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»Wart, Sambo, wenn du die Arbeiter verminderst, sag ich es dem Herrn«, sagte Quimbo, der fleißig die Mühle drehte, von welcher er hinterhältig drei müde Frauen weggestoßen hatte, die auch ihren Mais mahlen wollten.

»Und ich sage ihm, daß du die Weiber nicht an die Mühle läßt, du alter Nigger«, entgegnete ihm Sambo. »Bleib du nur in deiner Reihe.«

Tom war hungrig von seinem Tagesmarsch und fiel fast um vor Erschöpfung.

»Da«, sagte Quimbo und warf einen groben Sack zu Boden, der einen Scheffel Mais enthielt; »da, Nigger, greif zu — und heb es gut auf, das muß eine Woche reichen.«

Tom wartete bis zu später Stunde auf einen Platz an der Mühle; aber als es dann soweit war, mahlte er mitleidig für zwei Frauen, die sich mit der Mühle mühten, schürte ihnen das herabgebrannte Feuer zu neuer Glut und richtete dann sein eigenes Mehl. Das war bisher noch nie geschehen, dieses kleine Zeichen der Nächstenliebe, und es erweckte ein Echo — ein Ausdruck weiblicher Güte erschien auf ihren harten Gesichtern. Sie rührten ihm seinen Kuchen an und überwachten das Backen; Tom aber saß im Schein des Feuers und zog seine Bibel heraus — ihn verlangte nach Trost.

»Was ist das?« fragte eine der Frauen.

»Eine Bibel«, antwortete Tom.

»Großer Gott, hab keine mehr gesehen, seit ich in Kentucky war.«

»Seid ihr in Kentucky aufgewachsen?« fragte Tom.

»Ja, in guten Verhältnissen; dachte nie, daß ich es bis hier bringen würde«, erwiderte die Frau und seufzte.

»Na, lies doch mal!« forderte eine andere Tom neugierig auf, als sie sah, wie aufmerksam er darin vertieft war.

Tom las: »Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, denn ich will euch erquicken.«

»Das sind gute Worte«, meinte die Frau; »wer sagt das?«

»Der Heiland«, erwiderte Tom.

»Ich wollte nur, ich wüßte, wo er zu finden ist, dann würde ich hingehen. Manchmal denke ich, ich finde keine Ruhe mehr. Mein Körper ist so ausgelaugt, ich zittere jeden Tag, und Sambo geifert immer hinter mir her, weil ich nicht schneller pflücke, und abends wird es oft Mitternacht, bevor ich mein Essen kriege. Dann hab ich mich kaum umgedreht und meine Augen zugemacht, da hör ich schon wieder das Horn zum Aufstehen blasen, und dann fängt der Morgen wieder an. Wenn ich nur wüßte, wo der Heiland ist, würde ich es ihm klagen.«

»Er ist hier, er ist überall«, sagte Tom.

»Ach, das kannst du mir nicht weismachen. Der Heiland ist nicht hier, aber alles Reden hat keinen Zweck. Besser, man kriecht hinein und schläft.«

Die Frauen verschwanden in ihrer Hütte, und Tom saß allein beim sinkenden Feuer.

Silbern und hellstirnig ging der Mond am purpurnen Himmel auf und blickte still und ruhig herab, wie Gott herabblickt auf die Stätte des Elends und der Unterdrückung — auf den einsamen schwarzen Mann, als er mit verschränkten Armen dasaß, die Bibel auf den Knien.

Auf dem Boden lagen bereits müde Schläfer hingestreckt, und die abgestandene Luft stieß ihn fast zurück; als einzige Hülle eine zerlöcherte Decke um sich schlagend, kroch er ins Stroh und schlief ein.

32. Kapitel

Cassy

Es dauerte nicht lange, und Tom war mit allem vertraut, was er in seiner neuen Umgebung zu hoffen und zu fürchten hatte. Er war erfahren und tüchtig bei allem, was er anpackte, und aus Gewohnheit wie aus Prinzip zuverlässig und treu. Von Haus aus ruhig und friedlich, hoffte er durch unablässigen Fleiß wenigstens das Schlimmste von sich fernhalten zu können. Er sah genug Elend und Erniedrigung, um in Verzweiflung zu versinken; aber er beschloß, in himmlischer Geduld auszuharren, sich in die Hände Gottes zu befehlen und die Hoffnung nicht fahren zu lassen, daß ihm noch eine letzte Flucht offenstünde.

Legree nahm wohl Notiz von Toms Anstelligkeit. Er schätzte ihn als erstklassigen Arbeiter; dennoch spürte er eine geheime Abneigung gegen ihn — die innere Antipathie des Bösen gegen den Guten. Er sah deutlich, daß, wenn seine Wut und Heftigkeit auf die Hilflosen niederfiel — wie es häufig geschah -, Tom es bemerkte; denn so fein sind die Schwingungen unserer Gefühle, daß sie sich auch ohne Worte übertragen; selbst die Gefühle eines Sklaven können einen Herrn ärgern. Tom bekundete auf verschiedene Weise ein Zartgefühl, ein Mitleid mit seinen Leidensgenossen, das ihnen seltsam und neu war und von Legree mit eifersüchtigem Auge beobachtet wurde. Er hatte Tom gekauft, halb in der Absicht, eine Art Verwalter aus ihm zu machen, dem er seine Geschäfte für die kurze Zeit seiner Abwesenheit anvertrauen könnte. Die erste, zweite und dritte Vorbedingung für diese Stellung bestand aber seiner Ansicht nach in Härte. Also beschloß Legree, da Tom den Arbeitern gegenüber keine Härte zeigte, ihn zunächst selbst abzuhärten. Nachdem Tom einige Wochen da war, sollte damit der Anfang gemacht werden.

Eines Morgens, als die Arbeiter zur Feldarbeit abgefertigt waren, sah Tom mit Befremden einen Neuling unter ihnen, dessen Äußeres seine Aufmerksamkeit erregte. Es war eine Frau, groß und schlank gebaut, mit auffallend rassigen Händen und Füßen, sauber und anständig gekleidet. Nach ihrem Gesicht zu urteilen, konnte sie zwischen fünfunddreißig und vierzig sein; aber es war ein Gesicht, das man nicht wieder vergaß — eines von denen, die auf den ersten Blick in uns die Vorstellung einer wilden, schmerzlichen und romantischen Geschichte erregen. Ihre Stirn war hoch, und die Augenbrauen waren klar und schön gezeichnet. Ihre gutgeformte Nase, ihr feingeschnittener Mund und die anmutigen Umrisse ihres Kopfes und Nackens verrieten, daß sie einmal sehr schön gewesen sein mußte; aber ihr Gesicht hatte scharfe Linien des Schmerzes, des stolzen, bitteren Leidens gezeichnet. Ihre Hautfarbe war bleich und ungesund, ihre Wangen schmal, ihre Züge scharf, ihre ganze Gestalt abgemagert.

In ihren Augen nachtete eine tiefe Angst — eine unbewegliche Hoffnungslosigkeit, die in erschreckendem Gegensatz zu dem unbeugsamen Stolz stand, den ihr ganzes Benehmen ausdrückte.

Woher sie kam, wer sie war, wußte Tom nicht. Er wußte nur, daß sie aufrecht und stolz im Morgengrauen neben ihm ausschritt. Der Kolonne war sie jedoch bekannt, viele Köpfe drehten sich nach ihr um, und eine unterdrückte, aber deutliche Genugtuung sprach aus den elenden Gesichtern der halbverhungerten Gestalten, die sie umdrängten.

»Mußte sich also doch herbequemen!« sagte jemand.

»Hi, hi, hi!« lachte jemand anderer, »da wird sie merken, wie es ist.«

»Da muß sie auch mal arbeiten!«

»Möchte nur wissen, ob ihr Teil heute abend auch gewogen wird!«

»Ich wär froh, wenn sie dann auch mal Hiebe kriegte«, sagte ein anderer.

Die Frau achtete nicht auf diese Sticheleien, sondern tat, als hörte sie nicht, und schritt weiter. Tom hatte immer unter gebildeten und kultivierten Menschen gelebt und erkannte aus ihrer Haltung, daß sie zu dieser Klasse gehörte; aber wie und warum sie in diese Verhältnisse geraten, konnte er nicht sagen. Die Frau sprach kein Wort, blickte ihn auch nicht an, sondern hielt sich nur dicht an seiner Seite.

Tom war bald mitten in der Arbeit, aber da die Frau nicht weit entfernt war, warf er zuweilen einen Blick auf ihre Arbeit. Er sah sofort, daß ihre angeborene Geschicklichkeit und Genauigkeit ihr die Aufgabe sehr erleichterten. Sie pflückte flink und sauber mit zorniger Miene, als ob sie die Arbeit und die Schande, die sie in diese Umstände gebracht, gleichermaßen verachtete.

Im Laufe des Tages geriet Tom in die Nähe der Mulattin, die mit ihm zusammen im selben Schub gekauft worden war. Sie litt anscheinend große Schmerzen, und Tom hörte wiederholt, wie sie laut betete, während sie taumelte und umzufallen drohte. Als er näher kam, stopfte er ihr mehrere Hände voll Baumwolle in den Sack.

»Oh, nicht doch, nicht doch!« sagte die Frau, überrascht aufsehend; »du schaffst dir Ungelegenheiten.«