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»Den du bereits hast«, brüllte Hades. »Du bist doch damit hergekommen, du kleiner Trottel, und hast gedacht, du könntest mich bedrohen!«

»Das stimmt nicht!«

»Dann mach deinen Rucksack auf.«

Mich überkam ein entsetzliches Gefühl. Das Gewicht in meinem Rucksack, wie eine Bowlingkugel. Das konnte doch nicht …

Ich riss mir den Rucksack von der Schulter und öffnete ihn. Er enthielt einen sechzig Zentimeter langen Zylinder, der an beiden Enden verschlossen war und vor Energie geradezu summte.

»Percy«, sagte Annabeth. »Wie …«

»Ich … ich weiß es nicht. Ich verstehe das nicht.«

»Ihr Helden seid doch alle gleich«, sagte Hades. »Euer Stolz macht euch töricht und dann glaubt ihr, mit einer solchen Waffe vor mich treten zu können. Ich habe nicht um Zeus’ Herrscherblitz gebeten, aber da er nun schon einmal hier ist, wirst du ihn mir überlassen. Ich bin sicher, er wird ein wunderbares Handelsobjekt sein. Und jetzt … mein Helm. Wo ist er?«

Ich war sprachlos. Ich hatte keinen Helm. Ich hatte keine Ahnung, wie der Herrscherblitz in meinen Rucksack geraten war. Ich wollte glauben, dass Hades mir irgendeinen Streich spielte. Hades war hier der Schurke. Aber plötzlich geriet die Welt aus den Angeln. Mir ging auf, dass mit mir gespielt worden war. Zeus, Poseidon und Hades waren von jemand anderem gegeneinander aufgewiegelt worden. Der Herrscherblitz hatte in diesem Rucksack gelegen und den Rucksack hatte ich von …

»Hoher Herr Hades, wartet«, sagte ich. »Das ist alles ein Missverständnis.«

»Ein Missverständnis?«, brüllte Hades.

Die Skelette legten ihre Waffen an. Hoch oben hörte ich das Flattern von Lederflügeln, die drei Furien ließen sich fallen und hockten sich auf die Rückenlehne des Throns ihres Herrn. Die mit Mrs Dodds’ Gesicht grinste mich boshaft an und ließ ihre Peitsche knallen.

»Es gibt kein Missverständnis«, sagte Hades. »Ich weiß, warum du gekommen bist – ich kenne den wahren Grund, warum du mir den Blitz gebracht hast. Du willst um sie verhandeln.«

Hades ließ eine goldene Feuerkugel aus seiner Hand rollen. Die Kugel explodierte vor mir auf den Stufen und ich sah meine Mutter, erstarrt in einem goldenen Regen, so wie in dem Moment, als der Minotaurus sie zu Tode quetschen wollte.

Ich konnte nichts sagen. Ich streckte die Hand nach ihr aus, aber das Licht war glühend heiß.

»Ja«, sagte Hades zufrieden. »Ich habe sie mir geholt. Ich wusste, Percy Jackson, dass du irgendwann kommen würdest, um mit mir zu verhandeln. Gib mir meinen Helm zurück, dann lasse ich sie vielleicht frei. Sie ist nicht tot, weißt du? Noch nicht. Aber wenn du mein Missfallen erregst, dann wird sich das ändern.«

Ich dachte an die Perlen in meiner Tasche. Vielleicht könnten sie mir aus dieser Lage helfen. Wenn ich nur meine Mom befreien könnte …

»Ah, die Perlen«, sagte Hades und mein Blut gefror. »Ja, mein Bruder und seine kleinen Tricks. Zeig sie doch mal, Percy Jackson.«

Meine Hand bewegte sich, obwohl ich das gar nicht wollte, und zog die Perlen hervor.

»Nur drei«, sagte Hades. »Was für eine Schande. Du musst wissen, dass jede nur eine einzige Person beschützen kann. Also versuch nur, deine Mutter hier rauszuholen, kleiner Götterspross. Aber wen von deinen Freunden willst du dann für alle Ewigkeit bei mir zurücklassen? Na los. Triff deine Wahl. Oder gib mir den Rucksack und akzeptier meine Bedingungen.«

Ich sah Annabeth und Grover an. Sie machten grimmig entschlossene Gesichter.

»Wir sind in die Falle gelockt worden«, sagte ich. »Ausgetrickst.«

»Ja, aber warum?«, fragte Annabeth. »Und die Stimme in der Grube …«

»Das weiß ich noch nicht«, sagte ich. »Aber ich werde danach fragen.«

»Entscheide dich, Knabe!«, brüllte Hades.

»Percy.« Grover legte mir die Hand auf die Schulter. »Du darfst ihm den Blitz nicht geben.«

»Das weiß ich.«

»Lass mich hier«, sagte er. »Nimm die dritte Perle für deine Mom.«

»Nein!«

»Ich bin ein Satyr«, sagte Grover. »Wir haben keine Seelen wie die Menschen. Er kann mich quälen, bis ich sterbe, aber er wird mich nicht für immer bekommen. Ich werde einfach als Blume oder so wiedergeboren. Das ist die beste Lösung.«

»Nein.« Annabeth zog ihr Bronzemesser. »Ihr beiden macht weiter. Grover, du musst Percy beschützen. Du musst deine Lizenz bekommen und dich auf die Suche nach Pan machen. Bringt seine Mom von hier fort. Ich decke euch. Ich werde kämpfend untergehen.«

»Nichts da«, sagte Grover. »Ich bleibe hier.«

»Überleg es dir gut, Ziegenknabe«, sagte Annabeth.

»Hört auf!« Ich hatte das Gefühl, dass mein Herz in Stücke gerissen wurde. Beide hatten mit mir zusammen so viel durchgemacht. Ich dachte daran, wie Grover im Garten mit den Statuen die Medusa im Sturzflug angegriffen und wie Annabeth uns vor Zerberus gerettet hatte; wir hatten Hephaistos’ Falle im Wasserpark überlebt, den Brückenbogen in St. Louis, das Lotos Kasino. Ich hatte mich Tausende von Kilometern gegrämt, weil ich von einem Freund verraten werden würde, wie es mir vorausgesagt worden war, aber diese beiden würden das niemals über sich bringen. Sie hatten mich immer wieder gerettet und jetzt wollten sie ihr Leben für meine Mom opfern.

»Ich weiß, was wir machen«, sagte ich. »Nehmt die hier.«

Ich reichte Annabeth und Grover je eine Perle.

Annabeth sagte: »Aber Percy …«

Ich drehte mich um und sah meine Mutter an. Ich hätte mich so schrecklich gern geopfert und ihr die letzte Perle gegeben, aber ich wusste, was sie sagen würde. Sie würde es niemals zulassen. Ich musste den Blitz auf den Olymp bringen und Zeus die Wahrheit sagen. Ich musste den Krieg verhindern. Sie würde mir nie verzeihen, wenn ich stattdessen sie rettete. Ich dachte an die Weissagung, die, wie mir schien, vor einer Million Jahren auf Half-Blood Hill gemacht worden war. Und du versagst just dort, wo es betrifft dein Herz.

»Tut mir leid«, sagte ich zu ihr. »Ich komme wieder. Ich werde einen Weg finden.«

Das selbstzufriedene Lächeln wich von Hades’ Gesicht. Er fragte: »Götterspross …?«

»Ich werde Euren Helm finden, Onkel«, sagte ich zu ihm. »Ich bringe ihn zurück. Und denkt an Charons Lohnerhöhung.«

»Wag ja nicht, mir zu trotzen …«

»Und es wäre auch nicht schlecht, ab und zu mal mit Zerberus zu spielen. Rote Gummibälle findet er toll.«

»Percy Jackson, ich verbiete dir …«

Ich rief: »Jetzt, Leute!«

Wir schleuderten die Perlen auf den Boden. Für einen entsetzlichen Moment passierte gar nichts.

Hades schrie: »Macht sie fertig!«

Die Skelettarmee stürzte los, mit gezückten Schwertern und klickenden automatischen Waffen. Die Furien knallten mit ihren flammenlodernden Peitschen.

Als die Skelette gerade das Feuer eröffneten, barst die Perle vor meinen Füßen zu grünem Licht und frischem Seewind. Ich wurde von einer milchigen weißen Hülle umgeben, die langsam vom Boden abhob.

Annabeth und Grover befanden sich dicht hinter mir. Speere und Kugeln prallten von den Perlenblasen ab, während wir aufwärtsstiegen. Hades brüllte vor Wut so laut, dass die gesamte Festung bebte, und ich wusste, dass L. A. keine friedliche Nacht bevorstand.

»Nach oben schauen!«, schrie Grover. »Gleich werden wir aufgespießt!«

Und wirklich rasten wir auf die Stalaktiten zu und ich fürchtete, sie würden unsere Blasen zum Platzen bringen und uns durchbohren.

»Wie lenkt man diese Kapseln?«, rief Annabeth.

»Ich glaube, gar nicht«, brüllte ich zurück.

Wie schrien auf, als die Blasen gegen die Decke stießen und … Dunkelheit.

Waren wir tot?

Nein. Ich spürte, dass wir uns bewegten. Wir stiegen auf, durch den harten Felsen, so leicht wie eine Luftblase im Wasser. Das war die Macht der Perlen, wie mir jetzt aufging – was dem Meer gehört, wird immer zum Meer zurückkehren.

Einen Moment lang konnte ich außer den glatten Wänden meiner Kapsel nichts sehen, dann durchbrach meine Perle den Meeresboden. Die beiden anderen milchigen Umrisse, Annabeth und Grover, waren neben mir, als wir durch das Wasser nach oben jagten. Und dann, ka-wumm!