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»Unfug Owaya gehen«, wiederholte er.

Er wollte sie begleiten. Sie lächelte, dann schüttelte sie den Kopf.

»Auraya fliegen«, erklärte sie ihm.

Er blickte zu ihr auf. »Unfug Owaya fliegen.«

Verstand er wirklich, was sie sagte? Sie konzentrierte sich auf seine Gedanken und sah eine leuchtende Mischung aus Bewunderung und Eifer. Sie versuchte, dem Tier ein Gefühl davon zu vermitteln, was es hieß, sich über den Boden zu erheben. Der Veez zitterte vor Erregung, dann quiekte er und lief über ihren Körper zu ihrer Schulter hinauf.

Ob er wirklich verstand, wusste sie nicht. Wenn sie sich ein wenig in die Luft erhob, würde er es vielleicht mit der Angst bekommen und herunterspringen. Dann würde er die Bedeutung des Wortes »fliegen« verstehen und wissen, dass er nicht mit ihr kommen konnte.

Sie trat hinaus und ließ sich langsam emporschweben. Der Veez grub seine Krallen fester in ihre Schulter, aber sie fing keine Furcht von ihm auf. Natürlich nicht, überlegte sie. Er klettert ständig Wände hinauf und huscht an der Decke entlang.

Um seine Zuversicht auf die Probe zu stellen, stieg sie höher auf. Die einzige Veränderung in seiner Stimmung war eine wachsende Spannung. Als sie unter sich die Zelte sehen konnte, bewegte sie sich langsam vorwärts. Unfug schmiegte sich an sie und genoss den Luftzug, der seinen Pelz zerzauste.

Es gefällt ihm, staunte sie. Wer hätte das gedacht? Ich hoffe nur, dass seine Vorstellung von Höhe ihm auch sagt, wann er zu hoch ist, um noch ohne Gefahr hinunterspringen zu können...

Sie hatte mittlerweile den Rand des Lagers erreicht und folgte der Wölbung eines Hügels weiter nach oben. Über der Kuppe hielt sie inne, um sich umzusehen. Dann machte sie sich auf die Suche nach Leiard.

34

Tryss betrachtete die vielen hundert Lagerfeuer unter ihm und lächelte. Aus der Ferne war es ein Leichtes, sich diesen Landgehern überlegen zu fühlen. Er und Drilli hatten am vergangenen Abend darüber gesprochen. Zum einen blickten diese Leute kaum je einmal auf. Wahrscheinlich hatten sie das bisher auch nur selten nötig gehabt. Wenn die Pentadrianer die gleiche Schwäche hatten, wäre das ein großer Vorteil bei der bevorstehenden Schlacht.

Ein weiterer Schwachpunkt der Landgeher war ihre Langsamkeit. Die Siyee konnten in ein oder zwei Stunden die Strecke zurücklegen, für die der Rest der Armee zu Fuß einen ganzen Tag benötigte. Es war schnell offenbar geworden, dass die Siyee der zirklischen Armee nicht zum Schlachtfeld/o/gen würden. Es hatte keinen Sinn, im Kreis zu fliegen, während die Landgeher über die Ebenen marschierten, daher hatte Sirri angeboten, mit den Siyee vorauszufliegen, um der Armee einen günstigen Lagerplatz für die kommende Nacht zu suchen. Juran hatte ihren Vorschlag angenommen. Es hatte keinen Grund zur Eile gegeben, daher hatten sie sich reichlich Zeit gelassen, um sich das Gelände anzusehen. Die Ebenen waren eine für sie völlig unvertraute Landschaft. Sie waren tief darüber hinweggeflogen und hatten dabei Vogelschwärme und Herden von kleinen, feinknochigen Tieren aufgeschreckt, die die Landgeher Lyrim nannten. Diese Geschöpfe boten ihnen eine hervorragende Möglichkeit, den Umgang mit Geschirr und Blasrohr zu üben. Tryss und Drilli hatten einen der vielen Jägertrupps angeführt. Am Ende des Tages hatten sie mehr Tiere erlegt, als sie essen konnten. Das restliche Fleisch hatten sie gekocht und am Abend der Landgeherarmee überlassen.

Diese Geste hatte ihnen große Beliebtheit bei der Armee eingetragen. Die Landgeher hatten ihnen mit ihren Bechern zugeprostet und ihre Weinration nach der Mahlzeit den Siyee gewidmet. Dies war auch einer dieser Bräuche, der die Siyee erheiterte. Bei einer kleinen Gruppe von Landgehern, die früh am nächsten Morgen erschienen, hatte die Jagd ihnen jedoch keine gute Meinung eingetragen. Anscheinend hatten diese Lyrim-Herden ihnen gehört. Juran hatte diesen Männern Beutel mit Metallmünzen gegeben, die die Landgeher als Geld benutzten, und als die Lyrim-Hirten wieder aufgebrochen waren, hatten sie zwar grimmig dreingeblickt, waren aber zumindest nicht mehr wütend gewesen.

Wann immer er sich unter den Landgehern bewegte, verschwanden jedoch alle Gefühle von Überlegenheit. Ihre Größe genügte, um jeden Siyee einzuschüchtern, aber wahrhaft ernüchternd war es, sie zu beobachten, wenn sie sich im Umgang mit ihren Waffen übten. Viele dieser Kämpfer waren recht überheblich. Einmal hatte einer von ihnen Tryss und einige andere Siyee offen verhöhnt. Als Auraya später von dem Zwischenfall gehört hatte, war sie sehr ärgerlich gewesen. Sie hatte ihnen erklärt, dass einige Landgeher es für unehrenhaft und feige hielten, einen Menschen aus der Ferne zu töten, statt im Kampf Mann gegen Mann. Das war auch der Grund, warum sie den Bogenschützen der Landgeher Verachtung entgegenbrachten. Aber diese Leute waren groß und stark, hatte Auraya weiter erklärt, und für sie sei der Kampf Mann gegen Mann genau das Richtige. Nur könnte die Armee nicht bloß aus großen, starken Kerlen bestehen, dann brächte man nämlich nur einen denkbar kleinen Haufen zusammen. Und ander Meinung solcher Dummköpfe sollten sich die Siyee gar nicht stören. »Tryss!«

Jäh aus seinen Gedanken aufgeschreckt, sah Tryss sich um. Sprecherin Sirri kam mit einem Aufwind auf ihn zugeflogen. Kurz darauf landete sie neben ihm auf dem Hügel.

»Der Kriegsrat wird gleich beginnen«, rief sie. »Ich möchte, dass du mich begleitest.«

»Ich?«, rief er aus.

»Ja. Ich darf wahrscheinlich einige Begleiter mitbringen, aber ich bezweifle, dass man mir gestatten würde, alle vierzehn Sprecher mitzunehmen. Ich möchte lieber keine Wahl zwischen ihnen treffen, deshalb werde ich stattdessen jemand anderen mitnehmen.«

Sein Herz raste. »Ich weiß nichts darüber, wie man einen Krieg plant!«

Sie lachte. »Ich auch nicht! Aber eines weiß ich. Du bist klug. Und du denkst anders als ich. Es hätte keinen Sinn, jemanden mitzunehmen, der genauso denkt wie ich, denn der Betreffende würde wahrscheinlich nur die gleichen Probleme sehen und die gleichen Ideen haben wie ich. Ich brauche einen Begleiter, der versteht, was ich nicht verstehe.«

»Es wäre möglich, dass ich überhaupt nichts verstehe.«

»Das bezweifle ich. Also, kommst du mit?«

Er grinste. »Ja!«

»Gut!«

Sie erhob sich in die Luft, und er folgte ihr. Gemeinsam glitten sie auf das weiße Zelt zu, wo sich eine kleine Gruppe von Landgehern versammelt hatte. Nur einer der Männer schaute nach oben und sah Tryss und Sirri näher kommen. Als sie landeten, stießen die Übrigen überraschte Rufe aus und drehten sich zu ihnen um. Der Mann, der sie bemerkt hatte, trat vor und legte eine Hand auf die Brust.

»Lanren Liedmacher«, sagte er. Dann öffnete er die Hand und deutete auf Sirri. »Die Sprecherin Sirri?«

Sirri nickte. Sie sah Tryss an und nannte seinen Namen. Der Landgeher zog die Augenbrauen hoch, dann strich er sich mit dem Finger über die Brust und machte eine Bewegung, als schieße er einen Pfeil ab. Sirri nickte abermals. Der Landgeher zeigte auf seinen Kopf und machte mit dem Daumen ein Zeichen, das ein wenig töricht wirkte, aber Zustimmung zu bedeuten schien.

Tryss lächelte und nickte, um anzudeuten, dass er verstand. Eigentlich hätte es ihm peinlich sein müssen, in der Öffentlichkeit solchermaßen gelobt zu werden, aber stattdessen empfand er nur wachsendes Unbehagen. Diese Landgeher beherrschten die Sprache der Siyee nicht, und er beherrschte ihre Sprache nicht. Wie sollte er Sirri helfen, wenn er während des Kriegsrats kein Wort verstand?

Der Mann, der sich Liedmacher nannte, drehte sich um und stellte die anderen vor. Trotz der Sprachschwierigkeiten gelang es ihm, sich verständlich zu machen. Indem er »die Sprecher« sagte und auf einen der anderen Landgeher deutete, erklärte er ihnen, dass der Betreffende ein Anführer war. Bei einigen der anwesenden Personen deutete der Landgeher zuerst auf seinen Kopf, dann auf seinen Mund, um ihnen klarzumachen, dass die jeweilige Person anwesend sei, um den Anführern Gedanken und Worte zu übermitteln.