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Andreas Wilhelm

Projekt:

Atlantis

Roman

blanvalet

Verlagsgruppe Random House

FSC-DEU-0100

1. Auflage

Taschenbuchausgabe Juli 2010 bei Blanvalet,

einem Unternehmen der Verlagsgruppe

Random House GmbH, München.

Copyright © der Originalausgabe 2009 by LIMES Verlag,

einem Unternehmen der Verlagsgruppe

Random House GmbH

Umschlaggestaltung: HildenDesign, München,

nach einer Vorlage von bürosüd°

Motiv: Getty Images/The Image Bank/Jeff Rotman NB

Herstellung: sam

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck

Scan, OCR und digitale Nachbearbeitung:

Cats&Paws Productions

Printed in Germany

ISBN: 978-3-442-37454-0

www.blanvalet.de

Buch

Projekt: Babylon und die Jagd durch die Nekropole von Sakkara sind dem ungleichen Forscherpaar Peter Lavell und Patrick Nevreux noch lebhaft in Erinnerung, da stoßen sie erneut auf Hinweise zu einer Quelle unserer Kultur – Atlantis ...

Während Patrick Nevreux auf Yucatán einen Mayacodex findet, entdeckt Peter Lavell in Alexandria ein verloren geglaubtes Schriftstück von Platon, das von Atlantis berichtet. Die Funde stehen in Verbindung, und daher machen sich die beiden Wissenschaftler auf, um in einer abenteuerlichen Expedition nordöstlich der Bahamas in mehr als 3.000 Metern Tiefe nach dem sagenumwobenen Atlantis zu suchen. Das US-Militär beobachtet jeden ihrer Schritte. Und was führen der skrupellose Schatzsucher Nuño González und die undurchsichtige Journalistin Kathleen Denver im Schilde? Trotz aller Hindernisse wagen Peter und Patrick eine gefährliche Tauchfahrt in die Tiefsee und stoßen auf eine atemberaubende Hinterlassenschaft, die alle Fragen um die rätselhaften Archive des Wissens beantworten könnte ...

Autor

Andreas Wilhelm, geboren 1971, wuchs in Südafrika, der Schweiz, Nigeria und Portugal auf. Projekt: Atlantis bildet den Abschluss seiner großen internationalen Erfolge Projekt: Babylon und Projekt: Sakkara. Andreas Wilhelm lebt mit Frau und Kindern in der Nähe von Hamburg und arbeitet derzeit an seinem vierten Roman.

Als er das Wissen um die Schreibkunst übergab, sagte Thot: »Diese Lehre, o König, wird die Ägypter weiser und gedächtnisreicher machen; denn als Hilfsmittel für Gedächtnis und Weisheit ist sie erfunden worden.«

Aber Thamus erwiderte: »O du Meister der Kunstfertigkeit, Thot: Der eine ist in der Lage, Künste hervorzubringen, der andere ist in der Lage zu beurteilen, in welchem Verhältnis sich Schaden und Nutzen für die Leute darstellen, die sie brauchen sollen. Auch du hast jetzt, als Vater der Schrift, aus Voreingenommenheit das Gegenteil von dem behauptet, was sie eigentlich vermag. Denn diese Kunst wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Gedächtnis, da die Leute sich im Vertrauen auf das Schriftstück von außen erinnern lassen – durch fremde Zeichen –, nicht von innen heraus durch Erinnerung. Also hast du nicht ein Mittel zur Kräftigung, sondern zur Stützung des Gedächtnisses erfunden. Und auch Weisheit scheinst du den Lehrlingen nur zu geben, in Wahrheit aber nicht: Wenn sie vieles ohne Belehrung gehört haben, werden sie sich auch einbilden, viel zu verstehen. Aber da sie doch größtenteils nichts verstehen und nur schwer zu ertragen sind im Umgang, werden sie zu Dünkelweisen geworden sein und nicht zu Weisen.«

Sokrates, ca. 469-399 v. Chr.

Nach Platon, »Phaidros«

Kapitel 1

Atlantik, etwa achtzig Seemeilen nördlich von Great Abaco Island, Bahamas

Donnernd schlug die erste Welle über das Deck der Juanita. Die empfindlichen elektronischen Geräte an Bord taten schon länger keinen Dienst mehr, und der Sturm um das Schiff herum wurde immer stärker. Die Scheinwerfer erhellten kaum mehr als das Vorderdeck und die aufgepeitschten Schaumkronen unmittelbar vor ihnen. Die Luft war erfüllt von Gischt und dem Regen, der über das Schiff hinwegfegte und den die Lichter in silberne Streifen verwandelten.

Als ehemaliger Trawler war die Juanita für den Hochseeeinsatz ausgelegt und hatte in der Vergangenheit schon schwerere Stürme unbeschadet überstanden. Nuño González wusste das, und seine Mannschaft musste sich dessen ebenfalls bewusst sein. Aber etwas war anders an diesem Unwetter. Eine abergläubische Unruhe hatte sich unter seinen Leuten breitgemacht, und González durfte nicht zulassen, dass sie überhandnahm. Gerade jetzt mussten sie mit höchster Präzision arbeiten, menschliches Versagen konnte er nicht tolerieren. Das Meer würde es auch nicht.

»¡Maldición, Raúl!«, herrschte er seinen Bootsmann an, der über eine Karte gebeugt war. Er riss die Karte vom Tisch und fegte mit derselben Bewegung eine Kaffeetasse durch die kleine Brücke. »Kümmere dich um die Ausrüstung! Wir haben noch hunderttausend Dollar im Wasser. Und es ist nicht dein Geld. Also an die Arbeit!«

González fluchte weiter, als Raul den Raum bereits verlassen hatte. Dann sah er durch die Fenster auf die See und beobachtete, wie sich eine weitere Welle von der Steuerbordseite her über das Deck brach. Er drehte bei, damit das Einholen der Ausrüstung vereinfacht wurde.

Seit drei Tagen kreuzten sie in diesem Gebiet und sondierten den Meeresboden. González hatte zwei Jahre damit verbracht, die letzte Fahrt der Maria Celeste von Puerto Bello über Havanna bis hierher zu rekonstruieren, wo sie im März 1612 mit ihrer Ladung von über zweihundert Tonnen Silber gesunken war. In den letzten sechs Monaten hatte er diese Suche vorbereitet und sein übrig gebliebenes Vermögen in das Schiff und die Geräte investiert. Die Mannschaft hatte er in Havanna angeheuert, eine Truppe wetterfester Männer, die ihn mit ihren technischen und handwerklichen Fähigkeiten überzeugt hatten. Es waren keine gebildeten Leute, sondern Seeleute und Arbeiter. Wer sich bei der Schatzsuche zu viele Gedanken über das Wenn und Aber machte und nicht richtig zupacken konnte, war hier fehl am Platz. González war nicht so dumm zu glauben, dass er sich deswegen nicht trotzdem um alles selbst kümmern musste. Niemand an Bord hatte so viel Erfahrung wie er, und niemand opferte hier sein Herzblut, so wie er.

Eine plötzliche Woge ließ das Schiff aufbocken, und er stolperte nach vorn. Es war noch keine Hurrikansaison, und die letzten Daten, die sie von der Wetterstation in Nassau erhalten hatten, deuteten auch nicht darauf hin, dass sich etwas zusammenbraute. Dennoch waren Wetterphänomene in diesem Gebiet keine Seltenheit, und González hatte das einkalkuliert.

Er verließ die Brücke und trat an Deck. Regen peitschte ihm ins Gesicht, und für einen Moment nahm ihm der Sturm den Atem. Er war zwar kräftig gebaut, aber er machte sich keine Illusionen darüber, dass ein ordentlicher Sturm auch ihn von den Beinen reißen konnte. Also hielt er sich an der Reling fest, während er leicht gebückt zum Heck des Trawlers ging, um nach dem Rechten zu sehen.

Er traf auf Raul und weitere drei Männer, die an einer Winde des Bockkrans hantierten. Hiermit hatte man früher die Schleppnetze eingeholt, aber nun war das Schiff für ihre Anforderungen umgerüstet worden, und sie nutzten den Kran für ihre Unterwasserausrüstung. Die Männer waren hektisch und bemerkten ihn erst, als er zwischen sie trat. Und nun sah er auch, was los war. Ein weiterer Arbeiter klemmte mit der Hand in der Winde und schrie gegen den Wind an. Das Regenwasser, das unablässig von der Armatur herablief, war dunkelrot gefärbt. Die anderen bemühten sich, seine Finger aus der Anlage zu befreien, während Raul auf der elektronischen Steuereinheit der Winde herumdrückte.