»Nur, dass es in unserem Projekt zum ersten Mal offiziell eingesetzt wird. Dann ein bisschen etwas über mehr Platz, mehr Fenster und solche Sachen.«
Sie traten an Deck und gingen zum hinteren Teil des Schiffes. »Das stimmt. Aber es gibt noch unendlich viele andere Details. Es ist eine komplette Neuentwicklung.«
Vor ihnen ragte der übergroße blaue Rahmen auf, der der Argo als Lastkran diente. Er ließ sich weit über das Heck des Schiffs hinaus nach außen klappen, sodass mit ihm die Roboter und das U-Boot abgesenkt, emporgezogen und wieder an Bord gehievt werden konnten.
Vom Erfassungsbereich des Krans führten in den Boden eingelassene Schienen zu einer Art kleinem Hangar, den Susan nun ansteuerte. Ein Mitarbeiter der Besatzung sah sie kommen und kam heraus.
»Darf ich vorstellen? Das ist Dick«, sagte sie.
Es war ein junger Mann, der seine Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Er schob seine Nickelbrille zurecht, wischte sich die rechte Hand an der Jeans ab und reichte sie dann dem Franzosen. »Eigentlich heiße ich Richard.«
»Er ist der verantwortliche Techniker und Pilot von Alvin II. Dick, kannst du Patrick ein bisschen was zeigen?« Sie klopfte ihm lächelnd auf die Schulter. »Die übliche Angeber-Tour vielleicht? Aber nicht ganz so viel dummes Zeug erzählen, Patrick kennt sich auch ein bisschen aus.«
»Habe ich jemals dummes Zeug erzählt?« Er lachte auf. Dann wandte er sich an den Franzosen. »Sie wollen den ganzen Stolz der WHOI sehen? Dann sind Sie hier genau richtig! Kommen Sie mit!«
Sie folgten ihm in den Raum, der wie eine übergroße Garage aussah. Richard schaltete die Deckenbeleuchtung an, die ein Szenario ausleuchtete, das aus einem Science-Fiction-Film entsprungen zu sein schien. An den Wänden reihten sich Werkbänke, Computer und Kontrollgeräte aneinander. Im Zentrum des Raums stand, auf einem stählernen Schlitten und umgeben von Schläuchen und Kabeln, Alvin II. Das weiß lackierte Unterseeboot erinnerte an einen Spielzeugfisch von der Größe eines Minivans. Eine Anzahl von Scheinwerfern und drei nach vorn gerichtete Bullaugen bildeten die Front, unter der zwei Greifarme wie die zusammengeklappten Fänge einer Gottesanbeterin angebracht waren. Die Seiten des Boots waren mehr oder weniger eben. Eine Schwanzflosse und eine rote Rückenflosse auf der Oberseite rundeten das Bild eines stählernen Fisches ab.
Dick hieb mit der flachen Hand auf die Außenwand.
»Titan. Muss auch was aushalten. Das Baby geht bis auf sechseinhalbtausend Meter runter. Da unten gibt's einen unvorstellbaren Druck. Wollen Sie mal schätzen?«
»Na ja, es werden rund sechshundertfünfzig Bar sein«, gab Patrick zurück.
Dick hob eine Augenbraue und stockte einen Moment. »Ja! Ganz genau!«, sagte er dann. »Sechshundertfünfzig Bar. Also sechshundertfünfzig Kilo Gewicht auf jeder Fläche so groß wie Ihr Daumennagel. Das sind auf jedem Quadratmeter sechstausendfünfhundert Tonnen Druck, so viel wie sechzehn voll beladene Jumbo Jets.« Er legte die ausgestreckten Arme auf das Metall. »Auf so einer Fläche. Sechzehn Boeing 747. Unvorstellbar, oder?« Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern sprach weiter. »Die eigentliche Tauchkapsel ist natürlich viel kleiner. Sie befindet sich hier, im vorderen Teil, und ist wie eine vollkommene Kugel geformt, um dem Druck besser standzuhalten. Sie transportiert zwei Wissenschaftler und einen Piloten. Also mich.« Er grinste. »Außerdem können wir extern noch rund zweihundert Kilo schleppen.« Er ging um das Boot herum. »Alvin hatte nur drei Fenster. Das neue Modell hat neben den vorderen Bullaugen zusätzlich noch je eines an der Seite mit einem Extrascheinwerfer. Damit haben wir fast eine Rundumsicht. Was gibt es noch... Diverse Kameras, gyroskopgesteuerte Thruster für die Stabilisierung und Bewegung in alle Richtungen, sogar seitlich. Messfühler für Temperatur und Leitfähigkeit des Wassers, Salzgehaltberechnung und so weiter.«
»Nicht übel«, sagte Patrick. »Wie schnell kommt man damit runter?«
»Fast fünfzig Meter pro Minute. Das ist ziemlich schnell.
Aber bis dorthin, wo Sie hinwollen, wird's trotzdem eine oder anderthalb Stunden dauern.«
»Und wie lange reicht die Luft?«
»Bei drei Personen, und wenn man da drin keinen Sport treibt, so etwa achtzig Stunden. Luft ist das kleinste Problem. Eher wird der Strom knapp. Die Batterien reichen aber für etwa zehn Stunden. Oder knapp sechs Stunden Arbeiten am Grund.«
Patrick nickte. Ein faszinierendes Gerät. Er brannte darauf, sich den Innenraum anzusehen, aber Susan fasste ihn an der Schulter.
»Das Mittagessen ist fertig. Wir sollten zusehen, dass wir zurückgehen.«
»Okay«, sagte er. »Danke, Dick. Vielleicht komme ich noch mal vorbei.«
»Aber klar doch, jederzeit.«
Sie fanden Peter gemeinsam mit dem Kapitän und einigen anderen Crewmitgliedern bereits beim Essen vor und setzten sich dazu.
»Ah, Patrick!« Der Engländer sah auf. »Wir haben Ergebnisse von den Geologen.«
»Das scheint ein wirklich gutes Team hier an Bord zu sein«, sagte Patrick. »Ich habe mir vorhin das U-Boot angesehen und bin ziemlich beeindruckt.«
»Dann wird Sie sicherlich auch erfreuen, was die Analysen ergeben haben.« Peter schob eine kleine Box über den Tisch. Als Patrick sie öffnete, fand er darin auf einer Schicht aus Watte eine dünn geschnittene und geschliffene Gesteinsscheibe vor. Er hob sie behutsam heraus und betrachtete sie.
»Das ist Granit«, sagte er dann.
»Sehr richtig«, bestätigte Peter. »Granit. Ein magmatisches Gestein, wie man mir erklärte. In jedem Fall einige Millionen Jahre alt und keinesfalls Sediment, das sich aus Sand und Ablagerungen gebildet hat. Granitblöcke brechen auch nicht von ganz allein in viele rechteckige Formen, die sich ordentlich nebeneinander legen.«
»Klingt ganz nach dem Beleg, den Sie gesucht haben.«
»Ja. Es scheint nun mehr als unwahrscheinlich, dass die Bimini-Formation natürlichen Ursprungs ist.«
»Und die Löcher?«
»Ich habe mit John bereits besprochen, dass sich das zweite Tauchteam nach dem Essen ausschließlich um diese Löcher kümmern soll. Das heißt, präzise vermessen, Nahaufnahmen, und wenn es geht, noch mehr davon suchen, damit wir uns einen Überblick über die Anordnung verschaffen können.«
Patrick nickte und füllte seinen Teller mit einigen Fleischstücken, die auf einem großen Tablett in der Mitte des Tisches lagen. »Und eine Datierung?«
»Bisher noch nichts. Wir können nur vermuten. Vor fünftausend Jahren lag der Meeresspiegel einige Meter tiefer, so viel ist bekannt, und vor fünfzehntausend Jahren, in der Endphase der letzten Eiszeit waren es dreißig Meter und mehr. Irgendwann innerhalb dieses Zeitraums hätten die Steine aus dem Wasser geragt. Vielleicht ist aber auch der Boden an dieser Stelle abgesackt, und es ist noch gar nicht so lange her. Das alles ist unklar und sagt uns auch nicht, wann die Konstruktion tatsächlich errichtet wurde.«
»Wenn die Taucher organisches Material aus der Bauzeit fänden«, sagte Patrick zwischen zwei Bissen, »dann könnten wir eine C14-Bestimmung vornehmen. Altes Holz, Kohle oder Lehm tief zwischen den Steinen, das würde helfen.«
»Ja, ich habe das schon angeregt, bezweifle aber, dass wir in der kurzen Zeit so viel Glück haben werden.«
»Wenn es stimmt, was Sie über die Straße vermuten, wäre das allein ein eigenes Projekt wert. Eine menschliche Konstruktion, eine Befestigung, eine Kaianlage, oder was auch immer es einmal war, hier draußen, aus einer Zeit, lange vor den Maya und den ganzen Jungs.« Er nickte anerkennend.
»Wohl wahr«, sagte Peter. »Und es würde dennoch verblassen, wenn wir das wirkliche Ziel unserer Suche fänden!«
Das Tageslicht hatte bereits eine rotgoldene Färbung angenommen, als die Argo am späten Nachmittag den Anker lichtete.