Mill stellt den entwickelten Austausch, den Handel, als Folge der Theilung der Arbeit dar.
«Die Thätigkeit des Menschen kann auf sehr einfache Elemente reducirt werden. Er kann in Wahrheit nichts mehr thun, als Bewegung produciren; er kann die Sachen bewegen, um sie von einander zu ent||XXXVIl|fernen oder einander zu nähern; die Eigenschaften der Materie thun das Uebrige. Bei der Anwendung der Arbeit und der Maschinen findet man oft, daß die Wirkungen durch eine geschickte Vertheilung vermehrt werden können, durch Trennung der Operationen, die sich entgegenstehn und durch Vereinigung aller derjenigen, welche auf irgendeine Weise sich wechselseitig fördern können. Da im Allgemeinen die Menschen nicht viele verschiedne Operationen mit gleicher Geschwindigkeit und Geschicklichkeit exekutiren können, wie die Gewohnheit ihnen diese Fähigkeit für die Ausübung einer kleinen Zahl verschafft – so ist es immer vortheilhaft, so viel als möglich die Zahl der jedem Individuum anvertrauten Operationen zu beschränken. – Zur Theilung der Arbeit und Vertheilung der Kräfte d[er] Menschen und der Maschinen auf die vortheilhafteste Art ist es nothwendig in einer Menge von Fällen, auf einer grossen Stufenleiter zu operiren oder in andern Worten, die Reichthümer in grossen Massen zu produciren. Dieser Vortheil ist der Entstehungsgrund der grossen Manufacturen, von denen oft eine kleine, unter günstigen Verhältnissen gegründete Anzahl, manchmal nicht nur ein einziges, sondern mehre Länder approvisionirt mit der hier verlangten Quantität von den durch sie producirten Objekten.» So Mill.
Die ganze moderne Nationalökonomie aber stimmt darin überein, daß Theilung der Arbeit und Reichthum der Production, Theilung der Arbeit und Accumulation des Capitals sich wechselseitig bedingen, wie daß das freigelaßne, sich selbst überlaßne Privateigenthum, allein die nützlichste und umfassendste Theilung der Arbeit hervorbringen kann.
Adam Smiths Entwicklung läßt sich dahin resümiren: Die Theilung der Arbeit giebt der Arbeit die unendliche Productionsfähigkeit. Sie ist begründet in dem Hang zum Austausch und Schacher, einem spezifisch menschlichen Hang, der wahrscheinlich nicht zufällig, sondern durch den Gebrauch der Vernunft und der Sprache bedingt ist. Das Motiv des Austauschenden ist nicht die Menschheit, sondern der Egoismus. Die Verschiedenartigkeit der menschlichen Talente ist mehr die Wirkung, als die Ursache der Theilung der Arbeit, i.e. des Austauschs. Auch macht lezterer erst diese Verschiedenheit nützlich. Die besondren Eigenschaften der verschiednen Raçen einer Thierart sind von Natur schärfer als die Verschiedenheit menschlicher Anlage und Thätigkeit. Weil die Thiere aber nicht auszutauschen vermögen, nüzt keinem Thierindividuum die unterschiedne Eigenschaft eines Thieres von der selben Art, aber von verschiedner Raçe. Die Thiere vermögen nicht die unterschiednen Eigenschaften ihrer || species zusammenzulegen; sie vermögen nichts zum gemeinschaftlichen Vortheil und Bequemlichkeit ihrer species beizutragen. Anders der Mensch, wo die disparatesten Talente und Thätigkeitsweisen sich wechselseitig nützen, weil sie ihre verschiednen Producte zusammenwerfen können in eine gemeinschaftliche Masse, wovon jeder kaufen kann. Wie die Theilung der Arbeit aus dem Hang des Austauschs entspringt, so wächst sie und ist begrenzt durch die Ausdehnung des Austausches, des Marktes. Im fortgeschrittnen Zustand jeder Mensch Handelsmann, die Gesellschaft eine Handelsgesellschaft.
Say betrachtet den Austausch als zufällig und nicht fundamental. Die Gesellschaft könnte ohne ihn bestehn. Er wird unentbehrlich im avancirten Zustand der Gesellschaft. Dennoch kann die Production ohne ihn nicht Stattfinden. Die Theilung der Arbeit ist ein bequemes, nützliches Mittel, eine geschickte Anwendung der menschlichen Kräfte für den gesellschaftlichen Reichthum, aber sie vermindert die Fähigkeit jedes Menschen individuell genommen. Die lezte Bemerkung ist ein Fortschritt von Say.
Skarbek unterscheidet die individuellen, d[em] Menschen inhärenten Kräfte, Intelligenz und physische Disposition zur Arbeit, von den von der Gesellschaft hergeleiteten Kräften, Austausch und Theilung der Arbeit, die sich wechselseitig bedingen. Aber die nothwendige Voraussetzung des Austausches ist das Privateigenthum. Skarbek drückt hier unter objektiver Form aus, was Smith, Say, Ricardo etc sagen, wenn sie den Egoismus, das Privatinteresse als Grund des Austausches oder den Schacher als die wesentliche und adaequate Form des Austausches bezeichnen.
Mill stellt den Handel als Folge der Theilung der Arbeit dar. Die menschliche Thätigkeit reducirt sich ihm auf eine mechanische Bewegung, Theilung der Arbeit und Anwendung von Maschinen befördern den Reichthum der Production. Man muß jedem Menschen einen möglichst kleinen Kreis von Operationen anvertrauen. Ihrer Seits bedingen Theilung der Arbeit und Anwendung von Maschinen die Production des Reichthums in Masse, also d[es] Products. Dieß der Grund der grossen Manufacturen. —|
|XXXVIII| Die Betrachtung der Theilung der Arbeit und des Austausches ist vom höchsten Interesse, weil sie die sinnfällig entäusserten Ausdrücke der menschlichen Thätigkeit und Wesenskraft, als einer Gattungsmässigen Thätigkeit und Wesenskraft sind.
Daß die Theilung der Arbeit und der Austausch auf dem Privateigenthum beruhen ist nichts anders als die Behauptung daß die Arbeit das Wesen des Privateigenthums ist, eine Behauptung, die der Nationalökonom nicht beweisen kann, und die wir für ihn beweisen wollen. Eben darin, daß Theilung der Arbeit und Austausch Gestaltungen des Privateigenthums sind, eben darin liegt der doppelte Beweis, sowohl daß das menschliche Leben zu seiner Verwirklichung des Privateigenthums bedurfte, wie andrerseits, daß es jezt der Aufhebung des Privateigenthums bedarf.
Theilung der Arbeit und Austausch sind die beiden Erscheinungen, bei denen der Nationalökonom auf die Gesellschaftlichkeit seiner Wissenschaft pocht und den Widerspruch seiner Wissenschaft, die Begründung der Gesellschaft durch das ungesellschaftliche Sonderinteresse in einem Athemzug bewußtlos ausspricht.