen Seite, die viehische Verwildrung, vollständige rohe abstrakte Einfachheit des Bedürfnisses auf der andern Seite producirt; oder vielmehr nur sich selbst in seiner gegentheiligen Bedeutung wieder gebiert. Selbst das Bedürfniß der freien Luft hört für den Arbeiter auf, ein Bedürfniß zu sein, der Mensch kehrt in die Höhlenwohnung zurück, die aber nun von dem mephytischen Pesthauch der Civilisation verpestet ist und die er nur mehr prekär, als eine fremde Macht, die sich ihm täglich entziehn, aus der er täglich, wenn er ||XV| nicht zahlt, herausgeworfen werden kann, bewohnt. Dieß Todtenhaus muß er bezahlen. Die Lichtwohnung, welche Prometheus bei Aeschylus als eines der grossen Geschenke, wodurch er d[en] Wilden zum Menschen gemacht, bezeichnet, hört auf, für d[en] Arbeiter zu sein. Licht, Luft, etc. die einfachste thierische Reinlichkeit hört auf, ein Bedürfniß für d[en] Menschen zu sein. Der Schmutz, diese Versumpfung, Verfaulung des Menschen, der Gossenablauf (dieß ist wörtlich zu verstehn) der Civilisation wird ihm ein Lebenselement. Die völlige unnatürliche Verwahrlosung, die verfaulte Natur wird zu seinem Lebenselement. Keiner seiner Sinne existirt mehr, nicht nur nicht in seiner menschlichen Weise, sondern in einer unmenschlichen, darum selbst nicht einmal thierischen Weise. Die rohsten Weisen (Instrumente) der menschlichen Arbeit kehren wieder, wie die Tretmühle d[es] römischen Sklaven zur Productionsweise, Daseinsweise vieler englischer Arbeiter geworden ist. Nicht nur daß der Mensch keine menschlichen Bedürfnisse hat, selbst die thierischen Bedürfnisse hören auf. Der Irländer kennt nur mehr das Bedürfniß des Essens und zwar nur mehr des Cartoffelessens und zwar nur der Lumperkartoffel, der schlechtesten Art von Kartoffel. Aber England und Frankreich haben schon in jeder Industriestadt ein kleines Irland. Der Wilde, das Thier hat doch das Bedürfniß der Jagd, der Bewegung etc., der Geselligkeit. Die Vereinfachung der Maschine, der Arbeit wird dazu benuzt, um den erst werdenden Menschen, den ganz unausgebildeten Menschen – das Kind – zum Arbeiter zu machen, wie der Arbeiter ein verwahrlostes Kind geworden ist. Die Maschine bequemt sich der Schwäche d[es] Menschen, um den schwachen Menschen zur Maschine zu machen. —
Wie die Vermehrung der Bedürfnisse und ihrer Mittel die Bedürfnißlosigkeit und die Mittellosigkeit erzeugt, beweist der Nationalökonom (und der Capitalist, überhaupt reden wir immer von den empirischen Geschäftleuten, wenn wir uns an die Nationalökonomen – ihr wissenschaftliches Geständniß und Dasein – adressiren) 1) indem er das Bedürfniß des Arbeiters auf den nothwendigsten und jämmerlichsten Unterhalt des physischen Lebens und seine Thätigkeit auf die abstrakteste mechanische Bewegung reducirt, also, sagt er: Der Mensch hat kein andres Bedürfniß weder der Thätigkeit, noch des Genusses; denn auch dieß Leben erklärt er [als] menschliches Leben und Dasein; indem || 2) er das möglichst dürftige Leben (Existenz) als Maaßstab und zwar als allgemeinen Maaßstab ausrechnet: allgemein, weil für die Masse der Menschen geltend; er macht den Arbeiter zu einem unsinnlichen und bedürfnißlosen Wesen, wie er seine Thätigkeit zu einer reinen Abstraktion von aller Thätigkeit macht; jeder Luxus des Arbeiters erscheint ihm daher als verwerflich und alles, was über das allerabstrakteste Bedürfniß hinausgeht – sei es als passiver Genuß oder Thätigkeitsäusserung – erscheint ihm als Luxus. Die Nationalökonomie, diese Wissenschaft des Reichthums ist daher zugleich die Wissenschaft des Entsagens, des Darbens, der Ersparung und sie kömmt wirklich dazu dem Menschen, sogar das Bedürfniß einer reinen Luft oder der physischen Bewegung zu ersparen. Diese Wissenschaft der wunderbaren Industrie ist zugleich die Wissenschaft der Ascese und ihr wahres Ideal ist der ascetische aber wuchernde Geizhals und der ascetische aber producirende Sklave. Ihr moralisches Ideal ist der Arbeiter, der in die Sparkasse einen Theil seines salaires bringt und sie hat für // diesen ihren Lieblingseinfall sogar eine knechtische Kunst vorgefunden. Man hat das sentimental aufs Theater gebracht. // Sie ist daher – trotz ihres weltlichen und wollüstigen Aussehns – eine wirklich moralische Wissenschaft, die allermoralischste Wissenschaft. Die Selbstentsagung, die Entsagung des Lebens, aller menschlichen Bedürfnisse, ist ihr Hauptlehrsatz. Je weniger du ißt, trinkst, Bücher kaufst, in das Theater, auf den Ball, zum Wirtshaus gehst, denkst, liebst, theoretisirst, singst, mahlst, fechtest etc um so [mehr] sparst du, um so grösser wird dein Schatz, den weder Motten, noch Raub fressen, dein Capital. Je weniger du bist, je weniger du dein Leben äusserst, um so mehr hast du, um so grösser ist dein entäussertes Leben, um so mehr speicherst du auf von deinem entfremdeten Wesen. Alles ||XVI| was dir der Nationalökonom an Leben nimmt und an Menschheit, das alles ersezt er dir in Geld und Reichthum. Und alles das, was du nicht kannst, das kann dein Geld: es kann essen, trinken, auf den Ball, ins Theater gehn, es weiß sich die Kunst, die Gelehrsamkeit, die historischen Seltenheiten, die politische Macht, es kann reisen, es kann dir das alles aneignen; es kann das alles kaufen; es ist das wahre Vermögen. Aber es, was all dieß ist, es mag nichts als sich selbst schaffen, sich selbst kaufen, denn alles andre ist ja sein Knecht und wenn ich den Herrn habe, habe ich den Knecht und brauche ich seinen Knecht nicht. Alle Leidenschaften und alle Thätigkeit muß also untergehn in der Habsucht. Der Arbeiter darf nur so viel haben, daß er leben will, und darf nur leben wollen, um zu haben.