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»Ich habe nicht ein einziges Kleid, das ich anziehen könnte, und wenn ich jetzt den Haushalt auflöse und nächste Woche aufbreche, muß ich mich entscheiden«, sagte Marie.

»Gehen Sie schon so bald?«

»Ja, St. Clares Bruder hat geschrieben, er und der Anwalt sind der Ansicht, Möbel und Sklaven am besten auf der Auktion zu versteigern und das Haus in die Obhut des Anwalts zu geben.«

»Über eins hätte ich mich noch gern mit Ihnen besprochen«, sagte Miß Ophelia. »Augustin hatte Tom die Freiheit versprochen und schon die ersten gesetzlichen Schritte dazu unternommen. Ich hoffe sehr, Sie werden Ihren Einfluß geltend machen, damit die Sache in Ordnung kommt.«

»Ich werde mich hüten!« rief Marie scharf. »Tom ist einer der wertvollsten Sklaven des ganzen Besitztums; ihn zu entbehren kann ich mir einfach nicht leisten. Außerdem, was will er mit der Freiheit? So geht es ihm doch viel besser.«

»Aber er erstrebt sie mit aller Kraft, und sein Herr hat sie ihm versprochen«, entgegnete Miß Ophelia.

»Ich kann mir denken, daß er danach strebt. Aber man tut ihnen keinen Gefallen, wenn man sie freigibt.«

»Aber Tom ist fleißig, fromm und rechtschaffen.«

»Oh, das brauchen Sie mir nicht zu versichern! Ich kenne seinen Fall, auch er benimmt sich nur gut, solange man ihn beaufsichtigt, weiter steckt da nichts dahinter.«

»Aber bedenken Sie doch«, sagte Miß Ophelia, »wenn Sie ihn verkaufen, wie leicht kann er einem schlechten Herren in die Hände fallen.«

»Ach, das ist doch alles Lug und Trug. In hundert Fällen gibt es nicht einen, daß ein guter Sklave einen schlechten Herrn erhält; die meisten Herren sind gut, trotz allen Geredes. Ich bin hier im Süden aufgewachsen und habe unter meinen Bekannten nicht einen Herrn gekannt, der seine Sklaven nicht gut behandelt, auf jeden Fall nicht schlechter, als sie es verdienen. In dieser Hinsicht mache ich mir keine Sorgen.«

»Ja, aber«, sagte Miß Ophelia mit Nachdruck, »es war schließlich einer der letzten Wünsche Ihres Mannes, daß Tom seine Freiheit erhalten sollte; er hat es unserer lieben Eva auf dem Totenbett versprochen, ich dächte, Sie werden sich nicht berechtigt fühlen, dies zu ignorieren.«

Bei diesen Worten bedeckte Marie ihr Gesicht mit dem Taschentuch und fing leidenschaftlich an zu schluchzen und ihr Riechfläschchen zu benutzen.

»Alle sind sie gegen mich«, klagte sie. »Alle sind sie rücksichtslos! Von Ihnen hätte ich das nicht gedacht, daß Sie diese Erinnerungen heraufbeschwören, das ist so roh! Niemand bedenkt, wie ich betroffen bin. Es ist ein solch schwerer Schlag, daß mir mein einziges Kind genommen wurde und daß ich meinen Mann, mit dem ich mich so gut verstand — und wie schwer ist das bei mir! — , hergeben mußte. Sie haben wirklich wenig Mitgefühl und reden so leichtfertig von meinem Verlust — wo Sie doch wissen, wie ich leide. Sie mögen es gut meinen; aber es ist doch rücksichtslos!« Und Marie schluchzte, rang nach Atem und rief Mammy, daß sie das Fenster öffne, ihr das Kampferfläschchen bringe, den Kopf kühle und das Kleid aufhake; in der allgemein entstehenden Unruhe floh Miß Ophelia auf ihr Zimmer.

Sie sah ein, daß es keinen Zweck hatte, noch weiter in Marie zu dringen, denn Maries Fähigkeit, hysterische Anfälle in Szene zu setzen, war unerschöpflich. Jedesmal, wenn seither auf die Wünsche ihres Mannes oder Evas hinsichtlich der Dienerschaft angespielt wurde, hatte sie einen solchen zur Hand. Miß Ophelia griff daher zu einem zweiten Mittel, um Tom zu helfen; sie schrieb für ihn an Mrs. Shelby, schilderte seine Lage und drängte sie, ihm zu Hilfe zu kommen.

Am nächsten Tag wurden Tom und Adolf und ein halbes Dutzend andere zum Sklavenspeicher getrieben, um dort abzuwarten, bis der Händler geneigt war, einen Schub für die Auktion abzufertigen.

29. Kapitel

Der Sklavenspeicher

Ein Sklavenspeicher! Vielleicht verbinden einige Leser schreckliche Vorstellungen mit einem solchen Ort. Sie malen sich eine dunkle, unsaubere Scheune aus. Weit gefehlt, liebe Unschuld! Heutzutage sündigt man gefällig und manierlich. Menschenware steht hoch im Kurs und wird daher gut ernährt, reinlich gehalten, gepflegt und gestriegelt, damit sie glatt, blank und kräftig auf den Markt kommt. Ein Sklavenspeicher in New Orleans ist ein Haus, äußerlich fast wie viele andere.

Man wird dich höflich auffordern, einzutreten und die Ware in Augenschein zu nehmen; drinnen werden sich Ehemänner, Ehefrauen, Geschwister, Eltern und kleine Kinder im Überfluß finden, die >einzeln oder gemeinschaftlich, ganz nach Belieben des Käufers< zum Verkauf gelangen. Dort kann jede unsterbliche Seele, die einst Gottes Sohn mit Blut und Tränen kaufte, als die Erde bebte, Berge hinfielen und die Gräber sich öffneten, verkauft, verpachtet, verpfändet oder gegen Kolonialwaren eingetauscht werden, ganz wie es den Handelsformen entspricht.

Wenige Tage nach der Unterhaltung zwischen Marie und Miß Ophelia übergab man Tom, Adolf und noch einige andere aus St. Clares Haushalt der liebevollen Obhut Mr. Skeggs', der den Sklavenspeicher in der X–Straße leitete, damit sie am nächsten Tage versteigert würden.

Tom hatte einen ansehnlichen Koffer mit Kleidungsstücken mitgebracht. Für die Nacht drängte man ihn und seine Gefährten, wie die meisten anderen, in einen langen Saal, wo bereits viele Männer jeden Alters, jeder Größe und jeder Farbschattierung versammelt waren, wo unbändige Heiterkeit herrschte und Lachsalven erdröhnten.

»Ei, ei! Das ist recht! Macht nur weiter, Jungens!« rief Mr. Skeggs, der Aufseher. »Meine Leute sind immer munter, nur weiter, Sambo!« sagte er lachend zu einem feisten Neger, der Kunststücke niedrigster Sorte zum besten gab und damit die Lachsalven entfesselte, die Tom gehört hatte.

Man kann sich gut vorstellen, daß Tom nicht in der Stimmung war, an diesen Vorgängen teilzunehmen, deshalb brachte er seinen Koffer weit entfernt von der lärmenden Gruppe in die äußerste Ecke, setzte sich darauf und lehnte seine Stirn gegen die Wand.

»Was macht denn da der Nigger?« rief Sambo und drängte sich an Tom heran, nachdem Mr. Skeggs den Saal verlassen hatte. Sambo war ein tief schwarzer Neger von riesiger Größe, lebhaft, fett und voller Schabernack und Grimassen.

»Was treibst du denn?« fragte Sambo und stieß Tom anzüglich in die Seite. »Warum so nachdenklich, he?«

»Ich werde morgen versteigert«, antwortete Tom.

»Versteigert — Ha! Ha! Jungens hört den Spaß! Ich wollte, mir gings auch so. Sie sollten sich alle vor Lachen biegen! Aber wie ist das hier? Geht die ganze Bande morgen?« fragte Sambo und legte Adolf vertraulich seine Pranke auf die Schulter.

»Bitte, lassen Sie mich los!« zischte Adolf erbost und richtete sich voller Abscheu auf.

»Ha, Jungens, hier ist einer von den weißen Niggers — so ein cremefarbener, parfümierter, wie?« spottete Sambo und trat schnuppernd zu Adolf.

»Hallo, der gehört in einen Tabakladen, da könnte er den Schnupftabak parfümieren, der hält einen ganzen Laden im Schwung — der Laffe!«

»Nehmen Sie sich in acht!« stieß Adolf außer sich hervor.

»Ach Gott, wie zartbesaitet wir sind — wir weißen Niggers! Seht uns nur an!« Und Sambo machte Adolfs geziertes Wesen nach. »Wie fein und herrschaftlich wir sind. Vermutlich kommen wir aus bester Familie!«

»Jawohl«, sagte Adolf; »ich hatte einen Herrn, der hätte euch alle als Altpapier kaufen können!«

»O Gott«, höhnte der andere wieder, »was sind wir doch für ein feiner Herr!«

»Ich gehöre zur Familie St. Clare«, sagte Adolf stolz.

»Nein, so was! Zum Henker, wenn die nur nicht froh sind, dich loszuwerden. Wahrscheinlich verschachern sie dich mit einem Haufen geborstener Teekessel und ähnlichem Ramsch!« Und Sambo grinste herausfordernd.

Wutentbrannt griff Adolf seinen Gegner blindlings an und schlug nach allen Seiten aus. Die übrigen lachten und schrien, der allgemeine Tumult brachte den Aufseher zur Stelle.