[Fragmente]
[Teilung der Arbeit]
Die Gesellschaft – wie sie für den Nationalökonomen erscheint – ist die bürgerliche Gesellschaft, worin jedes Individuum ein Ganzes von Bedürfnissen ist und es nur ||[XXX]V| für d[en] Andern, wie der Andre nur für es da ist, insofern sie sich wechselseitig zum Mittel werden. Der Nationalökonom – so gut, wie die Politik in ihren Menschenrechten – reducirt alles auf d[en] Menschen, d.h. auf das Individuum, von welchem er alle Bestimmtheit abstreift, um es als Capitalist oder Arbeiter zu fixiren. —
Die Theilung der Arbeit ist der nationalökonomische Ausdruck von der Gesellschaftlichkeit der Arbeit innerhalb der Entfremdung. Oder, da die Arbeit nur ein Ausdruck der menschlichen Thätigkeit innerhalb der Entäusserung, der Lebensäusserung als Lebensentäusserung ist, so ist auch die Theilung der Arbeit nichts andres als das entfremdete, entäusserte Setzen der menschlichen Thätigkeit als einer realen Gattungsthätigkeit oder als Thätigkeit d[es] Menschen als Gattungswesen.
Ueber das Wesen der Theilung der Arbeit – welche natürlich als ein Hauptmotor der Production des Reichthums gefaßt werden mußte, sobald die Arbeit als das Wesen des Privateigenthums erkannt war, – d.h. über diese entfremdete und entäusserte Gestalt der menschlichen Thätigkeit als Gattungsthätigkeit sind die Nationalökonomen sehr unklar und sich widersprechend.
Adam Smith: «Die Theilung der Arbeit verdankt nicht der menschlichen Weisheit ihren Ursprung. Sie ist die nothwendige, langsame und stufenweise Consequenz des Hangs zum Austausch und des wechselseitigen Verschacherns der Producte. Dieser Hang zum Handel ist wahrscheinlich eine nothwendige Folge des Gebrauchs der Vernunft und des Wortes. Er ist allen Menschen gemeinschaftlich, findet sich bei keinem Thier. Das Thier sobald es erwachsen ist, lebt auf seine Faust. Der Mensch hat beständig die Unterstützung von andern nöthig und vergeblich würde er sie blos von ihrem Wohlwollen erwarten. Es wird viel sicherer sein, sich an ihr persönliches Interesse zu wenden und sie zu überreden, ihr eigner Vortheil erheische das zu thun, was er von ihnen wünscht. Wir adressiren uns bei andern Menschen nicht an ihre Menschheit, sondern an ihren Egoismus; wir sprechen ihnen niemals von unsern Bedürfnissen, sondern immer von ihrem Vortheil. …Da wir also durch Tausch, Handel, Schacher die Mehrzahl der guten Dienste, die uns wechselseitig nöthig sind, erhalten, so ist es diese Disposition zum Schacher, welche der Theilung der Arbeit || ihren Ursprung gegeben hat. Z.B. In einem Tribus von Jägern oder Hirten macht ein Privatmann Bogen und Sehnen mit mehr Geschwindigkeit und Geschicklichkeit als ein andrer. Er vertauscht oft mit seinen Genossen diese Arten von Tagwerk gegen Vieh und Wild, er bemerkt bald, daß er lezteres durch dieses Mittel sich leichter verschaffen kann, als wenn er selbst auf die Jagd ginge. Aus interessirter Berechnung macht er also aus der Fabrikation der Bogen etc seine Hauptbeschäftigung. Die Differenz der natürlichen Talente unter den Individuen ist nicht sowohl die Ursache als der Effekt der Theilung der Arbeit. …Ohne die Disposition d[er] Menschen zu handlen und tauschen, wäre jeder verpflichtet gewesen, sich selbst alle Nothwendigkeiten und Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen. Jeder hätte dasselbe Tagewerk zu erfüllen gehabt und jene grosse Differenz der Beschäftigungen, welche allein eine grosse Differenz der Talente erzeugen kann, hätte nicht Stattgefunden. …Wie nun dieser Hang zum Tauschen die Verschiedenheit der Talente erzeugt unter den Menschen, so ist es auch derselbe Hang, der diese Verschiedenheit nützlich macht. – Viele Thierraçen, obgleich von derselben Species, haben von der Natur unterschiedene Charaktere erhalten, die in Bezug auf ihre Anlagen Augenfälliger sind, als man bei d[en] ungebildeten Menschen beobachten könnte. Von Natur ist ein Philosoph nicht halb so verschieden von einem Sackträger an Talent und Intelligenz als ein Haushund von einem Windhund, ein Windhund von einem Wachtelhund und dieser von einem Schäferhund. Dennoch sind diese verschiednen Thierraçen, obgleich von derselben species fast von gar keiner Nützlichkeit für einander. Der Hofhund kann den Vortheilen seiner Stärke ||XXXVI| nichts hinzufügen, dadurch daß er sich etwa der Leichtigkeit des Windhundes etc bediente. Die Wirkungen dieser verschiednen Talente oder Stufen der Intelligenz können, aus Mangel der Fähigkeit oder des Hangs zum Handel und Austausch, nicht zusammen, in Gemeinschaft geworfen werden und können durchaus nicht zum Vortheil oder zur gemeinschaftlichen Bequemlichkeit der species beitragen. …Jedes Thier muß sich selbst unterhalten und beschützen, unabhängig von den andern, – es kann nicht den geringsten Nutzen von der Verschiedenheit der Talente ziehn, welche die Natur unter seinesgleichen vertheilt hat. Unter den Menschen dagegen, sind die disparatesten Talente einander nützlich, weil die verschiednen Producte jeder ihrer respektiven Industriezweige, vermittelst dieses allgemeinen Hangs zum Handel und Austausch, sich so zu sagen, in eine gemeinschaftliche Masse geworfen finden, wo jeder Mensch nach seinen Bedürfnissen kaufen gehn kann irgendeinen Theil des Products der Industrie d[er] andern. – Weil dieser Hang zum Austausch der Theilung der Arbeit ihren Ursprung giebt, so ist folglich das Wachsthum dieser Theilung immer beschränkt durch die Ausdehnung der Fähigkeit auszutauschen oder in andern Worten durch die Ausdehnung des Marktes. Ist der Markt sehr klein, so wird Niemand ermuthigt sein, sich gänzlich einer einzigen Beschäftigung zu ergeben, aus Mangel das Mehr des Products seiner Arbeit, welches seine eigne Consumtion übersteigt, gegen ein gleiches Mehr des Products der Arbeit eines andern, das er sich zu verschaffen wünschte, austauschen zu können…» Im fortgeschrittnen Zustand: «Jeder Mensch besteht von échanges, vom Austausch und wird eine Art von Handelsmann, und die Gesellschaft selbst ist eigentlich eine Handelstreibende Gesellschaft. (Sieh Destutt de Tracy: die Gesellschaft ist eine Reihe v[on] wechselseitigem Austausch, in dem Commerce liegt das ganze Wesen der Gesellschaft.) …Die Accumulation der Capitalien steigt mit der Theilung der Arbeit und wechselseitig.» – So weit Adam Smith.
«Wenn jede Familie die Totalität der Gegenstände ihrer Consumtion erzeugte, könnte die Gesellschaft in Gang bleiben, obgleich sich keine Art von Austausch bewerkstellig||te – ohne fundamental zu sein, ist der Austausch unentbehrlich in dem avancirten Zustand unsrer Gesellschaft – die Theilung der Arbeit ist eine geschickte Anwendung der Kräfte d[es] Menschen – sie vermehrt also die Producte der Gesellschaft, ihre Macht und ihre Genüsse, aber sie beraubt, vermindert die Fähigkeit jedes Menschen individuell genommen. – Die Production kann ohne den Austausch nicht Stattfinden.» – So J.B. Say.
«Die dem Menschen inhärenten Kräfte sind: seine Intelligenz und seine physische Anlage zur Arbeit; diejenigen, welche von dem Gesellschaftlichen Zustand ihren Ursprung ableiten, bestehn: in der Fähigkeit die Arbeit zu theilen und die verschiednen Arbeiten unter die verschiednen Menschen auszutheilen. …und in dem Vermögen die wechselseitigen Dienste auszutauschen und die Producte, welche diese Mittel constituiren. …Das Motiv warum ein Mensch d[em] andern seine Dienste widmet, ist der Eigennutz – der Mensch verlangt eine Recompens für die einem andern geleisteten Dienste. – Das Recht des exclusiven Privateigenthums ist unentbehrlich, damit sich der Austausch unter den Menschen etablire.» «Austausch und Theilung der Arbeit bedingen sich wechselseitig.» So Skarbek.