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Sie ist tot undfuhr gen Himmel;

Angelangt im Reiche Gottes.«

Der Morgen graute, und alles ist auf den Beinen; der ehrenwerte Mr. Skeggs hat alle Hände voll zu tun, um seine Ware für die Auktion zu richten. Bei der Morgenwäsche wird scharf aufgepaßt, jeder wird ermahnt, putzmunter aufzutreten und sich blitzblank zu machen. Zur letzten Inspektion müssen alle sich im Kreis aufstellen, bevor man sie zur Börse treibt.

Mr. Skeggs geht von einem zum anderen, den Panamahut im Genick, die Zigarre im Mund, und legt überall letzte Hand an seine Ware.

»Was soll das?« fragt er und tritt vor Susan und Emmeline. »Wo sind deine Locken, Mädel?«

Das Mädchen blickt schüchtern auf die Mutter, die mit der gewandten Glätte ihrer Rasse antwortet:

»Ich hab ihr gestern abend befohlen, sich das Haar glatt und ordentlich zu kämmen und nicht in Locken hängen zu lassen — so sieht sie gesitteter aus!«

»Quatsch«, sagt der Mann verächtlich und wendet sich befehlend an das Mädchen. »Geh sofort und roll dir deine Locken, recht flott!« Und er fährt mit einer Rassel durch die Luft, »bißchen dalli, verstanden! Du kannst mitgehen und ihr helfen«, sagt er zu der Mutter. »Die Locken können beim Verkauf einen Unterschied von hundert Dollar ausmachen.«

Unter einer prächtigen Kuppel bewegten sich Menschen aller Nationen und schritten über den Marmorfliesen hin und her. Auf jeder Seite in der Runde befanden sich für die Ausrufer und Versteigerer kleine Tribünen und Rednerpulte, von denen jetzt zwei, die sich gegenüberlagen, von zwei hervorragenden Rednern besetzt waren, die in einem Gemisch von Englisch und Französisch sich in lebhafter Aufforderung an die Kenner wandten, ihre Waren zu besichtigen. Eine dritte Tribüne, noch leerstehend, wurde von Menschen umlagert, die auf den Verkaufsanfang warteten. Unter ihnen erkennen wir unschwer die Leute St. Clares, Tom, Adolf und die andern, auch Susan und Emmeline standen hier und warteten mit ängstlichen Gesichtern, bis sie an die Reihe kamen. Verschiedene Zuschauer, die je nachdem zu kaufen oder nicht zu kaufen beabsichtigten, scharten sich um diese Gruppe, befühlten sie, musterten sie und redeten über ihre Vorzüge und Gesichter mit derselben Unbekümmertheit, mit der eine Anzahl Jockeis den Wert eines Rennpferdes abschätzt.

»Hallo, Alf! Was führt dich hierher?« fragte ein junger Geck und schlug einem geschniegelten jungen Mann vertraulich auf die Schulter, der sich Adolf durch ein Monokel betrachtete.

»Ach, ich brauche einen Kammerdiener und hörte, daß heute das Volk von St. Clare losgeschlagen wird. Ich wollte mir gerade mal diesen Burschen unter die Lupe…«

»Der Himmel bewahre mich vor St. Clares Dienern! Verzogene Nigger, jeder einzelne von ihnen. Unverschämt wie die Teufel!« sagte der andere.

»Keine Bange«, erwiderte der erste. »Wenn ich sie nehme, treibe ich ihnen schon die Mucken aus; sie werden schon merken, daß sie bei mir an den rechten gekommen sind. Auf mein Wort, ich werde mir den Burschen kaufen; mir gefällt das Gesicht.«

»Na, der wird dir schön zu schaffen machen. Der ist bestimmt verteufelt anspruchsvoll.«

»Ja, aber das wird sich der Herr bei mir nicht leisten können. Der wird ein paarmal in die Prügelbude geschickt und gründlich durchgewalkt. Da wird er schon Vernunft annehmen. Den zieh ich mir schon auf Biegen und Brechen — warte nur ab. Ich kauf ihn, soviel steht fest!«

Tom hatte dagestanden und wehmütig unter den unzähligen Gesichtern, die ihn umdrängten, Ausschau gehalten nach einem, den er sich zum Herrn wünschen möchte.

Kurz bevor der Verkauf begann, bahnte sich ein kurzer, gedrungener, muskulöser Mensch in kariertem Hemd, das über der Brust weit aufklaffte, und weiten Hosen, die durch das Tragen und den vielen Schmutz nicht besser geworden waren, mit beiden Ellbogen den Weg durch die Menge, wie jemand, der sich sogleich ans Geschäft machen will; ungeniert an die Gruppe herantretend, begann er sogleich eine systematische Untersuchung. Tom hatte gesehen, wie er sich näherte, und sogleich eine instinktive Abneigung verspürt, die sich noch steigerte, als der andere herankam, der offensichtlich über gewaltige Kräfte verfügte. Es ließ sich nicht bestreiten, sein runder Wirrkopf mit den großen hellgrauen Augen unter buschigen sandfarbenen Augenbrauen, mit strähnigen, drahtigen, sonnengebleichten Haaren machte keinen sehr einnehmenden Eindruck; sein großer, grober Mund war vom Tabakkauen entstellt. Von Zeit zu Zeit spuckte er plötzlich heftig eine Ladung Tabaksaft aus; seine Hände waren unförmig groß, haarig, sonnenverbrannt, mit Sommersprossen übersät und schmutzig, die kurzen Fingernägel befanden sich in böser Verfassung. Dieser Mann begann jetzt eine rücksichtslose Musterung. Er ergriff Tom am Unterkiefer und riß ihm den Mund auf, um seine Zähne anzusehen, dann ließ er ihn den Ärmel aufkrempeln, um seine Muskeln zu prüfen, drehte ihn um, ließ ihn hüpfen und springen, um seinen Schritt zu beobachten.

»Wo bist du aufgezogen?« fragte er kurz bei diesen Übungen.

»In Kentucky, Herr«, sagte Tom und blickte sich hilfesuchend um.

»Was hast du da gemacht?«

»Die Farm meines Herrn verwaltet«, sagte Tom.

»Schönes Märchen«, sagte der andere kurz, als er weiterging. Er verweilte einen Augenblick bei Adolf, dann spuckte er ihm einen Strahl Tabaksaft auf die blankgewichsten Stiefel, brummte ein verächtliches »Puh!« und ging vorbei. Jetzt hielt er vor Susan und Em–meline. Er streckte seine schwere, schmutzige Hand aus, zog das Mädchen zu sich und fuhr ihr damit über Brust und Hals, befühlte ihre Arme, betrachtete ihre Zähne und stieß sie dann zurück zu ihrer Mutter, deren geduldiges Gesicht die Pein verriet, die ihr jede Bewegung des gräßlichen Fremden verursacht hatte.

Das erschrockene Mädchen begann zu weinen.

»Hör auf, du Balg!« sagte der Verkäufer; »hier wird nicht geflennt, gleich geht es los.« Und schon wurde der Verkauf eröffnet.

Adolf ging gegen eine gute Summe an den jungen Herrn, der vorher seine Kaufabsichten geäußert hatte, und die anderen Diener St. Clares kamen an verschiedene Käufer.

»Los, rauf mit dir, Bursche, hörst du nicht?« sagte der Versteigerer zu Tom.

Tom bestieg den Block, warf ängstliche Blicke um sich; alles ging in einem allgemeinen Lärm unter — der Verkäufer ratterte seine Vorzüge Englisch und Französisch herunter, die Angebote knallten wie Raketen auf französisch und englisch zurück. Fast im selben Moment schlug dumpf der Hammer zum drittenmal auf, und hell erklang die letzte Silbe des Wortes >Dollars<, als der Versteigerer seinen Preis verkündete und Tom übereignet wurde. Er hatte wieder einen Herrn!

Man stieß ihn vom Block herunter; der stämmige, stierköpfige Mann packte ihn grob bei der Schulter, puffte ihn zur Seite und sagte mit rauher Stimme: »Da stell dich hin!«

Tom wußte kaum, wie ihm geschah; aber noch ging die Versteigerung weiter — ratternd, knallend, bald auf französisch, bald auf englisch. Der Hammer fällt herunter, und Susan ist verkauft. Sie steigt vom Block herab, hält inne und blickt sich sehnsüchtig um; ihre Tochter streckt die Arme nach ihr aus. In Todesangst blickt sie dem Mann entgegen, der sie kaufte — ein achtbarer Mann in mittleren Jahren, der ein wohlwollendes Gesicht hatte.

»Oh, Herr, bitte kaufen Sie doch meine Tochter!«

»Das tät ich gern, aber ich fürchte, das geht über meine Verhältnisse«, sagte der Herr und sah mitleidig zu, wie das junge Mädchen den Block bestieg und mit erschrockenen und ängstlichen Blicken um sich sah.

Das Blut steigt ihr siedendheiß in die sonst farblosen Wangen, ihre Augen haben ein fiebriges Feuer, und ihre Mutter bemerkt aufstöhnend, daß sie hübscher ist als je zuvor. Der Versteigerer nimmt seinen Vorteil wahr und preist ihre Vorzüge in wortreichem Kauderwelsch von Französisch und Englisch.

»Ich will tun, was in meinen Kräften steht«, sagte der wohlwollende Herr, drängte sich heran und beteiligte sich am Bieten. Aber schon in wenigen Augenblicken übersteigen die Angebote seine Geldbörse. Er verstummt; der Versteigerer erhitzt sich, aber die Angebote lassen nach. Es geht jetzt zwischen einem aristokratischen alten Bürger und unserem stiernackigen Bekannten hin und her. Der alte Aristokrat bietet noch ein paarmal, seinen Gegner mit verächtlichen Blicken messend; aber der Wirrkopf ist ihm überlegen, sowohl in der Hartnäckigkeit wie in der Ausdauer seiner Geldbörse, der Wettstreit dauert nicht lange. Der Hammer fällt, und ihm gehört das junge Mädchen mit Leib und Seele, wenn Gott ihr nicht beisteht.