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Nun erschien Peter im Bild, während der Sprecher fragte: »Glauben Sie, dass es sinnvoll ist, sich mit der etablierten Wissenschaft anzulegen?«

»Ja, unbedingt«, kam Peters Antwort.

»Ist es nicht total verrückt, fast eine Million Dollar für so ein Märchen auszugeben?«

Die Kamera zeigte Patrick. »Das interessiert uns einen Dreck«, war aus seinem Mund zu hören.

Jetzt sah man den Journalisten selbst vor dem Hintergrund des Kais. Er hielt ein Mikrofon in der Hand und lächelte. »Die Zeit der Mythenjäger ist offenbar nicht vorbei. Wir dürfen gespannt sein, ob wir je wieder von diesem Projekt hören. Mein Name ist Kevin Strout für FOX News.«

Der Kapitän schaltete den Apparat aus.

»Cet enculé! Was für ein Riesenarschloch!«, rief Patrick in die Stille und stand auf. »Der hat uns die Worte in den Mund gelegt, wie es ihm gepasst hat!«

Peter nickte. »In der Tat. Eine unangenehme Sache...«

»Unangenehme Sache?! Ich habe Ihnen gleich gesagt, dass Journalisten nicht über den Weg zu trauen ist.«

»Bei allem Respekt«, sagte John, »Sie haben den Mann auch nicht sonderlich gut behandelt. Offenbar hat er es Ihnen verübelt.«

»Und jetzt sind wir auch noch selbst schuld?«, ereiferte sich Patrick.

»Ich meine nur, dass Sie möglicherweise nicht vorsichtig genug mit Ihren Äußerungen gewesen sind. Ich weiß, dass Sie in Europa offene Worte schätzen. Sie haben eine andere, direktere Art, als man es hier gewohnt ist.«

»Und das sagen Sie ausgerechnet über einen Engländer?« Patrick lachte auf. Außer in seinen wissenschaftlichen Aufsätzen und Vorträgen trug Peter üblicherweise nicht gerade sein Herz auf der Zunge.

John schüttelte den Kopf. »Sei es, wie es sei«, lenkte er ein. »Der Umgang mit der Presse ist jedenfalls sehr diffizil. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass ich einige Erfahrungen damit gesammelt habe. Falls dieser Beitrag weitere Reporter aufgescheucht haben sollte, wäre es vielleicht sinnvoll, über eine PR-Beratung nachzudenken. Auch über offizielle Pressemeldungen und Richtlinien für die externe Kommunikation und für die Crew.«

Patrick verdrehte die Augen.

»Nun, lassen Sie uns erst einmal frühstücken«, sagte John mit versöhnlichem Ton. »Wir haben einen aufregenden Tag vor uns, und Sie können ja noch darüber nachdenken.«

»Bevor wir mit dem Tauchgang beginnen«, erklärte John während des Essens, »müssen wir ein Briefing abhalten. Auch wenn es nur ein einfacher Tauchgang ist: Sie wissen selbst, wie viel jeder einzelne Tag kostet, und wir möchten jede Minute maximal nutzen. Daher werden wir uns in...«, er sah auf seine Uhr, »in zehn Minuten im Besprechungsraum mit dem Team treffen. Der Projektplan sieht keine außergewöhnlichen Gerätschaften vor, sodass ich vier Taucher, zwei Kameraleute und natürlich einen Matrosen für das Dingi eingeteilt habe. Mittags findet die erste Materialauswertung statt. Sind Sie damit einverstanden?«

»Weshalb so viele Taucher?«, fragte Peter.

»Das Wasser ist hier relativ seicht«, sagte John, »aber auch in zwölf Metern Tiefe erreichen Taucher mit Nitrox nach rund dreieinhalb Stunden die Nullzeit, und das muss hier im Grande nicht sein.«

Patrick sah Peters fragenden Blick. »Je länger und je tiefer Sie unter Wasser bleiben, umso mehr Stickstoff sammelt sich im Blut«, erläuterte er. »Ist die sogenannte Nullzeit überschritten, dürfen Sie nicht einfach an die Oberfläche, sondern müssen beim Auftauchen Zwischenstopps in verschiedenen Tiefen einlegen, damit das Gas abgearbeitet werden kann. Auch wenn man vor der Nullzeit wieder hochkommt und kurze Zeit später erneut taucht, ist noch immer Stickstoff im Blut, und der nächste Tauchgang muss entsprechend kürzer sein. Daher sollte man nach einem Tauchgang noch eine Weile aussetzen. Wenn Sie also den Meeresboden gründlich absuchen wollen, dann ist es effektiv, mit zwei Teams zu arbeiten, die nacheinander je drei Stunden unten bleiben. Jedenfalls, wenn wir ohnehin genug Leute an Bord haben.«

Peter nickte. »Gut. Ich werde meine Unterlagen zur Besprechung mitbringen. Haben Sie eine genaue Karte dieser Region?«

»Sie werden sehen«, sagte der Kapitän, »dass wir aufs Beste ausgerüstet sind. Das Team muss lediglich instruiert werden, was das Ziel der Untersuchung ist. Gemeinsam werden wir den Tauchgang dann anhand Ihrer Vorgaben planen.«

In der Mitte des Besprechungszimmers stand kein Konferenztisch, wie Peter erwartet hatte. Stattdessen fanden sich hier mehrere Stuhlreihen und ein kleines Podium vor einer großen Tafel, wie in einem Seminarraum. Auf dem Podium standen ein Pult und ein Tisch, auf dem ein aufgeklappter Laptop lag. John bat Peter zu sich nach vorn und wartete, bis sich der Raum gefüllt hatte. Es kamen nicht nur die Taucher, auch die anderen Mitarbeiter, die Techniker, Piloten und wissenschaftlichen Mitarbeiter der Argo waren zum Treffen gebeten worden. Peter zählte im Ganzen rund zwanzig Leute.

»Guten Morgen, Leute. Das ist Professor Lavell, einige von euch haben ihn gestern schon kennengelernt, und dies«, der Kapitän wies auf den Franzosen, der in der ersten Reihe saß, »ist Patrick Nevreux, sein Partner. Sie sind unsere Auftraggeber und Leiter des Projekts. Wie üblich ist also ihren Anweisungen Folge zu leisten, ihre Fragen sind zu beantworten, und jeder an Bord ist verpflichtet, sie in diesem Projekt aufs Äußerste zu unterstützen.« Es war eine Selbstverständlichkeit, aber John wiederholte es bei jedem Projekt, um an ihre Verantwortung als Dienstleister zu erinnern und auch, damit sich die Kunden gut aufgehoben fühlten. »Wie ihr wisst, sind wir nicht zum Schnorcheln hergekommen. Die eigentliche Forschungsstelle werden wir erst in zwei Tagen erreichen, nachdem wir in Nassau Zwischenstopp gemacht haben. Heute ist unser Aufwärmtag. Professor Lavell hat genaue Vorstellungen davon, weshalb wir an dieser Stelle liegen und was wir hier tun. Wir werden heute zwei Tauchgänge unternehmen, unterbrochen von einer Materialsichtung mittags. Gegen siebzehn Uhr legen wir ab Richtung Bahamas. Professor Lavell, wollen Sie kurz erklären, um was es geht?«

Peter hatte die Gesichter der Mannschaft studiert. Bis auf einige wenige waren es junge Leute in den Zwanzigern oder Dreißigern. Im ersten Augenblick hatte Peter gezögert, ob es richtig war, ein so wichtiges Vorhaben in die Hände dieser in T-Shirts und Jeans gekleideten Männer und Frauen zu legen.

Andererseits waren sie nicht ohne Grund auf diesem Schiff. Es mussten Profis auf ihrem Gebiet sein, und die disziplinierte Weise, in der sie erschienen waren und den einleitenden Worten zuhörten, empfand er als sehr zufriedenstellend. Er war zwar Kunde, aber letztlich war er auf sie angewiesen, und sie würden in der Kürze der Zeit reibungslos zusammenarbeiten müssen. Er entschied sich, ihnen einen Vertrauensvorschuss zu geben.

»Guten Morgen«, sagte er. »Ich danke Ihnen für Ihr Kommen. Es scheint mir unangenehm genug, dass ich vermutlich zehnmal so alt bin wie Sie alle zusammen. Fangen wir also am besten damit an, dass wir den ›Professor‹ weglassen und Sie mich Peter nennen. Und ich bin sicher, dass mein Kollege nichts dagegen hat, wenn Sie Patrick zu ihm sagen.«

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft wurde spürbar entspannter.

»Warum sind wir hier? Nun, ich bin sicher, dass der ein oder andere von Ihnen schon einmal von der ›Bimini-Straße‹ gehört hat. Es handelt sich dabei um eine ungewöhnliche Gesteinsformation, die man in diesen Gewässern gefunden hat. In zehn bis zwölf Metern Tiefe, also durchaus von einem niedrig fliegenden Flugzeug aus zu sehen, zieht sich etwas, das wie eine Straße aussieht, über den Meeresboden.«