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Die Toten gingen direkt auf ihn zu – ohne jede Spur von Angst. Die SCHALTER BESETZT-Schlangen teilten sich vor ihm. Die DIREKTER TOD-Leute liefen zwischen seinen Vorderpfoten und unter seinem Bauch durch und dabei brauchten sie nicht einmal die Köpfe einzuziehen.

»Ich kann ihn jetzt besser sehen«, murmelte ich. »Woran liegt das?«

»Ich glaube …« Annabeth schluckte. »Ich fürchte, das liegt daran, dass wir uns dem Totsein nähern.«

Der mittlere Kopf des Hundes wandte sich uns zu. Er schnüffelte in der Luft herum und knurrte.

»Er kann alles riechen, was lebt«, sagte ich.

»Aber das macht doch nichts«, sagte Grover, der zitternd neben mir stand. »Wir haben ja einen Plan.«

»Richtig«, sagte Annabeth. Ich hatte ihre Stimme noch nie so kleinlaut gehört. »Einen Plan.«

Wir gingen auf das Ungeheuer zu.

Der mittlere Kopf knurrte uns an, dann bellte er so laut, dass seine Augäpfel klirrten.

»Kannst du ihn verstehen?«, fragte ich Grover.

»Aber sicher«, sagte er. »Ich kann ihn verstehen.«

»Was sagt er?«

»Ich glaube nicht, dass die Menschen einen Fluch haben, der das alles ausdrücken kann.«

Ich zog den Knüppel aus meinem Rucksack – einen Bettpfosten, den ich von Crustys Safari-de-luxe-Modell abgebrochen hatte. Ich hielt ihn hoch und versuchte, glückliche Hundegedanken auf Zerberus einströmen zu lassen – Hundefutterreklame, niedliche Hundebabys, Hydranten. Ich versuchte zu lächeln, als ob ich nicht gleich sterben müsste.

»Hallo, Bello«, rief ich nach oben. »Mit dir wird bestimmt nicht viel gespielt.«

»GRRRRRRWWWWWLLLL!«

»Braver Junge«, sagte ich matt.

Ich schwenkte meinen Knüppel. Der mittlere Hundekopf folgte der Bewegung. Die anderen beiden wandten sich mir zu und hatten kein Auge mehr für die Toten. Ich besaß Zerberus’ ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich wusste nicht recht, ob das ein Vorteil war.

»Hol das Stöckchen!« Ich warf den Knüppel in die Finsternis, ein richtig guter Wurf. Ich hörte, wie er klatschend im Styx landete.

Zerberus glotzte mich ununterbrochen an. Seine Augen waren tückisch und kalt.

Damit war unser Plan gelaufen.

Zerberus knurrte jetzt anders, tiefer und kehliger.

»Ähem«, sagte Grover. »Percy?«

»Ja?«

»Ich dachte nur, das könnte dich interessieren.«

»Ja?«

»Zerberus … er sagt, dass wir zehn Sekunden haben, um zum Gott unserer Wahl zu beten. Danach … na ja … er hat Hunger.«

»Warte!«, sagte Annabeth und fing an, in ihrem Rucksack zu wühlen.

Oha, dachte ich.

»Fünf Sekunden«, sagte Grover. »Rennen wir jetzt los?«

Annabeth zog einen roten Gummiball von der Größe einer Pampelmuse heraus. Darauf stand WATERLAND DENVER. Ehe ich sie daran hindern konnte, hob sie den Ball hoch und ging auf Zerberus zu.

Sie brüllte: »Siehst du den Ball? Willst du den Ball, Zerberus? Sitz!«

Zerberus sah genauso verblüfft aus wie wir.

Seine drei Köpfe flogen zur Seite. Sechs Nasenlöcher blähten sich.

»Sitz!«, rief Annabeth noch einmal.

Ich war sicher, dass sie sich jeden Augenblick in den größten Hundekeks aller Zeiten verwandeln würde.

Aber stattdessen leckte Zerberus sich seine drei Mäuler, bewegte seinen Hinterleib und setzte sich, wobei er ein Dutzend Geister zerquetschte, die gerade unter ihm durchgehen wollten. Die Geister zischten, als sie sich auflösten, wie Reifen, aus denen die Luft entweicht.

Annabeth sagte: »Braves Hündchen.«

Sie warf Zerberus den Ball zu.

Der fing ihn mit seinem mittleren Maul. Der Ball war kaum groß genug, dass er darauf herumkauen konnte, und die anderen Köpfe schnappten danach und wollten das neue Spielzeug an sich bringen.

»Fallen lassen!«, befahl Annabeth.

Zerberus’ Köpfe hielten inne und schauten sie an. Der Ball steckte zwischen zweien seiner Zähne wie ein Stück Kaugummi. Er jaulte laut und beängstigend, dann ließ er den schleimigen, zerbissenen Ball vor Annabeths Füße fallen.

»Braves Hündchen.« Sie hob den Ball hoch und achtete nicht auf die Monsterspucke, die daran klebte.

Sie drehte sich zu uns um. »Los jetzt. Die DIREKTER TOD-Schlange, das geht schneller.«

Ich sagte: »Aber …«

»Jetzt«, befahl sie im selben Tonfall, in dem sie mit dem Hund sprach.

Grover und ich schlichen vorsichtig weiter.

Zerberus fing an zu knurren.

»Hiergeblieben«, befahl Annabeth. »Wenn du den Ball willst, dann bleibst du hier.«

Zerberus fiepte, blieb aber sitzen.

»Was ist mit dir?«, fragte ich Annabeth, als wir an ihr vorübergingen.

»Ich weiß, was ich tue, Percy«, murmelte sie. »Jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher.«

Grover und ich gingen unter den Beinen des Ungeheuers hindurch.

Bitte, Annabeth, flehte ich in Gedanken. Mach, dass er sich nicht wieder setzt.

Wir schafften es. Von hinten sah Zerberus nicht weniger beängstigend aus.

Annabeth sagte: »Braves Hündchen.«

Sie hob den zerbissenen roten Ball hoch und kam vermutlich zum selben Schluss wie ich – wenn sie Zerberus jetzt seine Belohnung gäbe, dann hätte sie nichts mehr in der Hand.

Sie warf den Ball trotzdem. Das linke Maul des Ungeheuers fing ihn auf, wurde aber sofort vom mittleren Kopf angegriffen, während der rechte wütend knurrte.

Während das Monster abgelenkt war, lief Annabeth unter seinem Bauch hindurch und holte uns vor dem Metalldetektor ein.

»Wie hast du das gemacht?«, fragte ich sie überrascht.

»Hundekurs«, sagte sie atemlos und zu meiner Überraschung sah ich Tränen in ihren Augen. »Als ich klein war und bei meinem Dad gewohnt habe, hatten wir einen Dobermann …«

»Das spielt jetzt keine Rolle«, sagte Grover und zupfte an meinem Hemd. »Los jetzt.«

Wir wollten schon die DIREKTER TOD-Sperre durchqueren, als Zerberus aus allen drei Mäulern jammervoll losheulte. Annabeth blieb stehen.

Sie fuhr herum und sah den Hund an, der sich umgedreht hatte, um uns zu suchen.

Zerberus keuchte erwartungsvoll, der rote Ball lag zerfetzt in einer Speichelpfütze zu seinen Füßen.

»Braves Hündchen«, sagte Annabeth, aber ihre Stimme klang traurig und unsicher.

Die Köpfe des Ungeheuers drehten sich zur Seite, als sei es ihretwegen besorgt.

»Ich bring dir bald einen neuen Ball«, versprach Annabeth mit schwacher Stimme. »Das möchtest du doch, oder?«

Das Monster fiepte. Ich brauchte die Hundesprache nicht zu verstehen, um zu begreifen, dass Zerberus auf den Ball wartete.

»Braves Hündchen. Ich komm bald wieder. Ver… versprochen.« Annabeth wandte sich zu uns um. »Los jetzt.«

Grover und ich liefen durch den Metalldetektor, der sofort losheulte und rote Lampen aufleuchten ließ. »Unerlaubte Gegenstände. Magie-Meldung.«

Zerberus fing an zu bellen.

Wir brachen durch das DIREKTER TOD-Tor, was noch mehr Alarmglocken losschrillen ließ, und rannten in die Unterwelt.

Einige Minuten später versteckten wir uns atemlos im verfaulten Stamm eines riesigen schwarzen Baumes, während Sicherheitsgeister vorüberjagten und nach Verstärkung durch die Furien schrien.

Grover murmelte: »Na, Percy, was haben wir heute gelernt?«

»Dass dreiköpfige Hunde lieber mit Gummibällen spielen als mit Stöckchen?«

»Nein«, sagte Grover. »Wir haben gelernt, wie leicht deine Pläne ins Wasser fallen.«

Ich war mir nicht so sicher. Ich dachte, dass Annabeth und ich vielleicht beide auf die richtige Idee gekommen waren. Sogar hier in der Unterwelt brauchten alle – selbst die Ungeheuer – ab und zu ein wenig Zuwendung.

Ich dachte weiter darüber nach, während wir warteten, bis die Luft rein war. Ich gab vor, nicht zu sehen, wie Annabeth sich eine Träne von der Wange wischte, als sie aus der Ferne Zerberus’ jammernden Klagegesang hörte, mit dem er nach seiner neuen Freundin rief.

Wir finden die Wahrheit, irgendwie

Stellt euch das größte Konzertpublikum vor, das ihr je gesehen habt, oder ein Fußballstadion, in dem sich eine Million Fans drängen.