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Als Zeichen unserer Ernsthaftigkeit in dieser Angelegenheit -falls Sie nicht nachgeben - töten wir in zwei Wochen einen Polizisten in der Polk Street oder an der Ecke Polk Street und Clermont Avenue.

Sehr herzlich, der Midas Clan

Wieder lachte Mr. Haie. Er war mit seinen Gedanken ganz und gar bei einer vielversprechenden Unterhandlung mit einem Chicagoer Syndikat, bei der es um den Verkauf all seiner Straßenbahnen in dieser Stadt ging, und deshalb fuhr er fort, seiner Stenotypistin zu diktieren, und verschwendete keinen weiteren Gedanken an diese Sache. Aber irgendwie, ich weiß nicht warum, überkam mich eine schwere Depression. Was, wenn es kein Scherz wäre, fragte ich mich und überflog unwillkürlich die Morgenzeitung. Da stand es, so wie es einer unbedeutenden Person aus den unteren Schichten zukam, in einem halben Dutzend armseliger Zeilen ganz klein in einer Ecke, neben einer medizinischen Werbeanzeige:

Kurz nach fünf Uhr heute morgen wurde ein Arbeiter namens Pete Lascalle auf dem Weg zur Arbeit von einem unbekannten Täter, der entfliehen konnte, auf der . Straße im Osten erstochen. Die Polizei hat bisher noch kein Mordmotiv finden können.

„Unglaublich!“ lautete Mr. Haies Erwiderung, als ich ihm die Meldung laut vorgelesen hatte; aber offensichtlich belastete ihn das Geschehnis doch, denn am späten Nachmittag bat er mich unter vielen Selbstvorwürfen wegen seiner Dummheit, die Polizei in dieser Angelegenheit einzuschalten. Ich hatte das Vergnügen, mich im Privatbüro des zuständigen Inspektors auslachen zu lassen, obgleich ich mit der Zusicherung fortging, daß man die Sache untersuchen wolle und daß man in der Nähe der Polk Street lind Clermont Avenue in der angegebenen Nacht die Streife verdoppeln werde. Dabei blieb es, bis die zwei Wochen vergangen waren, und die folgende Nachricht uns per Post erreichte:

Mr. Eben Haie Geldbaron Kanzlei des M. C. Oktober Werter Herr!

Ihr zweites Opfer ist zum vorgesehenen Zeitpunkt getötet worden. Wir haben es nicht eilig, aber wir werden von nun an den Druck verstärken und wöchentlich töten. Um uns vor polizeilicher Einmischung zu schützen, werden wir Sie künftig erst kurz vor oder während der Tat über das Vorkommnis informieren. Im Vertrauen darauf, Sie in guter Gesundheit zu finden, verbleiben wir,

der Midas Clan

Diesmal griff Mr. Haie zur Zeitung, suchte kurz und las mir diesen Bericht vor:

Ein heimtückisches Verbrechen

Joseph Donahue, erst gestern abend zu einem Sonderstreifeneinsatz im elften Stadtbezirk abkommandiert, wurde um Mitternacht durch Kopfschuß getötet und verstarb sofort. Die Tragödie spielte sich im hellen Licht der Straßenbeleuchtung an der Ecke Polk Street und Clermont Avenue ab. Unsere Gesellschaft kann man in der Tat nicht als sicher bezeichnen, wenn die Hüter ihres Friedens öffentlich und willkürlich erschossen werden. Die Polizei ist bislang unfähig gewesen, den geringsten Anhaltspunkt zu finden. - Kaum hatte er zu Ende gelesen, traf die Polizei ein - der Inspektor persönlich und zwei seiner scharfsinnigen Detektive. Bestürzung stand in ihren Gesichtern, und es war zu sehen, daß sie ernsthaft beunruhigt waren. Obwohl es nur wenige und einfache Anhaltspunkte gab, führten wir ein langes Gespräch und gingen den Fall immer wieder durch. Als der Inspektor uns verließ, versicherte er uns zuversichtlich, daß bald alles vergessen wäre und die Meuchelmörder zur Strecke gebracht sein würden. Er hielt es für besser, zu Mr. Haies und meinem Schutz in der Zwischenzeit Wachen abzustellen und weitere ständig in der Nähe des Hauses und auf dem Gelände zu postieren.

Nachdem eine Woche verstrichen war, um ein Uhr nachmittags, erhielten wir dieses Telegramm:

Mr. Eben Haie Geldbaron Kanzlei des M. C. Oktober Werter Herr!

Mit Bedauern müssen wir feststellen, daß Sie uns völlig mißverstanden haben. Sie haben es für richtig gehalten, sich und Ihren Haushalt mit bewaffneter Bewachung zu umgeben, wahrlich als waren wir gewöhnliche Verbrecher, die vorhaben, bei Ihnen einzubrechen und Ihnen Ihre zwanzig Millionen gewaltsam zu entreißen. Glauben Sie uns, das liegt auch nicht im entferntesten in unserer Absicht.

Wenn Sie die Sache nüchtern betrachten, werden Sie wohl leicht verstehen, daß uns Ihr Leben teuer ist. Seien Sie unbesorgt. Um nichts in der Welt würden wir Ihnen etwas antun. Unsere Absicht ist es, Sie sorgsam zu behüten und vor allem Übel zu beschützen. Ihr Tod bedeutet uns nichts. Wenn es so wäre, seien Sie versichert, wir würden keinen Augenblick zögern, Sie zu vernichten. Denken Sie darüber nach, Mr. Haie. Wenn Sie uns die geforderte Summe ausgezahlt haben, wird es notwendig sein, Sparmaßnahmen einzuleiten. Schicken Sie die Wachen weg, und kürzen Sie Ihre Ausgaben.

Innerhalb von zehn Minuten nach Erhalt dieser Nachricht wird man ein Kindermädchen im Brentwood Park erdrosselt haben. Den Leichnam kann man im Gebüsch seitlich des Weges finden, der links vom Musikpavillon abzweigt.

Herzlich Ihr Midas Clan

In der nächsten Sekunde war Mr. Haie am Telefon und unterrichtete den Inspektor von dem drohenden Mord. Der Inspektor rief die Polizeinebenstelle F an und beorderte einige Männer zum Schauplatz. Fünfzehn Minuten später rief er an und informierte uns, daß man die Leiche, noch warm, am angekündigten Ort gefunden habe. An jenem Abend waren die Zeitungen voll von reißerischen Schlagzeilen über Jack den Würger, und man lamentierte über die Brutalität der Tat und die Unfähigkeit der Polizei. Wir nahmen nochmals Kontakt zum Inspektor auf, der uns bat, die Angelegenheit unter allen Umständen geheimzuhalten. Erfolg, sagte er, hinge von Verschwiegenheit ab.

Wie Du weißt, John, war Mr. Haie ein Mann aus Stahl. Er weigerte sich aufzugeben. Aber ach, John, es war furchtbar -nein, entsetzlich - , dieses schreckliche Etwas, diese blinde Macht in der Dunkelheit! Wir konnten nicht kämpfen, konnten nicht planen, konnten nichts tun, als unsere Hände in den Schoß zu legen und zu warten. Und Woche für Woche, so sicher wie die Sonne aufgeht, erreichte uns die Meldung vom Tode eines Menschen, eines Mannes oder einer Frau, die keinerlei Schuld auf sich geladen hatten, aber durch uns getötet wurden, so als hätten wir es mit eigenen Händen getan. Ein Wort von Mr. Haie, und das Gemetzel hätte ein Ende gehabt. Aber er verhärtete sein Herz und wartete: Die Falten wurden tiefer, Mund und Augen wurden verschlossener und finsterer, und sein Gesicht alterte mit jeder Stunde. Es ist sinnlos, von meinen eigenen Nöten in jener furchtbaren Zeit zu sprechen. Hier findest Du die Briefe und Telegramme des M. C, die Zeitungsberichte usw. über die verschiedenen Morde.

Du wirst auch Briefe darunter finden, die Mr. Haie vor gewissen Machenschaften von Geschäftsfeinden und geheimen Manipulationen an der Börse warnten. Der M. C. schien seine Finger am Puls der Geschäfts- und Finanzwelt zu haben. Er war im Besitz von Informationen, die er uns zuspielte und die unsere Bevollmächtigten nicht hatten erhalten können. Ein rechtzeitiger Hinweis von ihm in einem kritischen Moment bei einem gewissen Geschäftsabschluß, und Mr. Haie hatte fünf Millionen gespart. Ein andermal schickten sie uns ein Telegramm, durch das wir der fixen Idee eines Anarchisten zuvorkamen und einen Anschlag auf das Leben meines Arbeitgebers verhindern konnten. Wir ergriffen den Mann bei seinem Eintreffen und übergaben ihn der Polizei, die soviel Sprengstoff einer neuen und wirkungsvollen Sorte bei ihm fand, daß damit ein Kriegsschiff hätte versenkt werden können.

Wir machten beharrlich weiter’. Mr. Haie war zu allem entschlossen. Er zahlte dem Geheimdienst Gelder in Höhe von einhunderttausend je Woche. Die Hilfe der Agentur Pinkerton und zahlloser Privatdetekteien wurde angefordert, und dazu erschienen noch Tausende andere auf unserer Lohnliste. Überall schwirrten unsere Agenten herum, in allen möglichen Verkleidungen, in allen Schichten der Gesellschaft. Sie gingen unzähligen Hinweisen nach; Hunderte von Verdächtigen wurden eingesperrt, und des öfteren standen Tausende verdächtiger Personen unter Beobachtung, aber nicht das geringste kam ans Licht. Der M. C. änderte gelegentlich seine Benachrichtigungsmethode. Und jeder zu uns geschickte Bote wurde unverzüglich festgenommen. Aber zwangsläufig stellte sich heraus, daß es Unschuldige waren, deren Beschreibungen von den Personen, die sie für diesen Auftrag angeworben hatten, nie übereinstimmten. Am letzten Dezembertag erhielten wir diese Mitteilung: