Während Marx noch im Heft I mit einer eigenständigen Beweisführung darlegte, daß das Grundeigentum nur eine historische Erscheinungsform des Kapitals ist, daß Grundeigentümer und Kapitalisten zu einer Klasse verschmelzen, würdigte er im Heft II diese Erkenntnisse als Verdienst der «neuern englischen Nationalökonomie». Weiterhin stellte Marx die Bestimmung der Grundrente durch die «neuern englischen Nationalökonomen» derjenigen von Smith gegenüber. Schließlich betonte Marx, daß Ricardo und Mill im Gegensatz zu Smith und Say den wahren Zweck der kapitalistischen Produktion offen bestimmten. Sie erklärten unumwunden den Profit als dieses Ziel und forderten ohne jede Verschleierung, den Arbeitslohn so niedrig wie möglich zu halten, weil damit die Höhe des Profits steigt.
Die Lehre von Ricardo wurde von Marx im Heft II als ein großer und konsequenter Fortschritt, als Ausdruck der direkten und offenen Vertretung der Interessen des Privateigentums gewertet. Im Heft I gibt es auch nicht andeutungsweise eine solche Bewertung der Unterschiede innerhalb der bürgerlichen politischen Ökonomie.
Damit ist mit Sicherheit anzunehmen, daß vor der Niederschrift von Heft II Marx das Studium der bürgerlichen Ökonomie über Say und Smith hinaus weitergeführt hatte. Wenn Marx bereits vor der Niederschrift von Heft II Ricardos und Mills Schriften exzerpiert hatte, dann fehlt auf den überlieferten Seiten jedweder direkte oder indirekte Bezug zu diesen Exzerpten. Es bliebe die Hypothese, daß die konkrete Auswertung hauptsächlich auf den nicht überlieferten Seiten erfolgte. Dem widerspricht aber, daß die Exzerpte aus Ricardos Buch «Des principes de l’économie politique et de l’impôt» (MEGA2 IV/2. S. 392 – 427) und aus Mills Schrift «Élémens d’économie politique» (MEGA2 IV/2. S.428 – 470) auch im vollständig überlieferten Heft III weder direkt noch indirekt benutzt oder ausgewertet worden sind.
Anders verhält es sich mit den Exzerpten aus der von Prevost besorgten und von ihm kommentierten Übersetzung von MacCulloch (Karl Marx: Exzerpte aus John Ramsay MacCulloch: Discours sur l’origine, les progrès, les objets particuliers, et l’importance de l’économie politique und Guillaume Prevost: Réflexions du traducteur sur le système de Ricardo. In: MEGA2 IV/2. S. 473 – 484). Marx exzerpierte MacCulloch und Prevost unter drei von ihm formulierten Gesichtspunkten: «a) MacCulloch», «b) Uebersichtliche Exposition der Lehre von Ricardo; hauptsächlich nach Elements of political economy by James Mill. London. 1824. 2 ed.» und «c) Diskussion über das System von Ricardo von Dr. Prevost. (dem Uebersetzer).»
Dieses Exzerpt, in dem Marx vor allem unter Punkt c) umfangreiche eigene Einschätzungen über die Ricardianer, im besonderen auch über die Unterschiede zu Smith sowie kritische Bemerkungen zu Prevosts Herangehen an die Ricardianer einfließen ließ, enthält bereits alle Erkenntnisse für die im überlieferten Teil von Heft II getroffenen Aussagen. Insbesondere wird der direkte Zusammenhang zu den Exzerpten aus MacCulloch und Prevost zum Heft II dadurch erhärtet, daß Marx auf diesen Seiten weniger von Ricardo, sondern mehr von den Ricardianern oder der Schule Ricardos spricht.
Im Anschluß an die Exzerpte aus MacCulloch und Prevost konspektierte Marx den Artikel von Engels «Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie» (MEGA2 IV/2. S. 485/486). Marx erschloß die Arbeit von Engels vor allem unter speziellen Aspekten. Dazu gehörte, wie Engels die Unterschiede von Smith, Say und Ricardo in der Werttheorie sowie in den Auffassungen über die Grundrente behandelte. Zu den möglichen Quellen ist auch die umfangreiche Einleitung von Buret zu seinem Werk «De la misère des classes laborieuses…» zu zählen, aus der Marx bereits im Heft I Zitate von Ricardo und Aussagen über ihn entnahm.
So ergibt sich folgende wahrscheinliche Hypothese. Marx exzerpierte nach der Niederschrift von Heft I MacCulloch und Prevost, konspektierte Engels’ «Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie» und arbeitete anschließend auf dieser erweiterten Quellenbasis an der Kritik der Nationalökonomie weiter, indem er mit der Niederschrift von Heft II begann. Die Exzerpte aus Ricardos und Mills Schriften sind mit hoher Wahrscheinlichkeit erst nach der Niederschrift von Heft III, d.h. nach den «Ökonomisch-philosophischen Manuskripten» entstanden.
Die Beantwortung der Frage, wieviel Seiten vom Heft II fehlen, sowie die Rekonstruktion des Inhalts der fehlenden Seiten können ebenfalls nur hypothetisch sein. Nur sehr bedingt kann angenommen werden, Heft II sei die direkte Fortsetzung von Heft I, und es fehlten nur die Seiten XXVIII bis XXXIX. Wahrscheinlicher ist, daß auch das Heft II mit der Seite I) begann, demzufolge die Seiten I bis XXXIX fehlen. Dafür spricht die erweiterte Quellenbasis, mit der Marx die Kritik der bürgerlichen politischen Ökonomie fortführte, die teilweise eine indirekte Korrektur seiner Einschätzungen im Heft I darstellte. Unterstützt wird diese Hypothese durch die leeren Seiten im Heft I und vor allen Dingen durch die nur mit vier Zeilen beschriebene Seite XXVII dieses Heftes.
Die vorhandenen Seiten von Heft II, die Thesen auf der letzten Seite dieses Heftes, die drei Ergänzungen aus dem Heft III sowie eine Zusammenfassung auf der Seite XVIII im Heft III lassen vermuten, daß wesentlicher Inhalt der fehlenden Seiten die Analyse des Gegensatzes von Kapital und Arbeit gewesen ist, und zwar als dialektische Einheit von zwei sich bedingenden und bekämpfenden Seiten des Privateigentums. Dabei ging es um eine präzisere Erfassung des Kapitals als objektive Gestalt des Privateigentums und der Arbeit als subjektives Wesen des Privateigentums. Ein Aspekt war offensichtlich, wie die bürgerliche Ökonomie selbst die Einheit von Kapital und Arbeit auf vielfache Weise herausgearbeitet hatte, angefangen von der Feststellung, daß Kapital aufgehäufte Arbeit ist, über die Bestimmung des Kapitals innerhalb der Produktion, die Behandlung des Arbeiters als Kapital und des Arbeitslohns als Teil der Kosten des Kapitals bis zur Fixierung der unmittelbaren Einheit von Kapital und Arbeit im Urzustand der menschlichen Entwicklung. Inhalt der nicht überlieferten Seiten war wahrscheinlich auch die historische Entwicklung des Gegensatzes von Eigentum und Eigentumslosigkeit bis zur Entwicklung des Gegensatzes von Kapital und Arbeit und dessen Zuspitzung bis zum Gegensatz von industriellem Kapital und Fabrikarbeit, woraus Marx die historische Notwendigkeit ableitete, diesen Gegensatz aufzuheben.
Das Heft III ist keine geschlossene, logisch aufgebaute Abhandlung, sondern es zerfällt in verschiedene heterogene Teile. Dem Charakter nach kann man vier Gruppen unterscheiden. Zur ersten Gruppe gehören drei Ergänzungen zu den nicht überlieferten Seiten XXXVI und XXXIX von Heft II (Teil I bis III des Edierten Textes), wobei die letzte Ergänzung noch zwei umfangreiche Erweiterungen erhielt (Teil IV und VI). Zur zweiten Gruppe gehören einige kurze Zusätze zu unterschiedlichen Themen (Teil V und Anfang von Teil VII). Die dritte Gruppe bilden zwei relativ geschlossene umfangreichere Ausarbeitungen über die Teilung der Arbeit und über das Geld (Teil VII und IX). Viertens befindet sich in diesem Heft der Entwurf einer «Vorrede» (Teil VIII).
Das Heft III entstand, zumindest ab Seite III, frühestens Anfang August 1844. Die «Vorrede» auf den Seiten XXXIX und XL sowie die folgenden Seiten sind frühestens ab 12. August 1844 niedergeschrieben worden. Marx zitierte auf den Seiten XI und XII indirekt aus Artikeln der Hefte V und VI der «Allgemeinen Literatur-Zeitung». Diese Hefte erhielt er aber erst in den ersten Augusttagen 1844 durch Georg Jung zugeschickt (Jung an Marx, 31. Juli 1844. In: MEGA2 III/1. S. 436). In der «Vorrede» polemisierte Marx gegen Äußerungen von Bruno Bauer aus dem Heft VIII dieser Zeitschrift, das Marx aber offensichtlich am 11. August 1844 noch nicht besaß, wie das sein Brief an Feuerbach belegt (Marx an Feuerbach, 11. August 1844. In: MEGA2 III/1. S. 64/65). Die Ausarbeitung der «Vorrede» rückt damit sehr eng an den Besuch von Engels, der in der letzten Augustdekade 1844 in Paris eintraf, und damit auch an den Beginn der Ausarbeitung der «Heiligen Familie» heran.