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»Ich tauche mit«, sagte er unvermittelt.

»Wie bitte?« Der Kapitän sah ihn fragend an, und die Crew drehte sich geschlossen zu ihm herum.

»Sie können nicht mittauchen!«, sagte Peter.

»Klar kann ich. Ich habe seit zehn Jahren einen Tauchschein und rund vierzig Tauchgänge im Log. Und Strömungstauchen habe ich im Mittelmeer auch schon gemacht. Einen zusätzlichen Anzug werden Sie wohl noch an Bord haben, oder?«

»Ich halte das wirklich für keine gute Idee«, wiederholte der Professor. »Ich benötige Sie im Projekt. Was, wenn Ihnen etwas zustößt?«

»Was soll denn schon passieren? Zwölf Meter ist eine Kleinigkeit. Außerdem tauche ich ja nicht allein.«

»Von mir aus ist es kein Problem«, sagte Keith, einer der Taucher. »Wir können auf ihn aufpassen. Und zu dritt decken wir das Gebiet sogar noch viel besser ab.«

John zuckte mit den Schultern. »Ich habe auch keine Einwände. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie Ihr Logbuch dabei haben, aber wenn Sie versichern, ausreichend Taucherfahrung zu haben...« Sein Blick wanderte zu Peter. »Sie beide entscheiden das selbst.«

Peter, der gehofft hatte, dass der Kapitän Einwände haben würde, hob nur die Hände in einer Geste der Resignation.

Das Dingi war weit mehr als ein schlichtes Beiboot. Es war ein regelrechtes Tauchboot, auf dem sechs Personen mitsamt ihrer Ausrüstung Platz hatten. Sie hatten die Neoprenanzüge schon an Bord der Argo angezogen. Jeder Taucher brachte eine Box mit, in der sich Flossen, Maske, Bleigürtel, Lungenautomat und Tarierweste befanden, die Flaschen wurden von Helfern auf das Boot getragen. Für Patrick hatte man eine Ausrüstung zusammengestellt und ihm reguläre Pressluft in die Flaschen gefüllt, da er sich mit Nitrox nicht auskannte.

Das Tauchboot hatte die Position schnell erreicht, und Chad warf den Anker. Keith gab Patrick eine kurze Einweisung in den Tauchcomputer, den er ihm ans Handgelenk band. Das Prinzip war Patrick klar, aber die Bedienung änderte sich alle paar Jahre und von Modell zu Modell.

Dann stand Susan in vollständiger Montur vor ihm und drückte ihm ein kleines Päckchen von der Größe einer Zigarettenschachtel in die Hand.

»Eine Oberflächenboje«, erklärte sie. »Wenn du früher hochkommst, bläst du sie mit der Luftdusche auf. Damit Chad dich findet, okay?«

»Alles klar.« Er befestigte das Päckchen an seiner Weste.

Sie ging um ihn herum. »Tut mir ja wirklich leid, aber so schlank wie du früher vielleicht mal warst, bist du nicht mehr.« Sie rüttelte an seinem Bleigürtel. »Zieh den noch mal aus.«

»Wie bitte?!«

»Du hast mindestens zwei, wahrscheinlich sogar vier Kilo Blei zu wenig dran. Das ist außerdem kein Shorty, den du da trägst, der hat einen ziemlichen Auftrieb. Kann mir nicht denken, dass du die ganze Zeit mit Tarieren beschäftigt sein willst.«

Patrick fiel keine schlagfertige Erwiderung ein. Stattdessen zuckte er mit den Schultern, fügte zwei Gewichte hinzu und zog den Gürtel erneut an. Wie selbstverständlich half sie ihm beim Anlegen der Weste mit der Flasche und prüfte alle Anschlüsse. Dann wandte sie sich an die anderen. »Seid ihr alle so weit?«

Nacheinander ließen die vier sich rückwärts über den Rand des Bootes ins Wasser kippen. Sie warteten aufeinander, prüften ein letztes Mal den Sitz von Maske und Schnorchel und tauchten ab.

Die erfahrenen Taucher sanken schnell hinab. Patrick, dessen letzter Tauchgang schon länger zurücklag, ließ die Luft nur langsam aus seiner Tarierweste. Der Druck auf seinen Ohren nahm rasch zu, der Druckausgleich, der bei den anderen Routine war, gelang ihm nicht so zügig, und so dauerte es eine Weile, bis er bei ihnen auf dem Grund ankam. Auf dem letzten Meter war er allerdings zu schnell und kam sich etwas unbeholfen vor, als er mit den Flossen eine Sandwolke aufwirbelte. Sie mussten ihn für einen plumpen Anfänger halten, überlegte er, was nicht furchtbar weit von der Wahrheit entfernt war. Tauchen war keineswegs eine Sache, die man einmal lernte und dann konnte, man musste in ständiger Übung bleiben, musste Routine darin entwickeln, ohne unaufmerksam zu werden. Anders als bei einem Waldspaziergang konnte hier schließlich deutlich mehr schiefgehen.

Der Tauchcomputer zeigte elf Meter Tiefe an. Selbst für einen Hobbytaucher eigentlich kein Problem. Das Wasser war fast klar, die Sicht gut. Patrick spürte die Strömung, als er sich einige Handbreit über dem Meeresboden in einen Schwebezustand tariert hatte und dabei langsam abdriftete. Keith und Mario schwammen bereits geradeaus auf eine dunkle Formation zu. Susan wartete. Mit dem Okay-Zeichen fragte sie Patrick, ob er bereit sei. Er erwiderte das Handzeichen, dann setzten sie sich ebenfalls in Bewegung.

Erst jetzt fand Patrick Gelegenheit, sich auf seine Umgebung zu konzentrieren. Er spürte die Stille des Meeres, die Ruhe des sanften Schwebens. Das Sprudeln der Luftblasen im Rhythmus seines Atems, der gleichmäßiger wurde. Den Boden bedeckten heller Sand und vereinzelte Gesteinsbrocken, in kleinen Flecken wuchs Seegras. Barben wühlten mit ihren Barteln den Sandboden auf, andere Fische nagten an Steinen und Korallen. Keines der Meereslebewesen ließ sich stören, als die Taucher sich langsam über sie hinwegbewegten.

Nach wenigen Augenblicken hatten sie die Formation erreicht. Die plötzliche Ansammlung von Gesteinsbrocken war sofort auffällig. Und nicht nur aus der Luft, auch von hier unten war zu erkennen, wie sich die Blöcke in einer geraden Linie fortsetzten, jedenfalls noch mindestens fünfzig oder sechzig Meter, bis sich die Sicht in einem blauen Dunst verlor. Die Taucher verteilten sich über die Breite der Straße und gingen etwas tiefer, sodass sie sich mit den Handschuhen an den Steinen festhalten konnten.

Patrick spürte einen schmerzhaften Druck in den Ohren und musste erneut einen Druckausgleich vornehmen. Er sah auf seinen Tauchcomputer. Zwölfeinhalb Meter.

Die Steine waren mit Sedimenten überlagert, ragten nur zu einem Teil aus dem Meeresboden auf und waren überwuchert mit Korallen, Seepocken und Algen. Die Form der Steine war häufig nicht auf Anhieb auszumachen, und erst, wenn er zwei Meter höher stieg, ließ sich erkennen, dass einige davon nahezu rechte Winkel aufwiesen.

Patrick ging näher heran und untersuchte die Steine. Nur an wenigen Stellen lagen Kanten oder Teile der Oberfläche frei. Mit seinem Tauchermesser kratzte er daran, um die Beschaffenheit zu untersuchen. Ohne einen Brocken davon aus dem Wasser zu holen und aufzubrechen, war das Gestein nahezu unmöglich zu bestimmen. Es wirkte nicht wie verhärtetes Sediment, aber das mochte täuschen.

Er sah auf, als er ein metallenes Klacken hörte. Es war Susan, einige Meter entfernt, die eine kleine Kugel gegen ihre Flasche schlagen ließ, um die anderen Taucher auf sich aufmerksam zu machen. Sie schwebte etwas höher im Wasser, deutete hinter sich und machte ein Handzeichen. Patrick wusste, was es bedeutete: Ein Hai!

Die Taucher nahmen sich ein Beispiel an Susan, die trotz der Gefahr ruhig blieb und sich behutsam umdrehte, sodass sie beobachten konnte, was sich ihnen näherte.

An Susans Drehung erkannte Patrick, dass der Hai offenbar einen Bogen geschwommen hatte und sich nun auf seiner Seite näherte. Er wandte sich um.

Nicht einer, sondern gleich drei Haie steuerten mit elegant schlängelnden Bewegungen auf ihn zu. Die Entfernung und ihre Größe waren gegen das offene Wasser schwer zu schätzen.

Haie waren neugierig. Denkbar, dass sie nur sehen wollten, welche Wesen hier in ihr Gebiet eindrangen. Dass sie derart ohne Scheu waren, konnte ein schlechtes Zeichen sein, denn vielleicht waren sie auf der Jagd. Patrick bemerkte, wie sein Atem schneller ging, doch er bemühte sich, trotz seines klopfenden Herzens weiter gleichmäßig und tief zu atmen.

Dann senkten sie sich, näherten sich den Steinen, schwammen direkt über sie, und Patrick erkannte endlich, dass sie nicht länger als eineinhalb Meter waren. Ihre Form war selbst für einen Laien eindeutig, es handelte sich um Ammenhaie, eine friedfertige Art, die sich nicht um Taucher kümmerte. Sie schwammen in zwei Metern Entfernung an Patrick vorbei. Er sah zu Susan. Sie nickte, beschrieb mit den beiden Zeigefingern die Form eines lachenden Mundes und machte dann das Okay-Zeichen. Ganz offenbar freute sie sich über die Begegnung und wollte wissen, ob es Patrick auch so ging. Er erwiderte das Signal. Aber der erste Schreck hatte trotzdem gesessen.