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Oben angekommen sagte Lance: »Fluid Lounge VIP welcomes Jeff and Sheryl! Der Abend gehört euch, Leute!«

»Danke, Mann«, sagte Jeff und beobachtete argwöhnisch, wie Sheryl dem DJ einen Kuss auf die Wange drückte.

»Oh, aber die Drinks müsst ihr hier lassen.« Lance streckte die Hände nach ihren Gläsern aus. »Sind zwei verschiedene Bars, wisst ihr. Aber betrachtet es als kleine Bezahlung für den Einlass. Außerdem: Oben gibt's noch viel feinere Sachen.«

Jeff sah Sheryl fragend an. Sie zuckte nur mit den Schultern und händigte ihren Cocktail dem DJ aus. Jeff nahm von seinem noch einen Schluck, leerte ihn dabei fast bis zur Hälfte und gab sein Glas dann auch ab.

Kaum war die Tür hinter ihnen geschlossen, änderte sich der Lärmpegel schlagartig. Die treibenden Tanzrhythmen waren verstummt, und an ihre Stelle trat eine entspannende Mischung, wie Jeff sie bisher noch nicht gehört hatte.

»Wow, Baby, sieh dir das an!«, entfuhr es Sheryl.

Das Ambiente war gedämpft, die Wände weiß, die Möbel schwarz und die Lichter in tiefem Blau gehalten. Gerade einmal zwei Dutzend Menschen saßen in mehreren großen und kleinen Sitzecken verteilt, nur zwei Paare sah man in langsamen tanzenden Bewegungen versunken. Der Fußboden war stellenweise aus Glas und gab den Blick auf den überfüllten Club darunter frei.

Sheryl deutete auf eine freie Ecke, ging hinüber und ließ sich auf ein Ledersofa hinter einem niedrigen Tisch sinken. Dann klopfte sie auf den Platz neben sich und lächelte Jeff zu. Es war dieses zauberhafte Lächeln, das ihn auf der Stelle eingefangen hatte, als er sie das erste Mal in der Biologie-Klasse gesehen hatte. Gott, wie er sie liebte!

Er setzte sich neben sie, schlang seinen Arm um ihre Schultern und wollte sie gerade küssen.

»Willkommen«, ertönte eine Stimme. Als Jeff aufsah, stand eine schwarz gekleidete Bedienung vor ihrem Tisch, die so sagenhaft perfekt aussah, als wäre sie gerade einem Miss Bahamas Contest entsprungen. »Mein Name ist Cindy. Was kann ich euch bringen? Oder möchtet ihr erst eine Karte?«

»Äh, die Karte«, sagte Jeff etwas kurz angebunden. Irgendwie ging ihm alles zu schnell. Mit drei Martinis und einem halben Sex on the Beach im Blut war ein solches Übermaß an Style schwer einzuordnen.

Die dunkelhäutige Schönheit händigte ihm eine Karte aus und verschwand genauso geräuschlos, wie sie gekommen war.

Jeff hatte Schwierigkeiten, die kleinen Buchstaben im Dämmerlicht zu erkennen. »Sechzig Dollar für eine Flasche Rotwein?!«, stieß er schließlich aus.

»Das ist ja auch kein einfacher Club, sondern eine VIP-Lounge«, sagte Sheryl.

»Ja, aber sechzig Dollar? Oder hier: Eine Flasche Absolut für über einhundertdreißig! Außerdem: Wer trinkt denn davon eine ganze Flasche? Haben die keine einfachen Drinks? Oder ein Bier?«

»Ach, komm schon, Baby. Heute ist eine ganz besondere Nacht. Hm?«

Jeff überschlug seine Finanzen. Knapp einhundert Dollar sollten noch übrig sein. Aber er musste auch noch das Taxi zahlen. Ach scheiß drauf, dachte er schließlich. Heute war tatsächlich eine besondere Nacht. Wer konnte wissen, wann sie so schnell wieder in eine VIP-Lounge kommen würden.

Sie orderten eine Flasche Rotwein. Dann sprachen sie über seine bevorstehende Reise, tanzten eine Weile und redeten über ihre Pläne nach seiner Rückkehr, und als Jeff das nächste Mal auf die Uhr sah, war es bereits zwei Uhr morgens. Um halb acht würden sie aufstehen müssen. Der Rotwein war leer, ihre Bewegungen beschwingt. Ihre Füße schienen den Boden kaum zu berühren, als sie die blaue Zauberwelt der Lounge verließen und schließlich auf die Straße traten.

Die schwüle Hitze der tropischen Nacht empfing sie mit einem dumpfen Schlag.

Einen Augenblick lang blieben sie vor dem Club stehen, atmeten tief ein, lachten, hielten sich aneinander fest und versuchten, sich auf einem wackeligen Grat zwischen Albernheit und Selbstbeherrschung zu orientieren.

Jeff küsste Sheryl auf den Mund.

Dann lachte er wieder auf und taumelte zwei Schritte zurück.

»Was für eine perfekte Nacht! Und ich liebe dich so!« Er streckte seine Arme in die Luft und rief in die Nacht: »Hört ihr? Ich liebe sie!«

Sheryl grinste.

Und plötzlich brach die Nacht in sich zusammen.

Sie hörte die schrille Hupe eines Autos, viel lauter, als es sein sollte. Dann leuchtete Jeff auf. Wie ein Engel strahlte er, mitten auf der Straße, die Arme wie Flügel ausgebreitet. Das war das Bild, das sich in ihr Gedächtnis einbrannte. Dann folgte der Knall. Dieser unbeschreibliche Knall, der alles zerriss, der Jeff zerriss.

An Bord der Argo, im Hafen von Nassau, Bahamas

»Guten Morgen, Peter!« Patrick hatte den Professor entdeckt, als dieser gerade auf dem Weg zum Aufenthaltsraum war. »Wo wollen Sie hin?«

»Nun, zum Frühstück. Sagen Sie nicht, dass Sie schon fertig sind. Dass der Koch heute schon eine Stunde früher angefangen haben sollte, könnte ich noch glauben, nicht aber, dass Sie schon um diese Uhrzeit gegessen haben.« Peter grinste breit. »Oder ist es die Seeluft? Gestern haben Sie mich auch schon überrascht.«

»Nichts von alledem. Aber Ihnen ist sicher nicht entgangen, dass wir heute Nacht vor Anker gegangen sind. Wir liegen in Nassau! Die Bahamas, ich bitte Sie! Und da wollen Sie sich vom Smutje ein gekochtes Ei servieren lassen? Nichts da, mein Freund. Wir essen natürlich an Land!«

»Wissen Sie denn, wo es hier etwas gibt?«

»Vertrauen Sie meiner Nase.«

Peter zögerte. »Gut«, sagt er schließlich. »Dann werde ich mich noch umziehen.«

Patrick winkte ab. »Ach was, nun kommen Sie schon. Sie sehen tadellos aus.«

Widerstrebend folgte der Professor dem Franzosen. Als sie die Gangway hinuntergingen, sahen sie eine Gruppe von Menschen, die sich dort aufhielten. Sie diskutierten mit zwei Mitgliedern der Besatzung, die den Zugang zum Schiff blockierten. Als Peter und Patrick bemerkt wurden, wandte sich ihnen alle Aufmerksamkeit zu, und ein Durcheinander von Rufen erschallte.

»Haben Sie Atlantis gefunden?«

»NNRX FM Radio, haben Sie Zeit für ein Interview?«

»Ein Foto, Professor Lavell.«

»Glauben Sie, dass die Sintflut der Bibel eine Lüge ist?«

»Coast to Coast AM, geben Sie uns einen Termin!«

Einen Augenblick lang standen die beiden wie gelähmt vor der Horde von Journalisten. Patrick verdrehte die Augen, Peter schüttelte den Kopf.

»Wir geben keine Interviews«, sagte der Franzose dann und hob die Hände. »Lasst uns durch.«

Die beiden Crewmitglieder drängten die Reporter zurück, während Patrick sich an ihnen vorbeiquetschte.

»Rufen Sie mich an, Professor Lavell«, rief einer und steckte Peter eine Visitenkarte in dessen Brusttasche.

»Griffel weg!«, rief Patrick und schlug den Arm des Mannes beiseite. »Habt ihr nicht verstanden? Es gibt keine Kommentare von uns.«

Die Journalisten rückten ein Stück ab, offenbar überrascht vom Ausbruch des Franzosen. Augenblicklich fragte sich Peter, ob Patricks Haltung nicht vielleicht kontraproduktiv war. Für den Moment wirkte es allerdings. Ein paar Spiegelreflexverschlüsse klackten noch, dann hatten sie die Reporter hinter sich gelassen.

»Goodness«, sagte Peter, »Die wird man wohl nicht so einfach los. Wer hätte gedacht, dass man sich in Amerika so für wissenschaftliche Untersuchungen begeistern würde?«

»Wissenschaftliche Untersuchungen?«, echote Patrick. »Mein Bester, Sie suchen hier nach Atlantis! Verstehen Sie nicht, was das heißt?«

»Sicher, es wäre eine archäologische Sensation...«

»Unsinn, archäologische Sensation. Die meisten der Leute wissen doch noch nicht einmal, wie man das schreibt! Und wenn die Platon hören, denken sie vielleicht, das sei ein europäischer Kriegsfilm. Den gutgläubigen Massen hier ist an Wundern gelegen, an Sensationen, an Show, an Märchen und Hollywood-Blockbustern. Atlantis! Was könnte ein größeres Spektakel sein? Das übertrifft Disneyland, Schwarzenegger und jeden Fernsehprediger. Die Leute stehen auf so was. Und diejenigen, die etwas intelligenter sind, wittern hinter der Story so was wie eine neue Daseinsberechtigung für das Land, eine Art noble Abstammung. Muss doch ganz schön demütigend sein zu wissen, dass das eigene Land von Europäern und Einwanderern aufgebaut wurde und gerade einmal ein paar hundert Jahre alt ist. Diese verkrampfte Ausrichtung auf Fortschritt, der wahnhafte Expansionsdrang, das Aufspielen als Weltpolizei und dabei die verzweifelte Suche nach kulturellen Wurzeln, das alles kommt doch nicht von irgendwo her.«