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Ares’ Tisch brach in lautes Triumphgebrüll aus.

»Ich persönlich«, sagte Mr D darauf, »finde das ja total egal, aber meinen Glückwunsch. Und dann sollte ich wohl noch erwähnen, dass wir heute einen Neuen bekommen haben, Peter Johnson.«

Chiron murmelte etwas.

»Äh, Percy Jackson«, korrigierte Mr D sich. »Genau. Hurra und überhaupt. Und jetzt geht zu eurem blöden Lagerfeuer. Na los.«

Alles jubelte. Wir liefen hinunter zu dem großen Amphitheater, wo Apollos Hütte den Rundgesang leitete. Wir sangen Lagerfeuerlieder über die Gottheiten, aßen Marshmallows mit Schokolade und rissen Witze, und aus irgendeinem Grund hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass irgendwer mich anstarrte. Ich hatte das Gefühl, zu Hause zu sein.

Später am Abend, als die Funken des Lagerfeuers zum Sternenhimmel hochstiegen, wurde wieder das Muschelhorn geblasen und wir zogen im Gänsemarsch zurück zu unseren Hütten. Ich merkte erst, wie erschöpft ich war, als ich auf meinem geliehenen Schlafsack zusammensackte.

Meine Finger umschlossen das Minotaurushorn. Ich dachte an meine Mom, aber es waren gute Gedanken: ihr Lächeln, die Gutenachtgeschichten, die sie mir früher erzählt hatte, wie sie mir gesagt hatte, ich solle was Schönes träumen.

Als ich die Augen schloss, war ich sofort eingeschlafen.

Das war mein erster Tag im Camp Half-Blood.

Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie kurz die Zeit sein würde, die ich mein neues Zuhause genießen durfte.

Wir erobern eine Flagge

In den nächsten Tagen bekam mein Leben eine Routine, die mir fast normal vorkam, wenn man von der Tatsache absieht, dass ich von Satyrn, Nymphen und einem Zentauren unterrichtet wurde.

Jeden Morgen lernte ich bei Annabeth Altgriechisch und wir sprachen im Präsens über Göttinnen und Götter, was mir irgendwie seltsam vorkam. Ich stellte fest, dass Annabeth Recht gehabt hatte, was meine Legasthenie anging: Altgriechisch zu lesen fiel mir gar nicht so schwer. Jedenfalls nicht schwerer als Englisch. Nach einigen Tagen schaffte ich schon einige Zeilen Homer, ohne allzu große Kopfschmerzen zu bekommen.

Für den restlichen Tag war ich mit Freiluftaktivitäten beschäftigt. Ich suchte etwas, in dem ich gut war. Chiron versuchte mir Bogenschießen beizubringen, aber wir stellten sehr rasch fest, dass Pfeil und Bogen mir nicht lagen. Er beschwerte sich aber nicht einmal, als wir einen verirrten Pfeil aus seinem Schwanz herausknoten mussten.

Laufen? Auch kein Erfolg. Die Waldnymphen, die mich unterrichten sollten, sausten mir sofort davon. Sie meinten, ich solle mir darüber nicht den Kopf zerbrechen. Sie hätten Jahrhunderte Übung darin, vor liebeskranken Göttern wegzurennen. Aber trotzdem fand ich es ein wenig demütigend, langsamer zu sein als ein Baum.

Und Ringen? Vergesst es. Wann immer ich auf die Matte trat, wurde ich von Clarisse in meine Bestandteile zerlegt.

»Davon kannst du noch mehr haben, Mistkerl«, flüsterte sie mir ins Ohr.

Das Einzige, was ich gut machte, war Rudern, und das war nicht gerade die Art von Heldentat, die vom Bezwinger des Minotaurus erwartet wurde.

Ich wusste, dass die älteren Campbewohner und die Tutoren mich beobachteten, dass sie herausfinden wollten, wer mein Vater war, aber leicht machte ich ihnen das nicht. Ich war nicht so stark wie die Kinder des Ares, kein Bogenschütze wie die des Apollo. Ich besaß nicht Hephaistos’ Fähigkeiten als Schmied und – Gott sei Dank – nicht die von Dionysos, was den Weinbau anging. Luke meinte, ich könnte ein Kind des Hermes sein, eine Art Hansdampf in allen Gassen, aber nirgendwo der Meister. Doch ich hatte das Gefühl, dass er mich nur trösten wollte. In Wirklichkeit wusste er auch nicht, was er von mir halten sollte.

Trotz allem gefiel mir das Camp. Ich gewöhnte mich an den Morgendunst über dem Strand, an den Geruch der Erdbeerfelder an heißen Nachmittagen und sogar an die seltsamen nächtlichen Geräusche der Ungeheuer im Wald. Ich aß am Tisch von Hütte 11, warf etwas von meiner Mahlzeit ins Feuer und versuchte, Kontakt zu meinem Vater aufzunehmen. Nichts passierte. Ich verspürte nur dieses warme Gefühl, das ich immer schon gehabt hatte, die Erinnerung an sein Lächeln. Ich versuchte nicht zu sehr an meine Mom zu denken, aber immer wieder fragte ich mich: Wenn es wirklich Götter und Ungeheuer gab, wenn dieser ganze magische Kram möglich war, dann musste es doch einen Weg geben, sie zu retten, sie zurückzuholen …

Ich fing an, Lukes Verbitterung zu verstehen, ich begriff, warum er seinen Vater Hermes ablehnte. Okay, vielleicht hatten die Götter wichtige Aufgaben zu erledigen. Aber hätten sie nicht irgendwann zwischendurch mal anrufen können, donnern oder was auch immer? Dionysos konnte einfach so aus der Luft Cola auftauchen lassen. Warum konnte mein Vater, wer immer er sein mochte, nicht ein Telefon schicken?

Am Donnerstagnachmittag, drei Tage nach meinem Eintreffen im Camp Half-Blood, hatte ich meine erste Stunde im Schwertkampf. Alle aus Hütte 11 versammelten sich in der großen runden Arena, wo Luke uns unterrichten sollte.

Wir begannen einfach mit dem grundlegenden Hauen und Stechen, wozu wir Strohpuppen in griechischen Rüstungen benutzten. Ich glaube, ich war gar nicht schlecht. Ich tat jedenfalls wie mir geheißen und meine Reflexe funktionierten.

Das Problem war, dass ich kein Schwert fand, das sich in meiner Hand richtig anfühlte. Entweder waren die Schwerter zu schwer oder zu leicht oder zu lang. Luke gab sich alle Mühe, eins für mich zu finden, meinte dann aber, dass die Übungsschwerter alle nicht für mich passten.

Es ging weiter mit Zweikampf. Luke kündigte an, er werde mein Partner sein, da es mein erster Kampf sei.

»Viel Glück«, sagte jemand zu mir. »Luke ist der beste Schwertkämpfer der letzten dreihundert Jahre.«

»Vielleicht verschont er mich ja«, sagte ich.

Der andere schnaubte.

Luke machte mich ziemlich brutal mit allerlei Abwehrmanövern bekannt. Bei jedem Schlag wurde ich ein wenig mehr zerschunden. »Du musst dich schützen, Percy«, sagte er, dann schlug er mir die flache Seite der Klinge gegen die Rippen. »Nein, nicht so weit nach oben!« Wopp! »Ducken!« Wopp! »Und jetzt zurück!« Wopp.

Als er eine Pause ankündigte, triefte ich vor Schweiß. Alle rannten zu den Getränken. Luke goss sich Eiswasser auf den Kopf und das sah so gut aus, dass ich es auch machte.

Sofort fühlte ich mich besser. Neue Kraft jagte in meine Arme. Das Schwert kam mir nicht mehr so klobig vor.

»Na los, alle im Kreis aufstellen. Wenn Percy nichts dagegen hat, dann kommt jetzt eine kleine Vorführung.«

Klasse, dachte ich. Sollen alle sehen, wie Percy zusammengeschlagen wird.

Die Hermestypen versammelten sich um uns. Sie unterdrückten ihr Lächeln. Ich ging davon aus, dass sie auch schon mal in meiner Lage gewesen waren und schrecklich gern sehen wollten, wie Luke aus mir einen Punchingball machte. Er sagte, er wolle jetzt eine Entwaffnungstechnik vorführen: wie man die Klinge des Feindes mit der flachen Schwertseite abwehrt, worauf der andere seine Waffe einfach fallen lassen muss.

»Das ist schwierig«, betonte er. »Ich hab das auch schon zu spüren bekommen. Also lacht jetzt nicht über Percy. Die meisten Kämpfer brauchen Jahre, um diese Technik zu meistern.«

Er führte die Übung in Zeitlupe vor. Und richtig, das Schwert fiel mir klirrend aus der Hand.

»Und jetzt in Echtzeit«, sagte er, nachdem ich meine Waffe wieder an mich gebracht hatte. »Wir machen weiter, bis einer geschlagen ist. Fertig, Percy?«

Ich nickte und Luke ging auf mich los. Auf irgendeine Weise konnte ich verhindern, dass er meinen Schwertgriff traf. Und dann war ich voll dabei. Ich ahnte seine Angriffe voraus. Ich erwiderte. Ich sprang vor und schlug zu. Luke konnte den Schlag problemlos abwehren, aber ich sah, dass seine Miene sich veränderte. Er kniff die Augen zusammen und ging energischer auf mich los.