Выбрать главу

Aber das, was vor Ihnen liegt, mein Freund, ist die vollständige, dreimal längere Fassung von Platons Bericht über das Reich von Atlantis, seinen Untergang – und seine genaue Lage!«

Kapitel 4

AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Es war kurz vor acht, als Lieutenant Commander Walters sein Büro betrat. Mit einem Becher dampfenden Kaffees setzte er sich an seinen Schreibtisch, als sein Telefon klingelte.

»Walters«, meldete er sich. »Meine Tochter? Natürlich, stellen Sie sie durch!« Es klickte in der Leitung, und unwillkürlich lächelte er. »Hey, hallo Kleine! Na, das ist ja eine Überraschung! Bist du denn noch gar nicht in der Schule?« Er nippte an seinem Becher, während er zuhörte. »Oh, na, da hast du aber Glück. Nur die ersten beiden Stunden? Na ja, immerhin, oder? Dann ist der Vormittag nicht so lang... Wale sagst du? Ehrlich?... So richtig große Wale?... Oh, ich verstehe. Das tut mir aber leid... Also gut, wenn Mum das sagt, dann wird sie das auch machen... Sicher, Kleines!... Okay, dann noch viel Spaß in der Schule. Und am Wochenende bin ich wieder da, ja? Also, pass auf dich auf... Ich dich auch! Gibst du mir noch mal Mum?« Er wartete, bis seine Frau am Hörer war. »Guten Morgen, Süße! Was erzählt Sarah da? Ihr wollt euch gestrandete Wale angucken?«

Es klopfte. Als Walters aufsah, öffnete sich die Tür, und Chief Warrant Officer Parker trat ein. Ihm unterlag die Öffentlichkeitsarbeit der Militärbasis. Walters winkte ihn raus und widmete sich wieder seinem Gespräch. »Okay, aber sag ihr, sie soll nichts anfassen. Man weiß ja nie, was die für Krankheiten haben... Hör zu, ich habe jetzt einen Termin... Alles klar. Bis Freitag! Ich liebe dich!«

Er legte auf, trank von seinem Kaffee und verzog den Mund.

Es war eine furchtbare Brühe. Wale, dachte er. So ein Mist. Dann stand er mit dem Becher in der Hand auf, ging zur Tür und öffnete sie. Im Vorzimmer stand Parker und studierte einige Anschläge am Schwarzen Brett.

»Kommen Sie rein, Parker.«

Sie setzten sich an einen runden Tisch in Walters Büro. Parker trug wie zu jeder Routinebesprechung sein Notizheft bei sich, das er nun aufklappte.

»Guten Morgen, Lieutenant Commander. Ich hoffe, ich habe nicht gestört.«

»Kein Problem. Meine Familie. Also: Was liegt an?«

»Es gibt drei Angelegenheiten, über die ich Sie unterrichten muss, Sir.« Er sah auf und prüfte Walters' Reaktion. Aber der Offizier lehnte sich nur zurück und wartete. Also fuhr Parker fort. »Gestern Abend sind südlich von Jacksonville zwischen St. Augustine und Palm Coast rund zwanzig Schnabelwale gestrandet. Die Nachrichten sind voll davon, der Strand füllt sich mit Schaulustigen und Naturschützern. Und natürlich sind wir auch schon wieder in der Kritik.«

»Das mit den Walen weiß ich schon. Dumme Sache. Haben Sie geprüft, wann die letzte LFAS-Übung gewesen ist?«

Parker nickte und blätterte in seinen Notizen. »Das Niederfrequenz-Aktivsonar wurde vor drei Tagen während des Deep-Fathom-Tauchgangs eingesetzt.«

»Verdammt!« Walters rieb sein Kinn. »Wir sind erst 2005 verklagt worden. Denken Sie, dass das hier noch mal passieren kann?«

»Die Klage wurde ja glücklicherweise abgewiesen. Laut unseren Informationen und meinem Briefing aus Washington für diese Fälle liegen noch immer keine eindeutigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Sonar und solchen Massenstrandungen vor.«

»Parker, was Ihr Briefing für solche Vorfälle vorsieht, ist mir herzlich egal. Wichtig ist, was in den Nachrichten über uns erzählt wird, was die Aktivisten denken und was sie tun werden. Wird es Autopsien geben?«

»Mit ziemlicher Sicherheit ja.«

»Und was, wenn herauskommt, dass es ihre Ohren, oder was auch immer Wale so haben, zerfetzt hat? Was sagt Ihr Briefing dann?«

Parker kritzelte hektische Linien und Spiralen in sein Heft. »Das, Sir, müsste ich mit der Zentrale klären...«

»Dann tun Sie das, und zwar schnell. Ich möchte nicht, dass wir wie Idioten dastehen, weil wir erst Big Mama fragen müssen. Ich möchte alle Details wissen, auch solche mit Gedärmen und Organen, von denen ich keine Ahnung habe. Okay?«

»Ja, Sir.«

»Gut. Machen Sie weiter.«

»Die zweite Angelegenheit: Wir haben vor einer Stunde drei Leute innerhalb der Sicherheitszone aufgegriffen. Zwei Amerikaner aus Miami und einen deutschen Touristen. Angeblich waren sie gemeinsam auf Entenjagd. Ihre Ausrüstung bestätigt das auch. Es gab keine weiteren Auffälligkeiten. Sie befinden sich jetzt auf dem Gelände in Gewahrsam und warten darauf, dass sich jemand um sie kümmert.«

»Haben sie etwas gesehen?«

»Vermutlich nicht, Sir. Ihr Boot liegt an der Westküste, und sie sind querfeldein gelaufen.«

»Gut. Dann lassen Sie bloß keine Area-51-Attitüde heraushängen, so was können wir jetzt gar nicht gebrauchen. Konfiszieren Sie ihre Kameras und löschen Sie alles, was verdächtig aussieht, falls Sie so was auf den Speicherkarten finden. Dann geben Sie den dreien ein Frühstück, und führen Sie sie durch unser Labor. Zeigen Sie denen meinetwegen auch das Übungs-U-Boot, damit sie sehen, dass wir nichts zu verbergen haben. Danach eine Eskorte zurück zu ihrem Boot, und dort können sie ihre Kameras und Waffen zurückhaben.«

Parker, der die Anweisungen notierte, nickte. »Alles klar.«

»Und der dritte Punkt?«, fragte Walters und trank seinen Becher leer.

»Es geht um zwei Schiffe, denen wir kürzlich eine Freigabe für ihre Routen gegeben hatten.«

Walters zuckte mit den Schultern. Es war erforderlich, dass Schiffe, die dieses Gebiet und die angrenzenden Gewässer kreuzten oder sich längere Zeit hier aufhielten, eine Genehmigung der Navy einholten. Nur auf diese Weise konnten die unterseeischen Einsätze von AUTEC aus koordiniert und die Sicherheit auf den U-Boot-Routen gewährleistet werden. Natürlich legte die Navy ihrerseits nichts offen, aber sie konnte bei Bedarf eine Genehmigung verweigern, wenn fremde Anträge mit ihren eigenen Plänen in Konflikt gerieten. Aber diese Anträge waren Tagesgeschäft, und Walters hatte damit üblicherweise nichts zu tun.

»Na und?«

»Die beiden Boote möchten umfangreiche Forschungen unter Wasser betreiben. Sie sind gut ausgerüstet, führen ROVs und sogar kleine U-Boote an Bord. Das eine ist ein kubanisches Schiff, das andere stammt aus Woods Hole, Massachusetts, ist aber von Europäern gechartert. Uns ist aufgefallen, dass beide Boote genau in dem Gebiet forschen möchten, in dem wir vor einigen Wochen den Code fünfzig hatten. Ich dachte, das sollten Sie wissen.«

Walters hob die Augenbrauen. Da lag also der Haken. Er hatte den Weißwasser-Vorfall schon fast vergessen, froh, dass es sich lediglich um ein unbedeutendes Fischerboot gehandelt hatte, das höchstens in der Lokalpresse erwähnt werden würde. Aber Forscherteams? Noch dazu Europäer und Kubaner. Was für eine selten blöde Konstellation. Er zögerte eine Weile, aber er hatte schlicht zu wenige Informationen, um etwas endgültig zu entscheiden. Und langes Zaudern würde das auch nicht ändern.

»Wenn keine unserer geplanten Fahrten dagegenspricht, dann lassen Sie beide Anträge erst mal durch«, sagte er schließlich. »Aber ich möchte Kopien der Anträge haben. Und besorgen Sie mir weitere Informationen über alles, was nicht in den Anträgen steht. Ich möchte wissen, wo die Leute zur Schule gegangen sind, wo sie ihren letzten Urlaub verbracht haben... Das ganze Programm. Und suchen Sie am besten jetzt schon nach guten Gründen, die Leute notfalls auch ganz schnell wieder nach Hause zu schicken.«

»Ich kümmere mich darum, Sir.«

»Gut. War's das?«

»Ja, Sir.«

»Danke.« Walters stand auf, und während Parker das Büro verließ, trat er an sein Fenster und sah auf den Atlantik hinaus. Das war Murphys verdammtes Gesetz. Wenn etwas passierte, dann passierte alles auf einmal.