>Ganz wie es dir beliebt<, erwiderte er; >wenn du nicht Vernunft annimmst, werde ich beide Kinder verkaufen, so daß du sie niemals wiedersiehst.< Und er sagte, daß er mich immer hatte haben wollen vom ersten Augenblick an, als er mich gesehen. Er hätte Henry abgelenkt, ihn in Schulden gestürzt, alles in der Absicht, ihn zu einem Verkauf zu bewegen. Ich gab nach, denn mir waren die Hände gebunden. Er hatte meine Kinder.
Elise war ein schüchternes kleines Ding; aber Henry war kühn und heißblütig wie sein Vater, niemand hatte ihn bis jetzt bändigen können. Der Mensch fand immer etwas zu tadeln an dem Kind und schalt es aus, ich lebte in ständiger Angst und Bedrückung. Ich versuchte, dem Kind Respekt beizubringen — ich versuchte beide auseinanderzuhalten, denn ich klammerte mich an die Kinder; aber es half alles nichts. Er verkaufte sie beide. Er nahm mich eines Tages auf einen Ausritt mit, und als ich heimkam, waren sie nirgends zu finden. Da sagte er, er hätte sie verkauft, er zeigte mir das Geld, den Preis für ihr Blut. Da war es, als ob alle guten Geister mich verlassen hätten. Ich schäumte und verfluchte Gott und die Welt, und eine Zeitlang hat er sich wirklich vor mir gefürchtet. Eines Tages ging ich spazieren und kam an dem Prügelhaus vorbei; da sah ich ein Menschengedränge am Tor und hörte eine Kinderstimme — und plötzlich riß sich mein Henry von zwei Männern los, die ihn hielten, und rannte schreiend auf mich zu und hielt mich am Kleid. Sie kamen heran und stießen laute Verwünschungen aus. Ein Mann stand noch dabei, der schien Mitleid zu haben. Ich bot ihm alles Geld, das ich bei mir trug, wenn er nur eingreifen würde. Aber er schüttelte den Kopf und sagte, der Mann hätte behauptet, der Junge sei die ganze Zeit trotzig und ungehorsam gewesen. Ich kehrte sofort um und rannte nach Hause, und bei jedem Schritt glaubte ich, ihn schreien zu hören.
Ich glaube, damals ist in meinem Kopf etwas zersprungen. Ich fühlte mich benommen und war völlig außer mir. Ich entsinne mich noch, daß ein großes, scharfes Jagdmesser auf dem Tisch lag. Ich weiß noch, daß ich es ergriff und nach Butler warf. Dann wurde alles um mich dunkel, und ich wußte von nichts mehr — viele Tage lang.
Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich in einem hellen Zimmer, aber nicht in meinem. Eine alte schwarze Frau pflegte mich, ein Doktor kam jeden Tag, und man gab sich große Mühe mit mir. Nach einer Weile merkte ich, daß Butler abgereist war und das Haus verkaufen ließ; darum machte man sich soviel Umstände mit mir.
Ich wollte nicht genesen, aber trotzdem wich das Fieber, ich wurde wieder gesund und stand auf. Dann mußte ich jeden Tag Toilette machen, und Herren kamen zu Besuch, standen Zigarren rauchend herum, betrachteten mich, stellten Fragen und handelten über meinen Preis. Ich war aber so finster und stumm, daß niemand mich haben wollte. Da drohten sie mir, wenn ich nicht heiterer wäre und mehr Entgegenkommen zeigen würde. Schließlich kam eines Tages ein Herr namens Stuart. Er schien Gefallen an mir zu finden und sah auch, daß etwas Fürchterliches mich bedrückte. Er kam oft und traf mich allein und überredete mich endlich, ihm alles zu erzählen. Zuletzt hat er mich gekauft und mir versprochen, nichts unversucht zu lassen, um meine Kinder zurückzukaufen. Er ging in das Hotel, wo mein Henry war, aber dort erfuhr er nur, daß ein Pflanzer am Red River den Jungen gekauft hätte, mehr habe ich nie wieder gehört. Dann machte er mein Töchterchen ausfindig; sie war bei einer alten Frau, er bot ihr eine riesige Summe, aber sie wollte die Kleine nicht hergeben. Butler hatte gehört, das Kind sollte für mich zurückgekauft werden, da ließ er mir sagen, ich würde es niemals bekommen. Captain Stuart war sehr gut zu mir, er nahm mich mit auf seine herrliche Plantage. Wenig später trat die Cholera auf, und Captain Stuart starb; jeder mußte sterben, der leben wollte, ich aber, die ich an des Todes Pforte klopfte — ich blieb am Leben! Dann wurde ich wieder verkauft und ging von Hand zu Hand, dann hat mich zuletzt dieser Bösewicht gekauft und hierhergebracht, da bin ich nun!«
Die Frau hielt inne. In wilder Leidenschaft hatte sie ihre Geschichte vorgebracht, manchmal Tom angeredet, manchmal wie zu sich selbst gesprochen. So heftig und überwältigend war die Macht ihrer Rede, daß Tom für eine Weile selbst seine schmerzenden Wunden vergaß und auf einen Ellbogen gestützt ihr mit den Augen folgte, während sie ruhelos auf und ab ging und das schwarze, lange Haar sie bei jeder Bewegung umwallte.