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Als sie sich nach dem Essen zurücklehnten, fragte Patrick: »Was hatte Ihnen der Typ da vorhin eigentlich zugesteckt?«

Peter griff sich an die Brusttasche und holte eine Visitenkarte hervor.

»Jeremiah Carpenter«, las er vor. »Ein Redakteur von Coast to Coast AM, scheint eine Radiosendung zu sein.«

»Nie gehört.«

Peter reichte die Karte seinem Kollegen. »Ich frage mich inzwischen, ob es nicht tatsächlich sinnvoll wäre, die Medien einzubinden. Oder ihnen zumindest Informationen zu geben. Mitzuspielen.«

»Wozu sollte das gut sein?«

»Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Aber vermutlich ist es nicht vorteilhaft, die Medien gegen sich zu haben, was wir durch allzu rüdes Verhalten möglicherweise provozieren.«

»Ja, ja, schon verstanden. Na und? Schieben Sie's dem Franzosen in die Schuhe. Macht mir nichts aus.«

»Nun, aber mir macht es etwas aus, mit Verlaub. Sie wissen selbst, dass das Projekt alle Bedingungen erfüllt, um einen Forscher bis zu seinem Lebensende lächerlich zu machen. Vielleicht wäre es da angebracht, zumindest die Berichterstattung – die wir ganz offenbar nicht verhindern können – ein wenig zu unseren Gunsten zu beeinflussen.«

»Und Sie denken, das klappt, indem Sie den Geiern ein paar Brocken hinwerfen. Ein Interview hier, ein paar Fotos dort, und alles wird gut?«

»Ich würde nicht zögern, wenn es so wäre. Wir haben beide keine Erfahrung im Umgang mit der Presse. Dennoch überlege ich, ob an dem Angebot dieser Kathleen Denver nicht etwas dran war.«

»Sie hat Ihnen gefallen, was?« Patrick grinste. »Sie alter Fuchs.«

»Sie sollten nicht so schnell von sich auf andere schließen, Patrick.«

»Sie war mir viel zu alt.«

»Aber wenn sie Mitte zwanzig gewesen wäre, hätten Sie sie vermutlich schon angerufen.«

Patrick zuckte scheinheilig mit den Schultern. »Ich weiß gar nicht, wie Sie darauf kommen.«

»Wie dem auch sei. Jedenfalls stimme ich unserem Kapitän zu, wenn er sagt, dass wir uns Gedanken über unseren Umgang mit der Presse machen sollten. Und eine offizielle Berichterstattung hätte einen weiteren Vorteiclass="underline" Was auch immer uns zustößt, auf welche Schwierigkeiten wir auch stoßen mögen, wir würden nicht wieder wie bei den letzten beiden Projekten in einem undurchsichtigen Gewirr von Interessengruppen unter die Räder kommen.«

Patrick nickte. »Da ist vielleicht etwas Wahres dran...«

»Wir sollten zurück aufs Schiff, denke ich. Oder wollten Sie sich hier noch ein bisschen umsehen?«

»Nein. Auf geht's.«

Hotel Atlantis, Paradise Island, Bahamas

González stand neben dem Kapitän der Libertad an einem hohen Fenster, das den Blick auf Nassau freigab. Er nahm einen Schluck Rum und ließ ihn die Kehle hinabrinnen. Dabei verzog er sein Gesicht. Kubanischer Exportrum für Touristen. In Massen produzierte Billigware, die hier teuer verkauft wurde. Was für ein schwacher Abklatsch! Aber selbst in dem, was man aus seiner Heimat so abfällig über die Grenzen spuckte, war immer noch mehr Seele zu spüren als in jedem amerikanischen Fusel.

Die Seele Kubas. In winzige Portionen abgefüllt und verkauft. Und eines Tages würde nichts mehr übrig sein. Sie waren ein gefangenes und verkauftes Volk. Kuba brauchte Leute, die sich aufrecht hielten, Helden, die den Weg wiesen. Ihm, Nuño González, war es bestimmt, ein solcher Held zu werden. Er würde seinen Bruder rächen und dem Meer seine verfluchten Schätze entreißen, er würde als Sieger heimkehren, er würde Beachtung erhalten, und dann würde er die Zukunft Kubas gestalten. Er konnte es vor sich sehen. Das Gold. Die Parade. Und in seinen Traum mischte sich das große weiße Forschungsschiff der Amerikaner, und es beraubte ihn aller Schätze, allen Ruhms und seiner Zukunft. Und schlimmer noch, es zog das Angedenken Rauls in den Dreck, machte sich über González' Trauer lustig.

Mit dem Glas in der Hand deutete er auf die Insel im Meeresarm zwischen Paradise Island und der Hauptstadt.

»Da unten liegt sie. Diese verfluchten Amerikaner!«

»Es sind Europäer«, korrigierte Manuel.

»Ist doch scheißegal.« González stürzte sein Getränk hinunter. »Sie dürfen uns auf keinen Fall in die Quere kommen.«

»Wir kümmern uns ja schon darum.«

»Ein Student! Das reicht noch nicht. Wir brauchen mehr. Einen richtigen Plan, verstehst du, Manuel? Kommen wir an den genauen Projektplan heran?«

»Einige Daten habe ich schon besorgt, aber die genauen Koordinaten und alles andere können wir nur direkt von ihrem Schiff bekommen. Es wird eine Weile dauern, aber ich bin sicher, dass unser Mann uns etwas liefern wird.«

»Dir ist klar, dass ich bereit bin, jeden Preis zu zahlen, um mein Ziel zu erreichen.«

»Nicht nur du.«

González sah den breitschultrigen Kapitän an, der aus dem Fenster sah und nicht den Eindruck machte, als hatte er drohen wollen. »Was soll das heißen?«

Manuel wandte sich langsam um. »Glaubst du, der Tigre würde ein Versagen hinnehmen?«

»Cabrera ist mit mir verwandt!«

»Der Tigre ist mit niemandem außer dem Teufel verwandt.«

González ballte eine Hand zur Faust. »Dann werden wir der Teufel sein!«

An Bord der Argo, im Hafen von Nassau, Bahamas

John sah sie die Gangway hinaufsteigen. »Ich hatte mich schon gewundert, wo Sie waren«, grüßte er sie. »Es gibt Neuigkeiten. Ich fürchte, auch schlechte.«

»Um was geht es?«, fragte Peter.

»Zunächst einmal gab es einen Anruf für Sie mit der Bitte um Rückruf. Eine Miss Denver, soweit ich mich erinnere. Wir haben ihre Nummer notiert.«

Patrick grinste seinen Kollegen an. »Ihre Chance, Don Juan!«

Peter ließ sich nicht beirren. »Und was sonst noch?«, fragte er.

»Es hat einen Unfall gegeben«, erklärte John. »Nicht an Bord, aber einer der Studenten, die wir heute aufnehmen wollten, ist gestern bei einem Autounfall umgekommen. Aus vertraglichen Gründen müssen wir als Ersatz einen anderen Studenten von der Warteliste aufnehmen. Eigentlich wollte ich heute um fünfzehn Uhr auslaufen. Nun können wir vermutlich erst am Abend los.«

»Wie viel Zeit verlieren wir dadurch für das Projekt?«, fragte Patrick.

»Auch mit dieser Verzögerung werden wir morgen früh wie geplant vor Ort sein, da wir die Strecke heute Nacht bequem zurücklegen können. Es wird also keinen Einfluss auf das Projekt haben. Ich hoffe, dass Ihnen die zusätzlichen Stunden hier im Hafen nicht lang werden. Vielleicht möchten Sie ja an den Strand oder eine Tour durch Nassau unternehmen.«

»Zunächst sollten wir Miss Denver anrufen«, sagte Peter.

»Wollen Sie ihr also zusagen?«, fragte Patrick.

»Lassen Sie uns erst hören, was sie möchte.«

»Das kann ich Ihnen gleich sagen.«

»So, wie Sie klingen, schlage ich vor, dass ich das Gespräch führe.«

Patrick reichte dem Engländer sein Mobiltelefon. »Tun Sie sich keinen Zwang an.«

Das Gespräch dauerte nicht lange.

»Sie möchte sich mit uns treffen. Sie ist hier in Nassau«, sagte Peter schließlich, als er das Gerät zurückreichte.

»Sie ist uns nachgereist.«

»So oder so ähnlich. Sie sagt jedenfalls, sie hätte über die Sache nachgedacht und verstünde unsere Bedenken. Aber sie hätte einen Vorschlag und möchte ihn mit uns besprechen.«