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Im Anschluß an Say exzerpierte Marx das Hauptwerk von Smith (Marx: Exzerpte aus Adam Smith: Recherches sur la nature et les causes de la richesse des nations. In: MEGA2 IV/2. S. 332 – 386). Marx hielt sich beim Exzerpieren in wesentlichen Teilen an den Aufbau des Werkes von Smith, brach aber seine Exzerpte nach dem Buch IV ab. Im Buch IV befaßte sich Smith mit den ihm vorangegangenen Systemen der politischen Ökonomie. Von Interesse ist auch, daß Marx für das Buch I und II eine eigene Gliederung einführte. Er numerierte Kapitel VIII bis XI des ersten und Kapitel I, III, IV und V des zweiten Buches durchgehend mit I bis VIII: «I. Der Arbeitslohn. (des salaires du travail)», «II. Der Gewinn der Capitalien. (des profits des capitaux.)», «III. Salaire und Gewinne in den verschiednen Anwendungen von Arbeit und Capital», «IV. de la rente de la terre. Grundrente», «V. Von den verschiednen Zweigen, worin sich die fonds theilen», «VI. Von der Accumulation der Capitalien oder von der produktiven und nicht produktiven Arbeit», «VII. Von den auf Zins gelegten fonds», «VIII. Des différens emplois des capitaux» (ebenda. S. 346 – 364). Kapitel I bis VII des ersten und Kapitel II des zweiten Buches ließ Marx außerhalb seiner Gliederung. Er exzerpierte aus den Kapiteln I bis VII des ersten Buches ohne jede Untergliederung. Die Exzerpte aus dem Kapitel II des zweiten Buches ordnete er nach den Auszügen aus dem Kapitel VII des ersten Buches an, ebenfalls ohne Zwischentitel. In diesen acht Kapiteln des Werkes von Smith, die Marx nicht untergliederte, werden die Bedeutung und Entstehung der Arbeitsteilung, der Ursprung und das Wesen des Geldes, die Bestimmung des Realwertes, des natürlichen Preises und des Marktpreises der Waren behandelt. Marx’ eigenwillige Gliederung des Buches I und II der Smithschen Arbeit deutet im gewissen Sinne bereits den Gegenstand seiner ersten Kritik der «Nationalökonomie» an.

Nach dem Exzerpieren von Smith’ Hauptwerk begann Marx mit der Niederschrift von Heft I der «Ökonomisch-philosophischen Manuskripte». Damit setzte er logisch, inhaltlich und wahrscheinlich auch zeitlich direkt die Erschließung der Anschauungen von Smith fort. Marx beanspruchte zwar im Heft I, die Voraussetzungen und die Gesetze der «Nationalökonomie» charakterisieren zu wollen, stützte sich aber vorerst nur auf die Lehre von Smith. Das Werk von David Ricardo hatte Marx noch nicht exzerpiert, er hatte deshalb auch noch nicht die Unterschiede und Differenzen innerhalb der bürgerlichen Ökonomie sowie die klareren Konsequenzen in Ricardos Lehre zur Kenntnis genommen. Er hatte den Ökonomen des Manufakturkapitals, aber noch nicht den Ökonomen des Industriekapitals studiert. Er war folgerichtig von Say zu Smith gekommen, hatte diesen zum Ausgangspunkt gewählt und damit indirekt den Standpunkt französischer Sozialisten kritisiert, die bei ihren Überlegungen von Says Lehre ausgingen, diese als «Weiterentwicklung» der Auffassungen von Smith akzeptierten und sich deshalb nicht selbst mit letzterem auseinandersetzten.

Marx unterteilte das Heft I in drei Spalten: Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente. Diesem Ausgangspunkt liegen wesentliche Einsichten über die Klassenstruktur der bürgerlichen Gesellschaft, über die historische Rolle der Bourgeoisie bei der Ablösung des Feudalismus und über die historische Rolle des Proletariats bei der Verwirklichung der «menschlichen Emanzipation» zugrunde, die Marx in den «Deutsch-Französischen Jahrbüchern» dargelegt hatte. Diese Klassenposition und der Stand der Analyse der politisch-sozialen Wirklichkeit veranlaßten Marx, nach den Kategorien zu suchen, welche die innere Gliederung, die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft bestimmten und die ökonomischen Lebensbedingungen der drei Grundklassen darstellten. Smith erklärte die Einkommensformen dieser drei großen Klassen – Arbeitslohn, Profit des Kapitals und Grundrente – zu den bestimmenden Elementen. Sie waren für ihn Ursachen des Einkommens, des Tauschwertes und Bestandteile des natürlichen Preises. Da Marx in seiner methodischen Beweisführung davon ausging, die Voraussetzungen der «Nationalökonomie» zu akzeptieren, aber von vornherein es sein Ziel war, diese als die Ökonomie des Privateigentums zu analysieren, boten ihm diese Kategorien dazu die Möglichkeit. Die zentrale Rolle von Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente in der Werttheorie von Smith gab die Möglichkeit, einen Hauptwiderspruch seiner Lehre aufzuzeigen, den Widerspruch zwischen der Rolle der Arbeit als Quelle des Wertes einerseits und der Bestimmung des Wertes durch Arbeitslohn, Kapitalprofit und Grundrente andererseits. Mit der Gegenüberstellung von Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente konnte Marx nachweisen, daß die Arbeit die einzige Quelle des Wertes ist, aber der geschaffene Reichtum proportional ungleich zuungunsten der Arbeiterklasse auf die Einkommensformen der drei Grundklassen der bürgerlichen Gesellschaft verteilt wurde. Dies muß als wesentlicher Grund angesehen werden, warum Marx die Spalten Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente benutzte.

Marx’ Einschätzung zu Beginn der Seite XXII des Heftes I (siehe S. 234 und 363), mit der er die senkrechte Anordnung des Textes in den Spalten Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente, aber nicht die Spalteneinteilung selbst aufhob, ist zwar die Schlußfolgerung aus den vorher niedergeschriebenen Anschauungen, sie ist aber im Prinzip auch die Konzeption, mit der Marx an die Auswertung der in seinen Exzerptheften erfaßten Aussagen von Smith heranging. Diese Konzeption hatte Marx aus den Voraussetzungen gewonnen, mit denen er das Studium der Ökonomie begann. Sie waren gleichzeitig das Ergebnis der Auswertung der ökonomischen Lehre von Say und Smith. Marx’ Ausarbeitung führte über eine Analyse der Smithschen Kategorien Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente zur Kategorie des Privateigentums und zur Kategorie der entfremdeten Arbeit, die von Marx zu jener Zeit als die wesentlichste Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft und der Klassengesellschaft überhaupt verstanden wurde.

Das Heft I der «Ökonomisch-philosophischen Manuskripte» entstand offensichtlich in einer relativ kurzen Zeit, aber in verschiedenen Phasen. Eine genaue Analyse führte zu dem Schluß, daß wahrscheinlich fünf Phasen der Niederschrift zu unterscheiden sind. In den ersten drei Phasen erfolgte die Ausarbeitung in den drei bzw. zwei von Marx vorgezeichneten Spalten nebeneinander; in der vierten Phase wurde nur die Spalte Grundrente benutzt und in der fünften Phase die senkrechte Anordnung des Stoffes in Spalten aufgehoben.

In der ersten Phase faßte Marx in den Spalten Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente wesentliche Erkenntnisse von Smith zu diesen drei Grundkategorien bzw. über die ökonomischen Existenzbedingungen der drei Grundklassen der bürgerlichen Gesellschaft zusammen (siehe S. 189 – 207 und 708). Sicher kann ausgesagt werden, daß die Spalte Grundrente zuletzt beschrieben wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, daß die Niederschrift in der an Smith angelehnten Reihenfolge Arbeitslohn, Gewinn des Kapitals und Grundrente erfolgte.

In der Spalte Arbeitslohn erfaßte Marx auf den Seiten I bis VI Smith’ Auffassung vom Arbeitslohn als Teil des natürlichen Preises, von den Auswirkungen der Schwankungen des Marktpreises auf den Arbeitslohn im Gegensatz zum Profit und zur Grundrente und von der Lage der Arbeiter in den von Smith skizzierten drei Hauptzuständen der gesellschaftlichen Entwicklung, dem verfallenden, dem fortschreitenden und dem reichsten Zustand der Gesellschaft. Im Mittelpunkt von Marx’ Ausführungen stand die Erkenntnis, daß der Arbeiter zu einer Ware wird und deren Gesetzen unterworfen ist.

Auf Seite VI der Spalte Arbeitslohn beginnt ein neuer Komplex (siehe S. 203.32 I bis 207.28 I). Marx deckte in Smith’ Auffassungen den Widerspruch zwischen der Rolle der Arbeit als Quelle des Werts und der Höhe des Arbeitslohnes sowie der Lage der Arbeiter auf. Er erfaßte diesen Widerspruch als Vergleich zwischen den «theoretischen und praktischen Ansprüche(n) der Arbeiter» (S. 203.37 – 39 I). Diese Ausführungen beschloß er mit Äußerungen über das Verhältnis der Interessen der Arbeiter zu den allgemeinen Interessen der Gesellschaft (S. 206.24 l – 207.28 l). Möglicherweise gehört dieser Gedankengang bereits zur verallgemeinernden Zusammenfassung. Wahrscheinlicher ist, daß Marx die erste Niederschrift in der Spalte Arbeitslohn mit dem Querstrich auf Seite VII (S. 207.29) abschloß.